{"id":9197,"date":"2024-02-20T11:33:23","date_gmt":"2024-02-20T10:33:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=9197"},"modified":"2024-04-22T20:29:12","modified_gmt":"2024-04-22T18:29:12","slug":"2023-war-ein-schwieriges-jahr-fuer-die-gemeinschaften-im-umfeld-von-prodeco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/2023-war-ein-schwieriges-jahr-fuer-die-gemeinschaften-im-umfeld-von-prodeco","title":{"rendered":"2023 war ein schwieriges Jahr f\u00fcr die Gemeinschaften im Umfeld von Prodeco"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.24.0&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>Im Juni 2020 beantragte Prodeco, den Kohleabbau in seinen Minen f\u00fcr unbestimmte Zeit, l\u00e4ngstens jedoch f\u00fcr vier Jahre, zu suspendieren. Der kolumbianische Staat lehnte dieses Ansinnen zwei Mal ab. Als Folge davon k\u00fcndigte Glencore im Februar 2021 an, die Minenkonzessionen von Prodeco an den kolumbianischen Staat zur\u00fcckzugeben. Die urspr\u00fcngliche Idee war, dass der Staat die Konzessionen an ein anderes Unternehmen \u00fcbergibt, um die restlichen noch vorhandenen Kohlereserven abzubauen. Glencore Prodeco w\u00e4re verpflichtet gewesen, die Mine in produktivem Zustand zu \u00fcbergeben und mit dem Umweltmanagementplan \u00e0 jour zu sein. Prodeco musste die daf\u00fcr n\u00f6tigen Arbeiten weiterf\u00fchren sowie Unterhaltsarbeiten an den Minen machen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span><strong>[1]<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n<p>Eine \u00dcbergabe an ein anderes Unternehmen war unter der Regierung Duque nicht mehr m\u00f6glich, da eine Klage (demanda popular) dies verhinderte. Die Regierung von Gustavo Petro will grunds\u00e4tzlich keine weiteren Kohleminen und m\u00f6chte die Prodeco \u2013 Minen vollst\u00e4ndig schliessen. Es gibt aber verschiedene gegens\u00e4tzliche Interessen, wie die Einnahmen des Staats, Druck der von den Minenertr\u00e4gen abh\u00e4ngigen Gemeinden, Proteste von Arbeitern einerseits, BergbaugegnerInnen anderseits und die Sorge um die Umwelt. Die neu ins Amt gelangte Regierung Petro musste sich zuerst auch einen \u00dcberblick verschaffen. Die h\u00e4ngige \u201edemanda popular\u201c erschwert jegliche Entscheidungen zus\u00e4tzlich. Im Dezember 2022 verk\u00fcndete die Regierung Petro, dass der Cesar ein Korridor des Lebens werden soll, statt weiterhin ein Bergbaukorridor zu sein, d.h. dass die Region eine Modellregion f\u00fcr die Energietransition werden soll. Bis heute hat die Regierung Petro aber nicht entscheiden, was mit den Konzessionen passieren soll, ob sie neu vergeben werden, oder ob die Minen definitiv geschlossen werden. Falls sie geschlossen werden, wer kommt f\u00fcr die Kosten der Renaturierung und der Behebung der Umweltsch\u00e4den auf? Glencore? Was passiert mit den aufgelaufenen Kosten von der Unterhalts- und Pflegearbeiten, die Prodeco machen musste?