{"id":7888,"date":"2021-08-30T16:33:56","date_gmt":"2021-08-30T14:33:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=7888"},"modified":"2021-08-30T16:33:58","modified_gmt":"2021-08-30T14:33:58","slug":"mit-tilapias-auf-dem-weg-der-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/frieden\/mit-tilapias-auf-dem-weg-der-hoffnung","title":{"rendered":"Mit Tilapias auf dem Weg der Hoffnung"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.10.5&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Nicole Bravo, \u00fcbersetzt von Lisa Alvarado<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Wir haben erkannt, dass es auch mit Koka auf den Feldern m\u00f6glich ist, in Frieden zu leben&#8220; (Natalia Currea, Friedensbeauftragte der Gemeinde Argelia). Dies ist die Geschichte eines Zusammenschlusses von Beamten und ehemaligen FARC-K\u00e4mpferInnen, die mit einer Tilapiafischkultur eine Insel des Widerstands gegen den Krieg in einer der gef\u00e4hrlichsten Gemeinden Kolumbiens zu schaffen versuchen. Als Beispiel daf\u00fcr, dass es neben all den traurigen und besorgniserregenden Nachrichten auch weiterhin Menschen gibt, die mit viel Kraft Hoffnung schaffen, haben wir diesen Artike<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span><strong>[1]<\/strong><\/span><\/a>l \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n<p>Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens konzentrierte sich der bewaffnete Konflikt unter anderem auf das Departement Cauca und innerhalb des Cauca auf die Gemeinde Argelia. Mehr als vier Stunden von Popay\u00e1n, der Hauptstadt des Departements, entfernt, erreicht man sie \u00fcber eine unbefestigte Stra\u00dfe, die manchmal so schmal ist, dass sie zur Einbahnstra\u00dfe wird.<\/p>\n<p>Die Nachrichten aus Argelia in den letzten Monaten erinnern an Zeiten w\u00e4hrend des Konfliktes, als die Guerillas jegliche Pr\u00e4senz des Staates verhinderten. Die Mitglieder des Gemeinderats mussten fliehen, nachdem die ELN einen von ihnen get\u00f6tet hatte. Die gleiche Guerilla k\u00e4mpft jetzt gegen Dissidenten der FARC. Die Dissidenten gegen die Armee. Und die illegalen Gruppen \u00fcben Druck auf die Gemeinschaft aus, um die Sicherheitskr\u00e4fte zu vertreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Der Konflikt in Argelia<\/em><\/p>\n<p>Im Januar entf\u00fchrte und ermordete die ELN ein Ratsmitglied in Argelia. Es war eine blutige Botschaft, die die anderen 11 Ratsmitglieder zwang, nach Popay\u00e1n zu fliehen. Ende M\u00e4rz lieferten sich die FARC-Dissidenz \u00abCarlos Pati\u00f1o\u00bb und die ELN-Front \u00abJos\u00e9 Mar\u00eda Becerra\u00bb heftige K\u00e4mpfe in der Gemeinde, insbesondere um die Kontrolle des Bezirks El Plateado, ein wichtiger Korridor f\u00fcr den Drogenhandel, der vom westlichen Gebirge zum Pazifik hinunterf\u00fchrt. Und im April wurden in El Plateado bei einem Gefecht mit der Armee 14 Pati\u00f1o-Dissidenten get\u00f6tet, rund 250 Menschen wurden vertrieben und sechs kamen in einem Minenfeld ums Leben.<\/p>\n<p>Daraufhin meldete die Armee einen Aufstand der Bev\u00f6lkerung, die den R\u00fcckzug der Armee aus dem Dorf forderte. Laut einem Gemeindevorsteher, der nicht namentlich genannt werden m\u00f6chte, weil er bereits Drohungen erhielt, \u00abbetr\u00e4gt die Strafe jetzt 3 Millionen Pesos f\u00fcr den Haushalt, der nicht mithilft, die Armee zu vertreiben\u00bb. Aber andererseits werben die bewaffneten Gruppen auch erfolgreich mit einer Schutzfunktion: \u00abSeht ihr, ihr braucht jemanden, der euch den R\u00fccken st\u00e4rkt, weil sie euch sonst ausr\u00e4uchern werden.