Kolumbien-aktuell No. 563 und Monatsbericht | Oktober 2016

Liebe Leserinnen und Leser

Ein Monat ist seit der Ablehnung des Friedensabkommens vergangen. Wir versuchen, einen Überblick über die seitherigen Ereignisse zu geben. Zudem hat sich das Verfassungsgericht für mehr Mitspracherecht lokaler Behörden bei Bergbauprojekten ausgesprochen. Und zwei Comundo-Einsatzleistende berichten uns über die Lage in El Hatillo.

Gerne erinnern wir an dieser Stelle zudem an unsere Umfrage zur ask!-Kommunikation: http://www.unipark.de/uc/CH-Unibe-IKMB/d4f5/

Solidarische Grüsse aus der Redaktion!

I. Artikel

Ungewissheit nach dem Plebiszit

Nach dem Nein der kolumbianischen Stimmbevölkerung zum Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Farc herrscht über das weitere Vorgehen Ungewissheit. Von rechts-konservativer Seite werden kaum umsetzbare Änderungsvorschläge am Vertragswerk angebracht. Gleichzeitig fordern Tausende Menschen auf der Strasse die sofortige Umsetzung der Abkommen. Der Verhandlungstisch selber versucht Optimismus zu signalisieren und tritt mit diversen Sektoren in Dialog.

(Von Regula Fahrländer)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/friedensverhandlungen/ungewissheit-nach-dem-plebiszit/

Verfassungsgericht: Gemeinden und Departemente haben ein Mitspracherecht bei Bergbauprojekten

Das Jahr 2016 ist für die Bergbaulokomotive erneut kein gutes Jahr. Das Verfassungsgericht hat am 11. Oktober erneut ein Urteil gefällt, das die Rechte der betroffenen Bevölkerung und der Umwelt gegenüber den Unternehmensinteressen stärkt. Mit diesem Urteil anerkennt das Verfassungsgericht, dass Gouverneure und Bürgermeister die Befugnis haben, die Nutzung des Bodens/Untergrunds zu regeln und die Umwelt zu schützen, und sie können sogar Minenvorhaben verbieten.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/bergbau-in-kolumbien/verfassungsgericht-gemeinden-und-departemente-haben-ein-mitspracherecht-bei-bergbauprojekten/

II.  Monatsbericht: Durch den verschleppten Umsiedlungsprozess in El Hatillo wächst eine verlorene Generation heran

Tatiana Rojas und Francesco Gerber berichten über ihren Einsatz mit Comundo in der Gemeinschaft El Hatillo im Norden Kolumbiens.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/comundo-einsatz-in-hatillo/

III.  Apropos

Verhandlungsstart mit der ELN verschoben

Am 27. Oktober hätten die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der zweitgrössten Guerilla Kolumbiens, dem ELN, in Quito beginnen sollen. Nur wenige Stunden vor Beginn der Verhandlungen wurden diese einmal mehr verschoben. Grund dafür ist laut Regierungsseite die ausstehende Freilassung von Geiseln seitens des ELN. Erst wenn Odín Sánchez, ein ehemaliger Kongressabgeordneter, der sich im April für seinen kranken Bruder eintauschen liess, frei sei, können die Verhandlungen beginnen. Das ELN ihrerseits zeigte sich überrascht über diese Bedingung. Der Zeitpunkt sei nicht definiert gewesen.

Zuvor hatten sich die beiden Parteien auf eine Agenda mit sechs Unterpunkten geeinigt: Beteiligung der Bevölkerung, Demokratie für den Frieden, Konflikttransformation, Opfer, Ende des bewaffneten Konfliktes und Umsetzung. Die Verhandlungen sollen vorwiegend in Sangolquí, 25km ausserhalb Quitos, stattfinden. Zudem sind Verhandlungen in Venezuela, Chile, Brasilien und Kuba geplant.

http://www.elespectador.com/noticias/paz/esta-agenda-negociaran-el-gobierno-y-el-eln-articulo-659672

