{"id":8660,"date":"2022-10-01T17:10:56","date_gmt":"2022-10-01T15:10:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=8660"},"modified":"2022-10-01T17:11:43","modified_gmt":"2022-10-01T15:11:43","slug":"die-regierung-petro-strebt-eine-grundsaetzliche-neuausrichtung-der-drogenpolitik-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/die-regierung-petro-strebt-eine-grundsaetzliche-neuausrichtung-der-drogenpolitik-an","title":{"rendered":"Die Regierung Petro strebt eine grunds\u00e4tzliche Neuausrichtung der Drogenpolitik an\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<br \/><\/em><\/p>\n<p><em>Die Regierung von Gustavo Petro will die Drogenpolitik grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern, weg vom Drogenkrieg hin zu mehr Pr\u00e4vention und einer Aufhebung des Prohibitionsschemas. Sein Experte f\u00fcr Drogenfragen ist der Meinung, dass der Moment sehr g\u00fcnstig sei, um die internationale Debatte dar\u00fcber zu verst\u00e4rken. Bei der Politikformulierung werden die direktbetroffenen Gemeinschaften einbezogen und die Empfehlungen der Wahrheitskommission zur Drogenpolitik respektive zum Drogenkrieg innerhalb des kolumbianischen Konfliktes geben weiteren R\u00fcckhalt f\u00fcr einen fundamentalen Politikwechsel.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Die Wahrheitskommission hat mit dem Friedensabkommen den Auftrag bekommen, die Verkn\u00fcpfungen zwischen Drogenhandel, bewaffnetem Konflikt und kolumbianischer Gesellschaft aufzuarbeiten. Ihre Schlussfolgerung: Die Prohibition der Drogen schuf einen Krieg innerhalb des grossen bewaffneten Konflikts.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a> Die Frage ist: wie kann die Nicht-Wiederholung garantiert werden, wenn die Prohibitionspolitik fortbesteht?<\/p>\n<p>Es ist nicht un\u00fcblich, dass ein Friedensprozess und die \u00dcbergangsjustiz die illegale Wirtschaft einbeziehen, aber im kolumbianischen Konflikt war das Kokain einer der Protagonisten. Es ging also auch darum, \u00fcber die Wirtschaftsaktivit\u00e4ten, die den Krieg finanzieren zu sprechen, sowie \u00fcber diejenigen, die diese f\u00f6rderten oder davon profitierten. Es ist klar, dass die Kokainwirtschaft die finanziellen und milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten der bewaffneten Akteure st\u00e4rkte und der Drogenhandel den bewaffneten Konflikt degradierte. Weniger verbreitet ist die Einsicht, dass auch die staatlichen Massnahmen der verschiedenen Regierungen um Drogenanbau, Drogenh\u00e4ndler und andere Akteure dieses illegalen Gesch\u00e4ftsbereichs zu bek\u00e4mpfen, ein Gewaltfaktor darstellten. Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der CEV war, dass die kolumbianische Drogenpolitik einen Krieg im Krieg verursachte.<\/p>\n<p><strong>Weitreichende, aber auch vage Empfehlungen der Wahrheitskommission<\/strong><\/p>\n<p>Diese Schlussfolgerung verleitete die CEV zu zwei Hauptempfehlungen: die Politik hin zu einer Regulierung von Drogen zu \u00e4ndern und zweitens die internationale Drogenpolitik zu reformieren. F\u00fcr Kolumbien ist es nach 50 Jahren Drogenkrieg nicht einfach, innerhalb eines internationalen Prohibitionsansatzes eine Regulierung der Drogen umzusetzen. Es gibt aber durchaus Spielraum: mit strafrechtlichen Alternativen kann z.B. die Anwendung von Haftstrafen eingeschr\u00e4nkt werden, die Verwendung von Glyphosat zur Koka-Bek\u00e4mpfung muss endg\u00fcltig