{"id":7873,"date":"2021-08-17T10:53:04","date_gmt":"2021-08-17T08:53:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=7873"},"modified":"2021-08-17T10:53:06","modified_gmt":"2021-08-17T08:53:06","slug":"wenn-unschuldige-den-krieg-anderer-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/menschenrechte\/wenn-unschuldige-den-krieg-anderer-fuehren","title":{"rendered":"Wenn Unschuldige den Krieg Anderer f\u00fchren"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.9.9&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Kyle Jhonson et al, \u00fcbersetzt von Lisa Alvarado<\/em><\/p>\n<p>Im Pazifikdepartement Nari\u00f1o bieten bewaffnete Gruppen Minderj\u00e4hrigen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren F\u00fchrungspositionen an, um sie anzulocken. Diese neuen Anf\u00fchrer verk\u00f6rpern laut einem Artikel<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a> der Zeitung El Espectador die schlimmsten Auswirkungen der Zwangsrekrutierung. Dieser Artikel ist eine \u00dcbersetzung des Artikels auf Spanisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verschlimmerung der beiden wichtigsten bewaffneten Konflikte in der Pazifikregion Nari\u00f1os hat ein solches Ausma\u00df erreicht, dass die Gemeinden in manchen F\u00e4llen lieber Minderj\u00e4hrige zum Milit\u00e4r schicken, um zu sehen, ob diese sie aufnehmen, als sich von den bewaffneten Gruppen rekrutieren zu lassen: Waffen sind also ohnehin Option A und Option B.<\/p>\n<p>Der Streit zwischen der 30. Front und der mit der AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia) und dem Westlichen Block Alfonso Cano verb\u00fcndeten Frente Oliver Sinisterra (FOS) betrifft die Zivilbev\u00f6lkerung stark, vor allem in Gemeinden wie Roberto Pay\u00e1n, Mag\u00fc\u00ed Pay\u00e1n, Olaya Herrera und El Charco. Der Konflikt zwischen Los Contadores und der FOS terrorisiert die l\u00e4ndliche Gegend von Tumaco. Die Intensit\u00e4t dieser Konflikte hat das &#8222;Bed\u00fcrfnis&#8220; der Gruppen erh\u00f6ht, die im Kampf Get\u00f6teten zu ersetzen.<\/p>\n<p>Die 30. Front, FOS und Alfonso Cano sind allesamt Dissidentengruppen der FARC. Die erste geh\u00f6rt zum &#8222;Western Coordinating Command&#8220;, einem Dachverband von Dissidentengruppen, die sich untereinander koordinieren, obwohl unklar ist, wie. Die Alfonso Cano gab im Dezember 2020 offiziell ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur Zweiten Marquetalia bekannt, die von Ivan Marquez angef\u00fchrt wird. Die AGC, die auch als Clan del Golfo bekannt sind und deren Kommandant Matamba k\u00fcrzlich in Santander gefangen genommen wurde, sind mit der FOS verb\u00fcndet und konnten daher in das Gebiet eindringen; sie sind nicht mit der Zweiten Marquetalia verbunden, wie die Regierung k\u00fcrzlich behauptet hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Pazifikk\u00fcste von Nari\u00f1o haben alle diese Gruppen Jugendliche rekrutiert, und zwar mit lockenden Angeboten. Fr\u00fcher, in Orten wie Mag\u00fc\u00ed Pay\u00e1n, El Charco und Roberto Pay\u00e1n, &#8222;wurde den Rekruten zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Pesos (aktuell gut 400 CHF) bezahlt. Jetzt gibt es Angebote zwischen 3,5 und 3,8 Millionen Pesos (aktuell ca. 900 CHF)&#8220;, sagte eine sachkundige Quelle. &#8222;Sie zahlen ihnen so viel, um Kanonenfutter zu sein, um sich dem Krieg zu stellen.\u00bb So viel Geld hat eine gro\u00dfe Anziehungskraft in einer Gegend, in der Armut die Realit\u00e4t f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung ist.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden Minderj\u00e4hrige im Alter von 15, 16 und 17 Jahren mit F\u00fchrungspositionen angelockt. Tats\u00e4chlich ist ein Kommandant der 30. Front in El Charco nur 17 Jahre alt. In Mag\u00fc\u00ed Pay\u00e1n ist ein anderer FOS-Kommandant nicht \u00e4lter als 18 Jahre. Das ist neu, denn fr\u00fcher durchliefen die jungen M\u00e4nner in der Regel ein internes Bef\u00f6rderungsverfahren, in dem sie nach ihrer T\u00e4tigkeit als Boten oder Sp\u00e4her zum Beispiel in den Rang eines Quartiermeisters aufsteigen konnten. &#8222;Fr\u00fcher hat man ihnen zuerst kleine Dinge gegeben, dann Geld, und dann hat man ihnen eine Waffe gegeben. Jetzt gibt es gleich Geld und Waffen, und sie sagen ihnen, dass sie die F\u00fchrung \u00fcbernehmen und [mit dem Geld] die H\u00e4user ihrer M\u00fctter reparieren k\u00f6nnen&#8220;, sagt eine soziale F\u00fchrerin aus einem Viertel, deren Namen wir aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht nennen werden.