{"id":7237,"date":"2020-08-11T13:49:06","date_gmt":"2020-08-11T11:49:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=7237"},"modified":"2020-08-11T13:50:35","modified_gmt":"2020-08-11T11:50:35","slug":"dreifache-krise-fuer-prodeco-corona-fallende-preise-und-gerichtsurteile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/dreifache-krise-fuer-prodeco-corona-fallende-preise-und-gerichtsurteile","title":{"rendered":"Dreifache Krise f\u00fcr Prodeco: Corona, fallende Preise und Gerichtsurteile"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<br \/> <\/em><\/p>\n<p><strong>Glencore beantragt unbefristete Unterbrechung der Kohlef\u00f6rderung<\/strong><\/p>\n<p><em>Prodeco hat Anfang Juli 2020 der Nationalen Bergbaubeh\u00f6rde (Agencia Nacional Minera ANM) ein Gesuch unterbreitet, um die Aktivit\u00e4ten in den Minen Calenturitas und La Jagua f\u00fcr unbestimmte Zeit suspendieren zu k\u00f6nnen. Das Gesuch st\u00fctzt sich auf Artikel 54 des Bergbaugesetzes. Die Bergbaubeh\u00f6rde ANM analysiert dieses Gesuch aktuell und liess verlauten, dass die kolumbianische Regierung die strategischen Bergbauprojekte weiterhin darin begleiten wolle, damit sie Motor f\u00fcr regionale Chancen und f\u00fcr die Reaktivierung seien. Das Hauptproblem f\u00fcr Prodeco liegt darin, dass die Ethnie der Yukpas einen Rechtsstreit \u00fcber ihr angestammtes Territorium f\u00fcr sich entscheiden konnte.\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Verschiedene Sektoren der Bev\u00f6lkerung, die Gewerkschaft Sintramienergetica und regionale Beh\u00f6rden sind mit dieser Entscheidung von Prodeco gar nicht einverstanden. Der Bergbausekret\u00e4r des Departements Cesar lehnt die Suspendierung ab, da andere Bergbaufirmen trotz des tiefen Kohlepreises die Minen rentabel betreiben und Royalties bezahlen w\u00fcrden. Auch lehnt er das seiner Meinung nach vorgeschobene Argument der COVID19-Krise ab. Wegen COVID19 hatte Prodeco schon seit Ende M\u00e4rz 2020 die Arbeiten unterbrochen, weshalb Subunternehmen Leute entlassen haben. Beispielsweise hat Manpower 600 Personen entlassen. F\u00fcr den Bergbausekret\u00e4r des Cesar f\u00fchren all diese Massnahmen zu einer Destabilisierung der Bergbauregion. Auch die B\u00fcrgermeister der Minend\u00f6rfer sind besorgt, da die Suspendierung die Wirtschaft der Gemeinden stark beeintr\u00e4chtigt. Der Transportsektor, Hotel- und Gastgewerbe und der Handel leben v.a. von den Aktivit\u00e4ten der Minen. Auch werden die Royalties fehlen. La Jagua als die am st\u00e4rksten betroffene Gemeinde k\u00f6nnte bis zu 2000 direkte und indirekte Stellen verlieren, weshalb der B\u00fcrgermeister bei Prodeco intervenierte. Auch der B\u00fcrgermeister von Becerril macht auf die schwierige Budgetsituation auf Grund der fehlenden Royalties aufmerksam. Dies sei besonders schmerzhaft, da sie ja auch der Covid19-Krise entgegen treten m\u00fcssten und die Nationalregierung Finanzmittel zu diesem Zweck zus\u00e4tzlich umgeleitet h\u00e4tte.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Gem\u00e4ss der Gewerkschaft Sintramienergetica sind die Minen La Jagua und Calenturitas seit dem 24. M\u00e4rz stillgelegt, was zu Massenentlassung von Arbeitern bei Subunternehmen f\u00fchrte. Gem\u00e4ss Sintramienergetica wurden 4000 Arbeiter von Subunternehmen entlassen, sowie 800 befristete Angestellte von Prodeco selbst. 