{"id":7341,"date":"2020-09-30T15:35:44","date_gmt":"2020-09-30T13:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=7341"},"modified":"2020-09-30T15:36:04","modified_gmt":"2020-09-30T13:36:04","slug":"mit-frischem-wind-in-eine-gruene-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/mit-frischem-wind-in-eine-gruene-zukunft","title":{"rendered":"Mit frischem Wind in eine gr\u00fcne Zukunft?"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.6.5&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Lisa Alvarado<\/em><\/p>\n<p><span>2031 sollen laut Plan 60 Windparks in der Guajira 7 Gigawatt Strom produzieren. Bis 2050 sollen dann mittels Nutzungsoptimierung 16 Gigawatt angestrebt werden. Das entspricht der Produktionskapazit\u00e4t von zwei Wasserkraftwerken von der Gr\u00f6sse von Hidroituango. Ein gigantisches Projekt, das laut Berechnungen von Indepaz die Strombed\u00fcrfnisse aller grossen St\u00e4dte sowie aller grossen Industriebetriebe des Landes decken w\u00fcrde. Nur wissen von diesem Ausmass weder die Kolumbianer im Allgemeinen, noch die indigenen Gemeinschaften in der Guaj\u00edra, die Besitzer des Territoriums sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Nachfrage nach erneuerbarer Energie ist definitiv vorhanden, sowohl global wie auch in Kolumbien. Abkommen wie dasjenige von Paris sorgen daf\u00fcr, dass nicht erneuerbare Energiequellen, wie zum Beispiel Kohle, schrittweise nicht mehr abgebaut werden. Heute ist die Guajira, zusammen mit dem Cesar, eines der gr\u00f6ssten Kohleabbaugebiete der Welt. Die Energiepolitik der letzten Jahrzehnte war in Kolumbien gepr\u00e4gt von Erd\u00f6lf\u00f6rderung und Kohleabbau. Obwohl Kolumbien alle wichtigen Klimaabkommen seit R\u00edo 1992 unterzeichnet hatte, wurde faktisch immer haupts\u00e4chlich der Kohleabbau vorangetrieben. Doch mittlerweile hat der internationale Druck zwangsl\u00e4ufig auch Auswirkungen auf Kolumbien. Denn die Nachfrage nach Kohle sinkt mehr und mehr. W\u00e4hrend im Jahr 2018 noch 38% der weltweiten Energienachfrage durch Kohle gedeckt wurde, sind es laut Prognosen im Jahr 2050 noch 11%. Der bisher gr\u00f6sste Kohleabnehmer Niederlande (16.5% der kol. Kohleexporte) plant einen kompletten Kohleausstieg bis 2030. Mit diesen Aussichten, sinkenden Kohlepreisen und der COVID-19 Pandemie haben die Minen ihre Produktion teilweise sogar schon eingestellt (siehe weiteren <a href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/dreifache-krise-fuer-prodeco-corona-fallende-preise-und-gerichtsurteile\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>von ask!<\/a>).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Doch die Guajira hat energietechnisch nicht bloss Kohle zu bieten. Windtechnisch ist sie als Halbinsel im karibischen Meer auch sehr gut gelegen. Ob und f\u00fcr wen diese neue Energiequelle eine gr\u00fcne Zukunft bringen kann, soll in diesem Artikel beleuchtet werden. Grundlage daf\u00fcr ist ein <a href=\"http:\/\/www.indepaz.org.co\/portfolio\/el-viento-del-este-llega-con-revoluciones-2da-edicion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht von Indepaz<\/a>, welcher im Jahr 2019 in aktualisierter Version publiziert wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Dreifache Schwierigkeiten<\/strong><\/p>\n<p><span>In der Planung und Umsetzung von Windparks in der Guajira gibt es mehrere Schwierigkeiten. Dabei spielen haupts\u00e4chlich mangelnde Kommunikation, juristische L\u00fccken und fehlende staatliche Pr\u00e4senz eine Rolle.