{"id":8432,"date":"2022-06-28T21:34:30","date_gmt":"2022-06-28T19:34:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=8432"},"modified":"2022-07-20T09:25:38","modified_gmt":"2022-07-20T07:25:38","slug":"ohne-eine-regierung-mit-dem-politischen-willen-die-ursachen-der-gewalt-anzugehen-werden-wir-nie-in-ruhe-leben-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/ohne-eine-regierung-mit-dem-politischen-willen-die-ursachen-der-gewalt-anzugehen-werden-wir-nie-in-ruhe-leben-koennen","title":{"rendered":"Ohne eine Regierung mit dem politischen Willen, die Ursachen der Gewalt anzugehen, werden wir nie in Ruhe leben k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.17.4&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><em>Von Stephan Suhner<br \/><\/em><\/p>\n<p><em>Carlos Morales war Ende Mai auf Einladung von PBI Schweiz in Bern. Mitarbeiter der ask!-Fachstelle besuchten 2014 in Begleitung von Carlos verschiedene Goldminen in den Gemeinden Remedios und Segovia. Wir nutzten seinen Besuch in Bern, um mit ihm \u00fcber Massnahmen zum Selbstschutz, \u00fcber kollektive Widergutmachung und \u00fcber Goldbergbau zu reden. <\/em><\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Carlos, kannst du zuerst etwas deine Organisation und deine Heimatregion vorstellen? <strong>Carlos:<\/strong> Ich bin Carlos Morales, ich bin Kleinbauernf\u00fchrer und der rechtliche Vertreter der <em>Corporaci\u00f3n por la Acci\u00f3n Humanitaria y la Convivencia en el Nordeste Antioque\u00f1o<\/em>, CAHUCOPANA. Cahucopana arbeitet seit 18 Jahren im Bereich Menschenrechte und Mechanismen zum Selbstschutz f\u00fcr die Kleinbauern- und Goldsch\u00fcrfergemeinschaften in den Gemeinden Remedios und Segovia. Cahucopana entstand in einer Gegend, die historisch sehr komplex ist. Es gibt Pr\u00e4senz vom ELN, den FARC und heute deren Dissidenzen, von Paramilit\u00e4rs und von sogenannten kriminellen Banden wie den AGC sowie der staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte. Cahucopana denunziert die Menschenrechtsverletzungen aller bewaffneten Gruppierungen und Akteuren, legalen wie illegalen. Diese Transparenz bedeutet f\u00fcr uns als Organisation einen gewissen Schutz und Respekt, f\u00fchrt gegen die f\u00fchrenden K\u00f6pfe von Cahucopana aber auch zu mehr Drohungen. Die verschiedenen bewaffneten Gruppen k\u00e4mpfen um die territoriale Kontrolle, da das Gebiet geostrategisch wichtig und reich an nat\u00fcrlichen Ressourcen ist. Die Wirtschaft ist v.a. durch den Goldabbau bestimmt, wobei bisher kleine Minen und handwerkliche Goldsch\u00fcrfer dominieren. Multinationale Unternehmen wie Anglo Gold Ashanti oder Frontino Gold Mine verf\u00fcgen \u00fcber grosse Konzessionen, die ihnen der Staat \u00fcbertragen hat, auf denen heute kleine, informelle Minen betrieben werden. Das erkl\u00e4rt ihren Drang, uns zu vertreiben. Wir haben keine juristischen Beweise, aber es gibt klare Verbindungen zwischen den Multis und den bewaffneten Gruppierungen. Es handelt sich um Komplizenschaft, um uns Kleinsch\u00fcrfer zu vertreiben, das Territorium zu entv\u00f6lkern und den Grossbergbau in Angriff zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Was ist die Rolle von Cahucopana in diesem schwierigen Umfeld?<br \/><strong>Carlos:<\/strong> Cahucopana betreibt in diesem konflikttr\u00e4chtigen Umfeld friedlichen und organisierten Widerstand und versucht die Gemeinschaften gegen\u00fcber der Vertreibungspolitik zu sch\u00fctzen. Wir organisieren Komitees von kleinen Goldsch\u00fcrfern und bilden sie aus in besseren Goldabbautechniken, aber auch in Menschenrechten und humanit\u00e4rem V\u00f6lkerrecht.