{"id":7718,"date":"2021-04-27T16:03:53","date_gmt":"2021-04-27T14:03:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.askonline.ch\/?p=7718"},"modified":"2021-04-27T16:03:55","modified_gmt":"2021-04-27T14:03:55","slug":"agrarreform-wo-steht-die-umsetzung-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/feature\/agrarreform-wo-steht-die-umsetzung-wirklich","title":{"rendered":"Agrarreform \u2013 wo steht die Umsetzung wirklich?"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Lisa Alvarado<\/em><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Das <a href=\"https:\/\/www.jep.gov.co\/Documents\/Acuerdo%20Final\/Acuerdo%20Final%20Firmado.pdf%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedensabkommen<\/a> ist bald f\u00fcnf Jahre alt. Die Landreform steht zuoberst auf der Liste der Abmachungen zwischen dem kolumbianischen Staat und der ehemaligen FARC Guerilla. Doch es wird h\u00e4ufig kritisiert, die jetzige Regierung sperre sich speziell gegen die Umsetzung dieses Punktes. Man kann sich verlieren im Zahlendschungel der Statistiken, die sich Regierung und Oppositionelle gegenseitig an den Kopf werfen. Die ask! versucht mit diesem Artikel, etwas Klarheit in die Strukturen und Pl\u00e4ne zur Umsetzung der Agrarreform zu bringen und einige Aussagen zu Kosten und Erreichtem zu kontextualisieren.<\/span><\/p>\n<p>Unter Punkt 1 des Friedensabkommens wurden verschiedene Mechanismen und Strukturen angedacht, die eine integrale, umfassende Landreform in Kolumbien erm\u00f6glichen sollen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Einerseits geht es darum, Klarheit zu schaffen, wem welches Land geh\u00f6rt und wie es von wem genutzt wird. Dazu wurde im Abkommen festgehalten, dass das bestehende, aber veraltete <b>Landkataster<\/b> aktualisiert und erweitert werden soll, damit eine \u00abad\u00e4quate, produktive und nachhaltige Nutzung des Bodens\u00bb gef\u00f6rdert werden kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Laut einem <a href=\"https:\/\/883ff833-f600-42c2-9780-e8c06ea212bb.usrfiles.com\/ugd\/883ff8_53ef3dd5bd764c139be002b0d6cd1f46.pdf%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Informationspapier<\/a> von Senatsmitgliedern sieht der Nationale Entwicklungsplan 2018-2022 vor, dass bis zum Ende des Vierjahreszeitraums 60% des Territoriums katasterm\u00e4\u00dfig abgedeckt sind, einschliesslich der 170 PDET-Gemeinden (Entwicklungsplan mit territorialem Fokus), und bis 2025 die restlichen 40% abgeschlossen sind. Nach aktualisierten Informationen des Panungsdepartements (DNP) haben von der Gesamtzahl der Gemeinden des Landes (1103 Gemeinden) bisher erst 47 ihr l\u00e4ndliches und st\u00e4dtisches Kataster aktualisiert, 4 davon sind PDET-Gemeinden.<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><i>Instrumente zur Landumverteilung und -legalisierung<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Eine der Hauptaufgaben einer Agrarreform ist die Umverteilung des Landes, welches in den meisten s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern seit der Kolonialzeit sehr ungleich verteilt ist und sich immer mehr in den H\u00e4nden einiger Weniger konzentriert. Daf\u00fcr sieht das Friedensabkommen prim\u00e4r zwei Vorgehensweisen vor. Einerseits wurde der <b>Fondo de Tierras<\/b> (Landfonds) kreiert, in dem w\u00e4hrend der ersten 12 Jahre seines Bestehens 3 Mio. Hektaren akkumuliert werden sollen, um diese Bauern und speziell auch B\u00e4uerinnen ohne oder mit sehr wenig Land gratis zu verteilen. Diese L\u00e4ndereien k\u00f6nnen aus verschiedenen Quellen stammen, haupts\u00e4chlich ist aber gedacht, dass der Staat die Regularisierung von Eigentumsrechten vorantreibt, was dazu f\u00fchren wird, dass ganz viele Grundst\u00fccke, die illegal besetzt sind oder genutzt werden oder die gar nicht genutzt werden an den Staat