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><em>Kommunikation und Wissen<\/em><\/p>\n<p><span>Die Kommunikation zwischen indigenen Gemeinschaften und Firmen ist auf beide Seiten schwierig. Es fehlt an Kenntnissen und Wissen auf beiden Seiten. Einerseits wissen die indigenen Gemeinschaften h\u00e4ufig nicht, mit wem sie genau verhandeln, und was die Ausmasse des Projektes wirklich sind. Andererseits fehlt es auch den Firmen an Kenntnissen der indigenen Besitzverh\u00e4ltnisse, sodass die Verhandlungen h\u00e4ufig nicht mit denen gef\u00fchrt werden, denen das Land wirklich geh\u00f6rt, was sp\u00e4ter dann zu Problemen f\u00fchren kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>F\u00fcr die meisten indigenen Gesellschaften, die Way\u00fau inbegriffen, bedeutet das Territorium viel mehr als nur das Land, worauf sie leben. Das Territorium ist eine soziale Konstruktion, die sich \u00fcber die Zeit entwickelt hat und mit ihrer Kosmovision eng verbunden ist. Die Guajira als Territorium der Way\u00fau ist das Land, womit sie sich als Ethnie identifizieren, wo ihre Br\u00e4uche, Normen, Gesetze und Kultur herkommen. Ihr Territorium wird kollektiv genutzt, hat aber durchaus seine anzestralen Besitzer. Der Hintergrund dazu ist, dass die Way\u00fau traditionell nomadisch gelebt haben. Das heisst, dass sie sich frei innerhalb des Territoriums (welches die ganze Guajira, Teile des Cesars umfasst und sogar bis nach Venezuela reicht) bewegen k\u00f6nnen und auch ihre Wohnst\u00e4tten (rancher\u00edas) jeweils nach einer gewissen Zeit an einem neuen Ort errichteten. Mit der Zeit wurden sie immer mehr sesshaft, auch durch die Akkulturalisierung und die Trennung des Territoriums durch Staatsgrenzen etc. Das bedeutete aber nicht, dass sie auch andere Traditionen aufgegeben haben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Way\u00fau sind eine matrilineare Gesellschaft. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass das Erbe jeweils von Mutter an Tochter weitergegeben wird. Nancy G\u00f3mez, anzestrale Autorit\u00e4t in Cabo de la Vela erkl\u00e4rt es folgendermassen:<\/span><\/p>\n<p><span>\u00abIn unseren Br\u00e4uchen gilt das matriarchalische Gesetz. Wer erbt? Die Frau. Die Kinder der Frau sind die starke Abstammungslinie, sie sind diejenigen, die das Territorium erben. Ich bin zum Beispiel eine Frau, meine T\u00f6chter erben. Ich habe zwei S\u00f6hne und eine Tochter. Von den drei Kindern, die ich habe, erben die S\u00f6hne kein Territorium; sie haben das Recht auf dem Territorium zu leben, ja, aber sie erben kein Territorium.\u00bb<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Zum Erbe geh\u00f6rt bei den Way\u00fau auch das Land. Das Land geh\u00f6rt traditionell der Familie, dessen Ahnen auf dem jeweiligen Friedhof bestattet sind. Aufgrund des Nomadismus, der graduell immer mehr unterbunden wurde, wohnen nicht immer diejenigen Personen auf dem Land, denen es tats\u00e4chlich geh\u00f6rt. Das f\u00fchrt in den Verhandlungen mit Firmen zu Missverst\u00e4ndnissen und Konflikten. Denn die Gesellschaft der Way\u00fau ist in sechs Clans (Eirruku=m\u00fctterliches Fleisch) unterteilt, die auf der Entstehungsgeschichte der Way\u00fau beruhen und deren Oberh\u00e4upter eben die obengenannten anzestralen Besitzer der L\u00e4ndereien sind. Die anzestralen Autorit\u00e4ten (autoridades ancestrales) sind nicht zu verwechseln mit den traditionellen Autorit\u00e4ten (autoridades tradicionales). Diese sind in den Jahren seit 1994 entstanden, weil der Staat wollte, dass sich die Way\u00fau ebenso wie die Indigenen des Cauca in cabildos organisieren, um die Beziehungen besser