{"id":9219,"date":"2024-04-22T19:36:04","date_gmt":"2024-04-22T17:36:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=9219"},"modified":"2024-04-22T19:38:41","modified_gmt":"2024-04-22T17:38:41","slug":"menschenrechtliche-folgeabschaetzungen-zeigen-weiterhin-keine-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/menschenrechtliche-folgeabschaetzungen-zeigen-weiterhin-keine-wirkung","title":{"rendered":"Menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzungen zeigen weiterhin keine Wirkung"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>von Stephan Suhner<\/p>\n<p>Die bisher dritte menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzung f\u00fcr Glencore-Prodeco wurde durch das Consultingb\u00fcro Trust Consultores im Zeitraum April 2022 bis Februar 2023 durchgef\u00fchrt. Ab Oktober 2023 wurden die Resultate sozialisiert. Dabei schien das Vorgehen von Trust wenig transparent zu sein, einige Vertreter von sozialen Basisorganisationen und F\u00fchrungspersonen wurden eingeladen, andere (noch) nicht. Z.T. wurden nur einzelnen Personen und nicht z.B. der ganze Vorstand einer Basisorganisation eingeladen. Auf jeden Fall f\u00fchrte das Vorgehen von Trust zu Unruhe unter den F\u00fchrungspersonen der Gemeinschaften. Die <em>ask!<\/em> hat diesen Umstand an Trust und Prodeco zur\u00fcckgemeldet, weil die <em>ask!<\/em> wegen der menschenrechtlichen Folgeabsch\u00e4tzung von Cerrej\u00f3n mit dem Unternehmen und Trust in Kontakt stand. Ebenso fragten wir mehrmals nach, wann die Trust-Studie zu Prodeco \u00f6ffentlich gemacht werde.<\/p>\n<p>Seit einigen Monaten l\u00e4uft die Kommunikation zu sozialen und menschenrechtlichen Themen von Prodeco \u00fcber Angestellte von Cerrej\u00f3n, v.a. \u00fcber In\u00e9s Andrade.\u00a0 Ende Februar 2024 erhielt Stephan Suhner von der <em>ask!<\/em> eine pers\u00f6nliche Einladung von Cerrej\u00f3n\/Trust f\u00fcr eine Sozialisierung der Resultate der menschenrechtlichen Folgeabsch\u00e4tzung von Prodeco am 6. M\u00e4rz 2024.\u00a0 Es war klar, dass Stephan Suhner nicht alleine teilnehmen w\u00fcrde und auch nur, wenn <em>ask!<\/em> die Resultate der Studie vorg\u00e4ngig erh\u00e4lt, um sich vorbereiten zu k\u00f6nnen. Abkl\u00e4rungen ergaben, dass PAX for Peace z.B. bisher nicht eingeladen worden war, aber daran interessiert w\u00e4re. Gleichzeitig begann die pers\u00f6nliche Einladung an Stephan Suhner unter einigen Gewerkschaftsf\u00fchrern und sozialen F\u00fchrungspersonen in Cesar zu zirkulieren, das Unternehmen hatte sie also an einige Personen weitergegeben, mit welcher Absicht ist unklar. Tierra Digna wurde f\u00fcr den 5. M\u00e4rz 2024 ebenfalls zu einer Sozialisierung eingeladen. Die <em>ask!<\/em> machte dann den Vorschlag, dass mehrere im Cesar aktive kolumbianische und internationale NGO und soziale F\u00fchrungspersonen der Gemeinschaften sowie die Gewerkschaften gemeinsam eine Sozialisierung verlangen sollten, sowie vorg\u00e4ngig die Resultate erhalten sollten. Dieser Vorschlag wurde f\u00fcr gut befunden und dann von der <em>ask!<\/em> an Trust und Prodeco \u00fcbermittelt. Zu unserem grossen Erstaunen stimmte Prodeco zu und machte mehrere Terminvorschl\u00e4ge. Einzig zur Teilnahme der Gemeinschafts- und Gewerkschaftsvertreter \u00e4usserte sich das Unternehmen nicht.