2500 unbefristete Angestellte unterstehen dem Regime von Artikel 140 des Arbeitsgesetzes, haben aber Lohneinbussen, weil sie statt f\u00fcr 12 nur f\u00fcr 8 Stunden t\u00e4glich bezahlt werden. Die Gewerkschaft gelangte an das Arbeitsministerium und beschwerte sich dar\u00fcber, dass Prodeco nach dem 24. M\u00e4rz den Betrieb nicht wieder aufnahm, trotz Sonderbewilligungen und Garantien der Regierung. Durch die andauernde Suspendierung leide die Wirtschaft der Region genauso wie das Einkommen der Arbeiter, die nur den 8-Stunden-Grundlohn bekommen. Die Gewerkschaft bittet den Arbeitsminister zu intervenieren, damit Prodeco den Betrieb so wie viele andere Industriebetriebe wieder aufnehme, mit Schutzmassnahmen f\u00fcr die Gesundheit der Arbeiter und Anwohner, aber auch mit dem Ziel der wirtschaftlichen Erholung. Die Gewerkschaft bef\u00fcrchtet, dass Prodeco die lange Suspendierung nutz, um sich am Ende bankrott zu erkl\u00e4ren und die Arbeiter und Gemeinschaften in einer chaotischen Situation zur\u00fcckzulassen. Sintramienergetica wies auch darauf hin, dass der B\u00fcrgermeister von La Jagua mit Schreiben vom 18. Juni Prodeco gebeten habe, den Betrieb so schnell wie m\u00f6glich wieder aufzunehmen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a><\/p>\n<p>In einem weiteren \u00f6ffentlichen Communiqu\u00e9 nehmen die beiden Gewerkschaften Sintramienergetica und Sintracarb\u00f3n gemeinsam Stellung zur weiteren Suspendierung der Bergbaut\u00e4tigkeit. Die Suspendierung erh\u00f6he die Ungewissheit f\u00fcr die Bewohner des Minenkorridors, da alle Bewohner direkt oder indirekt vom Bergbau profitieren. Dadurch verschlimmere sich die Arbeitslosigkeit, Handel und Dienstleistungen brechen ein und die M\u00f6glichkeit zu Investieren nehme ab, da die Gemeinden mit den Royaltyzahlungen gerechnet h\u00e4tten. Nachdem der Betrieb der Minen die Wirtschaft der Region auf den Kopf gestellt und die Landwirtschaft verdr\u00e4ngt h\u00e4tte, hange die Region und ihre Bev\u00f6lkerung vom Bergbau ab und sei kurzfristig nicht in der Lage, auf dessen Verlust zu reagieren. Die Region m\u00fcsse sich aber auf ein Ende des Bergbaus vorbereiten und Alternativen entwickeln. Die Minen m\u00fcssen aber vorher ihrer Verantwortung nachkommen und sozio\u00f6konomische Probleme verhindern, Umweltaltlasten beheben sowie zu einer gerechten Transition beitragen und fr\u00fchzeitig \u00fcber Schliessungspl\u00e4ne informieren.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span>[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Gegen\u00fcber der Zeitung El Pil\u00f3n erkl\u00e4rte Prodeco, welche \u00dcberlegungen zum Antrag, die Abbaut\u00e4tigkeit zu unterbrechen gef\u00fchrt haben. Prodeco betonte, sie seien sich den wirtschaftlichen Folgen der vor\u00fcbergehenden Schliessung f\u00fcr die Region und f\u00fcr das Unternehmen selbst sowie bez\u00fcglich der Umwelt und der Gemeinschaften bewusst. Der Entscheid sei aber gefallen. Die Unsicherheit aufgrund von COVID19 und der rasch fallende Kohlepreis in den Schl\u00fcsselm\u00e4rkten h\u00e4tten die wirtschaftliche Perspektive f\u00fcr den Kohleabbau von Prodeco grundlegend ver\u00e4ndert. Dazu k\u00e4men Gerichtsentscheide die zu einem Verlust von sowie zu Verz\u00f6gerung bei der Erteilung von Bewilligungen, die f\u00fcr den Minenbetrieb n\u00f6tig sind, gef\u00fchrt h\u00e4tten. Der Abbauplan der Mine sowie die Kostenstruktur seien analysiert worden, und um die angepassten Pl\u00e4ne umsetzen zu k\u00f6nnen, brauche es eine Reihe von Bewilligungen