{"id":8134,"date":"2021-12-20T15:35:24","date_gmt":"2021-12-20T14:35:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=8134"},"modified":"2021-12-20T15:35:26","modified_gmt":"2021-12-20T14:35:26","slug":"das-problem-des-drogenhandels-oder-eine-frage-der-priorisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/das-problem-des-drogenhandels-oder-eine-frage-der-priorisierung","title":{"rendered":"Das Problem des Drogenhandels \u2013 oder eine Frage der Priorisierung"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.12.1&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Lisa Alvarado<br \/><\/em><\/p>\n<p>Der Punkt 4 des kolumbianischen Friedensabkommens dreht sich um die L\u00f6sung des Drogenproblems. Um zwei nationale Programme strukturiert, sucht dieser Punkt die Produktion und Kommerzialisierung von illegalen Drogen, haupts\u00e4chlich Kokain und Marihuana, zu unterbinden. Es geht darum, den Drogenhandel als eine Hauptursache des bewaffneten Konflikts und der andauernden Gewalt aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Laut den beiden neusten KROC-Berichte<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a>, die die Zeit bis Ende 2020, respektive die ersten f\u00fcnf Jahre der Implementierung umfassen, zeigt der Punkt 4 eine \u2018leichte Beschleunigung\u2019 im Umsetzungsrhythmus. Dies haupts\u00e4chlich dank Anstrengungen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit gegen den Drogenhandel. So wurden zum Beispiel regionale Dialoge \u00fcber eine gemeinsame Politik gegen den Drogenhandel gef\u00fchrt. Im Vergleich zur Umsetzung aller Bestimmungen des Friedensabkommens ist der 4. Punkt aber weiterhin im R\u00fcckstand. Erst 21% der Bestimmungen sind erf\u00fcllt (30% \u00fcber das gesamte Abkommen), 27% befinden sich bei der Umsetzung im Mittelfeld. Bei der H\u00e4lfte der Bestimmungen wurde mit der Umsetzung also noch nicht begonnen oder diese stehen noch ziemlich am Anfang. Viele dieser Bestimmungen ben\u00f6tigen institutionelle Reformen oder Gesetzgebungsprozesse und betr\u00e4chtliche finanzielle Mittel. Kann der bisherige Rhythmus beibehalten werden, sollte es aber m\u00f6glich sein, alle Bestimmungen des 4. Punktes zeitgerecht zu erf\u00fcllen Der 1. Punkt, die Agrarreform, und der 2. Punkt, die politische Partizipation, stehen noch schlechter da und werden, wenn es so weitergeht, nicht erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Das erste der beiden nationalen Programme, die dem Punkt 4 seine Struktur geben, ist das Nationale Integrale Programm zur Ersetzung von illegal genutzten Pflanzen, kurz PNIS. Dieses Programm wird sowohl von den direkt Betroffenen, wie auch von der internationalen Gemeinschaft, wie auch vom KROC-Institut an sich sehr gelobt. Leider geht die Umsetzung teilweise nur sehr langsam oder gar nicht mehr vorw\u00e4rts, was das ganze Programm gef\u00e4hrdet. Kurz gesagt geht es darum, den Kleinproduzent*innen, die Kokapflanzen anbauen, eine Alternative anzubieten, damit sie ihren Lebensunterhalt mit etwas anderem verdienen k\u00f6nnen. In vielen F\u00e4llen ist Koka die einzige M\u00f6glichkeit, genug Geld zu verdienen, um die eigene Familie zu ern\u00e4hren. Das PNIS sieht vor, den Familien oder auch Einzelpersonen zuerst Geld zu bezahlen, damit sie ihre Kokapflanzungen ausrotten, und dann eine zweite Zahlung zu t\u00e4tigen, damit sie neue produktive Projekte starten k\u00f6nnen, sei das der Anbau von Kakao, Kaffee, oder anderer Pflanzen. Berichte haben gezeigt, dass diese Strategie der Kokaausrottung sehr viel effektiver ist als beispielsweise die Bespr\u00fchung mit Glyphosat oder die gewaltsame Ausrottung, weil in diesen F\u00e4llen die Rate der Wiederbepflanzung weit h\u00f6her ausf\u00e4llt als bei den Leuten, die sich dem PNIS angeschlossen haben. Das Problem in der schleppenden Umsetzung besteht darin, dass viele Kokab\u00e4uer*innen ihre Pflanzungen bereits ausgerottet hatten, aber das Geld vom Staat dann nicht bekamen, oder aber sie erhielten erste Zahlungen aber dann kam nichts weiter. Was dazukommt ist, dass die Kokab\u00e4uer*innen stark stigmatisiert werden, was immer wieder zu Drohungen und Morden f\u00fchrt. Trotzdem zeigt ein Bericht des UNO-B\u00fcros gegen Drogen, dass die Kokab\u00e4uer*innen von 97% der Fl\u00e4che, die im PNIS als freiwillig ausgerottet registriert wurde, weiterhin zum Programm stehen. Dies zeigt laut dem KROC-Bericht die Wichtigkeit, dass die Regierung das Programm weiterhin sowohl institutionell wie finanziell unterst\u00fctzt. Besonders wichtig w\u00e4re laut dem Institut KROC nun die Finanzierung und Umsetzung der langfristigen Entwicklungsprojekte innerhalb des PNIS, verbunden mit Fortschritten in den Bereichen Gender- und ethnische Komponenten und der Integralen Agrarreform.