<\/p>\n<p>Relativ kurzfristig verschickte Trust eine Powerpoint-Pr\u00e4sentation mit den Resultaten der Studie und den Empfehlungen an Prodeco. Zudem lud Trust mehrere eher firmennahe NGOs ein, u.a. CREER und Dialogos Improbables. Das Unternehmen nahm an den virtuellen Sozialisierungssitzungen nicht teil, was ein grosser Nachteil war. Einerseits gab es Fragen, die das Unternehmen h\u00e4tte beantworten sollen und auch nur das Unternehmen beantworten kann, andererseits w\u00e4re es gut gewesen, wenn sie unser Feedback direkt geh\u00f6rt h\u00e4tten. Geplant war, die Resultate und Empfehlungen in drei Sessionen \u00e0 2 Stunden zu diskutieren. Trust hat die NGO-Feedbacks der ersten Session in der PPT recht gut aufgenommen. Obwohl Trust vorg\u00e4ngig eine PPT mit den Resultaten verschickte, wurde viel Zeit darauf verwendet, das ganze nochmals vorzutragen. So musste schlussendlich eine dritte Gespr\u00e4chsrunde organisiert werden, um alle Auswirkungen, Risiken und Empfehlungen diskutieren zu k\u00f6nnen. Es war schwierig, den Ausf\u00fchrungen von Trust zu folgen, teilweise waren es sehr schlechte Redner, teilweise ist es eine Abfolge von eher technischen Ausf\u00fchrungen mit einem extremen \u201eProjektitis\u201c-Slang. Wenn sie so vor Gemeinschaften auftreten, ist sehr fraglich, wieviel bei den Gemeinschaften wirklich ankommt. Es scheint sprachlich und methodisch nicht angepasst zu sein.<\/p>\n<p><strong>Mehr Frage als Antworten <\/strong><\/p>\n<p>Der vorl\u00e4ufige Bericht von Trust wirft viele Fragen auf. Da ist zum einen die Zeit, die f\u00fcr die Erarbeitung der Studie aufgewendet wurde. Zwischen April 2022, als mit der Studie begonnen wurde, bis April 2024, wenn Trust den Bericht an Prodeco \u00fcbergeben wird, sind zwei Jahre vergangen. Dann muss Prodeco noch einen Aktionsplan erarbeiten oder bestimmen, welche Empfehlungen von Trust sie wie umsetzen. In diesen zwei Jahren hat sich die Situation in und um Prodeco laufend stark ver\u00e4ndert und es hat verschiedene menschenrechtliche Risiken und Auswirkungen gegeben, zum Beispiel die ganzen sozialen und wirtschaftlichen Rechte durch den Verlust an Arbeitspl\u00e4tzen und Einkommensm\u00f6glichkeiten, bis hin zu Drohungen und gewaltsamen \u00dcbergriffen auf soziale F\u00fchrungspersonen. Es traten also verschiedene Situationen ein, die mit Prodecos Aktivit\u00e4ten oder Unterlassungen zusammenh\u00e4ngen, und die ein korrigierendes Eingreifen Prodecos ben\u00f6tigt h\u00e4tten. In der Zeit hat aber Trust ruhig an der Studie gearbeitet. Verschiedene Risiken wurden sogar erst durch Handlungen Prodecos geschaffen, z.B. durch deren Weigerung, das Urteil vom 9. Dezember 2022 \u00fcber die Transparenz und die Mitsprache der Gemeinschaften beim Erarbeiten des Schliessungsplans umzusetzen. Das verletzte Rechte auf Information und Mitsprache (die von Trust aufgef\u00fchrt werden) und versch\u00e4rfte die Spannungen, die dann zu Drohungen gegen Mitglieder des Tisches f\u00fcr eine verantwortungsvolle Minenschliessung<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a> f\u00fchrten. Zwar anerkennt Trust, dass die Fertigstellung der menschenrechtlichen Folgeabsch\u00e4tzung lange gedauert habe, aber teilweise sei es auch deshalb gewesen, weil Prodeco auf Entscheidungen des Staates gewartet habe. Weiter sagt Trust, sie h\u00e4tten gewisse Situation \u00fcberwacht und Prodeco auf Probleme hingewiesen, soweit es die Vertragsbedingungen erlaubt h\u00e4tten. Bis jetzt konnten wir jedoch kein korrigierendes Eingreifen Prodecos in irgendeinem Bereich feststellen. So vergeht also