eingestellt werden und die Indikatoren, wie der Erfolg der Drogenbek\u00e4mpfung gemessen wird, m\u00fcssen abge\u00e4ndert werden. Aufgrund der bitteren Erfahrungen, die Kolumbien mit der nationalen Umsetzung des internationalen Prohibitionsregimes gemacht hat, ist Kolumbien wie kaum ein Land legitimiert, die internationale Debatte \u00fcber eine Abkehr von der Prohibition anzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die zweite Herausforderung ist die, wie die Opfer des Drogenkrieges entsch\u00e4digt werden sollen. Die Personen und Gemeinschaften, die vom Drogenkrieg betroffen waren, wurden bisher durch den kolumbianischen Staat nicht als Opfer anerkannt. Nicht einmal diejenigen Personen, die ihre Lebensgrundlagen oder ihre Gesundheit durch den Einsatz von Glyphosat verloren hatten oder deswegen vertrieben wurden, hatten einen effektiven Zugang zur Justiz. 97% der Klagen, die wegen negativer Auswirkungen der Bespr\u00fchungen bei der Polizei eingereicht wurden, wurden abgewiesen. Die Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen der Antidrogenpolitik wurden bisher aber nicht als Opfer anerkannt und die Empfehlungen der CEV diesbez\u00fcglich sind recht vage: Es sollen R\u00e4ume des Dialogs und der Anerkennung geschaffen werden, wo Personen und Gemeinschaften ihre Zeugnisse \u00fcber die Folgen der Prohibition ablegen k\u00f6nnen. Verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft hatten denn auch tats\u00e4chlich Berichte mit Zeugenaussagen und Informationen \u00fcber die verschiedenen negativen Auswirkungen bei der CEV eingereicht, so z.B. Dejusticia zusammen mit Kleinbauernorganisation Fensuagro. Darin wurden auch m\u00f6gliche Formen der Wiedergutmachung und der Nicht-Wiederholung aufgenommen. Die Opfer des Drogenkrieges anzuerkennen und \u00fcber Wiedergutmachung zu sprechen, hat enorme Auswirkungen, erweitert es doch das Universum der Opfer betr\u00e4chtlich und geht es um die Feststellung der Verantwortlichen und der T\u00e4ter. Die Frage, wie der \u00dcbergang zu einer Drogenregulierung angegangen und gleichzeitig die entstandenen Sch\u00e4den anerkannt und deren Wiedergutmachung in Angriff genommen werden soll, ist noch ungel\u00f6st. Mit dem Bericht der Wahrheitskommission ist ein Anfang gemacht, in dem die Sch\u00e4den der Prohibition langsam anerkannt werden und der politische Boden f\u00fcr eine Regulierung bereitet wird. Was mit dem Vorwand der Ausrottung einer Pflanze an Schaden und Leid angerichtet wurde, muss anerkannt und sichtbar gemacht werden.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Bericht von Dejusticia und Fensuagro heisst \u201eDer Schaden, der uns zugef\u00fcgt wurde\u201c. Er erarbeitet anhand von vier kleinb\u00e4uerlichen Stimmen aus dem Caquet\u00e1 das historische Erinnern an die Koka, den Krieg und die durch das Glyphosat verursachten Sch\u00e4den. Die Koka war der Treibstoff f\u00fcr den Krieg, die Antidrogenpolitik der Katalysator f\u00fcr die Gewalt des Staates in den Kokagebieten. Das Erinnern an die Geschehnisse des Krieges w\u00e4re mangelhaft, wenn die durch die Drogenbek\u00e4mpfungsmassnahmen an den kleinb\u00e4uerlichen Gemeinschaften verursachten Menschenrechtsverletzungen nicht erw\u00e4hnt w\u00fcrden. Die Bespr\u00fchungen sind eine ethisch fragw\u00fcrdige Strategie, die nicht einmal mit ausreichenden Mechanismen zur Dokumentierung und Evaluation der Sch\u00e4den ausgestattet