\u00a0 In drei strategischen Weilern haben wir daf\u00fcr Schutzh\u00e4user &#8211; <em>Casas de refugio humanitario de paso<\/em> &#8211; eingerichtet als Strategie gegen Mord und Vertreibung. Wenn Einzelpersonen oder auch Kollektive bedroht werden, k\u00f6nnen sie sich in eines dieser H\u00e4user zur\u00fcckziehen. Cahucopana spricht dann im Rahmen des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts mit den Beh\u00f6rden und den bewaffneten Akteuren, um f\u00fcr das Leben und die Sicherheit der Gemeinschaften Respekt einzufordern. Wir machen bei Gefahrensituation sogenannte humanit\u00e4re Aufrufe, wo wir von den bewaffneten Akteuren Respekt f\u00fcr die Regeln der Gemeinschaften, f\u00fcr das Leben der Gemeinschaften und das Recht, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden, einfordern. Anstatt in die Grossst\u00e4dte zu fl\u00fcchten, fl\u00fcchten wir innerhalb unseres Territoriums. Das hat uns seit 17 Jahren erm\u00f6glicht, uns gegen gewaltsame Vertreibungen zur Wehr zu setzen, trotz Konflikt im Territorium verbleiben zu k\u00f6nnen und das Leben von Kleinb\u00e4uerinnen und Goldw\u00e4schern zu sch\u00fctzen. Es sind Mechanismen, die uns sch\u00fctzen, und die Gemeinschaften nehmen sich dieser Mechanismen an. Wir werden auch von IKRK, der MAPP OEA und der UNO begleitet und ihre Erfahrungen mit dem humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrecht st\u00e4rken unsere eigenen Instrumente.<\/p>\n<p>Wichtige Pfeiler unserer Arbeit sind Themen wie Frauen und Gender, das historische Erinnern und Menschenrechte mit differenziellem Fokus. Das Erinnern ist wichtig, weil wir in einer gewaltgepr\u00e4gten Region leben. Wir sind auch Subjekt f\u00fcr kollektive Wiedergutmachung, der kolumbianische Staat hat uns als Opfer des Konfliktes anerkannt, da wir sowohl Opfer der illegalen bewaffneten Gruppen wie auch der staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte wurden. Wir wurden Opfer von juristischen Fallen (<em>montajes judiciales<\/em>), Attentaten und von den sogenannten <em>falsos positivos<\/em>, als die Armee drei Goldsch\u00fcrfer umgebracht und als gefallene Guerilleros dargestellt hat.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Wie ist denn aktuell die Sicherheitslage im Gebiet, wo Cahucopana arbeitet?<br \/><strong>Carlos:<\/strong> Dass Cahucopana all die Bedrohungen und \u00dcbergriffe der legalen wie illegalen bewaffneten Akteure \u00f6ffentlich macht, f\u00fchrt zu mehr und weiteren Drohungen der verschiedenen bewaffneten Akteure. Ich selber erlitt am 27. Februar 2022 ein Attentat wegen all diesen Anzeigen, die wir machten. Im Moment des Attentats war ich mit meiner Frau und meinem 5-j\u00e4hrigen Sohn zusammen. Ich wurde an den Rippen verletzt, auch meine Frau erlitt leichte Verletzungen. Die Institutionen schweigen zu all diesen Drohungen und Morden, es gibt keine Untersuchungen, oder wenn solche begonnen werden, machen sie keine Fortschritte. Deshalb mache ich diese Lobbyreise, um in Europa zu erz\u00e4hlen, wie unsere Lage aussieht, und zu fordern, dass europ\u00e4ische Regierungen von Kolumbien wirkliche Schutzmassnahmen und Sicherheit einfordern. Denn unsere Situation als Menschenrechtsverteidiger wird immer schwieriger. Wenn wird denunzieren, werden wir umgebracht, so wie es vor 3 Monaten mit den beiden Kollegen von Fedeagromisbol, Teofilo und Tafur, passierte<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a>. Sie hatten die Drohungen und die Sicherheitsrisiken, denen sie sich gegen\u00fcber sahen, \u00f6ffentlich gemacht, und ein paar Monate sp\u00e4ter wurden sie umgebracht.