<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den \u00fcberraschenden R\u00fcckzug von Prodeco aus dem Kohleabbau d\u00fcrften verschiedene sein: tiefe Weltmarktpreise, die COVID-Pandemie, Druck von Investoren, das Kohlegesch\u00e4ft zu reduzieren, rechtliche Probleme um die Minen ausbauen zu k\u00f6nnen, geologische Probleme\u2026 In der Region wird auch vermutet, dass Prodeco vermeiden will, einen vollst\u00e4ndigen Schliessungsplan umsetzen und finanzieren zu m\u00fcssen. Der Schliessungsplan existiert seit 2016 und h\u00e4tte ab 2020 umgesetzt werden m\u00fcssen. Im Moment als Prodeco ank\u00fcndigte, die Konzessionen an den Staat zur\u00fcckzugeben, war der Schliessungsplan nicht \u00f6ffentlich bekannt. Seit 2021 verlangen die betroffenen Gemeinschaften und Gewerkschaften Transparenz im Schliessungsprozess und ein Mitspracherecht bei der Umsetzung der Schliessung und bei der Behebung der Umweltsch\u00e4den.<\/p>\n<p><strong>Teilweise erfolgreicher Gang vor Gericht <\/strong><\/p>\n<p>Da weder der Staat noch Prodeco darauf eingingen, gelangten die 12 Gemeinschaften und die beiden Gewerkschaften Sintramienerg\u00e9tica und Sintracarb\u00f3n im August 2022 mit einer Grundrechtsklage an das Verwaltungsgericht Valledupar und forderten die Offenlegung der ausstehenden Verpflichtungen, des Schliessungsplanes und der Auflagen des Staates sowie ein konkretes Mitspracherecht. Alle Pl\u00e4ne und Massnahmen sollten offengelegt und den Gemeinschaften der Zugang durch verbesserte Kommunikationskan\u00e4le erm\u00f6glicht und ihnen damit ein Monitoring erlaubt werden. Das Gericht gab den Kl\u00e4gerInnen in erster Instanz am 4. November 2022 Recht und ordnete die Durchf\u00fchrung breiter \u00f6ffentlicher Anh\u00f6rungen an. Vom 29.11.2022 bis am 1.12.2022 fanden in drei Gemeinden \u00f6ffentliche Anh\u00f6rungen statt. Am 9. Dezember 2022 wurde das Urteil in 2. Instanz zwar best\u00e4tigt, die Verantwortung f\u00fcr die Einberufung der Versammlungen jedoch vom Staat (Nationale Beh\u00f6rde f\u00fcr Umweltlizenzen ANLA) an Prodeco \u00fcbertragen. Obwohl an den drei Anh\u00f6rungen Ende November\/Anfang Dezember 2022 klar war, dass dies erst der Anfang eines Prozesses sein konnte, und erst danach viele Informationen zug\u00e4nglich gemacht wurden, fanden seither keine weiteren Treffen\/Anh\u00f6rungen statt. Prodeco h\u00e4tte im ersten Quartal 2023 weitere \u00f6ffentliche Anh\u00f6rungen einberufen sollen, in denen die einzelnen Massnahmen, der Schliessungsplan und weitere soziale und wirtschaftliche \u00dcbergangsl\u00f6sungen diskutiert werden sollten. Das Urteil vom 9. Dezember 2022 setzte eine Frist von einem Monat, damit Prodeco das Urteil umsetzt. Verschiedene Briefe internationaler Unterst\u00fctzerInnen, Treffen mit Prodeco auf der Schweizer Botschaft in Bogot\u00e1 etc. n\u00fctzen nichts, um Prodeco dazu zu bewegen, weitere Anh\u00f6rungen einzuberufen.<\/p>\n<p><strong>Juristische und politische R\u00fcckschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Im Namen der Mesa gelangte deshalb Tierra Digna am 26. Mai 2023 mit einer Klage wegen Nichtbeachtung des Urteils vom 9. Dezember 2022 an das Gericht. Dieses best\u00e4tigte jedoch am 16. Juni 2023, dass Prodeco das Urteil vom 9. Dezember 2022 mit den drei Audiencias von Ende November 2022 erf\u00fcllt habe. Die Gemeinschaften beklagen, dass der Richter pl\u00f6tzlich ausgewechselt worden war, um dieses Urteil zu f\u00e4llen, und der neu ernannte Richter in Verkennung der Sachlage sein Urteil f\u00e4llte. Insbesondere wurden verschiedene staatliche Beh\u00f6rden, die an der Umsetzung des Urteils vom 9. Dezember 2022 beteiligt sein sollten, nicht angeh\u00f6rt, so z.B. die ANLA. Ein Treffen zwischen Prodeco, Glencore, Tierra Digna und der <em>ask!