{"id":8641,"date":"2022-10-01T16:54:49","date_gmt":"2022-10-01T14:54:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=8641"},"modified":"2022-10-01T16:56:05","modified_gmt":"2022-10-01T14:56:05","slug":"petro-will-die-campesinos-als-rechtssubjekte-anerkennen-und-endlich-die-agrarreform-umsetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/petro-will-die-campesinos-als-rechtssubjekte-anerkennen-und-endlich-die-agrarreform-umsetzen","title":{"rendered":"Petro will die Campesinos als Rechtssubjekte anerkennen und endlich die Agrarreform umsetzen"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<br \/><\/em><\/p>\n<p>Eine Gruppe von 60 nationalen, regionalen und lokalen Kleinbauernorganisationen hat Mitte Juli 2022 dem neugew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Gustavo Petro und der neugew\u00e4hlten Vizepr\u00e4sidentin Francia M\u00e1rquez einen Brief geschickt, in dem sie die wichtigsten Punkte f\u00fcr eine neue Kleinbauernagenda auff\u00fchrten. Die Agenda greift unter anderen die historischen Forderungen von Prozessen wie dem <em>Mandato Agrario<\/em> von 2003, des Agrarstreiks von 2013, dem Urteil T-052 von 2017 \u00fcber die <em>Zonas de Reserva Campesina<\/em>, der <em>Minga del Suroccidente<\/em> von 2019, der Nationalen Minga von 2020 und des Nationalstreiks von 2021 sowie die Punkte 1 und 4 des Friedensabkommens auf. Die Nationale Kleinbauernagenda umfasst beispielsweise einen gesetzgeberischen, politischen und wirtschaftlichen Vorschlag f\u00fcr Reformen in den ersten 100 Tagen der neuen Regierung Petro. Mit dem Brief an Petro und M\u00e1rquez und der darin vorgestellten Agenda mit ihren Vorschl\u00e4gen an Regierung und Kongress sollen die Kleinbauern sichtbar gemacht werden und gleichzeitig die Unterst\u00fctzung von Millionen von Kleinb\u00e4uerinnen und Kleinbauern bekr\u00e4ftigt werden, um die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t zu erreichen und das Kleinbauerntum als spezielles Rechtssubjekt anzuerkennen.<\/p>\n<p>Die Nationale Kleinbauernagenda umfasst viele historische, aber nach wie dringende Forderungen wie auch neuere Anliegen. Zum Beispiel fordert sie, dass der kolumbianische Staat die UNO Erkl\u00e4rung \u00fcber die Rechte der Kleinbauern unterzeichnet und sich verpflichtet, diese Erkl\u00e4rung mittels geeigneter Gesetze und \u00f6ffentlicher Politiken vollst\u00e4ndig umzusetzen. Angesichts der nach wie vor grossen Herausforderungen und ungel\u00f6ster Probleme der Agrarjustiz fordert die Agenda eine integrale und interkulturelle l\u00e4ndliche Gerichtsbarkeit, die die Art und Weise, wie indigene, afrokolumbianische und kleinb\u00e4uerliche Organisationen Konflikte l\u00f6sen, anerkennt.<\/p>\n<p>Der Nationale Entwicklungsplan der Regierung Petro soll ein Kapitel \u00fcber <em>Campesinos<\/em> enthalten, mit dem eine \u00f6ffentliche Politik f\u00fcr das kolumbianische Kleinbauerntum festgeschrieben wird. Damit sollen ein Budget und j\u00e4hrliche Investitionen und Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Jahre festgelegt sowie eine Methodik entwickelt werden, die den Kleinb\u00e4uerInnen repr\u00e4sentative und entscheidungsbefugte Mitsprache garantiert. Im Innen- und im Landwirtschaftsministerium soll je eine Direktion f\u00fcr die Belange der <em>Campesinos<\/em> geschaffen werden, mit dem der Staat die Implementierung der Rechte der <em>Campesinos<\/em> als verletzliche kulturelle Gruppe mit speziellen verfassungsm\u00e4ssigen Schutzanspr\u00fcchen garantieren soll. Die staatliche Politik soll weiter die Ern\u00e4hrungsautonomie und \u2013Souver\u00e4nit\u00e4t durch F\u00f6rderungen von Produzentenvereinigungen und einer familienbasierten kleinb\u00e4uerlichen Landwirtschaft erreichen. Zudem soll der Staat endlich all die nichterf\u00fcllten Forderungen und Versprechen der letzten 30 Jahre erf\u00fcllen. Vertr\u00e4ge zur Exploration und zum Abbau von Mineralien und Energietr\u00e4gern in strategischen \u00d6kosystemen sollen f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt werden und Kolumbien soll dem Abkommen von Escaz\u00fa beitreten und dieses ratifizieren.