einerseits viel zu viel Zeit, bis eine solche Studie gemacht ist und dann Schl\u00fcsse daraus gezogen werden k\u00f6nnten, und das Instrument ist so viel zu wenig operativ. Es stellt sich die Frage, was der Sinn solcherart ausgelagerter Studien ist, und ob nicht Prodeco selbst permanent menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzungen bez\u00fcgliches ihres Tuns vornehmen m\u00fcsste, oder derartige Studien zumindest durch eigenes Monitoring erg\u00e4nzen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Viele der aufgedeckten Risiken oder Auswirkungen sind zudem nicht neu, z.B. die Beeintr\u00e4chtigung der sozio\u00f6konomischen Rechte der Gemeinschaft El Hatillo wegen der immer noch nicht vollzogenen Umsiedlung. So gab es z.B. schon Anfang 2013 ein Hungerkrise in El Hatillo, die von den Unternehmen Prodeco, Drummond und CNR nicht verhindert wurde. Viele Auswirkungen sind auch sehr offensichtlich, und um diese zu bemerken, braucht es keine aufw\u00e4ndigen Studien, so z.B. die sozialen Auswirkungen aufgrund der Massenentlassungen. Viele der Risiken und Auswirkungen wurden schon in der Studie von 2019 von der Fundaci\u00f3n Ideas para la Paz (FIP) aufgezeigt. Es bestand basierend auf dieser Studie ein menschenrechtlicher Aktionsplan von 2020 bis 2022 von Prodeco, der aber niemandem bekannt ist. Bis heute gibt es keine bekannte Evaluation, es ist nicht bekannt, ob wirkungsvolle Massnahmen verl\u00e4ngert oder ob Anpassungen vorgenommen wurden. Prodeco schreibt auf seiner Webseite, dass im Hinblick auf die neue menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzung von Trust eine Evaluation des Aktionsplans vorgenommen worden sei, aber Trust \u00e4ussert sich dazu nicht und im vorl\u00e4ufigen Bericht gibt es keine Hinweise darauf. Am 27. M\u00e4rz 2024 teilte Prodeco per Mail mit, dass die Studie der FIP von 2019 und der darauf basierende Aktionsplan verschiedene Schwierigkeiten erfahren h\u00e4tten, einerseits durch den vorgezogenen Ausstieg von Prodeco, andererseits durch die Pandemie, so dass die Partizipation limitiert gewesen sei und nicht alles habe umgesetzt werden k\u00f6nnen. Daher habe Prodeco die neue Studie bei Trust in Auftrag gegeben, die n\u00e4her an der aktuellen Realit\u00e4t von Prodeco sei. Trotzdem werde aber bald eine Evaluation \u00fcber die Studie von 2019 und den Aktionsplan vom 2020-2023 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Wie gesagt bestehen verschiedene negative Auswirkungen schon lange und h\u00e4tten auch schon lange angegangen werden sollen, um sie zu beenden oder zu verringern. Es stellt sich die Frage, ob diese Studie und die Empfehlungen nicht schon zu sp\u00e4t kommen, da Prodeco ja daran ist, seine T\u00e4tigkeiten im Cesar zu beenden. So ist nicht bekannt, wie viel Zeit Prodeco brauchen wird, um einen neuen Aktionsplan zu erarbeiten, und ebenfalls ist nicht bekannt, wie lange Prodeco noch vor Ort sein wird, um die sozialen und Umweltverpflichtungen zu erf\u00fcllen. Verschiedentlich machten Ger\u00fcchte die Runde, Prodeco verlasse den Cesar noch im M\u00e4rz 2024, was dann nicht der Fall war. Aber trotzdem ist unklar, ob Prodeco z.B. noch ein halbes Jahr Massnahmen umsetzen will, oder ob es nochmals einen zwei- oder dreij\u00e4hrigen Aktionsplan gibt.