<\/p>\n<p>Wir setzen uns daher f\u00fcr die Umsetzung von differenziellen und kollektiven Schutzmassnahmen ein, die uns eigentlich zugesprochen wurden. Die nationale Schutzeinheit UNP setzt diese aber nicht korrekt um, und die Massnahmen die wir bekommen, sind weder kollektiv noch differenziell. So werden uns als Kleinbauern, Indigene und handwerkliche Goldsch\u00fcrfer Dinge wie unpassende gepanzerte Fahrzeuge offeriert, die nicht f\u00fcrs Gel\u00e4nde taugen, oder Handys die an vielen abgelegenen Orten keinen Empfang haben. Die UNP anerkennt auch unsere Massnahmen zum Selbstschutz nicht, wie z.B. die tempor\u00e4ren Schutzh\u00e4user.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Was w\u00e4re ein ideales kollektives und differenzielles Schutzschema?<br \/><strong>Carlos:<\/strong> Unsere kollektiven Massnahmen wurden vom CERREM<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a> grunds\u00e4tzlich schon akzeptiert. Wir haben unz\u00e4hlige Male insistiert, dass die Beh\u00f6rden die Mechanismen des Selbstschutzes anerkennen; weiter sollten die <em>Unidad de Victimas<\/em> und die Schutzeinheit UNP die tempor\u00e4ren Schutzh\u00e4user st\u00e4rken, das heisst besser ausstatten und die Implementierung unterst\u00fctzen, und drittens verlangen wir einen institutionellen Vorschlag f\u00fcr Ausbildung und humanit\u00e4re Interventionen im Territorium. Schon vor vier Jahren hat das CERREM diese Forderungen unterst\u00fctzt, umgesetzt wurde bisher nichts. Wir sehen eine Regierung, die keinen Willen hat, unsere Mechanismen zum Selbstschutz anzuerkennen. Noch wichtiger als Schutzmassnahmen w\u00e4ren aber Aktionen gegen die Akteure, die uns bedrohen. Ohne den Willen der Regierung, die illegalen bewaffneten Gruppen zu entwaffnen, gibt es keinen wirklichen Schutz. Die Regierung h\u00e4lt die Abkommen zur Entwaffnung der Paramilit\u00e4rs und das Friedensabkommen aber nicht ein. Wir glauben nicht, dass das Friedensabkommen alle Probleme gel\u00f6st h\u00e4tte, aber es versprach uns z.B. Zugang zu Land, landwirtschaftliche Projekte, Bewegungsfreiheit und menschenrechtliche Garantien.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Was bedeutet f\u00fcr euch die kollektive Wiedergutmachung genau?<br \/><strong>Carlos:<\/strong> Das bedeutet, dass der Staat mit den Gemeinschaften zusammenarbeitet, auf sie zugeht, und dass die Stigmatisierung der Gemeinschaften und unserer Organisation seitens der Regierung und verschiedener Beh\u00f6rden beendet wird. Zweitens braucht es Projekte, die unsere landwirtschaftliche Produktion st\u00e4rken, ausgehend von der Anerkennung unserer Leistungen in den schwierigsten Zeiten des Konfliktes von 2004 bis 2012, mit unserer Widerstandswirtschaft mit Agro\u00f6kologie und Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t. Drittens erwarten wir die Anerkennung und St\u00e4rkung der Organisation- und Gemeinschaftsarbeit von Cahucopana, z.B. mit Unterst\u00fctzung f\u00fcr Bildungsarbeit. Dazu geh\u00f6rt auch die Wiedererlangung des historischen Ged\u00e4chtnisses, und es geht darum, die W\u00fcrde der Ermordeten wiederzuerlangen. All dies mit einem