<\/em> auf der Schweizer Botschaft am 13. Juni 2023 versprach Fortschritt, setzte sich doch die Botschaft daf\u00fcr ein, dass Prodeco mit den Gemeinschaften in Dialog tritt, und beharrte auch auf der Wichtigkeit der Partizipation, was mehr ist als eine kurze Informationsveranstaltung. Es wurde vereinbart, dass Tierra Digna im Namen der Mesa einen Dialogvorschlag unterbreiten soll. Bei einem sp\u00e4teren Treffen Ende Oktober 2023 best\u00e4tigte der Schweizer Botschafter nochmals die Bereitschaft, einen solchen Dialog zu unterst\u00fctzen. Ende November 2023 kam dann der n\u00e4chste R\u00fcckschlag: Prodeco liess als Antwort auf den Dialogvorschlag der Mesa mitteilen, dass angesichts ausstehender Entscheidung der Regierung \u00fcber die R\u00fcckgabe der Konzessionen ein Dialog im Moment nicht m\u00f6glich sei. Wenig sp\u00e4ter beantwortete der Schweizer Botschafter einen Brief von Schweizer NGOs in \u00e4hnlichem Sinne, n\u00e4mlich dass die ausstehende finale Entscheidung des kolumbianischen Staates was mit den Konzessionen und Minen geschehen soll, einen Dialog zwischen Prodeco und den Gemeinschaften erschwere, da gar nicht klar sei, wor\u00fcber genau diskutiert werden soll.<\/p>\n<p><strong>Vierte Klage Glencores gegen Kolumbien <\/strong><\/p>\n<p>Am 16. November 2023 wurde bekannt, dass Glencore die mittlerweile vierte Klage gegen den kolumbianischen Staat angereicht hat, gest\u00fctzt auf das bilaterale Investitionsschutzabkommen Schweiz Kolumbien. Die Klage wurde zu Prodeco eingereicht. Der Inhalt der Klage ist nicht \u00f6ffentlich bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass es um die immer noch nicht abgeschlossene R\u00fcckgabe der Bergbautitel geht. Anscheinend hat Glencore im M\u00e4rz 2023 einen Brief mit Klagedrohung an Pr\u00e4sent Petro gerichtet, und einen Abschluss der Liquidation der Bergbautitel innert 6 Monaten verlangt, ansonsten man beim ISDS-Mechanismus (Investor-Staat-Streitschlichtungsmechanismus) eine Klage einreichen w\u00fcrde. Im Mindestens geht es wohl um Schadenersatz f\u00fcr die durch drei Jahre \u201eCare and Maintainance\u201c aufgelaufenen Kosten. Klar ist, dass die Klagedrohung schon lange auf den Entscheiden der Regierung lastete. Verschiedentlich liessen Regierungsfunktion\u00e4re verlauten, dass sie \u00fcber dies oder jenes nicht \u00f6ffentlich reden k\u00f6nnen aus Angst vor einer Klage, und es wurde auch klar, dass die Regierung \u00fcberst\u00fcrzt und hinter verschlossenen T\u00fcren mit Glencore Prodeco verhandelte, ohne z.B. die Anliegen der Gewerkschaften zu ber\u00fccksichtigen. Es handelt sich damit um eine weitere sehr sch\u00e4dliche Klage von Glencore.