<\/p>\n<p><strong>Fehlende Impacts und schwache Empfehlungen<\/strong><\/p>\n<p>Bis jetzt hat Trust in der Sozialisierung schriftlich nur ausgew\u00e4hlte hohe und sehr hohe Risiken knapp vorgestellt und online diese kommentiert. Verschiedene Risiken und Impacts fehlen aber. Beispielsweise finden die direkten Drohungen gegen soziale F\u00fchrungspersonen ebenso wenig Erw\u00e4hnung wie die Zunahme an Kinderprostitution, beides Auswirkungen die in der Analyse der FIP 2019 erfasst wurden und die eher zu- als abgenommen haben. Auf Nachfrage anerkennt Trust sowohl die Drohungen gegen Gemeinschaftsf\u00fchrer als auch die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, diese sind aber in allgemeineren Formulierungen versteckt. Zudem gibt es verschiedene Risiken, die nach unserer Ansicht eigentlich heute l\u00e4ngst Auswirkungen (Impacts) sind. Auch da sagt Trust, dass Risiken potentielle Auswirkungen seien und der \u00dcbergang fliessend sei. In gewissen Bereichen war der Bericht der FIP auch klarer und systematischer, in dem die Auswirkungen nach der Verantwortung Prodecos unterteilt wurden in \u201everursacht\u201c, \u201ebeigetragen\u201c und \u201edamit verbunden\u201c. Zudem sind die Empfehlungen in vielen Punkten viel zu schwach. So wird aufgezeigt, dass durch mangelnde Information und Partizipation oder mangelnde Konsultation der ethnischen Gruppen (FPIC) die Rechte eingeschr\u00e4nkt sind. Aber statt z.B. die Umsetzung des <em>Tutela<\/em>-Urteils<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a> vom Dezember 2022 oder die Durchf\u00fchrung einer Konsultation der afrokolumbianischen und indigenen Gemeinschaften zu empfehlen, schl\u00e4gt die Studie eine verbesserte Kommunikation vor. Dabei gibt es Erfahrungen mit der Durchf\u00fchrungen von nachtr\u00e4glichen Konsultation als wiedergutmachendes Instrument, wenn keine vorg\u00e4ngige Konsultation stattgefunden hatte. F\u00fcr die immer noch nicht erfolgte Umsiedlung von El Hatillo w\u00e4re die einzig richtige Empfehlung, endlich den Umsiedlungsplan PAR umzusetzen, ein von beiden Seiten \u2013 Gemeinschaft und Unternehmen &#8211; unterzeichnetes verbindliches Dokument, statt irgendwelche Studien zu empfehlen.<\/p>\n<p>Trust schl\u00e4gt die Erarbeitung einer eigentlichen Kommunikationsstrategie f\u00fcr den Umgang mit den Gemeinschaften vor. Diese Empfehlung kommt aber ebenfalls sehr sp\u00e4t, wenn Glencore schon die Zelte abbricht. Zudem ist auch diese eine Forderung, die schon vor mindestens zehn Jahren erhoben wurde, z.B. um die Verhandlungen f\u00fcr Umsiedlung von El Hatillo zu verbessern. Die fehlende oder schlechte Kommunikation f\u00fchrte sogar dazu, dass die sozialen Netzwerke der Gemeinschaften geschw\u00e4cht wurden. Der Klagemechanismus und die PQR sind Instrumente, in die die Bev\u00f6lkerung wenig vertrauen hat. F\u00fcr Juan Manuel Pe\u00f1a von Fundacion Chasquis ist diese Studie nur ein \u201eSaludo a la bandera\u201c, eine wirkungslose \u00dcbung. Angela Velandia von Fundaci\u00f3n Pax Colombia weist ebenfalls darauf hin, dass die Empfehlungen bez\u00fcglich Partizipation und Kommunikation zu schwach sind. Die Kommunikation m\u00fcsste ausgeglichener werden, d.h. Prodeco sollte Berater f\u00fcr die Gemeinschaften finanzieren, ebenso sollte Prodeco die Erarbeitung eines partizipativen Schliessungsplanes finanzieren. Trust anerkennt, dass das Recht der Gemeinscaften auf Information und Partizipation limitiert ist, geht in den Vorschl\u00e4gen aber zu wenig weit. Trust h\u00e4tte Empfehlungen abgeben k\u00f6nnen, wie Prodeco viel mehr Information \u00fcber