<\/p>\n<p>Das PNIS scheint aber nicht wirklich im Fokus der aktuellen Regierung zu stehen. Sie haben zwar die Funktionsweise des PNIS verbessert indem sie Mitarbeiter*innen des PNIS mit Leuten der Zivilbev\u00f6lkerung und Betroffenen zusammenbringen, die gemeinsam L\u00f6sungen f\u00fcr interne Probleme suchen, aber insgesamt scheint der Fokus mehr auf internationaler milit\u00e4rischer Zusammenarbeit mit der USA und seit Neustem auch mit Deutschland<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a> zu liegen, um das sogenannte Drogenproblem mit Gewalt zu l\u00f6sen. Dieser eher milit\u00e4rische Ansatz und auch der Druck, wieder aus der Luft mit Glyphosat zu bespr\u00fchen, widersprechen aber dem Geist des Friedensabkommens und dem Beschluss 387 von 2019 des Verfassungsgerichtes, wonach die freiwillige Substitution Vorrang vor der gewaltsamen Ausrottung hat und die Bespr\u00fchung mit Glyphosat die allerletzte Wahl sei.<\/p>\n<p>Ausserdem wird mit dem zweiten nationalen Programm versucht, die Bev\u00f6lkerung auf den Konsum von Drogen und dessen Folgen zu sensibilisieren. Dies ist zwar lobenswert und wichtig, tr\u00e4gt aber in Anbetracht der Verteilung des globalen Kokainkonsums wohl eher wenig zur L\u00f6sung des Problems in Kolumbien bei. Solange in Europa und in den USA eine solch grosse Nachfrage besteht, werden die Drogenkartelle weiterhin ihr grosses Gesch\u00e4ft machen.<\/p>\n<p>Der letzte Punkt des KROC-Berichts fokussiert auf die Wichtigkeit von Allianzen zwischen allen betroffenen Sektoren und L\u00e4ndern, um gemeinsam dem Drogenhandel entgegenzutreten. Dazu werden internationale Foren wie am 7. Juli 2020 der regionale Dialog zu Erfahrungen in Drogenpolitik und Entwicklung in den Amerikas durchgef\u00fchrt, wo Abgeordnete aus Kolumbien, Peru, Guatemala, den USA und Jamaica sich \u00fcber das Thema austauschten. Sie kamen zum Schluss, dass die harmonische Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft wie auch dem Privatsektor sehr wichtig sei, um dem Drogenhandel gemeinsam entgegenzutreten. Die <em>ask!<\/em> ist mit diesem Standpunkt einverstanden, findet aber, dass gerade in Zusammenarbeit mit der USA mal etwas mehr \u00fcber den Drogenkonsum in den Staaten und weniger \u00fcber Glyphosat oder milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung gesprochen werden sollte. Um den Konsum in den USA zu reduzieren, setzen die USA weiterhin auf eine Angebotsreduktion, was Kolumbien unter Druck setzt, die Anbaufl\u00e4che drastisch zu reduzieren. Dies f\u00fchrt zu kurzfristig wirksamen Massnahmen mit enormen Kosten und verstellt den Blick auf die strukturellen Probleme in den Territorien und im Landwirtschaftssektor. Bezeichnend ist auch, dass die USA auf L\u00e4nder, die Opioide produzieren, nicht ansatzweise denselben Druck aus\u00fcbt, die Produktion zu reduzieren, wie im Falle des Kokains auf Kolumbien. Ebenso ist l\u00e4ngst klar, dass es keine raschen L\u00f6sungen gibt, die innerhalb einer Regierungsperiode umgesetzt werden k\u00f6nnen. Kolumbien sollte versuchen, in der Drogenpolitik mehr Autonomie zu gewinnen und einen Konsens \u00fcber die wesentlichen Fragen hin zu einer langfristigen Drogen-Staats- statt konjunktureller Regierungspolitik zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/peaceaccords.nd.edu\/barometer\/colombia-reports?lang=es\">https:\/\/peaceaccords.nd.edu\/barometer\/colombia-reports?lang=es<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2021\/11\/255326\/deutschland-kolumbien-militaerabkommen\">https:\/\/amerika21.de\/2021\/11\/255326\/deutschland-kolumbien-militaerabkommen<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.12.1&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Newsletter619_Artikel-Punkt-4.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/punto-4-del-acuerdo-final-de-paz.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.12.1&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;punto-4-del-acuerdo-final-de-paz&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Punkt 4 des kolumbianischen Friedensabkommens dreht sich um die L\u00f6sung des Drogenproblems. 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