<\/p>\n<p>Besonders stossend an dieser neuen Klage ist, dass Glencore Prodeco an der heutigen Situation rund um die Prodeco Minen selbst eine grosse Mitverantwortung tr\u00e4gt. Ein Teil der Probleme hat sie durch fehlende Sorgfaltspflicht selbst verursacht. So hat sie blindlings auf ein Papier der Direktion f\u00fcr Ethnien des kolumbianischen Innenministeriums vertraut, das best\u00e4tigte, dass das Erweiterungsprojekt mit der Abraumhalde El Palomo keine Indigenen betreffe. Dabei war offensichtlich, dass es sich um Land handelte, das die indigenen Yukpa als ihr angestammtes Territorium reklamierten und eine vorg\u00e4ngige Konsultation und Einholung der Zustimmung der Yukpa notwendig gewesen w\u00e4re. Gem\u00e4ss verschiedener Quellen seien auch Probleme mit den Abbaupl\u00e4nen aufgetaucht, die den weiteren Abbau der Kohle wesentlich teurer gemacht h\u00e4tten, oder gar zu grossen Problemen z.B. f\u00fcr die Wasserversorgung h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen. Andererseits h\u00e4tte eine Weiterf\u00fchrung des Dialogprozesses, den das Gericht im Dezember 2022 angeordnet hatte, viel zu einer rascheren L\u00f6sung der offenen Fragen beitragen k\u00f6nnen, ohne dass jetzt zu einer Klage gegriffen werden m\u00fcsste. Glencore scheint den schwachen kolumbianischen Staat konsequent und gekonnt auszuspielen: solange die Schw\u00e4che, die mangelnden Kontrollen und die Beeinflussbarkeit des Staates Glencore dient, n\u00fctzt es das Unternehmen aus. Wenn der schwache oder ineffiziente Staatsapparat aber wie jetzt eine Entscheidung \u00fcber die R\u00fcckgabe der Bergbaukonzessionen verz\u00f6gert, oder wenn ein Hohes Gericht einen Entscheid zu Ungunsten Glencores f\u00e4llt, klagt Glencore beim Weltbankschiedsgericht.<\/p>\n<p>Statt einer Dialogl\u00f6sung haben wir jetzt eine \u00e4usserst konfliktive Situation im ganzen Bergbaukorridor. Durch die Einstellung der Bergbaut\u00e4tigkeit verlieren nicht nur um die 5000 Arbeiter ihre Anstellung, es gehen auch viele indirekte Jobs und Einkommensquellen verloren, vom Vermieten von Zimmern, Verkauf von Essen bis zum Waschen der Uniformen der Bergarbeiter. Das f\u00fchrte zu einer ausgepr\u00e4gten sozio\u00f6konomischen Krise, mit einer Zunahme von Prostitution auch von Minderj\u00e4hrigen und Kindern, Kleinkriminalit\u00e4t und Drogenkonsum, intrafamili\u00e4re Gewalt etc., alles vermischt mit einer erneuten Zunahme der Aktivt\u00e4ten illegaler bewaffneter Gruppen. Viele F\u00fchrungspersonen der Mesa haben konkrete Todesdrohungen erhalten, ihre H\u00e4user werden beobachtet, auf der Strasse werden sie beschattet. Bei den telefonischen Bedrohungen wird z.B. klar verlangt, dass sich die Person vom Tutela-Prozess und dem angestrebten Dialog zur\u00fcckziehen soll, und dass die F\u00fchrungsperson sonst die Konsequenzen ja kenne. H\u00e4ufig erfolgten Drohungen in zeitlicher N\u00e4he zu neuen juristischen Schritten oder Protestaktionen. Auf Esneda Saavedra, F\u00fchrungsperson der Yukpa, wurde am 4. M\u00e4rz 2023 ein Attentat ausge\u00fcbt. Nach ihrer Speakertour durch mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder Ende Mai\/Anfang Juni 2023 belagerten bewaffnete Personen das Haus ihrer Familie. Ihre Familie musste zu ihrem Schutz mit einer humanit\u00e4ren Mission aus der Zone herausgeholt werden. Auch die Mitarbeiterinnen von Tierra Digna werden in Bogot\u00e1 beschattet, fotografiert etc. Obwohl s\u00e4mtliche Vorf\u00e4lle dokumentiert und denunziert wurden und Anzeige erstattet wurde, haben