die Auflagen des Umweltmanagementplanes, das Erf\u00fcllen derselben, \u00fcber die Luftqualit\u00e4t etc. auf der Webseite der Firma ver\u00f6ffentlich k\u00f6nnte. Trust weist richtigerweise auch darauf hin, dass die ethnischen Gemeinschaften keine Kenntnisse \u00fcber die sozialen Investitionen und \u00fcber Partizipation als Recht h\u00e4tten. Velandia weist darauf hin, dass nicht nur die ethnischen Gruppen speziell ber\u00fccksichtigt werden sollten, sondern auch die Campesinos und die Genderfrage. Frauen erleiden Gewalt differenziert, an ihrem K\u00f6rper und \u00fcber sexualisierte Gewalt. Zudem sollte Trust aufpassen und gesetzliche Verpflichtungen aus dem Umweltmanagementplan nicht mit freiwilligen CSR-Investitionen verwechseln.<\/p>\n<p>Ein Vertreter von CREER weist darauf hin, dass die fehlenden Entscheidungen des Staates, z.B. ob die Mine geschlossen oder an eine andere Firma \u00fcbergeben wird, Prodeco behindert hat und ebenfalls zu Unsicherheit und Risiken f\u00fchrten. Stephan Suhner von der <em>ask!<\/em> entgegnete, dass Glencore gerne in unsicheren und rechtsstaatlich schwierigen Region operiert, und dies nicht immer als Entschuldigung f\u00fcr eigene Fehler und Unterlassung verwenden kann. Vielmehr sollte Trust klarere und st\u00e4rkere Empfehlungen zu \u201ebest practice in Zonen mit schwacher Regierungsf\u00fchrung abgeben. Trust sagte dann von sich aus, dass ein grosses Problem von Prodeco der Verlust von institutionellem Wissen sei, da viele Mitarbeiter gegangen seien und man keine Vorkehrungen f\u00fcr den Wissenserhalt getroffen habe. Das ist ein sehr schlimmer Befund, es zeigt auch hier die v\u00f6llige Improvisation und wie unsachgem\u00e4ss Glencore Prodeco den Ausstieg managt. Auch hier sollte Trust wesentlich st\u00e4rkere Empfehlungen abgeben, wie man solche Ausstiege menschenrechtskonform durchf\u00fchrt. Prodeco hat einen grossen Einfluss auf die Risiken und negativen Auswirkungen mit ihrer Improvisation und den Unterlassungen.<\/p>\n<p><strong>Umsiedlungen und Sicherheit als Herausforderungen <\/strong><\/p>\n<p>Die kulturellen und sozio\u00f6konomischen Folgen der verz\u00f6gerten Umsiedlung von El Hatillo mit der individuellen Umsiedlung enth\u00e4lt verschiedene Empfehlungen, die aber allesamt sehr schwach sind. Stephan Suhner von der<em> ask!<\/em> sagte, dass der Umsiedlungsaktionsplan ja ein von beiden Seiten unterzeichnetes Dokument sei, das verbindlich sei, mit Fristen und Verpflichtungen, und das umgesetzt werden sollte. Weiter sei offensichtlich, dass die Unternehmen von Anfang an die individuelle Umsiedlung pushten, da es schneller, einfacher und billiger ist. Trust kritisiert die Verz\u00f6gerung und Nichtumsetzung der Umsiedlung nur z\u00f6gerlich zwischen den Zeilen, sonst sind es fast schon neutrale Feststellungen. Ask! schlug vor, die Erfahrung von Plan Bonito beizuziehen, die ja auch individuell umgesiedelt wurden und z.T. schwierige Erfahrungen gemacht hatten. Ebenso gebe es erste Familien aus El Hatillo, die individuelle L\u00f6sungen unterzeichneten, jetzt aber zur\u00fcckgehen nach El Hatillo, weil das Packet nicht ausreicht. Weiter sollten die bisherigen negativen Erfahrungen von El Hatillo selbst ber\u00fccksichtigt werden, da schon verschiedene <em>Operators<\/em> versuchten, Projekte aufzuziehen, die aber an den Bed\u00fcrfnissen, F\u00e4higkeiten und W\u00fcnschen der Bev\u00f6lkerung verbeizielten, da sie nicht rasch Einkommen oder Nahrung produzierten (Fischzucht, wo erst der Gewinn wieder individuell eingesetzt werden sollte) oder finanziell nicht tragbar waren (Futter f\u00fcr H\u00fchner oder Schweine kostet mehr als der Ertrag am Schluss). Ebenso k\u00f6nne auf die Erfahrungen in der Guajira abgestellt werden, wo die Projekte auch nicht nachhaltig seien. Es sollten mehr assoziative Projekte unterst\u00fctzt werden, der Vereinzelung der Familien entgegen gewirkt werden.