{"id":7270,"date":"2020-08-24T12:42:00","date_gmt":"2020-08-24T10:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=7270"},"modified":"2020-08-24T12:42:08","modified_gmt":"2020-08-24T10:42:08","slug":"der-indigene-besuch-aus-dem-leidgebeutelten-cauca-kolumbien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/menschenrechte\/der-indigene-besuch-aus-dem-leidgebeutelten-cauca-kolumbien","title":{"rendered":"Der indigene Besuch aus dem leidgebeutelten Cauca, Kolumbien"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><em>Von Regula Erazo<\/em><\/p>\n<p>Am 20.Februar 2020 kam Guillermo Tenorio, genannt El Mayor, in Frankfurt an.<br \/> Eine langj\u00e4hrige Freundin seiner Familie hatte die Reise nach Europa organisiert.<br \/> Die Vorbereitungszeit war anstrengend f\u00fcr beide.<br \/> El Mayor hatte noch nie die Landesgrenze \u00fcberschritten; Grund genug zur Aufregung.<br \/> Freude und Erleichterung als er nach langer Reise wieder Boden unter seinen F\u00fcssen sp\u00fcrte und eine vertraute Umarmung.<br \/> Er verlies nicht ganz freiwillig sein Land. Nach mehreren Anschl\u00e4gen auf sein Leben, der letzte am 27. Dezember 2019 wurde ihm geraten, f\u00fcr eine gewisse Zeit das Land zu verlassen.<\/p>\n<p>Wer ist Guillermo Tenorio, El Mayor?<br \/> 1949 wurde er als Indigener der Ethnie Paez, Nasa, im Norden des Departements Cauca in Toribio geboren. In der Gemeinde lernte er schon bald, sich f\u00fcr seine Ethnie, deren Rechte auf Land, Sprache und Autonomie einzusetzen.<br \/> Er ist Mitbegr\u00fcnder des Consejos regional indigena del Cauca, CRIC . Von den insgesamt 12 Gr\u00fcndern, der einzig noch Lebende. Er pr\u00e4sidierte diese Dachorganisation der indigenen Gemeinschaften des Cauca \u00fcber Jahre. Zwei Jahre stand er der nationalen Indigenenbewegung Kolumbiens ONIC als Vizepr\u00e4sident vor.<br \/> El Mayor ist gepr\u00e4gt von der Kosmovision der Paez-Nasa Indigenen, ihrer Kultur, Weltanschauungen und Riten. Neben seinem politischen und analytischen Wissen zeigten sich auch schamanische F\u00e4higkeiten. Er sieht Geistwesen und h\u00f6rt deren Botschaft, die er seiner Gemeinde vermittelt. So hat er schon viele Ereignisse vorausgesehen, sie jedoch weder beeinflussen noch stoppen k\u00f6nnen.<br \/> Ein geschichtstr\u00e4chtiges Datum ist der Juni 1986, als Papst Johannes Paul II die Departementshauptstadt Popayan besuchte. El Mayor Guillermo wurde als Pr\u00e4sident des CRIC eingeladen, ein Gru\u00dfwort an den Papst zu richten. Dieses wurde vom lokalen Klerus im Vorfeld zensiert. Jedoch hielt dies El Mayor nicht ab, das Originalskript mit berechtigter Kritik an der nationalen und regionalen Regierung sowie dem Klerus vorzutragen. Der Bischof unterbrach ihn und er wurde von der B\u00fchne verwiesen. Papst Johannes Paul II sicherte ihm zu, seine Ansprache in vollem Wortlaut zu lesen.<br \/> Dieses Ereignis wurde in der nationalen Presse breitgeschlagen und hatte f\u00fcr den Mayor zur Folge, dass seine Feinde definiert waren.<br \/> Auch in den folgenden Jahren prangerte er die politischen Machenschaften der Politik, des Milit\u00e4rs, Paramilit\u00e4rs, der Guerilla und Drogenmafia \u00f6ffentlich an, immer mit der Absicht, die 1991 erlangte Autonomie der indigenen Territorien und deren Kosmovision zu sch\u00fctzen und zu f\u00f6rdern.<br \/> Es ist nicht erstaunlich, dass unter diesen Umst\u00e4nden nach seinem Leben getrachtet wird, bis hin, dass der Staat ihm ein pers\u00f6nliches Schutzprogramm gew\u00e4hren muss.