die Nationale Schutzeinheit UNP und die Generalstaatsanwaltschaft bisher wenig zum Schutz der bedrohten AktivistInnen unternommen. Glencore selbst hat angeboten, das von allen Betreibern von Kohleminen zusammen mit CEER erarbeitete Protokoll zu aktivieren, und z.B. ein Communiqu\u00e9 zu ver\u00f6ffentlichen oder die Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft und der Polizei zu unterst\u00fctzen. Gleichzeitig tr\u00e4gt das Verhalten Prodecos wenig zur Entspannung der Situation bei.<\/p>\n<p><strong>Nutzlose menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzungen<\/strong><\/p>\n<p>Diese verschiedenen Menschenrechtsverletzungen, Konflikte, Spannungen, Drohungen, Einsch\u00fcchterungen und bewaffneten \u00dcbergriffe fanden zeitgleich mit der Erarbeitung der dritten menschenrechtlichen Folgeabsch\u00e4tzung und Risikoanalyse (HRRIA) statt. Diese Analyse wurde ab 2022 durch TRUST Consultores durchgef\u00fchrt. Ende 2023 begann TRUST mit der Sozialisierung der Resultate des HRRIA. Es entstand jedoch grosse Konfusion dar\u00fcber, wer zu diesen Sozialisierungsveranstaltungen eingeladen wurde und wer nicht. Die Art und Weise, wie dies kommuniziert wurde (oder eben auch nicht) trug auf jeden Fall nicht zu einer St\u00e4rkung des Vertrauens bei. Die <em>ask!<\/em> gab im August 2022 ein Interview, merkte aber damals schon an, dass es dem ganzen Prozess an Transparenz und Effektivit\u00e4t mangle. So wurde eine neue Analyse durch eine neue Consultingfirma begonnen, ohne dass z.B. \u00fcber die menschenrechtliche Folgeabsch\u00e4tzung von 2018 und den Aktionsplan 2020-2023 ein Zwischenbericht oder irgendwelche Resultate ver\u00f6ffentlicht worden w\u00e4ren. Auch gab es seitens von Glencore Prodeco keinerlei Anzeichen oder gar Zusagen, gewisse Fehler der vorherigen Folgeabsch\u00e4tzungen nicht zu widerholen. W\u00e4hrend die betroffene Bev\u00f6lkerung weiterhin nur sehr mangelhafte Kenntnisse \u00fcber das HRRIA von 2018 hatte und keinerlei Verbesserung der Situation auf Grund des menschenrechtlichen Aktionsplans sp\u00fcrte, wurde also ein drittes HRRIA durchgef\u00fchrt, \u00fcber das wiederum w\u00e4hrend vieler Monate keinerlei Informationen bekannt wurden. W\u00e4hrend TRUST und Prodeco im stillen, dunklen K\u00e4mmerlein an irgendwelchen belanglosen Hochglanzbrosch\u00fcren \u00fcber den Respekt der Menschenrechte arbeiteten, verschlechterte sich die Situation f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung zusehend. Die Minenschliessung und der Verlust Tausender Arbeitspl\u00e4tze und Einkommen versch\u00e4rfte die soziale Misere, verletzte Rechte wie das Recht auf Arbeit, auf Nahrung, auf eine w\u00fcrdige Behausung, versch\u00e4rfte Konflikte, intrafamili\u00e4re Gewalt, erh\u00f6hte die sexuelle Ausbeutung von Frauen, Jugendlichen und sogar Kindern und f\u00fchrte in letzter Konsequenz zu Todesdrohungen und bewaffneten \u00dcbergriffen auf diejenigen, die sich f\u00fcr eine Verbesserung der Situation einsetzten.