regulieren zu k\u00f6nnen und eine Ansprechperson zu haben. Zu dieser Zeit gab es anscheinend keine oder ungen\u00fcgende Kenntnisse der tats\u00e4chlichen Hierarchiestrukturen der Way\u00fau. Diese k\u00fcnstliche Schaffung einer b\u00fcrokratischen Autorit\u00e4t hat aber nicht zu vereinfachten Verhandlungen gef\u00fchrt. Im Gegenteil. Denn die Way\u00fau haben die Figur der traditionellen Autorit\u00e4t nie als solche anerkannt. F\u00fcr sie hat immer noch die anzestrale Autorit\u00e4t das letzte Wort. Diese Person ist aber f\u00fcr Aussenstehende nicht immer als solche erkennbar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Das kolumbianische Gesetz verlangt, dass vor jeglicher Installation einer Mine oder eben auch eines Windparks vorg\u00e4ngig die vor Ort lebenden Indigenen konsultiert werden. Die sogenannte vorg\u00e4ngige, freie und informierte Konsultation soll daf\u00fcr sorgen, dass die vor Ort lebenden Menschen mit dem Projekt einverstanden sind. Die Firma braucht also eine Unterschrift der Gemeinschaft, die auf dem betroffenen Land lebt. Doch wer unterschreibt? M\u00f6glicherweise ist es eine traditionelle Autorit\u00e4t, die zwar auf dem Land leben darf, aber nicht der wirkliche Besitzer des Landes ist. Denn die anzestrale Autorit\u00e4t gibt sich gegen\u00fcber Nicht-Way\u00faus (arijunas) oft gar nicht zu erkennen oder versteckt sich. Dann kann geschehen, was im Fall des Windparks von EPM in Jep\u00edrachi passiert ist: Da sind Rancher\u00edas mit ihren Gro\u00dffamilien, die sich seit mehreren Jahrzehnten und sogar Generationen auf dem Land befinden und die l\u00e4ngst das Gewohnheitsrecht geniessen; ihr alaula <a id=\"anker1\" href=\"#fn1\">[1]<\/a> hat mit der Firma Vereinbarungen \u00fcber das Territorium getroffen, und alles scheint im Einklang mit dem Herkunftsrecht zu stehen, bis eine junge Familie eintrifft und ihnen mitteilt, dass sie nach mehreren Jahrzehnten beschlossen haben, in das angestammte Territorium zur\u00fcckzukehren und die Eigentumsrechte zu \u00fcbernehmen, die sie von ihren Gro\u00dfeltern oder Urgro\u00dfeltern geerbt haben. So war es in Jep\u00edrachi, dem Windpark, der von EPM 2005 installiert wurde. Zehn Jahre nach der Inkraftsetzung des Windparks kamen einige Familien aus Venezuela und behaupteten, die rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmer und somit auch die Beg\u00fcnstigten des Projekts mit all seinen Vorteilen zu sein. Der Konflikt zwang die anzestralen Autorit\u00e4ten aus der ganzen Region dazu, die Anspr\u00fcche der Neuank\u00f6mmlinge zu beurteilen. Die Autorit\u00e4ten gaben ihnen Recht, und von diesem Moment an machten sie von ihren Rechten Gebrauch und entschieden \u00fcber die neue Vereinbarung mit der EPM.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Diese Tatsachen machen es f\u00fcr die investierenden Firmen schwierig, ihre Projekte konfliktfrei und f\u00fcr alle Beteiligten positiv durchzuf\u00fchren. Ironischerweise sind aber gerade die Beziehungen mit den Firmen f\u00fcr die Way\u00fau auch sehr undurchsichtig. Es besteht also auf beiden Seiten Intransparenz, was zu weiteren Missverst\u00e4ndnissen und Konflikten f\u00fchrt. Beispielsweise wurden schon Windparks verkauft, der Besitzerwechsel den Gemeinschaften aber nicht kommuniziert. Manchmal ist auch nicht klar, wer der Verhandlungspartner ist. In einigen F\u00e4llen sind das Vertreter der Besitzerfirma selbst, manchmal andere Firmen, die einzig f\u00fcr die Verhandlungen mit den Gemeinschaften angestellt werden. Dies wird aber nicht immer klar kommuniziert. Anscheinend