war. F\u00fcr eine Debatte \u00fcber Wiedergutmachung und Garantien der Nicht-Wiederholung braucht es Zeugenaussagen und Evidenz aus den kolumbianischen Kokafeldern. Unter den Spr\u00fchflugzeugen wurden nicht nur die Belege f\u00fcr die Sch\u00e4den des Glyphosats an den Gemeinschaften verschwiegen, sondern auch die Legitimit\u00e4t der Beh\u00f6rden zerst\u00f6rt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span>[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Kann die \u00dcberwindung der Prohibition gelingen?<\/strong><\/p>\n<p>Gustavo Petro hat ganz klar seine Absicht Kund getan, vom Drogenkrieg wegzukommen und damit auch viele der Empfehlungen des Schlussberichtes der Wahrheitskommission zu \u00fcbernehmen und umzusetzen. Eine andere Drogenpolitik ist f\u00fcr ihn ein Element, um einen umfassenden Frieden zu erm\u00f6glichen. In seiner Rede zur Amtseinsetzung sprach Petro viel \u00fcber Frieden, dass Frieden in Kolumbien m\u00f6glich sein soll. Dazu will er das Friedensabkommen mit den FARC einhalten, die Empfehlungen der CEV auf den Buchstaben genau befolgen, in allen Regionen Kolumbiens den sozialen Dialog in Gang bringen, mehr Demokratie und mehr Beteiligung erm\u00f6glichen, und alle bewaffneten Gruppen aufrufen, die Waffen zur\u00fcckzulassen, um in einer legalen prosperierenden Wirtschaft zu arbeiten. In Bezug auf das \u201eDrogenproblem\u201c will er vom Krieg gegen Drogen auf eine Politik der starken Pr\u00e4vention des Konsums gerade auch in den L\u00e4ndern des globalen Nordens setzen. Dazu soll eine neue internationale Drogenkonvention angestossen werden, die anerkennt, dass der Krieg gegen Drogen v\u00f6llig gescheitert sei und bei dem in den letzten 40 Jahren rund eine Million Lateinamerikaner get\u00f6tet wurden und jedes Jahr 70\u2018000 US-Bewohner an einer \u00dcberdosis sterben. Der Krieg gegen die Drogen habe die Mafias gest\u00e4rkt und die Staaten geschw\u00e4cht sowie Staaten dazu gebracht, Verbrechen zu begehen. Daher sein dringendes Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine andere Drogenpolitik, ohne zu warten, bis eine weitere Million Lateinamerikaner in diesem sinnlosen Krieg sterben. Die Vereinten Nationen h\u00e4tten die Macht, die Drogenbek\u00e4mpfungspolitik zu \u00e4ndern und Kolumbien so beim Frieden zu unterst\u00fctzen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span>[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Felipe Tasc\u00f3n Recio, ein ausgewiesener Kenner der Drogen\u00f6konomie, wurde von Pr\u00e4sident Petro damit beauftragt, w\u00e4hrend der Amts\u00fcbernahme das Thema Drogenpolitik zu steuern. Tasc\u00f3n ist \u00fcberzeugt, dass die Chancen f\u00fcr eine grundlegend andere Drogenpolitik, weg vom Prohibitionismus, noch nie besser standen, da in den drei Hauptanbaul\u00e4ndern linke Regierungen mit \u00e4hnlichen Visionen im Amt sind, und in Honduras und Mexiko, zwei L\u00e4nder an der Haupthandelsroute, ebenfalls reformwillige Regierungen an der Macht sind.