<\/p>\n<p>Bei den sozio\u00f6konomischen Empfehlungen wurden verschiedene Hinweise gemacht. Es wurde das Argument aufgegriffen, dass assoziative, gr\u00f6ssere Projekte gef\u00f6rdert werden sollen. Gemeinschaftsvertreter der <em>Mesa<\/em> \u00e4usserten grosses Misstrauen in das Unternehmen und in die Beh\u00f6rden, sprachen davon, dass sie sich ausgeschlossen f\u00fchlen, dass die Gelder und Projekte nie bis zu ihnen kommen w\u00fcrden, sondern viel Geld in Operators und Berater versickere. Auch wurde Cemprende als v\u00f6lliger Misserfolg bezeichnet. Die Kleinstprojekte wurden von den sozialen F\u00fchrungspersonen ebenfalls als Misserfolg kritisiert. Klar ist auch, dass die sozio\u00f6konomischen Vorschl\u00e4ge viel st\u00e4rker in Absprache mit den Beg\u00fcnstigten erarbeitet und umgesetzt werden sollten. Ana Catalina Herrera von CNV betont, dass Glencore mit Cerrej\u00f3n weiterhin im Territorium ist und sich nicht einfach so aus der Verantwortung stehlen kann. So k\u00f6nnten ehemalige Arbeiter von Prodeco bei Cerrej\u00f3n weiter besch\u00e4ftigt werden. Zudem gibt es weiterhin funktionierende Gewerkschaften im Territorium und diese sollten weiterhin konsultiert werden, um nicht noch schlimmere Auswirkungen zu schaffen. Herrera ist besorgt \u00fcber die vielen arbeitsrechtlichen Prozesse, die gegen Prodeco offen sind. Die Arbeiter bleiben dar\u00fcber im Ungewissen.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Sicherheit sagte Trust, dass es die Bef\u00fcrchtung gibt, dass durch den Wegzug\/die Schliessung von Prodeco sich die Sicherheitslage verschlechtert, oder z.B. die Sicherheitskr\u00e4fte mit zu viel Gewalt gegen Proteste gegen Prodeco vorgehen k\u00f6nnten. Als Empfehlungen schlugen sie eine St\u00e4rkung der Voluntary Principles, mehr Ausbildung in Menschenrechten f\u00fcr die Sicherheitskr\u00e4fte und Mehrparteien \u2013 Gespr\u00e4che und Analysen \u00fcber die Sicherheitsrisiken vor, die gegenseitiges Verst\u00e4ndnis und Vertrauen st\u00e4rken sollten. Als erste reagierte Diana Alvarez von Tierra Digna darauf. Sie sieht diese Gespr\u00e4che als zweischneidiges Schwert. Es sei einerseits eine gute Idee, aber man m\u00fcsse pr\u00e4sent haben, dass viele der <em>Lideres<\/em> ganz konkret bedroht seien, und diese Bedrohungen h\u00e4ufig nach derartigen Treffen zunehmen. Wenn soziale F\u00fchrungspersonen an Treffen mit dem Unternehmen, mit Beh\u00f6rden oder Sicherheitskr\u00e4ften teilnehmen, kommt es danach h\u00e4ufig zu Anrufen, in denen entweder gedroht wird, oder Versprechen\/Angebote gemacht werden. Diese Anrufe k\u00f6nnen sowohl von bewaffneten Gruppen wie auch von Beh\u00f6rden\/Unternehmen kommen. Auf jeden Fall scheinen die Informationen, die in angeblich vertraulichen Treffen gegeben werden, den Weg nach draussen schnell zu finden. Alvarez denkt also, dass diese Art von Treffen\/Dialogen die Bedrohungssituation durchaus verschlimmern k\u00f6nnte. Hilda Arrieta vom Frauennetzwerk El Paso