werden auch die Ausmasse der Projekte nicht immer gleich dargestellt. So hat beispielsweise die Firma Begonia Power ihren Windpark von 264 Windenergieanlagen auf \u00fcber 120 ha in mehrere Teilparks unterteilt und f\u00fcr jeden davon einzeln die betroffenen Gemeinschaften befragt, ohne sie dar\u00fcber zu informieren, dass diese Anlagen Teil eines gr\u00f6sseren Parks sind. Wie im n\u00e4chsten Unterkapitel beschrieben wird, gibt es auch Konflikte aufgrund juristischer L\u00fccken und verschiedenen Verst\u00e4ndnissen von Besitzverh\u00e4ltnissen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><em>Juristische L\u00fccken<\/em><\/p>\n<p><span>Die Regulierung von nicht-konventionellen erneuerbaren Energiequellen, wozu auch die Windenergie z\u00e4hlt, begann in Kolumbien ernsthaft mit dem Gesetz 1715 im Jahr 2014, womit die Integration dieser Energiequellen in das nationale System geregelt wurde. In den Jahren 2015 bis 2018 wurde das Gesetz dann mit Dekreten und Resolutionen weiter ausgef\u00fchrt. Allerdings bestehen weiterhin viele normative L\u00fccken, die Grund f\u00fcr Auseinandersetzungen liefern. Die gr\u00f6sste juristische Unsicherheit besteht dabei bei Investitionen von ausw\u00e4rtigen Firmen in kollektive ethnische Territorien, wie es in der Guajira der Fall ist. Das Erfordernis der Zustimmung der ethnischen Gemeinschaften, um eine Initiative f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen zu starten, ist im ILO-\u00dcbereinkommen 169 sowie auch im nationalen Gesetz zwar klar festgelegt. Trotzdem kommt es zu unterschiedlichen Ansichten, wenn es darum geht, wer genau zu befragen ist. Denn der Wind ist nicht wie Erd\u00f6l oder andere Minerale an einem fixen Ort festgemacht. Er bewegt sich frei \u00fcber Grenzen hinweg, ein bisschen wie die Way\u00fau. F\u00fcr die Way\u00fau ist der Wind zudem ein unver\u00e4usserliches Gut, das niemandem und allen geh\u00f6rt und somit nicht von einer Person oder einem Eirruku verkauft werden kann. F\u00fcr die kolumbianische Gesetzgebung muss deshalb mit denjenigen Personen verhandelt werden, denen der Grund geh\u00f6rt, auf dem die Windkraftanlage gebaut werden soll. Das verursacht wiederum Probleme f\u00fcr die umliegenden Gemeinschaften, denn eine Windkraftanlage hat Auswirkungen auf die Windst\u00e4rke bis zu 60 km windabw\u00e4rts. Auch die Infrastruktur, die f\u00fcr eine Windkraftanlage gebraucht wird, hat Auswirkungen bis weit \u00fcber das eng definierte Nutzungsgebiet hinaus.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Schlussendlich hat aber nicht nur Auswirkungen, wie die consulta previa durchgef\u00fchrt wird, sondern es spielt auch eine Rolle, unter welchem Machtverh\u00e4ltnis die Verhandlungspartner zueinander stehen.<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><em>Fehlender Staat<\/em><\/p>\n<p><span>Die fehlende Pr\u00e4senz des Staates in den indigenen Territorien und allgemein in abgelegenen Gebieten Kolumbiens hat dazu gef\u00fchrt, dass diese Gemeinschaften derzeit unbefriedigte Grundbed\u00fcrfnisse haben und dass sie als einzige M\u00f6glichkeit sehen, ihre Grundbed\u00fcrfnisse durch die Kompensationen der Firmen zu befriedigen. Diese Situation kann dazu f\u00fchren, dass die Konsultationsprozesse mit Verg\u00fcnstigungen manipuliert werden und am Ende pers\u00f6nlichen Interessen dienen, die der Gemeinschaft \u00fcberhaupt nicht zugute kommen. Auch werden Dinge angeboten wie Infrastruktur, Schulen, etc. die eigentlich der Staat sowieso zur Verf\u00fcgung stellen m\u00fcsste.