<\/p>\n<p>Experten wie Francisco Thuomi sind weniger optimistisch. Sie erinnern daran, dass es bisher lediglich bei der Prohibition des Konsums etwas Bewegung weg vom Verbot gab, und auch da nur bei Marihuana, vor allem f\u00fcr medizinische Zwecke und die pers\u00f6nliche Dosis f\u00fcr Freizeitkonsum. Handel und Produktion bleiben auch in vielen L\u00e4ndern, die den Konsum von Marihuana erlauben, verboten. Eine Ausnahme stellt Bolivien und das Kokakauen dar. 2009 beantragte Bolivien, in der 1961er Drogenkonvention den \u201emambeo\u201c, das traditionelle Kauen von Kokabl\u00e4ttern, von der Prohibition auszunehmen, scheiterte aber damit. Daraufhin k\u00fcndete Bolivien die Mitgliedschaft in der Konvention auf, um danach mit einem Vorbehalt des Kokakauens wieder beizutreten. Das ist bisher beim Kokablatt die einzige kleine Bewegung geblieben, notabene bei einer traditionellen Verwendung. Kokain von der Liste der kontrollierten (verbotenen) Substanzen zu streichen, d\u00fcrfte demgegen\u00fcber noch viel schwieriger sein. Theoretisch k\u00f6nnte Kolumbien vorschlagen, die Produktion und den Konsum von Kokain nur f\u00fcr den Konsum in Kolumbien mit einer strikten Marktregulierung und Kontrolle zu erlauben, und versuchen zu verhindern, dass Kokain f\u00fcr die rentablen ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkte abgezweigt wird. Es w\u00e4re eine Freigabe in Kolumbien ohne den Export zu legalisieren.\u00a0 W\u00fcrde das Experiment gelingen, h\u00e4tte Kolumbien bewiesen, dass eine Legalisierung von Kokain keine grossen Probleme schafft.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span>[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr die Neuformulierung der Drogenpolitik wurden nicht nur ExpertInnen beigezogen, sondern Dutzenden Kleinb\u00e4uerinnen, AfrokolumbianerInnen und Indigene, die selber von Koka leben oder die Konsequenzen des Drogenkrieges erlitten haben. Klar ist all ihnen, dass der Fokus weg von der Kriminalisierung und der Bek\u00e4mpfung des Campesinos hin zur Schaffung von legalen Einkommensm\u00f6glichkeiten ge\u00e4ndert werden muss. Es muss anerkannt werden, dass der Kokaanbau haupts\u00e4chlich eine wirtschaftliche \u00dcberlebensstrategie und keine kriminelle Handlung ist und dass die kleinb\u00e4uerliche Wirtschaft gest\u00e4rkt werden muss. Bisher hatten 27 Beh\u00f6rden und Amtsstellen in 10 Ministerien mit der Drogenthematik zu tun. Eine Idee ist, ein Grossteil dieser Aufgaben in einer neuen Beh\u00f6rde zu vereinen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span>[6]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Kokasubstitution mit den BauerInnen, nicht gegen sie <\/strong><\/p>\n<p>Wie die neue Drogenpolitik in Kolumbien selbst im Detail ausgestaltet wird, ist noch nicht \u00a0bekannt. Klar braucht es aber z.B. Anpassungen am Nationalen Integralen Substitutionsprogramm PNIS. Gem\u00e4ss dem Sprecher der Kleinbauernvereinigung des Catatumbo, ASCAMCAT, haben die dortigen Kleinbauern zwei M\u00f6glichkeiten: Hunger zu leiden, nachdem sie die Koka ausgerissen haben, um an einem Substitutionsprogramm teilzunehmen, das nicht erf\u00fcllt wurden, oder wieder Koka anzubauen. Dies sei die Lage f\u00fcr die Mehrheit der knapp 100\u2018000 Familien in 56 Gemeinden des Landes, die an diesem Vorzeigeprogramm des Friedensabkommens teilnehmen. Obwohl dank dem PNIS 45\u2018761 Hektaren Koka zwischen 2017 und 2018 freiwillig ausgerottet wurden, und nur 0,8% der Beteiligten wieder Koka anbauten, f\u00fchrten die Verz\u00f6gerungen in der Umsetzung und die nichterf\u00fcllten Verpflichtungen der Regierung dazu, dass bis heute gut 97% der Familien noch kein langfristiges einkommensgenerierendes Projekt haben, das ihnen ein nachhaltiges Auskommen sichert. ExpertInnen und Vertreter der Kleinbauern betonen jedoch gegen\u00fcber der neuen