\u00bb Damit beziehen sie sich auf das Glyphosatbespr\u00fchungsdekret von Pr\u00e4sident Iv\u00e1n Duque.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allgemein haben die T\u00f6tungsdelikte in Argelia in den letzten Jahren zugenommen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft lag die Mordrate im Jahr 2018 bei 86 pro 100\u2019000 Einwohnern, ein Jahr sp\u00e4ter stieg sie auf 176 und im Jahr 2020 schloss sie mit 289, w\u00e4hrend die Rate landesweit zwischen 22 und 24 lag.<\/p>\n<p>Die Wichtigkeit von Argelia f\u00fcr illegale Gruppen erkl\u00e4rt sich damit, dass diese Gemeinde zusammen mit der Gemeinde El Tambo, an die sie im Norden grenzt, die wichtigste Enklave f\u00fcr den Kokaanbau in der Region ist. Nach Daten aus dem Jahr 2019 entfielen auf die beiden Gemeinden 15,5% der Kokapflanzen des Pazifiks (Departemente Choc\u00f3, Valle, Cauca und Nari\u00f1o) und 6% der Kokapflanzen des Landes. Das sind fast 9\u2019000 Hektar Koka.<\/p>\n<p>Diese Situation und die zahlreichen Ermordungen ehemaliger FARC-K\u00e4mpferInnen, die der Senator der Comunespartei, Carlos Lozada, als &#8222;andauernden V\u00f6lkermord&#8220; bezeichnete, der &#8222;durch den stigmatisierenden Diskurs der Regierung Iv\u00e1n Duques gerechtfertigt wird&#8220;, hat die Gemeinde zunehmend unter Spannung gesetzt. Unter den fast 30\u2019000 Einwohnern befinden sich 25 ehemalige K\u00e4mpferInnen, die sich trotz direkten und indirekten Todesdrohungen durch bewaffnete Gruppen weiterhin f\u00fcr den Frieden einsetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Auf Tilapias wird gesetzt<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcnf Minuten mit dem Motorrad vom Stadtzentrum entfernt sind Tilapias zu einem Symbol f\u00fcr Frieden und Vers\u00f6hnung geworden. Ein blaues Tor mit einem Schild in roten Buchstaben mit der Aufschrift &#8222;Fisch zu verkaufen&#8220; begr\u00fc\u00dft die Besucher.<\/p>\n<p>Juan Andr\u00e9s Torres tauschte die Waffen und die FARC-Uniform gegen eine Angelrute ein. Mit den H\u00e4nden, die er 16 Jahre lang im Krieg gebraucht hat, w\u00e4hlt er jetzt die Fische f\u00fcr die Kunden aus, die zur Las Palmas Farm kommen. Er macht diese Arbeit schon seit einem guten Jahr. Er f\u00fcttert die Tilapias (Buntbarsch) und Cachamas (Schwarzer Pacu), k\u00fcmmert sich um die mehr als 30 Legehennen, rodet das wachsende Unkraut und kontrolliert den Zulauf, der sich einige Meter oberhalb der Farm befindet, damit das Wasser, das in die drei Fischteiche flie\u00dft, die mehr als 20\u2019000 Fische mit Sauerstoff versorgt.<\/p>\n<p>Er k\u00fcmmert sich auch um die Kunden, f\u00e4ngt die Fische, w\u00e4hlt die sch\u00f6nen aus, wirft die nicht ausgew\u00e4hlten in den See zur\u00fcck, schuppt und wiegt die Fische und berechnet ihren Preis pro Kilo. Er stellt klar, dass er kein Experte f\u00fcr Fischzucht ist und es auch nie war. Aber er hat dank der Unterst\u00fctzung seiner Nachbarn, bei denen er an die T\u00fcr klopfte, als er nicht weiter wusste, gelernt.