differenziellen Fokus und mit humanit\u00e4rer und psychosozialer Unterst\u00fctzung. Es braucht auch eine Reparation f\u00fcr unsere Organisation, mit Unterst\u00fctzung f\u00fcr unsere Gemeindeversammlungen, f\u00fcr die Festivit\u00e4ten in den Gemeinschaften (<em>Convites comunitarios<\/em>) und f\u00fcr die gemeinsamen und gegenseitigen Unterst\u00fctzungsmassnahmen, die wir in den Konfliktjahren erbracht haben. Z.B. haben wir Frauen, die einem Haushalt vorstehen oder ihren Partner im Konflikt verloren haben bei der Aussaat und dem Anbau von Grundnahrungsmitteln unterst\u00fctzt, und so ihren Lebensunterhalt abgesichert, aber auch die Solidarit\u00e4t in den Gemeinschaften und die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t gest\u00e4rkt. Das Endziel der kollektiven Wiedergutmachung ist es, die Arbeit unserer Organisation zu st\u00e4rken und die R\u00fcckschl\u00e4ge, die wir durch die Gewalt erlitten haben, zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Wie hat sich die Situation seit dem Abschluss des Friedensabkommens entwickelt?<br \/><strong>Carlos:<\/strong> Nach der Niederlegung der Waffen durch die FARC nahm die Pr\u00e4senz von ELN und den <em>Autodefensas gaitanistas<\/em> AGC oder dem <em>Clan del Golfo<\/em> zu. Das Friedensabkommen h\u00e4tte eigentlich Ruhe in unser konfliktgeplagtes Gebiet bringen sollen, soziale Investitionen und uns den Verbleib im Territorium erm\u00f6glichen. Doch es kam anders. Es h\u00e4uften sich Morde an Kleinbauern, die Drohungen nahmen zu, sexuelle Gewalt, der Drogenkonsum und -handel stieg an, die paramilit\u00e4rische Pr\u00e4senz verst\u00e4rkte sich. Die nationale Regierung hat die Versprechen gegen\u00fcber den Gemeinschaften und den ehemaligen FARC-K\u00e4mpferInnen nicht eingehalten und keinen politischen Willen gehabt, das Friedensabkommen umzusetzen. In unserem Gebiet im Weiler Carrizales liegt der \u00dcbergangs- und Wiedereingliederungsraum ETCR Juan Carlos Casta\u00f1eda, gegen\u00fcber dem die Regierung die Zusagen bez\u00fcglich der Wiedereingliederung auch nicht eingehalten hat. Wir sehen nun wie einige ehemalige FARC-K\u00e4mpfer*innen wieder zu den Waffen greifen und dem ELN oder den FARC-Dissidenzen beitreten.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong>Ihr organisiert ja auch die Kleinsch\u00fcrfer*innen in eurer Region. Wie arbeitet ihr genau mit ihnen?<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Wir bem\u00fchen uns um einen umweltfreundlichen Goldabbau \u00fcber die Bergbaukomitees und investieren in die Schulung der Goldsch\u00fcrfer*innen. Z.B. versuchen wir, das Wasser im Prozess des Goldwaschens wieder zu verwenden und die Fl\u00fcsse nicht zu verschmutzen. Wir versuchen die Umweltfolgen unserer Art von Goldabbau so gering wie m\u00f6glich zu halten. Dieser Prozess ist sehr schwierig, weil es von staatlicher Seite keine Unterst\u00fctzung daf\u00fcr gibt. Die kleinen Goldsch\u00fcrfer existieren im Bergbaugesetz als eigenst\u00e4ndige Subjekte gar nicht und betreiben informellen Bergbau. Es gibt keine M\u00f6glichkeit, sich zu formalisieren und dabei eigenst\u00e4ndig zu bleiben und im Territorium bleiben zu k\u00f6nnen. Der traditionelle Bergbau der Gemeinschaften wird also nicht anerkannt. Es bleibt ihnen nur eine Art der Formalisierung, in dem sie zu Handlangern der grossen Bergbaubetriebe werden, die \u00fcber die Konzessionen und die Umweltlizenzen verf\u00fcgen. Das heisst, sie m\u00fcssen dann f\u00fcr