zur\u00fcckgehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Das Dokument der Senatsmitglieder zu den Fortschritten in der Umsetzung des Friedensabkommens zeigt auch hier grosse R\u00fcckst\u00e4nde. Zwar wurden bisher je nach Quelle (Nationale Landbeh\u00f6rde (ANT) oder das verantwortliche B\u00fcro der Staatsanwaltschaft) gut eine Million Hektaren in den Fonds \u2018einbezahlt\u2019, doch davon wurden bloss knapp 100&#8217;000 ha (4&#8217;000 ha davon an landlose oder landarme KleinbauerInnen) vergeben. Das entspricht 0.4% davon, was j\u00e4hrlich vergeben werden sollte. Zudem <a href=\"https:\/\/colombiacheck.com\/chequeos\/fondo-de-tierras-no-tendria-hectareas-para-repartir-porque-la-mayoria-ya-tienen-dueno%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">warnt<\/a> die Staatsanwaltschaft, dass von dieser einen Million Hektaren nur knapp ein Zehntel \u00fcberhaupt verteilt werden k\u00f6nnen, da der Rest schon besetztes Land ist, das somit unter das Kapitel \u2018Formalisierung\u2019 fallen sollte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Dies ist die zweite Vorgehensweise, um das Agrarland umzuverteilen: Die <b>Formalisierung von bereits genutzten Landfl\u00e4chen<\/b>. Es handelt sich dabei um KleinbauerInnen, die seit Jahrzehnten auf einem St\u00fcck Land arbeiten aber keine rechtlichen Titel dazu haben. Das Friedensabkommen h\u00e4lt fest, dass die Regierung \u00abschrittweise, vorbehaltlich der verfassungsm\u00e4\u00dfigen und gesetzlichen Ordnung, alles Land formalisieren will, das von der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung in Kolumbien besetzt oder besessen wird\u00bb. Dies umfasst 7 Mio. Hektaren kleiner und mittlerer l\u00e4ndlicher Grundst\u00fccke<\/span><span class=\"s2\">,<\/span><span class=\"s1\"> wobei Gebiete wie PDETs Vorrang haben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Zu den verschiedenen Vorgehensweisen, das Land gerechter zu verteilen, berichtet die ANT, dass gut 2 Mio. Hektaren seit Beginn der Umsetzung regularisiert und\/oder formalisiert worden sind, knapp ein Viertel davon w\u00e4hrend der Amtszeit von Duque. Das Tempo der jetzigen Regierung entspricht somit knapp 30% davon, was j\u00e4hrlich erreicht werden sollte. Dazu kommt, dass laut dem siebten <a href=\"https:\/\/www.cinep.org.co\/Home2\/component\/k2\/828-septimo-informe-de-verificacion-de-la-implementacion-del-acuerdo-final-de-paz-en-colombia.html%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verifizierungsbericht<\/a> \u00fcber die Umsetzung des Friedensabkommens, der von CINEP (Centro de Investigaci\u00f3n y Educaci\u00f3n Popular) und CERAC (Conflict Analysis Resource Center) durchgef\u00fchrt und im letzten September ver\u00f6ffentlicht wurde, &#8222;die Informationen \u00fcber den Zugang zu und die Formalisierung von Land nicht eindeutig sind, so dass es sehr schwierig ist, das Ausma\u00df des Fortschritts zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob das in den (Land-)Fonds eingebrachte Land wirklich zur freien Verteilung unter den definierten Beg\u00fcnstigten zur Verf\u00fcgung steht.\u00bb Die beiden Instrumente (Landfonds und Umverteilung) sollten sich also eigentlich nicht \u00fcberschneiden, und somit insgesamt 10 Mio. Hektaren Land legalisiert und umverteilt werden, doch faktisch werden die beiden Kategorien teilweise vermischt, was zu Verwirrung f\u00fchrt, wie viel Land jetzt wirklich neu verteilt oder legalisiert wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ein weiterer Punkt des Friedensabkommen, bei dem es um die Umverteilung von Land geht, bezieht sich auf die <b>R\u00fcckgabe von Land<\/b> an vom Konflikt Vertriebene. Zwar f\u00e4llt diese Art von Landumverteilung unter Punkt 5 des Abkommens (Opfer des Konflikts). Trotzdem soll hier kurz auf die Fortschritte verwiesen werden. Laut dem Dokument der SenatorInnen hat die Landr\u00fcckgabebeh\u00f6rde (URT) bis Ende 2020 gut 120&#8217;000 Antr\u00e4ge auf Eintragung in das Register f\u00fcr gewaltsam verlassenes und enteignetes Land erhalten. Davon wurden 30% in das Register aufgenommen, 50% abgelehnt und 20% befinden sich noch in der Entscheidungsphase. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><i>Planungsinstrumente<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Um die Umsetzung der verschiedenen Mechanismen und Ziele zu erm\u00f6glichen, wurden im Abkommen auch Planungsinstrumente definiert. Dazu z\u00e4hlen die Entwicklungsprogramme mit territorialem Fokus (PDET) und Nationale Sektorpl\u00e4ne f\u00fcr die l\u00e4ndliche Entwicklung.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die <b>PDET<\/b>s sind laut <a href=\"https:\/\/www.renovacionterritorio.gov.co\/especiales\/especial_PDET\/%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">offizieller Definition<\/a> ein spezielles 15-j\u00e4hriges Planungs- und Managementinstrument, das darauf abzielt, die am st\u00e4rksten von Gewalt, Armut, illegaler Wirtschaft und institutioneller Schw\u00e4che betroffenen Gebiete zu stabilisieren und zu transformieren. Es wurden 170 Gemeinden definiert, welche diese Sonderbehandlung erhalten sollen. Diese wiederum wurden in 16 Subregionen zusammengefasst, wovon jede ihr eigenes PDET erh\u00e4lt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die 16 PDETs wurden unter intensiver Beteiligung der Gemeinden in diesen 16 Regionen erstellt. Nach partizipativen Veranstaltungen in den D\u00f6rfern, Gemeinden und Unterregionen erstellte jede von ihnen einen Aktionsplan f\u00fcr regionale Transformation (PATR), der die Priorit\u00e4ten und Visionen der einzelnen Gemeinden f\u00fcr die n\u00e4chsten 10 bis 15 Jahre enthielt. Diese Pl\u00e4ne wurden mit anderen Programmen verkn\u00fcpft, die ebenfalls im Friedensabkommen festgelegt wurden, wie z.B. die Nationalen Sektorpl\u00e4ne (siehe weiter unten).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wenn es etwas vom Punkt 1 gibt, das sich die Regierung Duque auf die Fahne schreibt, sind es die PDETs. Diese haben sie sich so zur Priorit\u00e4t gemacht, dass von einigen Sektoren die <a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/colombia2020\/pais\/las-criticas-al-gobierno-por-simular-la-implementacion-de-los-pdet-articulo-915921\/%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kritik<\/a> kam, sie w\u00fcrden sich nur um PDETs k\u00fcmmern und den Rest der Agrarreform ignorieren. Doch auch die Umsetzung der PDETs scheint bloss teilweise geplant zu sein.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Regierung wird daf\u00fcr kritisiert, die PDETs nur auf die PATR reduziert zu haben, die wiederum nicht das sind, was das Abkommen vorsah. Denn in den PATR werden h\u00e4ufig grundlegende, allt\u00e4gliche Dienstleistungen gefordert, die der Staat sowieso, mit oder ohne Friedensabkommen, erf\u00fcllen m\u00fcsste. Es handelt sich also nicht wirklich um \u00abzus\u00e4tzliche staatliche Eingriffe zu den bereits verfassungsm\u00e4\u00dfig und gesetzlich verankerten\u00bb, wie es der Friedensvertrag verlangt. Dazu kommt, dass die PATR einen starken Fokus auf die einzelnen Gemeinden setzen, anstatt regional zu arbeiten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Bez\u00fcglich der mangelnden Ganzheitlichkeit versicherte die Regierung, dass sie zur Integration aller Programme und Strategien, die in diesen Gebieten vorgesehen sind, &#8222;Road Maps&#8220; (Hojas de Ruta) f\u00fcr jedes PDET entworfen hat, die sie in den Nationalen Entwicklungsplan aufnehmen. Bisher wurden laut dem Senatsdokument allerdings erst 3 von 16 Hojas de Ruta erstellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Der zweite Kritikpunkt, der von mehreren Seiten festgehalten wird, betrifft die Finanzierung