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Kommt mit Petro die Anerkennung der Campesinos als soziale Gruppe?<\/strong><\/p>\n<p>Ein grosses bis heute nicht vollst\u00e4ndig gel\u00f6stes Problem ist die Anerkennung der KleinbauerInnen als klar definierte eigenst\u00e4ndige soziale und kulturelle Gruppe, und dass bei den Volksz\u00e4hlungen und anderen Erhebungen spezifische Fragen dazu aufgenommen werden. Seit der Verfassung von 1991, bei deren Ausarbeitung die <em>Campesinos<\/em> nicht als eigenst\u00e4ndige Gruppe vertreten waren, k\u00e4mpfen sie um diese Anerkennung. Mit M\u00e4rschen, Grundrechtsklagen und Abkommen haben die KleinbauerInnen eine klare Nachricht gesandt: wir existieren, wir z\u00e4hlen und fordern spezifische Politiken und Anerkennung als politische und Rechtssubjekte. Bei bisherigen Volksz\u00e4hlungen konnten sich die Kleinbauern nie selbst als <em>Campesinos<\/em> anerkennen, wie dies Indigene und Afros k\u00f6nnen, und mussten \u201eAndere\u201c ankreuzen. F\u00fcr die Kleinbauern und \u2013B\u00e4uerinnen ist das Recht, sich als \u201eCampesino\u201c anerkennen zu k\u00f6nnen, enorm wichtig, um zu wissen, wie viele sie sind und um damit auch die Basis zu schaffen f\u00fcr eine staatliche, \u00f6ffentliche Politik zugunsten der <em>Campesinos<\/em>. Dabei soll die Definition viel weiter gehen als nur die Verbindung zur Bearbeitung des Bodens. <em>Campesinos<\/em> sehen sich nicht nur als landwirtschaftliche Produzenten, wie es der Staat vereinfachend darstellt, sondern als eigenst\u00e4ndige kulturelle Ausdrucks- und Lebensform. Ein 20-min\u00fctiger Dokumentarfilm erz\u00e4hlt die Geschichte dieses Kampfes um Anerkennung seit 1991.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> und damit das Regierungsprogramm von Gustavo Petro und Francia M\u00e1rquez ist das einzige Regierungsprogramm, das zu Wahl stand, das die Anliegen der KleinbauerInnen aufnahm. So enth\u00e4lt der <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> das Ziel, die UNO-Erkl\u00e4rung der Rechte der Kleinbauern zu ratifizieren. Ebenfalls hat sich nur der <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> zur Forderung der <em>Campesinos<\/em> nach Anerkennung und St\u00e4rkung der kleinb\u00e4uerlichen Territorialit\u00e4t z.B. \u00fcber die <em>Zonas de Reserva Campesina<\/em> (ZRC, kleinb\u00e4uerliche Schutzgebiete) oder kleinb\u00e4uerliche Territorien f\u00fcr Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t ge\u00e4ussert. Diese Forderung hatte es immer sehr schwer, da die <em>Zonas de Reserva Campesina<\/em> zum Beispiel als subversiv stigmatisiert und viele Gesuche um Bildung einer ZRC abgelehnt wurden. Der <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> ist auch der einzige Regierungsvorschlag, der die Organisationsformen und die Selbstverwaltung der Kleinbauern anerkennt und z.B. die F\u00f6rderung der <em>Guardias campesinas<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span><strong>[3]<\/strong><\/span><\/a><\/em> in Anlehnung an die indigenen territorialen Sicherheitsstrukturen oder der <em>Planes de vida para el buen vivir y vivir sabroso<\/em> (Entwicklungspl\u00e4ne f\u00fcr das gute und zufriedene Leben) unterst\u00fctzt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span>[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Wahlb\u00fcndnis <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> verspricht eine Agrarreform<\/strong><\/p>\n<p>Das