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Am 6. Juni 2017 erkl\u00e4rte das Verfassungsgericht in einem historischen Urteil den Stand der Dinge in der Guajira f\u00fcr verfassungswidrig angesichts der massiven Auswirkungen auf die Rechte des Volkes der Way\u00fau. In demselben Urteil erkannte das Gericht die Verletzung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Rechte auf Gesundheit, Trinkwasser, Nahrung und ethnische Partizipation an und machte die Beh\u00f6rden f\u00fcr ihre anhaltende Nichterf\u00fcllung ihrer Verpflichtungen verantwortlich. Das Gericht ordnete die Durchf\u00fchrung von Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Zug\u00e4nglichkeit und Qualit\u00e4t von Wasser sowie die Umsetzung von Strategien zur Verbesserung der Reichweite und Qualit\u00e4t von Nahrungsmittel- und Gesundheitsprogrammen an.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Guajira ist nach dem Choc\u00f3 das zweit\u00e4rmste Departement des Landes und leidet schon seit Ewigkeiten unter der Abwesenheit des Staates. Mehrere Instanzen, darunter die Regierung der Guajira und das B\u00fcro des Ombudsmanns (Defensor\u00eda del Pueblo), haben festgestellt, dass es den Way\u00fau selbst an den grundlegendsten Dingen mangelt, dass die Kindersterblichkeit schrecklich hoch ist und dass sie aufgrund des Klimawandels und kultureller Ver\u00e4nderungen nicht die Ernten garantieren k\u00f6nnen, die ihnen von ihren Vorfahren die Selbstversorgung garantiert hatten. Sie h\u00e4ngen in hohem Ma\u00dfe von einem Staat ab, der nicht ansprechbar ist, und von politisch motivierten Geschenken, die nirgendwo hinf\u00fchren <a id=\"anker2\" href=\"#fn2\">[2]<\/a>. Inmitten dieser harten Realit\u00e4t kommen Unternehmen, und versprechen all das, was der Staat garantieren sollte: Wasser, Bildung, produktive Projekte, Arbeitspl\u00e4tze und sogar Elektrizit\u00e4t. Dieses ungleiche Verh\u00e4ltnis f\u00fchrt die Gemeinschaften dazu, die Kontrolle \u00fcber ihr Territorium zu verlieren, um die dringenden Dinge f\u00fcr ihren Lebensunterhalt zu erhalten.<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Vergleich mit Mexiko<\/strong><\/p>\n<p><span>Die unmittelbare Aussicht auf die Genehmigung von Dutzenden von Wind- und Solarparkprojekten zeigt die Dringlichkeit der Aktualisierung der Vorschriften \u00fcber die privaten Eigentumsrechte (individuell und kollektiv), die bei der Festlegung der Verpflichtungen der verschiedenen beteiligten Parteien und der Verteilung des Nutzens unter ihnen beachtet werden m\u00fcssen, damit eine (auch sozial) nachhaltige Stromproduktion m\u00f6glich wird.<\/span><\/p>\n<p><span>In Mexiko sprechen indigene F\u00fchrungspersonen in diesem Zusammenhang von der \u00abDiktatur des Gl\u00fccks\u00bb:<\/span><\/p>\n<p><span>\u00abSie sagten uns, dass das Gl\u00fcck Mexikos im Wind liegt, der durch unser Territorium weht. Dass sogar das Gl\u00fcck der Welt davon abh\u00e4ngt, die vor den Gasen, die die reichsten L\u00e4nder in die Luft schicken, bewahrt werden muss. Sie sagten uns, dass wir mit einer sauberen Entwicklung auch in unseren Gemeinschaften gl\u00fccklich sein w\u00fcrden. Wegen diesen Versprechungen konnte nicht \u00fcber unsere Rechte, und \u00fcber vorg\u00e4ngige Konsultation gesprochen werden. Wenn wir nach vorg\u00e4ngiger Information und Einzelheiten des Gesch\u00e4fts fragten, sagen sie uns, dass wir gegen die Entwicklung sind oder dass wir Feinde des Planeten und der sich erhitzenden Mutter Erde sind.