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WIRTSCHAFT / RESSOURCENKONFLIKTE

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WIRTSCHAFT / RESSOURCENKONFLIKTE

Wirtschaftliche Interessen und Menschenrechte geraten weltweit vielfach in Widerspruch zueinander. In Kolumbien werden Konflikte darüber seit Jahrzehnten auch gewaltsam ausgetragen. Eine wesentliche Rolle spielen Konflikte um Ressourcen. Dazu gehören Land, Bodenschätze wie Gold oder Steinkohle, aber auch z.B. das Flussdelta des Cauca.

Land ist eine wichtige Ressource, z.B. für Viehzucht oder den Anbau von Bananen, Ölpalmen, Zuckerrohr, Kaffee oder Kakao auf großen Plantagen. Doch auch kleinbäuerliche, afrokolumbianische und indigene Gemeinden brauchen Land, vor allem um Nahrungsmittel anzubauen. Der Konflikt um die Landverteilung wird als wesentlicher Ursprung des bewaffneten Konflikts in Kolumbien Mitte der 60er Jahre betrachtet. Über gewaltsame Vertreibung hat eine große Umverteilung von Land stattgefunden. Weitere Informationen hierzu siehe unter Land und Frieden. Vielfach führt die Ressourcennutzung außerdem zu Umweltzerstörung.

Der bewaffnete Konflikt und Drogenanbau und -handel sind über die Drogenökonomie eng verbunden. Gewinne aus dem Drogenhandel finanzieren illegale Gewaltgruppen, die sich teils exklusiv dem Drogenhandel widmen, aber auch gegen z.B. Menschenrechtsaktivist*innen vorgehen.

Aber auch legale Unternehmen haben in Kolumbien mehrfach illegale bewaffnete Gruppen und so Gewalt und Vertreibung finanziert und / oder von den Ergebnissen profitiert. Die Kohleunternehmen Drummond und Prodeco haben paramilitärische Gruppen finanziert, ein Gericht in Medellín hat Ölpalmunternehmer*innen verurteilt, die in Urabá, im Nordwesten Kolumbiens, tausende Menschen aus afrokolumbianischen Gemeinden vertrieben haben. Nur in wenigen Fällen gelingt es trotz mächtiger Wirtschaftsinteressen und der massiven Straflosigkeit zur Bestrafung der Täter und Wiedergutmachung zu gelangen.

Illegaler Goldabbau trägt ebenfalls zur Finanzierung illegaler Gewaltakteure bei und zieht ihre Präsenz nach sich. Der „Goldrausch“ verseucht Flüsse und vernichtet Ökosysteme, darüber hinaus spaltet er lokale Gemeinden. Doch auch der legale Goldbergbau ist mit Konflikten um Ressourcen verbunden, denn die Interessen der großen Bergbaukonzerne stehen im Widerspruch zu denen der kleinbäuerlichen Gemeinden oder traditionellen Schürfer*innen.

Ähnlich ist es beim Abbau von Steinkohle, der in der Guajira sowie in César stattfindet. Betroffene Gemeinden leiden unter Luftverschmutzung, Wassermangel oder werden umgesiedelt. Staatliche Stellen schützen vor allem die Interessen der Bergbauunternehmen, wohingegen die Rechte der lokalen Bevölkerung, beispielsweise das Recht von indigenen und afrokolumbianischen Gemeinden auf vorige Konsultation, nicht angemessen umgesetzt werden. Umweltstandards werden nicht durchgesetzt, Landrechte nicht geschützt und Gerichtsentscheidungen zugunsten betroffener Gemeinden nicht umgesetzt. Das Zusammenspiel zwischen unwilligen oder unfähigen Aufsichts- und Kontrollbehörden, Korruption, Druck durch bewaffnete Akteure sowie die Korrumpierungsversuche seitens der Unternehmen gegenüber Gemeindevertreter*innen führen dazu, dass die Gemeinden ihre grundlegenden Rechte nicht durchsetzen können.

Diese Gegensätze spiegeln sich in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen wieder. So kaufen deutsche Stromkonzerne kolumbianische Kohle, ebenso werden Bananen, Palmöl und viele weitere Produkte nach Deutschland importiert.