Regierungsprogramm von Petro ist auf eine St\u00e4rkung des wirtschaftlichen Wachstums ausgerichtet und will den Reichtum nebst anderen Reformen durch eine Agrarreform verteilen. Sektoren des <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> schlagen vor, die agrar\u00f6kologische Produktion, die Entwicklung der nationalen D\u00fcngemittel- und Betriebsmittelindustrie und Pl\u00e4ne f\u00fcr Agrar- und Nahrungsmittelregionen zu intensivieren. Zur F\u00f6rderung der nationalen Produktion setzt die Strategie au\u00dferdem auf Z\u00f6lle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse und Betriebsmittel.<\/p>\n<p>Der <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> verspricht eine Agrarreform, in deren Rahmen ein Mehrzweckkataster eingef\u00fchrt und der Landfonds gest\u00e4rkt wird sowie Entwicklungspl\u00e4ne mit einem territorialen Ansatz und andere durch das Friedensabkommen geschaffene Instrumente ausgearbeitet werden. Die Landbev\u00f6lkerung muss Teil des neuen Modells einer &#8222;produktiven Wirtschaft&#8220; sein und Programme umsetzen, die &#8222;sichere Einkommen garantieren&#8220;. Der <em>Pacto Hist\u00f3rico<\/em> schl\u00e4gt einen Wandel f\u00fcr die l\u00e4ndlichen Gebiete vor, wie ein Stopp des Imports von Millionen Tonnen an Lebensmitteln und Betriebsmitteln, die Kolumbien selbst produzieren kann und soll. Ziel ist es, die Lebensmittelpreise zu senken. Im Modell des wirtschaftlich produktiven Landes, von dem Gustavo Petro tr\u00e4umt, ist die &#8222;Nahrungsmittelsouver\u00e4nit\u00e4t&#8220; ein weiteres grundlegendes Ziel.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span>[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Konkrete Ideen f\u00fcr die Agrarreform<\/strong><\/p>\n<p>Cecilia L\u00f3pez, eine 79-j\u00e4hrige liberale Politikerin, ist die neue Landwirtschaftsministerin und beauftragt, die Agrarreform umzusetzen. Mit dem Mehrzweckkataster (catastro multiprop\u00f3sito), der rasch umgesetzt werden soll, wird angestrebt, den Landbesitz erstmals richtig zu besteuern. Die Grossgrundbesitzer, die unproduktives Land horten, h\u00e4tten dann zwei M\u00f6glichkeiten: entweder auf ihrem Land mehr zu produzieren, so dass sie die neue Steuer auf den Landbesitz bezahlen k\u00f6nnen, oder ihr Land dem Staat verkaufen, der es dann umverteilt. Den Landkauf will der Staat aus dem Ertrag der neuen Bodensteuer des Mehrzweckkatasters finanzieren. Angestrebt werden die \u00dcberwindung der sozio\u00f6konomischen Ungleichheit und eine massive Steigerung der Nahrungsmittelproduktion. Damit will die Regierung Petro der Inflation und der Importabh\u00e4ngigkeit entgegen wirken und die Abh\u00e4ngigkeit vom extraktiven Sektor (Bergbau, \u00d6l) reduzieren. Eine integrale Bodenpolitik m\u00fcsste zudem territorial, nicht individuell ausgerichtet sein. Ein Instrument dazu ist der <em>Fondo de Tierras para la Paz<\/em>, der bisher kaum ge\u00e4ufnet worden ist. Zudem sind die dazu geschaffenen Institutionen ineffizient und die Bedingungen um z.B. ein Landst\u00fcck zugeteilt zu bekommen, oder auch um ein ZRC zu bilden, fast unm\u00f6glich zu erf\u00fcllen. Ebenso gilt es 2,6 Millionen Grundst\u00fccke zu formalisieren und zu legalisieren. Zudem m\u00fcssen die steigenden Produktionskosten wieder gesenkt werden, der Sektor muss wettbewerbsf\u00e4higer werden und die Vermarktung muss verbessert werden.<\/p>\n<p>Das Friedensabkommen mit den FARC bildet den Rahmen f\u00fcr die Agrarreform, und besagt beispielsweise, dass innert sieben Jahren das Mehrzweckkataster eingef\u00fchrt werden soll, um die Besitzrechte \u00fcber das Land, die Eignung der B\u00f6den und deren Preise zu erfassen. 28% des Territoriums sind \u00fcberhaupt nicht registriert, 68% sind nicht aktualisiert, und mit diesen L\u00fccken ist es schwierig, eine gute Politik zu formulieren. 