der PDETs. Die Gr\u00f6\u00dfenordnung der Kosten f\u00fcr die Umsetzung des Punkt 1 ist so gro\u00df, dass von den gesch\u00e4tzten Kosten in H\u00f6he von 129 Milliarden Dollar f\u00fcr die Umsetzung des gesamten Friedensabkommens allein 110 Milliarden Dollar f\u00fcr diesen Punkt vorgesehen sind. Das sind 85% der Gesamtkosten von dem, was vereinbart wurde. Und von diesen 110 Milliarden Dollar gehen etwa 79 Milliarden Dollar an die PDETs. <a id=\"anker1\" href=\"#fn1\">[1]<\/a> <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Das Problem bei diesem Betrag ist, so der Artikel von El Espectador, dass mehr als die H\u00e4lfte der Mittel aus dem Allgemeinen System der Beteiligungen (SGP) stammen, also aus den \u00dcberweisungen, die der Staat sowieso per Gesetz an die Departements und Gemeinden leisten muss. Das bedeutet im Grunde, dass diese Mittel mit oder ohne Friedensabkommen an die Gemeinden gehen und speziell f\u00fcr Bildung, Gesundheit, Trinkwasser und sanit\u00e4re Grundversorgung vorgesehen sind. Was auch immer aus dem SGP kommt, sind also keine &#8222;frischen Mittel&#8220; f\u00fcr die Umsetzung des Abkommens und in diesem Fall f\u00fcr die PDETs.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Es bleiben also nur noch 40%, die aus zus\u00e4tzlichen Quellen stammen und nicht bereits zweckgebunden sind. &#8222;Welchen Sinn hat es, partizipative Prozesse durchzuf\u00fchren, um die Eckpunkte der territorialen Transformation der PATR zu definieren, wenn die Ressourcen, die diese Initiativen finanzieren sollen, zweckgebunden sind und sie nicht finanzieren k\u00f6nnen?&#8220; sagt das von El Espectador zitierte Denkzentrum. Kurz gesagt, die Regierung w\u00fcrde die Mittel, die seit der Verfassung von 1991 an die Gemeinden gehen, als Teil ihrer Aufgabe der Umsetzung der PDETs z\u00e4hlen, ohne notwendigerweise zus\u00e4tzliche fiskalische Anstrengungen zu unternehmen. Die zus\u00e4tzlichen Mittel stammen laut der Landbeh\u00f6rde (ART) aus Steuereinnahmen, die im Staatsbudget speziell f\u00fcr die PDETs bestimmt wurden, sowie aus den \u00abObras PDET\u00bb und Projekten, die vom OCAD Paz <a id=\"anker2\" href=\"#fn2\">[2]<\/a> bewilligt wurden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">In Bezug auf die sogenannten \u00abObras PDET\u00bb weist der Artikel von El Espectador darauf hin, dass diese urspr\u00fcnglich geschaffen wurden, um unmittelbare Bed\u00fcrfnisse in den Gemeinden rund um die ehemaligen territorialen R\u00e4ume der Wiedereingliederung f\u00fcr ehemalige FARC-K\u00e4mpferInnen (ETCR) zu erf\u00fcllen. Sie sind nicht unbedingt Teil dessen, was die Gemeinden im PATR vorgeschlagen haben. Somit finden Kritiker, dass die Regierung diese Arbeiten nicht als Ausf\u00fchrung der PDETs verstehen sollte, weil die Funktion dieser eben war, kleinere Bed\u00fcrfnisse zu l\u00f6sen, w\u00e4hrend die PDETs in zehn Jahren darauf abzielen, viel komplexere Realit\u00e4ten zu transformieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Diese \u00abObras PDET\u00bb sind z. B. Gemeinschaftsh\u00e4user, Sportpl\u00e4tze, Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccken, Gemeinschaftsk\u00fcchen und andere kleinere Arbeiten.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Regierung ihrerseits verteidigt die Durchf\u00fchrung der \u00abObras PDET\u00bb u.a. deshalb, weil sie die Gemeindeorganisationen in den Gebieten st\u00e4rken, da diese direkt an der Umsetzung der Initiativen teilnehmen. Die Regierung argumentiert auch, dass sie notwendig und &#8222;wichtig f\u00fcr die Schaffung von Vertrauen in den langfristigen Prozess der Implementierung&#8220; sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Erg\u00e4nzend zu den PDETs wurde festgelegt, dass insgesamt 16 <b>Nationale Sektorpl\u00e4ne<\/b> formuliert werden sollen, welche die l\u00e4ndliche Armut