<\/p>\n<p>Im Projekt kennt ihn jeder als Luis, den \u2018nom de guerre\u2019, den er w\u00e4hrend seiner Zeit bei der FARC als Mitglied der 60. Front, die in Argelia operierte, verwendete. Nach Angaben der Agentur f\u00fcr Wiedereingliederung und Normalisierung (ARN) ist er einer der 46 Ex-K\u00e4mpferInenn, die in der Gemeinde angekommen sind, um den Wiedereingliederungsprozess zu beginnen, und einer der 25, die geblieben sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Angaben von Mois\u00e9s Rivera, dem Rechtsvertreter der Genossenschaft ehemaliger K\u00e4mpferInnen in Argelia, die unter dem Namen Cemas bekannt ist, geh\u00f6ren der Organisation etwa 37 ehemalige Mitglieder der FARC an. Dies ist keine feste Zahl, da der Krieg in einigen Gebieten der Gemeinde die Teilnahme an Versammlungen oder Arbeitstagen nicht zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Name von Cemas ist \u2018Cooperativa Ecomun Multiactiva Agroforestal Santa Clara\u2019. Sie wurde 2018 gegr\u00fcndet. Es tr\u00e4gt den Namen Santa Clara, weil dies der Weiler war, in dem die ehemaligen K\u00e4mpferInnen, die in Argelia ankamen, ihren Wiedereingliederungsprozess begannen. Dort hatten sie einen Bauernhof, pflanzten Kaffee, Maniok, Bananen, Mais und Zwiebeln f\u00fcr den Eigenbedarf und die Gemeinschaft an und begannen mit der Viehzucht.<\/p>\n<p>Doch 2019 wurden sie laut einem Kommuniqu\u00e9 der Genossenschaft von der \u00abCarlos Pati\u00f1o\u00bb Dissidenz zum milit\u00e4rischen Ziel erkl\u00e4rt und mussten im April letzten Jahres umziehen. Die Dissidenten hatten im Voraus Fenster und T\u00fcren der Genossenschaft besch\u00e4digt und Vorr\u00e4te gestohlen. Au\u00dferdem boten sie f\u00fcr Informationen \u00fcber das Verbleiben von zwei Ex-K\u00e4mpfern einigen Einwohnern Geld an.<\/p>\n<p>Infolge dieser Vertreibung kam Juan Andr\u00e9s nach Las Palmas, um sich um die Fischteiche zu k\u00fcmmern. Diese waren 2018 mit der Lieferung von 5\u2019000 Tilapia-Schl\u00fcpflingen durch die Vereinten Nationen geschaffen wurden. Nach Angaben von ARN wurde das Projekt auch von den Regierungen Frankreichs, Norwegens und Schwedens mitfinanziert.<\/p>\n<p>Das Projekt wird auf einem Teil der Finca Las Palmas entwickelt, einem 11 Hektar gro\u00dfen Hof, den die Vereinigung der Landarbeiter von Argelia (Ascamta) den ehemaligen K\u00e4mpferInnen zur Verf\u00fcgung gestellt hat. Auf diesem Hof arbeiten auch Mitglieder der Frauenvereinigung von Argelia (Amar). &#8222;Es handelt sich nicht nur um ein wirtschaftliches Projekt, sondern auch um ein gemeinschaftliches Vers\u00f6hnungsprojekt mit geschlechtsspezifischem Schwerpunkt&#8220;, sagt Currea, Friedensbeauftragte der Gemeinde Argelia.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein Projekt des ganzen Dorfes<\/em><\/p>\n<p>Das Tor am Eingang zu den Fischteichen der Genossenschaft Cemas auf der Finca Las Palmas ist immer ge\u00f6ffnet. Motorr\u00e4der, Autos und Fu\u00dfg\u00e4nger kommen herein. Manche kommen mit ihren eigenen Angeln und bezahlen f\u00fcr ihren Fang. Es gibt aber auch diejenigen, die es vorziehen, Juan Andr\u00e9s die Leine auswerfen zu lassen und Fische fangen zu lassen, bis sie den gew\u00fcnschten Fisch finden, als w\u00e4re es ein Buffet. Manchmal kommen etwa 10 Kinder in Begleitung von einigen M\u00fcttern aus der Gemeinde. Ein Besuch, der zum festen Bestandteil der Agenda von Las Palmas geworden ist. \u00abDa wir uns wegen der Pandemie nicht in einem Haus treffen konnten, war dies der perfekte Ort\u00bb, sagt eine der M\u00fctter. \u00abEr liegt nahe am Stadtzentrum und ist offen, sonst gibt es kaum solche Pl\u00e4tze hier.