einen grossen Minenbetrieb arbeiten, unter deren Anweisungen, und diese bestimmen auch den Ankaufspreis des Goldes. Wir hingegen f\u00f6rdern einen solidarischen, gemeinschaftsbasierten Bergbau, der die Region und die Gemeinschaften mit sozialen Werken und Investitionen, wie Gesundheitsposten oder sanit\u00e4re Anlagen f\u00fcr eine Schule unterst\u00fctzt, wir bauen gemeinsam Erschliessungsstrassen und leisten auch humanit\u00e4re Nothilfe und Unterst\u00fctzung bei Ungl\u00fccken und Notf\u00e4llen. Wir sehen den Bergbau in der Region als Familienbetriebe, die den Lebensunterhalt sichern, in kleinem Massstab, und immer auch in Kombination mit dem Anbau von Lebensmitteln f\u00fcr den Eigenbedarf der Gemeinschaften. Die Multis wollen wir nicht in unser Gebiet reinlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Ein grosses Problem ist der illegale Goldabbau, der von der Regierung angeblich bek\u00e4mpft wird. Wie effizient ist die Regierungsstrategie?<br \/><strong>Carlos:<\/strong> Die Regierung macht mit den Begriffen informell, traditionell und illegal ein Durcheinander. Im Bajo Cauca z.B. gibt es beim alluvialen Goldabbau das Problem mit mafi\u00f6sen Strukturen oder den AGC, die z.T. die schweren Maschinen betreiben. Den Maschinen auf den Fuss folgen aber viele kleine Goldw\u00e4scher die f\u00fcr die Subsistenz im Umfeld der Maschinen etwas Gold waschen. Diese Goldw\u00e4scher sind aber nicht kriminell oder illegal, sondern traditionell, m\u00fcssen aber gezwungenermassen unter den Strukturen der mafi\u00f6sen, mechanisierten Goldf\u00f6rderer arbeiten. Der ganze angebliche Kampf gegen illegalen Bergbau ist nur Show. Erstens werden h\u00e4ufig informelle, handwerkliche Bergleute kriminalisiert und angegriffen, nicht die Mafias mit ihren schweren Maschinen. Der kleine Goldw\u00e4scher oder kleine Betreiber von Stollen wird also juristisch verfolgt, nicht aber die Besitzer der schweren Maschinen, die ohne Erlaubnis arbeiten, oder der Landbesitzer, weil sie Beziehungen beispielsweise zum Polizeikommandanten oder zum B\u00fcrgermeister haben. Polizei und Armee wissen wer die Besitzer der illegal operierenden Maschinen sind, unternehmen aber nichts dagegen, weil sie auch davon leben. Zudem gibt es Komplizenschaft zwischen den staatlichen Sicherheitskr\u00e4ften und den AGC. Der tats\u00e4chlich illegale, stark mechanisierte Goldabbau finanziert das paramilit\u00e4rische Projekt und bezahlt auch Schmiergeld an Polizei und Armee und an lokale Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Zweitens werden die Kontrollen des Goldankaufs weiterhin umgangen. Die informellen Goldsch\u00fcrfer verkaufen ihr Gold an die verschiedenen Ankaufsstellen oder Compraventas. Die Kleinsch\u00fcrfer werden kontrolliert, haben ein B\u00fcchlein wo die verkauften Mengen eingetragen werden und sie d\u00fcrfen gewisse Mengen an Gold nicht \u00fcbersteigen. Die Compraventas haben aber die finanziellen Mittel um f\u00fcr Zigtausende Franken Gold aufzukaufen. Sie kaufen auch das Gold der Paramilit\u00e4rs und der illegalen Maschinen. Die Compraventas und manchmal auch direkt die Paramilit\u00e4rs verkaufen das Gold an die Banco de la Rep\u00fablica weiter oder verkaufen es auch direkt an die grossen Minenbetriebe. Wir sind uns sicher, dass illegale Minen ebenfalls Gold an die grossen, formellen Minenbetriebe wie Frontino oder Continental verkaufen, und dieses so gewaschen wird. Gerichtlich belastbare Beweise daf\u00fcr haben wir leider nicht. Was wir wissen ist aber, dass der illegale Goldabbau nicht abgenommen hat und das Gold weiterhin exportiert wird.