spricht sehr emotional, unter Tr\u00e4nen, von ihren eigenen Bedrohungen, wie sich niemand um sie k\u00fcmmere, sie sich alleine und ungesch\u00fctzt f\u00fchle. Sie best\u00e4tigt, dass Infos \u00fcber Treffen an Konfliktakteure gelangen und dann f\u00fcr Drohungen genutzt werden. Wenn sie z.B. an einem Treffen mit Polizei oder Armee teilnehmen w\u00fcrde, k\u00f6nnten illegale Akteure sie als Verr\u00e4terin (sapo) sehen. Der Vertreter der Asamblea Campesina sagte, dass die Pr\u00e4senz der Sicherheitskr\u00e4fte die Lage eher verschlimmert statt verbessert. Immer wieder komme es vor, dass die Sicherheitskr\u00e4fte mit den kriminellen Banden z.B. bei Viehdiebstahl zusammenarbeiten. Daher sei es in Territorien ohne staatliche Sicherheitskr\u00e4fte h\u00e4ufig ruhiger. Stephan Suhner merkt dann an, dass diese freiwilligen Instrumente ein Grundproblem haben, dass sie auf der Annahme beruhen, dass die Unternehmen in gutem Glauben handeln und sich verbessern wollen, dies aber l\u00e4ngst nicht immer klar ist. Es herrscht grunds\u00e4tzlich kein Vertrauen in diese Instrumente, in die menschenrechtlichen Folgeabsch\u00e4tzungen und in die Beschwerdemechanismen. Viele F\u00fchrungspersonen w\u00fcrden deshalb diese Instrumente nicht nutzen oder an Studien nicht teilnehmen. Sie sagen: Warum soll ich meine Probleme, Konflikte und Drohungen der Firma erz\u00e4hlen, die ja hinter meinen Bedrohungen steht? In der Guajira sei es Suhner nicht m\u00f6glich gewesen, unter den Gemeinschaftsf\u00fchrerInnen mit denen ask! zusammenarbeite, jemanden zu finden, der die Arbeit von Trust kenne. In dem Sinne seien die drei Sozialisierungsrunden zu Prodeco ein gewisser Fortschritt, da internationale und nationale NGO sowie GemeinschaftsvertreterInnen gemeinsam Feedback geben. Der Aufwand daf\u00fcr sei allerdings gross gewesen, f\u00fcr ein doch bescheidenes Resultat. Trust merkte an, dass der Einflussbereich von Cerrej\u00f3n in der Guajira viel gr\u00f6sser sei und es m\u00f6glich sei, dass nicht alle Interessensgruppen erreicht worden seien. Diese R\u00fcckmeldungen von uns allen seien aber sehr wichtig, diese w\u00fcrden in den Bericht einfliessen. Noch im April werden sie den Bericht an Prodeco abliefern, bis Ende April oder im Mai sollte der Bericht und der Aktionsplan durch Prodeco ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> Diese \u201eMesa\u201c umfasst 12 Gemeinschaften und soziale Prozesse im Einflussbereich von Prodeco sowie die beiden Gewerkschaften und wird von Tierra Digna juristisch begleitet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> Mit diesem Urteil wurde die Durchf\u00fchrung breiter Dialogforen angeordnet, in denen der Schliessungsplan und m\u00f6gliche Einkommensalternativen h\u00e4tten diskutiert werden sollen, um die Rechte der Gemeinschaften auf Information und Partizipation zu garantieren. Bis heute hat Prodeco dieses Urteil nicht umgesetzt.<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_button button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Artikel-zu-den-HRIA-Prodeco-April-24.pdf&#8220; url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Trust.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;Trust&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die dritte menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzung von Prodeco \u00f6ffnet mehr Fragen als sie Antwrten gibt. 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