0,4% des BIP ist f\u00fcr den Kataster vorgesehen. Das Friedensabkommen besagt auch, dass sieben Millionen Hektaren Land formalisiert und drei Millionen Hektaren an kleine und mittlere Produzenten \u00fcbertragen werden sollen.<\/p>\n<p>Der Regierung Petro schwebt auch vor, den kolumbianischen Produktionsapparat weniger CO2-intensiv zu machen und die landwirtschaftliche Produktion v.a. auf die Produktion von Lebensmitteln auszurichten. Dies ist dringend, da Kolumbien keine Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t hat und auch die Ern\u00e4hrungssicherheit kritisch ist. Aktuell werden 14 Millionen Tonnen Lebensmittel importiert, und die Hoffnung ist, dass mit der Agrarreform die Lebensmittelproduktion gesteigert werden kann. Dazu muss das unproduktive Latifundium mit extensiver Viehwirtschaft produktiver werden und die KleinbauerInnen, Indigenen und Afrokolumbianer m\u00fcssen einbezogen und unterst\u00fctzt werden. Von den 20 Millionen Hektaren Land, die landwirtschaftlich genutzt werden k\u00f6nnen, werden nur 6,5 &#8211; 7 Millionen effektiv genutzt, 13 Millionen sind unproduktiv. Diese Situation muss mit der Agrarreform ver\u00e4ndert werden. Die sozialen Bewegungen haben grosse Hoffnung, dass mit dieser Regierung die Agrarreform endlich umgesetzt und ein historisches Versprechen erf\u00fcllt wird. Ein wichtiges Zeichen ist die Ernennung von Giovani Yule als Direktor der Beh\u00f6rde f\u00fcr Landrestitution. Es ist zu hoffen, dass Personen die <em>Agencia Nacional de Tierras<\/em> leiten, die die Menschenrechte, u.a. das Recht auf Land verteidigen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span>[6]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Landreform will den Widerspruch zwischen moderner Landwirtschaft und den Kleinbauern nicht vertiefen, im Gegenteil. Die mechanisierte Landwirtschaft wird weiter unterst\u00fctzt, die l\u00e4ndlichen Gemeinschaften werden aber wichtiger, um ihren Rechten Nachdruck zu verleihen. Schlussendlich sollen die beiden Sektoren aber sogar in strategischen Produktions- und Lieferketten zusammenarbeiten, z.B. beim Mais als wichtiges Futter- und Lebensmittel. Die nachhaltige Entwicklung ist eine weitere Priorit\u00e4t, um den Klimawandel auch mit der Landwirtschaft zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die Regierung Duque hat am 29. Juli 2022 noch den Vorschlag f\u00fcr den Staatshaushalt 2023 im Kongress eingereicht, mit den Priorit\u00e4ten wie es die Regierung Duque sah. Diese Priorit\u00e4ten entsprechen nicht den Priorit\u00e4ten der Regierung von Gustavo Petro und der finanzielle Spielraum f\u00fcr die ambiti\u00f6sen Programme Petros ist zu klein. Petro muss versuchen, die Last des Schuldendienstes zu reduzieren und\/oder mit einer Steuerreform mehr Mittel einzunehmen. So ist z.B. das Budget des Agrarsektors sehr tief und reicht nie und nimmer f\u00fcr die \u201eAgrarrevolution\u201c wie sie Petro vorschwebt, die den Sektor modernisiert, seine Produktivit\u00e4t erh\u00f6ht und die Importabh\u00e4ngigkeit reduziert. Die Integrale Agrarreform ist ein wichtiges Anliegen der Regierung Petro, ist aber ein vergessen Thema im Land und die Wichtigkeit des Agrarsektors wird im urbanen Raum nicht anerkannt. In einer Umfrage dieses Jahres gaben nur 34% der Befragten an, dass sie die Agrarreform f\u00fcr wichtig erachten, andere Reformen wie die Gesundheits- oder Rentenreform wurden als wichtiger erachtet. Jennifer Mojica, die das Landwirtschaftsteam in der Regierungs\u00fcbergabe koordinierte, versichert jedoch, dass die Integrale Agrarreform des Friedensabkommens mit den FARC Priorit\u00e4t habe. Der urspr\u00fcngliche Budgetvorschlag der Administration Duque steht dieser Strategie