In einem Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru hat die EU sich darüber hinaus auch auf wirtschaftlicher Ebene Vorteile gesichert. Umgekehrt hat das Abkommen zwar eine Klausel für Menschenrechte, doch es ist kein Mechanismus zum Vorgehen bei Verstößen vorgesehen. Durch die so genannte Konfliktmineralienverordnung zu Gold, Tantal, Zinn und Wolfram will die EU dazu beitragen, dass keine Rohstoffe mehr in die EU gelangen, die zur Finanzierung von bewaffneten Konflikten beitragen.

Um deutsche Unternehmen im Allgemeinen in die Pflicht zu nehmen, gibt es ein (leider noch zu schwaches) deutsches Lieferkettengesetz. Eine Initiative für ein ähnliches Gesetz gibt es auf EU-Ebene. Darüber hinaus fordern Länder des Südens, dass im Rahmen der UN ein verbindlicher Vertrag für Wirtschaft und Menschenrechte geschlossen wird. Doch die EU und Deutschland behindern dieses Vorhaben. Bereits geltende, freiwillige UN-Leitlinien zu Wirtschaft und Menschenrechten sind ein erster Schritt, doch die Erfahrung zeigt, dass die Freiwilligkeit nicht reicht.

Informationen zu Gesetzen und Initiativen in Europa sind auch unserer Rubrik „Deutsche und EU-Politik“ zu finden.

Factsheet: Bergbau in Kolumbien – Entwicklung für wen?

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„Die Lebensbedingungen der Menschen haben sich durch die Bergbauaktivitäten in der Region radikal verändert; es gibt keinen Zugang mehr zu den Ländereien für den Ackerbau, das Weiden und die Jagd. Der Fischfang (…) wird heute als Risiko gesehen, denn der Fluss führt...

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Flaminio Onogama Gutiérrez, Sprecher der indigenen Gemeinschaft der Emberá Chamí im Südwesten Kolumbiens, befindet sich in Lebensgefahr. Seine beiden Neffen, die ebenfalls Vertreter ihrer indigenen Gemeinschaft waren, wurden bereits umgebracht.

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Goldrausch in Segovia: Monatsbericht der ask, September 2013 / No. 9

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Am 11. November 1988 kurz nach 18.40 Uhr kreuzen im Stadtkern von Segovia drei Offroader auf. Darin sitzen schwerbewaffnete Männer. Innerhalb einer guten Stunde bringen sie anhand von Personenlisten 46 Personen zum Teil in ihren Häusern um und lassen über 60 Personen verletzt liegen. Dieses paramilitärische Massaker mit der Polizei und dem Militär koordiniert, ist nur eine Station auf dem langen Kreuzweg einer Goldminenregion, der bis heute andauert und sich zur Zeit im erneuten Goldrausch in El Dorado zuspitzt.

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In recent years, there has been an intense debate in Colombia about the role of mining in the national development process. The country is experiencing a boom in mining activity. In a decade the coal mined in the country has almost doubled, from 38,242 million tons in the year 2000 to 74,350 million tons in 2010 …

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Köln, 13.09.: Kohle aus Kolumbien – Strom für Deutschland

Licht und Schatten der Kohleproduktion
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Eintritt kostenlos.

Veranstalter: ai Gruppe Köln Südstadt
Rautenstrauch-Joest – Museum, Cäcilienstr. 29-33, Köln Neumarkt

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Für eine demokratische und global gerechte Rohstoffpolitik – Handlungsempfehlungen deutscher NRO

Handlungsempfehlungen deutscher Nichtregierungsorganisationen an Bundesregierung und Bundestag – Für eine demokratische und global gerechte Rohstoffpolitik
Für Produkte „Made in Germany“ kommen Rohstoffe aus aller Welt nach Deutschland. Bei den primären Metallrohstoffen ist die deutsche Industrie sogar vollständig von Importen abhängig. Durch die hohe Nachfrage tragen deutsche Firmen und die Bundesregierung eine unternehmerische und politische Mitverantwortung für die Folgen des Abbaus der mineralischen und energetischen Rohstoffe.

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