\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00abHier f\u00fchlt man sich nie allein\u00bb, sagt Juan Andr\u00e9s mit einem L\u00e4cheln. \u00abDie Leute kommen sogar hierher, um ein Foto mit dem See zu machen. Es ist also immer jemand da.\u00bb<\/p>\n<p>Mayelin Bola\u00f1os ist Vizepr\u00e4sidentin der Cemas-Kooperative und hofft ebenso wie die ehemaligen K\u00e4mpferInnen, die an dem produktiven Projekt beteiligt sind, dass der Verkauf von rotem und grauem Tilapia und \u00a0Cachamas schon bald Gewinne abwirft.<\/p>\n<p>Ein Kilo Fisch kostet etwa 10\u2019000 Pesos (2.40 CHF). An einem normalen Tag variiert der Umsatz. Manchmal wird nur ein Kilo verkauft, manchmal aber auch bis zu f\u00fcnf. Zu Ostern verkauften sie zwei Tage lang mehr als 20 Kilo Fisch pro Tag. Aber das Einkommen ist wieder gesunken. Die Hoffnung ist nun, dass sie in der Lage sein werden, den Handel zu stabilisieren. So k\u00f6nnte das drei Jahre alte Projekt zu wachsen beginnen. Die ProjektteilnehmerInnen wollen ein Restaurant einrichten, einen Aussichtspunkt bauen, einen See f\u00fcr Sportfischer anlegen, eine Anlage zur Herstellung von Fischfutter bauen und in Gemeinschaftsinitiativen investieren. Dies mit dem Ziel, die Wirtschaft der Gemeinde zu diversifizieren, in der 95 Prozent der Bev\u00f6lkerung direkt vom Kokaanbau abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Und sie haben den n\u00f6tigen Platz daf\u00fcr. Die Finca von Las Palmas verf\u00fcgt \u00fcber St\u00e4lle und Unterst\u00e4nde, so dass Schweine und H\u00fchner eine weitere wirtschaftliche M\u00f6glichkeit darstellen k\u00f6nnen. Aber ohne Gewinne und mit dem Krieg im Nacken bleibt alles nur auf dem Papier. Oder, na ja, Ideen.<\/p>\n<p>Vorerst wird das Geld aus den Verk\u00e4ufen in die Seen reinvestiert. Wenn es einen \u00dcberschuss gibt, verwenden sie ihn, um den Betrieb zu verbessern und sich in kleinen Schritten den Projekten zu n\u00e4hern, von denen sie tr\u00e4umen. Die j\u00fcngste Investition ist eine kleine Backsteinmauer, um den Bereich der Seen abzugrenzen und der Idee eines Sportangelgebiets n\u00e4her zu kommen.<\/p>\n<p>Juan Andr\u00e9s ist nach wie vor f\u00fcr das Projekt verantwortlich. Wann immer er Hilfe f\u00fcr zus\u00e4tzliche Arbeiten ben\u00f6tigt, ruft er die Mitglieder der Kooperative an, damit sie helfen, wenn sie k\u00f6nnen. Keiner von ihnen verdient Geld an dem Projekt; die gesamte Arbeit ist freiwillig, mit der Hoffnung, dass sie sp\u00e4ter gewinnbringend sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Der m\u00fchsame Weg der Wiedereingliederung<\/em><\/p>\n<p>Mois\u00e9s Rivera hat nie eine Waffe benutzt und geh\u00f6rte nicht der FARC an, aber er war ein Informant. Er verbrachte deshalb vier Jahre wegen Rebellion im Gef\u00e4ngnis. Dank des Friedensabkommens wurde er freigelassen. Nach seinem Aufenthalt im Espacio Territorial de Capacitaci\u00f3n y Reincorporaci\u00f3n (ETCR)<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a> in La Elvira, Cauca, kehrte er zun\u00e4chst nach Argelia zur\u00fcck, seiner Heimat.<\/p>\n<p>Er befindet sich seit vier Jahren im Wiedereingliederungsprozess, wurde bereits durch die Dissidenten von Carlos Pati\u00f1o pers\u00f6nlich bedroht und musste aus El Plateado wegziehen, um sein Leben nicht zu gef\u00e4hrden.