<\/p>\n<p>Diese neuen bewaffneten Anf\u00fchrer kennen weder die Grundlagen des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts, noch wissen sie \u00fcber die Organisationen Bescheid, die in diesem Gebiet pr\u00e4sent sind und sich seit Jahrzehnten dort befinden, noch verstehen sie die minimalen Regeln des Krieges. &#8222;[\u2026] Sie verstehen so grundlegende Dinge nicht, wie Schulen nicht anzugreifen, und was man jetzt in vielen l\u00e4ndlichen Gegenden der Pazifikk\u00fcste von Nari\u00f1o sieht, sind zerst\u00f6rte Schulen&#8220;, sagt eine Person vor Ort, die wir zu ihrer Sicherheit nicht zitieren.<\/p>\n<p>Die Auswirkung dieses Mangels an Wissen \u00fcber die minimalen Regeln des Krieges, teilweise aufgrund der beschleunigten Rekrutierung ist, dass es eine Entmenschlichung des Konflikts in der Region gibt. Au\u00dferdem wird es dadurch noch schwieriger, eine Mediation durchzuf\u00fchren. Dies war fr\u00fcher m\u00f6glich, weil diejenigen, die die Gruppen anf\u00fchrten, in diesen Fragen gebildeter waren und besser \u00fcber die politische Situation informiert waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Tumaco neigen die Gruppen dazu, mehr mit Gewalt als mit Angeboten zu rekrutieren. Eine Gemeindeleiterin sagt, dass in D\u00f6rfern wie La Variante, La Espriella oder Tangareal &#8222;alle acht Tage Gruppen von Minderj\u00e4hrigen ankommen. Die Botschaft lautet: V\u00e4ter, die sich nicht um ihre Kinder k\u00fcmmern, haben sich nicht zu beschweren, wenn die Kinder weggenommen werden.\u00bb Sie sagt sogar, dass sie in der letzten Zeit vor ihrer Vertreibung mit den Eltern eines 17-j\u00e4hrigen Jungen zum Kommandanten einer Gruppe ging, um ihn zu bitten, ihn nicht wegzunehmen. &#8222;Sie antworteten, dass sie Verst\u00e4rkung brauchen und dass diejenigen, die nicht \u2018aufpassen\u2019, rekrutiert werden&#8220;, so die Gemeindeleiterin, die vertrieben wurde, weil sie versuchte, die Rekrutierung von Minderj\u00e4hrigen zu verhindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Situation ist so ernst, dass die Strategie der Gemeinden manchmal darin besteht, gef\u00e4hrdete Jugendliche zum Wehrdienst zu schicken, um zu verhindern, dass sie von bewaffneten Gruppen rekrutiert werden. Mit anderen Worten: Um zu verhindern, dass sie am Ende die Waffen der einen tragen, tragen sie die Waffen der anderen. Alles andere &#8211; Bildung oder (informelle) Arbeit &#8211; ist in diesen F\u00e4llen keine Option. &#8222;Die Kinder werden sich f\u00fcr den Dienst zur Verf\u00fcgung stellen, auch wenn sie wissen, dass sie nicht angenommen werden, weil sie noch nicht alt genug sind. Aber entweder das oder sie werden von illegalen Gruppen rekrutiert&#8220;, sagt ein sozialer F\u00fchrer. Es ist eine Situation, die an die schwierigsten Jahre der bewaffneten Konfrontation zwischen Paramilit\u00e4rs und Guerilla erinnert, als Familien jedem bewaffneten Akteur ein Kind schickten, um Schutz zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Tangareal, einem Dorf an der Stra\u00dfe von Tumaco nach Pasto, wo der Krieg zwischen Los Contadores und der FOS tobt, wurden in diesem Jahr mindestens drei Minderj\u00e4hrige entf\u00fchrt, und Los Contadores haben versucht, noch weitere zu rekrutieren. Tats\u00e4chlich stellten sich drei Minderj\u00e4hrige, um nicht rekrutiert zu werden, bei der Armee vor, aber zwei wurden abgewiesen. Einer landete in Bogot\u00e1, der andere blieb im Dorf und wurde ebenfalls k\u00fcrzlich rekrutiert. Verschiedenen Quellen zufolge zwingt die FOS entlang der Stra\u00dfe, in den D\u00f6rfern und St\u00e4dten in der N\u00e4he von Llorente Minderj\u00e4hrige unter 14 Jahren dazu, an jeder Sitzung des Gemeinderats (JAC) teilzunehmen, um sie zu z\u00e4hlen und die &#8222;Geeigneten&#8220; zu rekrutieren. Dies geschieht auch in der Gegend von Alto Mira und Frontera, wo mehrere Familien aus Angst, dass die bewaffneten Gruppen &#8211; FOS und Los Contadores &#8211; ihre Kinder rekrutieren, weggegangen sind.