entgegen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span>[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Epilog<\/strong><\/p>\n<p>Der Artikel wurde urspr\u00fcnglich Ende August verfasst. In der Zwischenzeit wurden konkrete Schritte hin zur Umsetzung der Agrarreform getan. Die Landwirtschaftsministerin Cecilia L\u00f3pez hat die Landtitelvergabe von 683\u2018384 Hektar Land an 12.600 Kleinbauern und Kleinb\u00e4uerinnen, Indigene und afrokolumbianische Gemeinden in 19 Departementen angek\u00fcndigt. Die Regierung will die \u00dcbergabe der Grundst\u00fccksurkunden bis November abgeschlossen haben<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span>[8]<\/span><\/a>. So sollen die Campesinos auch formell in den Besitz ihrer Grundst\u00fccke kommen und dann auch Zugang zu Krediten und Produktionsmittel bekommen. Die Titelvergabe ist der Anfang, um den sonst langsamen und schwerf\u00e4lligen Prozess zu beschleunigen. In einem ersten Schritt sollen auch 10 Reservate f\u00fcr Indigene mit 300\u2018000 Hektaren formalisiert werden. Die Herausforderungen bleiben aber gross: Das Ziel ist, drei Millionen Hektaren Land an landlose Familien zuzuteilen und sieben Millionen Hektaren zu formalisieren. Gleichzeitig mit diesen ersten Schritten der Agrarreform sieht sich die Regierung aber auch konfrontiert mit grossen Landbesetzungen durch kleinb\u00e4uerliche und indigene Basisorganisationen und Aufrufe der Grossgrundbesitzer, die Landbesetzungen und die Agrarreform zu bek\u00e4mpfen, und sich notfalls daf\u00fcr auch zu bewaffnen. Erinnerungen an die Paramilit\u00e4rs und die Sicherheitskooperativen Convivir in den 90er Jahren kommen auf.<\/p>\n<p>Die Agrarreform der Regierung Petro hat nichts Revolution\u00e4res: mit dem Mehrzweckkataster soll die Produktivit\u00e4t des Bodens erh\u00f6ht werden. Land, das unproduktiv ist, will die Regierung abkaufen, und den Kleinbauern und Landlosen \u00fcbertragen. Zu welchen Preisen unproduktives Land angekauft wird, und ob die Beg\u00fcnstigten f\u00fcr das Land bezahlen m\u00fcssen, ist noch unklar. Es scheint aber nicht ein reines Marktmodell wie mit dem Gesetz Nr. 160 von 1994 zu sein, Grossgrundbesitzer werden aber auch nicht mit Enteignung bedroht. Das Geschrei, dass der Privatbesitz in Gefahr sei und man sich bewaffnet gegen Enteignung wehren m\u00fcsse, ist krass \u00fcbertrieben. Eine erfolgreiche Agrarreform ist aus vielen Gr\u00fcnden n\u00f6tig und n\u00fctzlich: Die soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit kann vermindert werden; die Ern\u00e4hrungssicherheit und \u2013Souver\u00e4nit\u00e4t k\u00f6nnen erh\u00f6ht und Devisen f\u00fcr Importe gespart werden; sie ist Teil der L\u00f6sung des Drogenproblems und der Gewalt und kann dazu beitragen, die Abholzung zu reduzieren und so den Amazonaswald zu retten, und sie kann helfen, die Effekte des Klimawandels zu reduzieren. Hoffen wir, dass die Vorschl\u00e4ge der Regierung Petro zum umfassenden Frieden beitragen und nicht in neue Gewalt m\u00fcnden. Den Stimmen, die zu gewaltt\u00e4tigem Widerstand gegen die Agrarreform aufrufen, muss entschieden entgegen getreten werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/60-organizaciones-campesinas-le-proponen-al-nuevo-gobierno-una-agenda-nacional-campesina\/\">60 organizaciones campesinas le proponen al nuevo gobierno una Agenda Nacional Campesina &#8211; Dejusticia<\/a><\/span><span>. <\/span>Die ganze Agenda\/der ganze Brief ist im Original hier zu finden: <span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Agenda-Nacional-Campesina-de-Colombia-14-de-julio-2022.pdf\">Agenda-Nacional-Campesina-de-Colombia-14-de-julio-2022.pdf (dejusticia.org)<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/contamos-el-documental-sobre-la-lucha-del-campesinado-por-existir-en-colombia\/\">Contamos, el documental