\u00a0 Es geschah Mitte letzten Jahres, als er als Taxifahrer arbeitete und auf seinem Motorrad Personen transportierte. Er geriet dabei in eine Kontrolle der Pati\u00f1o-Dissidenz und begegnete einem seiner ehemaligen Kollegen, alias &#8222;Cabezas&#8220;, der damals zu den abtr\u00fcnnigen Kommandanten geh\u00f6rte. Tage sp\u00e4ter wurde er gefangen genommen. Rivera sagt, dass sie ihn eine Stunde lang festhielten und ihn warnten, dass er sich nicht mehr mit den Ex-K\u00e4mpferInnen treffen d\u00fcrfe. \u00abIch habe ihnen gesagt, dass ich an den Sitzungen teilnehmen muss und dass wir die Vereinbarungen des Friedensprozesses einhalten m\u00fcssen. Sie sagten mir: \u2018Dieses Mal lassen wir dich gehen, aber wir haben dich gewarnt&#8217;\u00bb, erz\u00e4hlt Mois\u00e9s.<\/p>\n<p>Deshalb musste er El Plateado verlassen und in ein anderes Dorf ziehen. Dort macht er das Beste aus seinem Alltag. Das Motorrad kommt f\u00fcr ihn nicht mehr in Frage, weil er sich damit nicht fortbewegen kann, ohne sein Leben zu riskieren. Er hat sich f\u00fcr ein Leben auf dem Land entschieden, aber in einer Gemeinde, in der Koka angebaut wird, ist die h\u00e4ufigste Arbeit nun mal die Kokaernte. Manchmal nimmt er an der Ernte teil, eine Arbeit, bei der er f\u00fcr 40\u2019000 Pesos (knapp 10 CHF) pro Tag mehr als 8 oder 9 Stunden unter freiem Himmel arbeitet.<\/p>\n<p>Auch Mayel\u00edn Bola\u00f1os, Vizepr\u00e4sidentin von Cemas, die fast ihr halbes Leben in der FARC verbracht hat, gab ihren Job als Krankenschwester auf, als die Gewalt eskalierte. Um den direkten und indirekten Drohungen gegen die reinkorporierten K\u00e4mpferInnen in Argelia zu entgehen, bleibt ihr, wie sie erkl\u00e4rt, neben der Anzeige nur die M\u00f6glichkeit, unterzutauchen. Sie lebt jetzt von dem, was sie auf der Finca verdient, auf der sie mit ihrem Mann arbeitet, und von den 800\u2019000 Pesos, die sie im Rahmen des Friedensabkommens monatlich von der nationalen Regierung erh\u00e4lt. Weggehen ist jedoch keine Option. Mayel\u00edn erkl\u00e4rt, dass sie das Wenige, das sie hat, in der Gemeinde aufgebaut hat: \u00abWohin sollen wir gehen, wenn wir alles hier haben?\u00bb<\/p>\n<p>Diese Verbundenheit mit der Gemeinde ist auf die N\u00e4he der ehemaligen 60. Front der FARC zur Gemeinde Argelia zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese Guerillagruppe hat die organisatorischen Prozesse in der Gemeinde unterst\u00fctzt und geleitet, was sowohl von den ehemaligen K\u00e4mpferInnen als auch von der Zivilbev\u00f6lkerung anerkannt wird. Die Gemeinde verabschiedete sich sogar von der Front, als sie das Gebiet verlie\u00df und den Prozess der Wiedereingliederung begann. Nach vier Jahren der Wiedereingliederung und trotz der \u00a0Drohungen versichern die Ex-FARC Mitglieder, dass eine R\u00fcckkehr zu den Waffen keine Option ist. Sogar der B\u00fcrgermeister Jonathan Pati\u00f1o r\u00e4umt ein, dass die wiedereingegliederten K\u00e4mpferInnen weiterhin fest zum Friedensprozess stehen. Er ist jedoch besorgt \u00fcber die Stigmatisierung der Ex-K\u00e4mpferInnen durch die Regierung, aber auch durch die FARC-Dissidenten. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Carlos Pati\u00f1o Dissidenz, die zwei ehemalige F\u00fchrungspersonen der 60. Front beschuldigt, sich am Drogenhandel zu beteiligen. Die Cemas-Kooperative teilte in einem Kommuniqu\u00e9 mit, dass sich die beiden Ex-Kombattanten weiterhin im Prozess der Wiedereingliederung befinden und dass alle Mitglieder der Organisation dem Ziel des Friedens fest verpflichtet sind.