\u00bb<\/span><\/p>\n<p><span>Es ist sehr schwierig, Rechte einzufordern, wenn diese zugunsten von \u00abEntwicklung\u00bb und \u00abim Interesse der Allgemeinheit\u00bb in den Hintergrund gestellt werden. Die Windenergie wird als nachhaltige L\u00f6sung f\u00fcr das Umweltproblem der Menschheit dargestellt und die lokalen Gemeinschaften zu ihrem \u00abGl\u00fcck\u00bb gezwungen. Dass die Machtverh\u00e4ltnisse dabei so ungleich verteilt sind, dass wiederum die bereits armen Gemeinschaften auch noch ihr Land verlieren, wird leider dabei h\u00e4ufig nicht beachtet.<\/span><\/p>\n<p><span>Oaxaca, von wo dieser oben zitierte indigene F\u00fchrer kommt, ist in vielerlei Hinsicht der Guajira \u00e4hnlich. In einem Jahrzehnt (2005-2015) wurde die Region zum gr\u00f6ssten Windenergieproduzent Mexikos und produziert heute 80% aller mit Windenergie generierten Megawatts des Landes. Als die indigenen Gemeinschaften sich zu wehren begannen gegen die Megaprojekte, die ihre Territorien belegten, wurden sie mit dem obengenannten Argument der Entwicklung niedergeredet. Das Gesetz \u00fcber Windenergie in Mexiko definiert Windparks als \u00abAllgemeininteresse\u00bb und stellt sie somit \u00fcber individuelle oder auch kollektive Landanspr\u00fcche. Firmen, die Windparks bauen wollten, haben laut Untersuchungen die lokale Bev\u00f6lkerung nicht ausf\u00fchrlich \u00fcber die Ausmasse des Projekts informiert, nur die Direktbetroffenen wurden einbezogen in die Gespr\u00e4che oder es wurde \u00fcberhaupt keine vorg\u00e4ngige Konsultation vorgenommen. Die Fronten haben sich stark verh\u00e4rtet und die indigenen Gemeinschaften wehren sich mit Protesten, Vorsprachen bei der UNO, etc. Kein gutes Beispiel also, und doch sieht in Kolumbien die Situation \u00e4hnlich aus, wenn sie auch noch am Anfang des Prozesses stehen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Fazit \u2013 Sollte man unter solchen Umst\u00e4nden gar keine Windparks bauen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>In allen L\u00e4ndern, in denen sich Windenergieprojekte vervielfacht haben, ist man schnell zu dem Schluss gekommen, dass es keine ausreichenden Gesetze gibt, die Wind oder Windgesetze definieren. Die neuen technologischen Realit\u00e4ten zeigen, dass es nicht ausreicht, die alten Gesetze zu \u00fcbernehmen, die beispielsweise f\u00fcr Erd\u00f6l- oder Bergbauf\u00f6rderung gelten. Das heisst aber nicht, dass sozial, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch nachhaltige Gesetze, oder wenigstens eine Ann\u00e4herung daran, nicht m\u00f6glich w\u00e4ren. In D\u00e4nemark ist beispielsweise per Gesetz festgelegt, dass die Besitzer der Windturbinen gleichzeitig Konsumenten der Energie sein m\u00fcssen. Das f\u00fchrt dazu, dass 85% der Besitzer von Windparks d\u00e4nische B\u00fcrger und h\u00e4ufig auch Bauern sind. Diese sind meistens in sogenannten \u00abWind-Allianzen\u00bb organisiert. Auch in Schweden, Kanada und den USA gibt es \u00e4hnliche Systeme von Kooperativen, die im Besitz von Windparkanlagen sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Guajira befindet sich in der Anfangsphase der Verfahren und Konsultationen f\u00fcr die Installation von Windparks, die in den n\u00e4chsten Jahrzehnten die Realit\u00e4t der gesamten Halbinsel und die elektrische Energiematrix Kolumbiens ver\u00e4ndern werden. Die meisten der Investitionen werden auf dem Gebiet der Way\u00fau geplant und bedeuten eine au\u00dferordentliche Chance f\u00fcr die Gemeinden und alle Akteure, die sich f\u00fcr den \u00dcbergang zu erneuerbaren Energien und Alternativen zum Klimawandel einsetzen. Dieser Artikel hat die Herausforderungen auf dem Weg