<\/p>\n<p>Ein spezielles Augenmerk m\u00fcsste Prodeco dringendst in Bezug auf die Situation der Frauen\u00a0 im Bergbaukorridor rechten, wenn dem Unternehmen die Menschenrechte tats\u00e4chlich ein Anliegen sind. Es geht dabei sowohl um die Situation der Frauen die bei Prodeco arbeiten, aber auch um die Probleme, die Frauen wegen der Minenschliessung haben. Viele Frauen sind von der Arbeitslosigkeit und von den verschwundenen Verdienstm\u00f6glichkeiten betroffen, sei dies weil sie Zimmer nicht mehr vermieten oder Essen nicht mehr verkaufen k\u00f6nnen, oder weil sie beispielsweise die W\u00e4sche der Minenarbeiter nicht mehr waschen k\u00f6nnen. Als Ausdruck der wirtschaftlichen Not hat auch die Prostitution zugenommen, auch von Minderj\u00e4hrigen. Es gibt Zeugenaussagen, dass selbst Kinder unter zehn Jahren sexuelle Dienstleistungen anbieten. Zudem nahm die intrafamili\u00e4re Gewalt zu, da viele entlassene M\u00e4nner ihren Frust zuhause an Frau und Kindern auslassen. Es gibt auch \u2013 gerade unter Jugendlichen \u2013 vermehrt Drogenkonsum um von den sozialen und famili\u00e4ren Problemen abzulenken.<\/p>\n<p>Der andere Aspekt ist die (sexuelle) Bel\u00e4stigung am Arbeitsplatz innerhalb Prodecos. (Ehemalige) Arbeiterinnen erz\u00e4hlen von anz\u00fcglichen Bemerkungen, Betatschen bis zur Aufforderung, Sex zu haben, um die Arbeit behalten zu k\u00f6nnen, oder es gibt \u00dcberwachungskameras z.B. in den Umkleider\u00e4umen. Frauen die sich wehren, werden willk\u00fcrlich versetzt, m\u00fcssen pl\u00f6tzlich viel mehr leisten. Eine Frau wurde t\u00e4glich und permanent vom heissen Herd in den K\u00fchlraum und zur\u00fcck versetzt und hat heute ernsthafte Gesundheitsprobleme. Eine andere Frau hatte so viel Stress, dass sie die ganze Zeit Kr\u00e4mpfe und Konvulsionen hat. Eine Frau hat ihre Geschichte gegen\u00fcber den Medien erz\u00e4hlt (<a href=\"https:\/\/pacifista.tv\/notas\/tania-saade-prodeco-puerto-nuevo-mineria-acoso-laboral\/\">https:\/\/pacifista.tv\/notas\/tania-saade-prodeco-puerto-nuevo-mineria-acoso-laboral\/<\/a>), und auch den Kampf vor Gericht auf sich genommen, allerdings erfolglos, und gelangte auch an Glencore in der Schweiz, ebenfalls ohne angeh\u00f6rt zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> Dieser Artikel beruht auf dem kontinuierlichen Austausch mit Tierra Digna, den lokalen Gemeinschaften, Prodeco sowie auf Gerichtsdokumenten.<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_button button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Update-Prodeco-Dezember-2023.pdf&#8220; url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.0&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/WhatsApp-Bild-2023-10-20-um-14.55.03_c05d2883.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.0&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;WhatsApp Bild 2023-10-20 um 14.55.03_c05d2883&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/WhatsApp-Bild-2023-11-02-um-21.26.43_bd7e5b4e.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.0&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;WhatsApp Bild 2023-11-02 um 21.26.43_bd7e5b4e&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2023 war f\u00fcr die Gemeinschaften im Einflussbereich von Glencore Prodeco schwierig. Es gab juristische und politische R\u00fcckschl\u00e4ge, die Bedrohungen und gewaltsamen \u00dcbergriffe nahmen zu. 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