Regierung Petro, dass es kein neues Programm brauche, sondern dass das bestehende angepasst und auf dem mit den 100\u2018000 Familien Erreichten aufgebaut werden m\u00fcsse. U.a. m\u00fcsse dazu die Integrale Agrarreform umgesetzt werden. Weiter m\u00fcsse die b\u00fcrokratische Struktur reduziert werden, die dazu f\u00fchrte, dass sich viele Konsulenten und Leistungserbringer bereicherten, ohne dass die Kokabauern profitierten. Zudem soll versucht werden, diejenigen Familien und KokapflanzerInnen, die noch nicht im Programm sind, aufzunehmen und die Rolle der bewaffneten Akteure m\u00fcsse beachtet werden, so dass die Kokapflanzungen nicht mehr bewaffnet reguliert werden.<\/p>\n<p>Die <em>Fundaci\u00f3n Ideas para la Paz<\/em> FIP fordert die Regierung Petro auf, in den ersten 100 Tagen entscheidende Schritte zu tun, um zu verhindern, dass die bisher investierten 2 Billionen Pesos ohne gr\u00f6sseren Impact in den Koka-Gemeinden verpuffen. Der Dialog innerhalb des PNIS m\u00fcsse dazu verbessert werden und die Direktbetroffenen st\u00e4rker in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Zudem m\u00fcssten die bisherigen Vertr\u00e4ge \u00fcberpr\u00fcft und allenfalls angepasst und das PNIS mit den territorialen Entwicklungspl\u00e4nen PDET verbunden werden. F\u00fcr Nidia Quintero, Sprecherin der Nationalen Koordination der KokapflanzerInnen COCCAM ist das vordringlichste, dass die Regierung alle Aktionen stoppt, die zu Gewalt in den Regionen f\u00fchren und dass sie Vertrauen aufbaut.<\/p>\n<p>Auch im Kongress existieren Vorschl\u00e4ge und sind Debatten geplant. Duvalier Sanchez Arango aus dem Departement Valle empfiehlt, sich auf die Pazifikregion zu fokussieren. Dort habe der Drogenhandel die Beh\u00f6rden und die Sicherheitskr\u00e4fte unterwandert und korrumpiert, weshalb ein rein milit\u00e4rischer Ansatz wenig zielf\u00fchrend sei. Auch empfiehlt er rasche Schritte hin zu einer Legalisierung der Koka, bevor es um die Politik der Unterwerfung unter die Justiz der illegalen bewaffneten Gruppen gehe. Wenn man Gespr\u00e4che \u00fcber die Unterwerfung unter die Justiz und die Entwaffnung der illegalen Gruppen f\u00fchre, ohne das Drogenproblem gel\u00f6st zu haben, werde man wieder scheitern. Beim PNIS m\u00fcsse der Fokus vom Individuum oder der Familie auf das Territorium ausgeweitet werden, um strukturelle Ver\u00e4nderungen zu erm\u00f6glichen, und der Fokus auf die reine Substitution m\u00fcsse integraleren Vorschl\u00e4gen Platz machen. Es m\u00fcsse vermehrt in \u00f6ffentliche Dienstleistungen und Infrastruktur und kollektive Projekte investiert werden. Die einkommensgenerierenden Projekte sollten zudem weniger bloss auf den W\u00fcnschen der beg\u00fcnstigten Familien beruhen, sondern auch Umweltaspekte, Nachhaltigkeit und die Eignung der B\u00f6den ber\u00fccksichtigen. Das Programm und die Mittel daf\u00fcr m\u00fcssten auch besser auf die Projekte abgestimmt werden. W\u00e4hrend eine Hektare Koka eine Investition von 5,5 Millionen Pesos ben\u00f6tigt, die erste Ernte in sechs Monaten m\u00f6glich ist und die Investitionen in einem Jahr amortisiert sind, braucht Kakao viermal mehr Fl\u00e4che, das Doppelte an Investitionen, braucht drei Jahre bis zur ersten Ernte und sechs Jahre bis die Investition amortisiert ist. Zudem m\u00fcsse die Regierung, egal welches die legalen Produkte seien, mit denen die Koka ersetzt werde, f\u00fcr diese einen Markt und Preise garantieren, die den Bauern das wirtschaftliche \u00dcberlegen sichern.