<\/p>\n<p>Nebst den grossen Bergbaukonzernen, die uns von ihren Konzessionen vertreiben wollen, werden viele kleine Goldsch\u00fcrfer auch durch illegale bewaffnete Akteure vertrieben. Wenn ein Kleinsch\u00fcrfer eine vielversprechende Goldader findet, lassen die Paramilit\u00e4rs ihn die Mine vortreiben, dann verlangen sie so hohe Steuern von ihm, dass er die gar nicht bezahlen kann und verkaufen muss, oder er wird bedroht, damit er billig verkauft. Wenn er sich weigert wird er gewaltsam vertrieben oder gar umgebracht.<\/p>\n<p><strong>Ask!:<\/strong> Carlos, wir danken dir f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und w\u00fcnschen dir und der Cahucopana alles Gute!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> Die ask! berichtete: <span><a href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/morde-und-todesdrohungen-gegen-landrechtskaempfer-und-verteidigerinnen-des-territoriums-reissen-nicht-ab\">https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/morde-und-todesdrohungen-gegen-landrechtskaempfer-und-verteidigerinnen-des-territoriums-reissen-nicht-ab<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> <span>Comit\u00e9 de Evaluaci\u00f3n de Riesgo y Recomendaci\u00f3n de Medidas (Komitee der Evaluation der Risiken und zur Empfehlung von Schutzmassnahmen der Nationalen Schutzeinheit UNP).<\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_button button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Interview-Carlos-Morales-Cahucopana-Juni-2022.pdf&#8220; url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.17.4&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<br \/>\n[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Morales.jpg&#8220; title_text=&#8220;Morales&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.17.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.17.5&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font_size=&#8220;12px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243; custom_margin=&#8220;-11px|||||&#8220;]<\/p>\n<p>Foto: <span>\u00a9 ASK<\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carlos Morales war Ende Mai auf Einladung von PBI Schweiz in Bern. Mitarbeiter der ask!-Fachstelle besuchten 2014 in Begleitung von Carlos verschiedene Goldminen in den Gemeinden Remedios und Segovia. Wir nutzten seinen Besuch in Bern, um mit ihm \u00fcber Massnahmen zum Selbstschutz, \u00fcber kollektive Widergutmachung und \u00fcber Goldbergbau zu reden. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":8437,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"1080","footnotes":""},"categories":[1,19,13,20,26,11,27,10,22,12],"tags":[],"class_list":["post-8432","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-feature","category-frieden","category-konfliktdynamik","category-laendliche-entwicklung-und-agrarreform","category-menschenrechte","category-natuerliche-ressourcen-energie-und-infrastruktur","category-themen","category-wahrheit-und-gerechtigkeit","category-wirtschaft-menschenrechte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8432"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8524,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8432\/revisions\/8524"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8437"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}