sobre la lucha del campesinado por existir en Colombia &#8211; Dejusticia<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><span>[3]<\/span><\/a> <span>Mehr zu den Guardias campesinas z.B. hier: <\/span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/column\/las-guardias-campesinas-una-figura-que-le-apuesta-a-la-paz-en-los-territorios\/\">Las guardias campesinas, una figura que le apuesta a la paz en los territorios &#8211; Dejusticia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><span>[4]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/column\/el-reconocimiento-del-campesinado-en-las-candidaturas-presidenciales\/\">El reconocimiento del campesinado en las candidaturas presidenciales &#8211; Dejusticia<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><span>[5]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/259426\/kolumbien-entwicklungsplan-petro?pk_campaign=newsletter&amp;pk_kwd=daily\">https:\/\/amerika21.de\/analyse\/259426\/kolumbien-entwicklungsplan-petro?pk_campaign=newsletter&amp;pk_kwd=daily<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><span>[6]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/447847-reforma-agraria-una-audaz-promesa-de-petro\">https:\/\/www.pagina12.com.ar\/447847-reforma-agraria-una-audaz-promesa-de-petro<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><span>[7]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/razonpublica.com\/presupuesto-2023-no-contempla-las-prioridades-petro\/\">https:\/\/razonpublica.com\/presupuesto-2023-no-contempla-las-prioridades-petro\/<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><span>[8]<\/span><\/a> <span>https:\/\/amerika21.de\/2022\/09\/260210\/regierung-petro-massive-landtitelvergabe<\/span><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Kleinbauern-und-Petro.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/contamos-campesinos.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;contamos campesinos&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kampagne des Pacto hist\u00f3rico war die einzige, die die Anerkennung der Kleinbauern und Kleinb\u00e4uerinnen als soziale Gruppe und als Rechtssubjekte sowie die Umsetzung einer Agrarre-form versprach. Nun macht sich die Regierung an die Umsetzung. Kernst\u00fccke der Agrarreform sind das Mehrzweck-Kataster und die Formalisierung des Grundbesitzes. Mit dem Mehrzweck-Kataster soll das Land h\u00f6her besteuert werden und so mehr produzieren. Unproduktives Land will die Regierung Petro mit dem Gewinn der Bodensteuer aufkaufen und an Landlose verteilen. Ebenso soll der informelle Landbesitz durch Titel legalisiert werden. Mechanisierte Grossbetriebe und Kleinbauern sollen nebeneinander bestehen und sich erg\u00e4nzen. Ebenso steht die Ern\u00e4h-rungssouver\u00e4nit\u00e4t und die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels auf dem Programm. Obwohl es keine sehr radikale Reform mit Enteignungen ist, drohen die Grossgrunbesitzer it massivem, auch be-waffneten, Widerstand.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":8646,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"1080","footnotes":""},"categories":[1,19,21,26,29,11,10,12],"tags":[],"class_list":["post-8641","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-feature","category-friedensprozess","category-laendliche-entwicklung-und-agrarreform","category-lebensmittel-gesundheit-und-agrarsektor","category-menschenrechte","category-themen","category-wirtschaft-menschenrechte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8641"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8650,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8641\/revisions\/8650"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8646"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}