<\/p>\n<p>Um diesen Vorw\u00fcrfe entgegenzuwirken hat B\u00fcrgermeister Pati\u00f1o beschlossen, den wiedereingegliederten K\u00e4mpfern mehr Raum und Sichtbarkeit zu geben. \u00abWas ich getan habe, ist ihnen Legitimit\u00e4t zu verleihen. Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass sie an Sitzungen oder Veranstaltungen teilnehmen, um die Leute zu begr\u00fcssen oder ihre Anwesenheit zu zeigen. Das legitimiert die Tatsache, dass sie hier sind und dass sie Teil der Gemeinschaft sind\u00bb, so Pati\u00f1o.<\/p>\n<p>Die Stigmatisierung ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die Verwaltung von Argelia im Hinblick auf die Wiedereingliederung. Denn, wie Pati\u00f1o erkl\u00e4rt, erlauben die Ressourcen der Gemeinde keine wirksamen Investitionen, um die Stigmatisierungen zu entkr\u00e4ften. Das liegt daran, dass vom Gesamtbudget nur ein kleiner Teil f\u00fcr die Wiedereingliederung zur Verf\u00fcgung stehen und zudem der Bedarf der Gemeinde, \u00fcberhaupt erst mal Grundbed\u00fcrfnisse abzudecken, weiterhin auch gross ist. Trotzdem ist eines der gr\u00f6ssten Bed\u00fcrfnissen die Beendigung des Konflikts. \u00abSie k\u00f6nnen sagen, dass diese Arbeit mit dem Friedensabkommens bereits geleistet wurde, aber es werden immer noch Menschen get\u00f6tet, wir befinden uns immer noch im Krieg und in einem Zustand der Angst\u00bb, sagt B\u00fcrgermeister Pati\u00f1o.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historias\/silla-nacional\/a-punta-de-tilapias,-excombatientes-resisten-a-la-guerra-en-argelia\/\">https:\/\/lasillavacia.com\/historias\/silla-nacional\/a-punta-de-tilapias,-excombatientes-resisten-a-la-guerra-en-argelia\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> Ausbildungs- und Wiedereingliederungsgebiet<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.10.5&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Newsletter616-Artikel-Excombatientes.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir haben erkannt, dass es auch mit Koka auf den Feldern m\u00f6glich ist, in Frieden zu leben&#8220; (Natalia Currea, Friedensbeauftragte der Gemeinde Argelia). Dies ist die Geschichte eines Zusammenschlusses von Beamten und ehemaligen FARC-K\u00e4mpferInnen, die mit einer Tilapiafischkultur eine Insel des Widerstands gegen den Krieg in einer der gef\u00e4hrlichsten Gemeinden Kolumbiens zu schaffen versuchen. Als Beispiel daf\u00fcr, dass es neben all den traurigen und besorgniserregenden Nachrichten auch weiterhin Menschen gibt, die mit viel Kraft Hoffnung schaffen, haben wir diesen Artikel \u00fcbersetzt.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"1080","footnotes":""},"categories":[19,13,23,21],"tags":[127,173,174,74],"class_list":["post-7888","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-feature","category-frieden","category-frieden-von-unten","category-friedensprozess","tag-cauca","tag-etcr","tag-ex-farc","tag-friedensprozess"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7888","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7888"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7888\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7894,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7888\/revisions\/7894"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}