<\/p>\n<p>Ein gutes Drittel der Familien die sich am PNIS beteiligen, befinden sich in Gebieten mit Nutzungseinschr\u00e4nkungen wie kollektive ethnische Territorien, Forstschutzgebiete oder Naturparks. Durch die per Gesetz eingeschr\u00e4nkten Nutzungsm\u00f6glichkeiten des Bodens haben sie gr\u00f6ssere Schwierigkeiten um vom PNIS zu profitieren. Besonders f\u00fcr sie braucht es integralere Ans\u00e4tze, die nicht nur auf klassischen land- und viehwirtschaftlichen Projekten beruhen. Zu guter Letzt braucht es angesichts der Gewalt in den Kokagebieten einen Plan f\u00fcr die Sicherheit der sozialen F\u00fchrungspersonen, die sich f\u00fcr die Kokasubstitution engagieren. Zwischen 2017 und 2020 wurden 75 F\u00fchrungspersonen der Substitution ermordet.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span>[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Fazit der ask!<\/strong><\/p>\n<p>Dass die bisherige repressionsbasierte Drogenpolitik ein wesentliches Element der bewaffneten internen Konflikte (das IKRK spricht in Kolumbien von mehreren bewaffneten Konflikten) und der Gewalt ist und daher eine fundamentale \u00c4nderung Not tut, ist eine wesentliche Erkenntnis. Die Regierung Petro hat sicher die Legitimit\u00e4t, eine internationale Debatte \u00fcber die Legalisierung oder Regulierung der Drogen anzustossen respektive existierende Debatten zu vertiefen, und wird dazu auch Verb\u00fcndete finden. Ob es aber reicht, um rasch vom Prohibitionsschema wegzukommen und eine neue internationale Drogenkonvention auszuhandeln, ist schwierig vorauszusagen. Wenn der Anbau von Koka und die Kokainproduktion aus der Illegalit\u00e4t geholt werden k\u00f6nnten, w\u00fcrde das die Perspektiven f\u00fcr einen umfassenden Frieden sicher verbessern. Leider ist der Spielraum f\u00fcr Kolumbien alleine beschr\u00e4nkt und die Akteure des Drogenhandels d\u00fcrften sich auch mit Gewalt f\u00fcr ihr Gesch\u00e4ft zur Wehr setzen. Solange die Rentabilit\u00e4t des illegalen Gesch\u00e4ftes so hoch bleibt, werden neue bewaffnete Gruppen entstehen, um den Handel fortzusetzen und die Nischen besetzen, die Gruppen die sich der Justiz unterwerfen, hinterlassen. Wichtig ist aber, dass die neue Regierung den Spielraum nutzt, um die KokapflanzerInnen zu entkriminalisieren, eine integrale staatliche Pr\u00e4senz aufzubauen und die Entwicklung in diesen abgelegenen Regionen zu f\u00f6rdern, mit Umweltschutz, \u00d6kotourismus und sanften Formen der Landwirtschaft und Verarbeitung von Naturprodukten. Dabei ist insbesondere eine gerechter Umgang mit den Siedlern zu finden, die in Naturschutzgebieten und empfindlichen \u00d6kosystemen leben. Sollte die legale Nutzung des Kokablattes f\u00fcr Nahrungserg\u00e4nzung und Heilmittel erm\u00f6glicht oder gar Kokain legalisiert werden, ist die grosse Herausforderung, sicherzustellen, dass der Kokabusch eine Einkommensm\u00f6glichkeit f\u00fcr KleinbauerInnen bleibt und nicht vom Grossgrundbesitz, der Agroindustrie oder gar Grosskonzernen \u00fcbernommen wird und die KleinbauerInnen verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.comisiondelaverdad.co\/hay-futuro-si-hay-verdad?page=0\">Hay futuro si hay verdad | Informe Final Comisi\u00f3n de la Verdad (comisiondelaverdad.co)<\/a><\/span><span> Es handelt sich um das 6. Kapitel des Schlussberichtes der Wahrheitskommission: \u201cNarcotrafico como protagonista del conflicto armado y factor de su persistencia\u201d, ab Seite 384.