in den 15 Jahren nach der Unterzeichnung des Abkommens um 50% reduzieren sollen. Fast 5 Jahre nach der Unterzeichnung des Abkommens wurden erst 9 Nationale Sektorpl\u00e4ne ver\u00f6ffentlicht. Dazu z\u00e4hlen Pl\u00e4ne zur Infrastrukturverbesserung wie die Versorgung mit Elektrizit\u00e4t, Bau von Strassen, Verbesserung der h\u00e4uslichen Infrastruktur, Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten, Wasserversorgung, etc. Die Implementierung dieser Pl\u00e4ne ist mit deren Ver\u00f6ffentlichung nat\u00fcrlich noch lange nicht gegeben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><i>Umweltschutz<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Als letzten interessanten Punkt wurde im Friedensabkommen das Ende der landwirtschaftlichen Expansion (Frontier) <a id=\"anker3\" href=\"#fn3\">[3]<\/a>, sowie der verst\u00e4rkte <b>Schutz von nat\u00fcrlichen Ressourcen<\/b> beschlossen. Unter diesem Punkt soll die Regierung einerseits Gebiete von besonderem Umweltinteresse (z.B. Amazonasgebiet) sch\u00fctzen und gleichzeitig f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, die an sie angrenzt oder sie bewohnt, ausgewogene Alternativen zwischen Umwelt und Wohlbefinden und gutem Leben <a id=\"anker4\" href=\"#fn4\">[4]<\/a> schaffen. Dabei sollen Prinzipien von Partizipation und nachhaltiger Entwicklung ber\u00fccksichtigt werden. Zum Schutz der Umwelt z\u00e4hlt unter anderem auch die Reduzierung von Abholzung. Obwohl die Zahl der abgeholzten Hektare laut dem Dokument der Senatsmitglieder in den letzten Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig war, wird nach vorl\u00e4ufigen Angaben f\u00fcr 2020 mit einem erneuten Anstieg der abgeholzten Fl\u00e4che im Amazonasgebiet um 36,9% gerechnet. Und obwohl das Umweltinstitut (IDEAM) eine Reduktion der Abholzung in PDET Gemeinden allgemein um 21% festh\u00e4lt, gab es in einzelnen Subregionen eine \u00fcberdurchschnittliche Zunahme an Abholzung (Choc\u00f3: 133% mehr, Catatumbo: 40% mehr und Pac\u00edfico Medio: 43% mehr).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><i>Fazit<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Analyse der verschiedenen Aussagen zeigt, dass genaues Hinschauen wichtig ist, um wirklich zu verstehen, was hinter den Zahlen und Statistiken steckt. Die Regierung scheint einige Erfolge auf das Konto der Friedensarbeit zu verbuchen, die eigentlich unter die Kategorie \u2018Grunddienstleistungen des Staates\u2019 fallen und die sie auch ohne Friedensvertrag erf\u00fcllen m\u00fcssten. Auch wenn diese Arbeiten auch mit zum Frieden beitragen, sollten sie also nicht dazu dienen, sich darauf auszuruhen und andere Komponenten, die spezifisch im Friedensvertrag festgehalten sind, zu vernachl\u00e4ssigen. Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft w\u00fcrde f\u00fcr die <i>ask!<\/i> so aussehen, dass einerseits die Erfolge der Regierung Duque anerkannt werden, andererseits aber auch die Regierung alle die weiterhin sehr grossen Herausforderungen anerkannt und Verantwortung f\u00fcr die Umsetzung \u00fcbernimmt. Damit w\u00fcrde sie auch ein Zeichen geben, dass sie tats\u00e4chlich an der Umsetzung interessiert ist und sich daf\u00fcr bem\u00fcht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Dieser Artikel soll nicht als abschliessende Analyse verstanden werden, sondern als Beitrag zum besseren Verst\u00e4ndnis des Friedensabkommens und dessen aktuellen Umsetzungsstands. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Informationen in diesem Artikel stammen, wenn nicht anders vermerkt, aus folgenden Quellen:<\/span><\/p>\n<p class=\"p4\"><span class=\"s3\"><a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/colombia2020\/pais\/las-criticas-al-gobierno-por-simular-la-implementac\">https:\/\/www.elespectador.com\/colombia2020\/pais\/las-criticas-al-gobierno-por-simular-la-implementacion-de-los-pdet-articulo-915921\/<\/a><\/span><span class=\"s4\"><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p4\"><span class=\"s3\"><a href=\"https:\/\/883ff833-f600-42c2-9780-e8c06ea212bb.usrfiles.com\/ugd\/883ff8_53e\">https:\/\/883ff833-f600-42c2-9780-e8c06ea212bb.usrfiles.com\/ugd\/883ff8_53ef3dd5bd764c139be002b0d6cd1f46.pdf<\/a><\/span><\/p>\n<p><a id=\"fn1\"><\/a><a href=\"#anker1\">[1]<\/a> Diese Zahl ist eine Sch\u00e4tzung, die gemacht wurde, bevor die 16 PDETs formuliert wurden und die PATR der Gemeinden bekannt waren.<br \/><a id=\"fn2\"><\/a><a href=\"#anker2\">[2]<\/a> Das Kollegialorgan f\u00fcr Verwaltung und Entscheidungsfindung &#8211; OCAD Paz &#8211; ist f\u00fcr die Durchf\u00fchrbarkeit, Priorisierung und Genehmigung von Investitionsprojekten zust\u00e4ndig, die mit Mitteln aus dem Allgemeinen System der Royalties (Sistema General de Regal\u00edas &#8211; SGR) finanziert werden. Quelle: https:\/\/crudotransparente.com\/2020\/10\/23\/ocad-paz-una-revision-detallada-de-su-funcionamiento-en-arauca\/#:~:text=El%20%C3%93rgano%20Colegiado%20de%20Administraci%C3%B3n,Construcci%C3%B3n%20de%20una%20Paz%20Estable<br \/><a id=\"fn3\"><\/a><a href=\"#anker3\">[3]<\/a> Eine Frontier ist ein Expansionsgebiet, ein Grenzgebiet wo der Staat versucht, Fuss zu fassen. Bekanntestes Beispiel ist die Frontier in der USA, wo Siedler westw\u00e4rts zogen, um &#8218;unbelebtes&#8216; Land zu beziehen. In den meisten F\u00e4llen ist das Land aber eben schon von indigenen Gruppen bev\u00f6lkert. In vielen s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern hat der Staat eine landwirtschaftliche Expansion als Ausweitung der Frontier benutzt, also z.B. Kleinbauern aus den Anden in wenig bev\u00f6lkerte Gebiete geschickt und ihnen dort Land zugesprochen, was in den meisten F\u00e4llen eben zu Landkonflikten gef\u00fchrt hat.<br \/><a id=\"fn4\"><\/a><a href=\"#anker4\">[4]<\/a> Dieser Begriff ist so nicht direkt definiert im Abkommen, aber normalerweise bezieht man sich auf das &#8218;Buen vivir&#8216; der Indigenen. Dabei reicht z.B. eine Existenzgrundlage nicht, sondern es geh\u00f6ren auch Dinge wie Sicherheit dazu. Hier ist es wohl so gemeint, dass sowohl die Interessen der Menschen wie auch der Umwelt respektiert werden sollen.<\/p>\n<p class=\"p2\"><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Newsletter613-Agrarreform.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Yukpa2.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; title_text=&#8220;Yukpa2&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Friedensabkommen ist bald f\u00fcnf Jahre alt. Die Landreform steht zuoberst auf der Liste der Abmachungen zwischen dem kolumbianischen Staat und der ehemaligen FARC Guerilla. Doch es wird h\u00e4ufig kritisiert, die jetzige Regierung sperre sich speziell gegen die Umsetzung dieses Punktes. Man kann sich verlieren im Zahlendschungel der Statistiken, die sich Regierung und Oppositionelle gegenseitig an den Kopf werfen. Die ask! versucht mit diesem Artikel, etwas Klarheit in die Strukturen und Pl\u00e4ne zur Umsetzung der Agrarreform zu bringen und einige Aussagen zu Kosten und Erreichtem zu kontextualisieren.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":7244,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"1080","footnotes":""},"categories":[19,21],"tags":[162,66,163],"class_list":["post-7718","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-feature","category-friedensprozess","tag-agrarreform","tag-friedensabkommen","tag-punkt-1"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7718"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7726,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7718\/revisions\/7726"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7244"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}