<br \/> Dies sch\u00fctzt jedoch nicht immer, wie damals am 27. Dezember 2019, als 4 Killer ihm an einer abgelegenen Stra\u00dfe auflauerten und ihm die Pistole an die Schl\u00e4fe hielten. Unerkl\u00e4rlicherweise ging der Schuss nicht ab, auch nicht nach drei Versuchen. Die Killer rannten weg. Einer konnte vom herbeigefahrenen Streifenwagen geschnappt und verurteilt werden. El Mayor besuchte ihn sp\u00e4ter im Gef\u00e4ngnis, wo dieser ihm erz\u00e4hlte, dass auf seinen Kopf 50000 Pesos (ca. 13000 CHF) gesetzt sind.<br \/> Nach dieser offensichtlichen Jagd auf ihn musste er verschwinden.<br \/> So kam er nach Deutschland.<br \/> Guillermo hatte viele Pl\u00e4ne f\u00fcr diese Europareise. Einer davon ist, dass er all den vielen<br \/> Organisationen, die w\u00e4hrend Jahren in verschiedenen Formen den CRIC, der im Februar 2021 auf sein 50j\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckschauen kann, pers\u00f6nlich danken m\u00f6chte. Das ist ihm ein gro\u00dfes Anliegen.<br \/> Doch die Corona-Krise und der Lockdown durchbrachen diese Pl\u00e4ne, zwangen ihn zu einer<br \/> Ruhepause.<br \/> Er, der weise, gefragte Ratgeber seiner Gemeinde, Mitglied des weisen Rates und anerkannte<br \/> indigene F\u00fchrungsperson verbringt nun notgedrungen vier Monate in einem ihm fremden Land mit einer f\u00fcr ihn unverst\u00e4ndlichen Sprache, zur\u00fcckgeworfen auf sich selbst. Keine einfache Situation, zumal sich die Lage im eigenen Land, die Missachtung der Menschenrechte t\u00e4glich verschlechtern.<br \/> Es bleibt ihm das Gebet und t\u00e4gliche Spazierg\u00e4nge durch die erwachende Natur. Oft f\u00fchrt ihn sein Weg auch zu einer kleinen Kapelle, in der er viele Kerzen anz\u00fcndet f\u00fcr die nahezu 50 Ermordeten oder t\u00f6dlich verungl\u00fcckten Stammesmitglieder, die es seit seinem Abflug zu beklagen gilt.<br \/> \u00dcber Internet TV und Tele Sur aber auch in den t\u00e4glichen Telefonaten mit seiner Familie in<br \/> Kolumbien erf\u00e4hrt er all die Gr\u00e4ueltaten, die zur Zeit im Cauca geschehen.<br \/> Das Thema Marihuanapflanzungen im gro\u00dfen Stil greift um sich und die Profiteure, das Cartel Sinaloa aus Mexiko macht kurzen Prozess mit St\u00f6renfrieden, sprich mit jenen, die in diesen Mafia- und Handelsstrukturen nicht mitziehen. Die Indigenen geraten auch zunehmend zwischen die Fronten der auf ihren Territorien sich befindenden Milit\u00e4rs, Paramilit\u00e4rs und Guerillagruppen.<br \/> Die Grausamkeiten sind grenzenlos, zerst\u00fcckelte K\u00f6rper, ganze Familien werden hingerichtet.<br \/> Das eigene Volk aus der Ferne so leiden zu sehen, zehrt immer mehr an seiner Gesundheit, doch er wird in Deutschland begleitet von einem kleinen Kreis von Freunden, die ihn und die leidgepr\u00fcfte Situation seines Volkes kennen.<br \/> Kaum geht die Grenze von Deutschland zur Schweiz auf, l\u00e4dt die ask-Regionalgruppe Luzern El Mayor f\u00fcr einige Tage in die Schweiz ein.<br \/> Da verbringt er nun einige Zeit, lernt die Schweiz kennen und erz\u00e4hlt viel von seiner Heimat und dem Kampf seines Volkes.<br \/> Ein weiteres Anliegen, n\u00e4mlich der Stimme seines Volkes in Europa Geh\u00f6r zu verschaffen, wird ihm nun wieder m\u00f6glich sein und wenn es seine angeschlagene Gesundheit zul\u00e4sst, so will er noch weitere europ\u00e4ische L\u00e4nder und Organisationen besuchen, um zu erz\u00e4hlen und weitere Netzwerke zu kn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/El-Mayor-von-Regula-Erazo.pdf&#8220;]<br \/>\n[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/mayor_guillermo_tenorio_in_deutschland.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; title_text=&#8220;mayor_guillermo_tenorio_in_deutschland&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Regula Erazo Am 20.Februar 2020 kam Guillermo Tenorio, genannt El Mayor, in Frankfurt an. 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