\u00a0\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/column\/drogas-y-verdades-que-sigue-despues-del-informe\/\">Drogas y verdades: \u00bfQu\u00e9 sigue despu\u00e9s del Informe? &#8211; Dejusticia<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><span>[3]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/publication\/el-dano-que-nos-hacen-glifosato-y-guerra-en-caqueta\/\">El da\u00f1o que nos hacen: glifosato y guerra en Caquet\u00e1 &#8211; Dejusticia<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><span>[4]<\/span><\/a> https:\/\/amerika21.de\/dokument\/259509\/kolumbien-des-moeglichen-gustavo-petro<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><span>[5]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/razonpublica.com\/la-politica-drogas-seria-posible-legalizar-tambien-la-cocaina\/\">La pol\u00edtica de drogas: \u00bfser\u00eda posible legalizar tambi\u00e9n la coca\u00edna? (razonpublica.com)<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><span>[6]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/colombia-20\/conflicto\/gobierno-petro-nunca-se-habian-dado-tantas-condiciones-para-avanzar-en-la-regulacion-de-drogas\/\">https:\/\/www.elespectador.com\/colombia-20\/conflicto\/gobierno-petro-nunca-se-habian-dado-tantas-condiciones-para-avanzar-en-la-regulacion-de-drogas\/<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><span>[7]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/colombia-20\/paz-y-memoria\/gobierno-petro-cultivos-de-coca-las-propuestas-para-avanzar-en-el-programa-de-sustitucion-pnis\/\">https:\/\/www.elespectador.com\/colombia-20\/paz-y-memoria\/gobierno-petro-cultivos-de-coca-las-propuestas-para-avanzar-en-el-programa-de-sustitucion-pnis\/<\/a><\/span><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/CEV-und-Drogenkrieg.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Glifosato-ambiente-900&#215;550-1.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;Glifosato-ambiente-900&#215;550&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Regierung von Gustavo Petro will die Drogenpolitik grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern, weg vom Drogenkrieg hin zu mehr Pr\u00e4vention und einer Aufhebung des Prohibitionsschemas. Sein Experte f\u00fcr Drogenfragen ist der Meinung, dass der Moment sehr g\u00fcnstig sei, um die internationale Debatte dar\u00fcber zu verst\u00e4rken. Bei der Politikformulierung werden die direktbetroffenen Gemeinschaften einbezogen und die Empfehlungen der Wahrheitskommission zur Drogenpolitik respektive zum Drogenkrieg innerhalb des kolumbianischen Konfliktes geben weiteren R\u00fcckhalt f\u00fcr einen fundamentalen Politikwechsel.  <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":8663,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"1080","footnotes":""},"categories":[1,59,19,20,11,10],"tags":[],"class_list":["post-8660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-drogenproblematik","category-feature","category-konfliktdynamik","category-menschenrechte","category-themen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8660"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8667,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8660\/revisions\/8667"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}