Präsident Juan Manuel Santos erhält den Friedensnobelpreis

Am 7. Oktober verkündete das norwegische Nobelkomitee, den diesjährigen Friedenspreis an Juan Manuel Santos zu verleihen. Er werde für seine entschlossenen Bemühungen ausgezeichnet, den 50-jährigen kolumbianischen Bürgerkrieg zu beenden. Trotz der Ablehnung beim Referendum durch das kolumbianische Stimmvolk sei Kolumbien dem Frieden einen guten Schritt näher, so die Begründung des Komitees und weitere Bestrebungen nach Frieden, namentlich mit einem Nationalen Dialog zum Frieden, umso wichtiger.

Weltweit fielen die Reaktionen sehr positiv aus, viele hochrangige PolitikerInnen gratulierten. In Kolumbien selber sind die Meinungen geteilt. Kritisiert wird etwa Santos Zeit als Verteidigungsminister, in der zahlreiche Militäroffensiven gegen die Farc fielen oder das abgelehnte Referendum. Auch hätte der Friedensnobelpreis dem ganzen Verhandlungstisch oder gar der kolumbianischen (Zivil-)Bevölkerung verliehen werden sollen. Der Preisträger selber betonte bei seiner Ansprache, der Preis gelte allen KolumbianerInnen, besonders all denen, die Opfer des Bürgerkrieges wurden sowie jenen, die sich für den Frieden einsetzten, wie alle Parteien am Verhandlungstisch. Auch das Preisgeld werde er an Opfer weitergeben.

http://www.razonpublica.com/index.php/conflicto-drogas-y-paz-temas-30/9779-el-nobel-de-santos-luces-y-sombras.html

http://coeuropa.org.co/el-sueno-de-la-paz-no-se-detiene/

Proteste gegen Fracking im Norden von Kolumbien

Mehr als tausend Menschen haben vergangene Woche gegen die Lieferung der Fracking-Maschinen und den bevorstehenden Beginn der Erdölförderung im Landkreis San Martín en Cesar im Norden von Kolumbien protestiert. Dabei kam es zu mehreren Verletzten. Ungeachtet dessen trafen die Maschinen des US-Konzerns ConocoPhillips in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein.

Weiterlesen auf Amerika 21: https://amerika21.de/2016/10/163009/proteste-fracking

IV.          Tipps und Hinweise

Fragebogen zur Kommunikation der ask!

Um die Kommunikation der ask! zu evaluieren, sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Wir haben dazu einen Fragebogen entwickelt, den sie online ausfüllen können. Die Teilnahme dauert etwa 15 Minuten. Die Befragung erfolgt anonym, es können also keine Rückschlüsse auf Ihre Person gezogen werden. Der Fragebogen kann bis zum 30. November 2016 ausgefüllt werden. Wir danken im Voraus dafür!

Den Link zur Umfrage finden Sie hier: http://www.unipark.de/uc/CH-Unibe-IKMB/d4f5/

Solidaritätsreise vom 1.-10. Februar 2017 nach Kolumbien

Die Solidaritätsreise bietet die Möglichkeit zu erfahren, was Frieden für jene Menschen bedeutet, die am meisten von Krieg betroffen sind. In Begegnungen mit bäuerlichen und städtischen Gemeinschaften, Vertriebenen, Wehrdienstverweigerern und lokalen MenschenrechtsverteidigerInnen lernen die TeilnehmerInnen die Konfliktstrukturen kennen und erleben vielfältige Strategien, um aus dem Kreislauf der Gewalt auszusteigen und einen nachhaltigen Frieden aufzubauen.

Für mehr Informationen: http://www.versoehnungsbund.at/delegation-to-colombia/

Dezalé – Café de origen

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen einen sortenreinen Spezialitätenkaffee: „Dezalé – Café de origen“. Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Die ProduzentInnen erhalten dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. „Dezalé“ wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Weitere Informationen: http://dezalecafe.com/

Redaktion: Regula Fahrländer

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