<\/p>\n<p>In Tumaco-Vierteln wie Nuevo Milenio, so berichtet eine andere Person, die es aus erster Hand wei\u00df, sind die Mitglieder des Alfonso Cano Westblocks unzufrieden, wenn sie nicht mindestens ein Kind pro Haushalt bekommen, die mehrere haben. Es ist auch \u00fcblich, dass arbeitslose Minderj\u00e4hrige mit Mitgliedern der bewaffneten Gruppen, die einige der Stadtteile kontrollieren, &#8222;zusammenarbeiten&#8220;, was das Risiko erh\u00f6ht, dass sie sp\u00e4ter rekrutiert werden.<\/p>\n<p>Anzeigen gegen gewaltsame Rekrutierungen sind minimal im Vergleich zur wahren Dimension des Problems. Einerseits erstatten die Menschen keine Anzeige, weil dies von den Gruppen als ein Vergehen angesehen wird, das sie das Leben kosten k\u00f6nnte; andererseits ist die Sicherheitslage so ernst, dass Institutionen wie das B\u00fcro des Ombudsmanns oder das kolumbianische Institut f\u00fcr Familienf\u00fcrsorge (ICBF) oft nur die Gemeindehauptst\u00e4dte erreichen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sich das Problem vor allem auf die l\u00e4ndlichen Gebiete konzentriert.<\/p>\n<p>Ein Beweis f\u00fcr diese Untererfassung ist, dass zwischen M\u00e4rz und September letzten Jahres, laut den Zahlen des B\u00fcros des Ombudsmannes vom April 2021 &#8211; die die Auswirkungen der Pandemie auf Rekrutierungsprozesse messen &#8211; nur zwei F\u00e4lle von Rekrutierung in Nari\u00f1o registriert wurden, von nur 83 landesweit gemeldeten. Und obwohl Tumaco nie die Liste der Gemeinden verl\u00e4sst, die in dieser Angelegenheit f\u00fcr eine drohende Gefahr priorisiert werden, f\u00fchrt die Warnung nicht zu einer Reduzierung des Ph\u00e4nomens.<\/p>\n<p>Die Dunkelziffer zeigt sich auch in den Zahlen des ICBF, denn nach deren Angaben ist sogar ein R\u00fcckgang zu verzeichnen: von 149 rekrutierten Minderj\u00e4hrigen im Jahr 2018 ging es auf 97 im Jahr 2019 und 71 im Jahr 2020, wobei es gen\u00fcgend Grund zu der Annahme gibt, dass w\u00e4hrend der Pandemie das Gegenteil passiert ist. Tats\u00e4chlich wurden nach Angaben der Coalico (Coalici\u00f3n contra la vinculaci\u00f3n de ni\u00f1os, ni\u00f1as y j\u00f3venes al conflicto armado en Colombia) im Jahr 2020 mindestens 222 Kinder Opfer von Rekrutierung oder waren gef\u00e4hrdet, rekrutiert zu werden.<\/p>\n<p>Es gibt keine Anzeichen daf\u00fcr, dass die verschiedenen bewaffneten Konflikte in der pazifischen Region Nari\u00f1o bald enden werden: Keine Gruppe ist bereit, auch nur einen Zentimeter ihres Territoriums aufzugeben, und alle sind bereit, um das gesamte Gebiet zu k\u00e4mpfen. Und so benachteiligt wie sie sind, werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene weiterhin Zielscheibe f\u00fcr die Rekrutierung nicht nur f\u00fcr den Krieg, sondern jetzt auch f\u00fcr dessen F\u00fchrung sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Artikel stimmt einen nachdenklich und besorgt in Zeiten, wo alle Augen auf die grossen St\u00e4dte gerichtet sind. Doch eigentlich ist klar, dass auch w\u00e4hrend in den St\u00e4dten f\u00fcr ein besseres Leben protestiert wird der Konflikt auf dem Land unvermindert weitergeht. Es zeigt die Dringlichkeit, dass die Regierung etwas unternimmt, und dass wir aus der Ferne unser Bestes tun, die Regierung unter Druck zu setzen und die kolumbianische Zivilgesellschaft dabei unterst\u00fctzen in ihrem Kampf, geh\u00f6rt zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/colombia-20\/conflicto\/narino-una-guerra-entre-ninos\/\">https:\/\/www.elespectador.com\/colombia-20\/conflicto\/narino-una-guerra-entre-ninos\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.9&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Newsletter616_Artikel-Narin\u0303o.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Pazifikdepartement Nari\u00f1o bieten bewaffnete Gruppen Minderj\u00e4hrigen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren F\u00fchrungspositionen an, um sie anzulocken. 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