gezeigt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Internationale Erfahrungen fordern von allen interessierten Parteien die gebotene Sorgfalt, um die Fehler zu vermeiden, die zu schwerwiegenden Konflikten wie in Oaxaca und zu Asymmetrien zugunsten der Entwickler-\/Investorenfirmen gef\u00fchrt haben, die vielen Gemeinschaften Gesch\u00e4ftsmodelle mit Schutzklauseln zugunsten der Firmen, und ohne vorherige, freie und informierte Zustimmung auferlegt haben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Entwicklung von Windparks in der Guajira ist somit immer noch eine Chance. Aber es wird auch einmal mehr die Wichtigkeit von staatlicher Pr\u00e4senz klar. Das ist ein strukturelles Problem, unter dem Kolumbien seit Jahrhunderten leidet, und dessen L\u00f6sung eine Voraussetzung ist f\u00fcr die nachhaltige F\u00f6rderung von Energie in abgelegenen Gebieten wie der Guajira ist. Die Umsetzung des Friedensabkommens, in dem auch der Ausbau staatlicher Pr\u00e4senz in abgelegenen Regionen Teil ist, ist deshalb auch bei diesem Thema zentral.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Way\u00fau in der Guajira k\u00e4mpfen schon seit Jahrhunderten um ihr Territorium. Die Kohleminen von Glencore nehmen ihnen schon seit Jahrzehnten den Boden zum Leben und die Luft zum Atmen. Und trotzdem sind sie noch dort und k\u00e4mpfen weiter f\u00fcr ein anst\u00e4ndiges Leben und f\u00fcr ihr Territorium, ohne das sie als Ethnie nicht mehr weiter existieren k\u00f6nnten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><a id=\"fn1\"><\/a><a href=\"#anker1\">[1]<\/a> Onkel m\u00fctterlicherseits. Famili\u00e4re Autorit\u00e4t.<br \/> <a id=\"fn2\"><\/a><a href=\"#anker2\">[2]<\/a> Auf dem Weg nach Cabo de la Vela sind beispielsweise eine Reihe von Br\u00fccken zu sehen, die nirgendwo hinf\u00fchren, weil die Strasse dazu nie gebaut wurde. Die Br\u00fccken dienten einzig dazu, politische W\u00e4hler zu gewinnen.<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.6.5&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newsletter606_Artikel-Windparks.pdf&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/El-viento-del-Este.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.6.5&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; title_text=&#8220;El viento del Este&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2031 sollen laut Plan 60 Windparks in der Guajira 7 Gigawatt Strom produzieren. Bis 2050 sollen dann mittels Nutzungsoptimierung 16 Gigawatt angestrebt werden. Das entspricht der Produktionskapazit\u00e4t von zwei Wasserkraftwerken von der Gr\u00f6sse von Hidroituango. Ein gigantisches Projekt, das laut Berechnungen von Indepaz die Strombed\u00fcrfnisse aller grossen St\u00e4dte sowie aller grossen Industriebetriebe des Landes decken w\u00fcrde. Nur wissen von diesem Ausmass weder die Kolumbianer im Allgemeinen, noch die indigenen Gemeinschaften in der Guaj\u00edra, die Besitzer des Territoriums sind.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":7353,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"1080","footnotes":""},"categories":[1,27,12],"tags":[144,145,143],"class_list":["post-7341","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-natuerliche-ressourcen-energie-und-infrastruktur","category-wirtschaft-menschenrechte","tag-guajira","tag-wayuu","tag-windenergie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7341"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7359,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7341\/revisions\/7359"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}