seitens der Beh\u00f6rden, deren Erteilung allenfalls Konsultationen mit den Gemeinschaften und Interessengruppen sowie die L\u00f6sung der juristischen Problemen n\u00f6tig machen. Als Resultat all dieser \u00dcberlegungen habe Prodeco der ANM das Gesuch um Suspendierung der Bergbauaktivit\u00e4ten gestellt. Prodeco sei der Meinung, dass die tempor\u00e4re Suspendierung der Bergbauaktivit\u00e4ten den Wert der vorhandenen Rohstoffe sch\u00fctze und die Option offen halte, die revidierten Bergbaupl\u00e4ne umzusetzen, wenn die Bewilligungen erteilt und die Marktbedingungen sich verbessert haben.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span>[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Communiqu\u00e9s und Informationen f\u00fcr die Medien, die Prodeco ver\u00f6ffentlichte, waren ausgesprochen vage gehalten, im Detail wurden die Gr\u00fcnde f\u00fcr die beantragte Suspension nicht klar. Im Gespr\u00e4ch mit der <em>ask! <\/em>wurde Prodeco deutlicher. Alle Kohleminen Kolumbiens w\u00fcrden unter den tiefen internationalen Preisen leiden und COVID19 habe die Situation noch verschlimmert. Die Mine La Jagua von Prodeco weise aber ein spezielles Problem auf: auf Grund des Alters der Mine habe Prodeco die Erneuerung einiger Bewilligungen im Umweltbereich ben\u00f6tigt, um den Abbau weiterhin rationell gestalten zu k\u00f6nnen. Prodeco haben diese Erneuerungen rechtzeitig beantragt, auf Grund eines Urteils \u00fcber eine Grundrechtsklage (Tutela) sei dieser Prozess aber gestoppt. Gem\u00e4ss Prodeco liege das indigene Volk der Yukpas in der Serran\u00eda del Perij\u00e1 im Streit mit der Regierung. Unter anderem h\u00e4tten die Yukpas sich dagegen gewehrt, dass die Regierung ein \u00dcbergangslager f\u00fcr ehemalige FARC-K\u00e4mpfer auf Land errichten wollte, das die Yukpas als ihr angestammtes Territorium betrachten. Sie gelangten darauf mit einer Tutela an die Gerichte und forderten, dass ihr angestammtes Territorium genau abgegrenzt werden m\u00fcsse. Das Gericht gab ihnen Recht und verlangte vom Staat, das Territorium der Yukpas zu definieren. Bis dies geschehen sei, d\u00fcrften keine neuen Bergbautitel und Umweltlizenzen vergeben und auch keine erneuert werden.<\/p>\n<p>Aufgrund der fehlenden erneuerten Bewilligungen k\u00f6nne Prodeco 20% der Mine La Jagua nicht betreiben, was die gesamten Produktionskosten um 30-40% erh\u00f6he. Auch sei es nicht wirtschaftlich, lediglich die Mine Calenturitas zu betreiben, da die Kohle beider Minen gemischt werde, beide Minen Arbeiter und Maschinen teilen ebenso wie die Infrastruktur mit dem Zug und dem Hafen auf die Produktion der beiden Minen ausgelegt sei. Prodeco w\u00fcrde also ohne die fehlenden Bewilligungen bei den aktuellen Preisen mit Verlust operieren, weshalb sie die unbefristete Suspendierung beantragten. Derweil w\u00fcrden die Angestellten, die Homeoffice machen, dies weiter tun, ebenso werde ein Teil der Arbeiter f\u00fcr die notwendigen Unterhaltsarbeiten gebraucht, der Rest sei zuhause und erhalten den Grundlohn gem\u00e4ss Art. 140 des Arbeitsgesetzes. Prodeco wolle die Arbeiter behalten, es handle sich um wichtiges Humankapital. 400 Arbeiter h\u00e4tten im gegenseitigen Einverst\u00e4ndnis, d.h. freiwillig oder sogar auf eigenen Wunsch, das Arbeitsverh\u00e4ltnis aufgel\u00f6st. Aufgel\u00f6st worden seien die Vertr\u00e4ge mit den Subunternehmen. Die Sozialprogramme wie in La Victoria und die Umsiedlungen gehen weiter, abgesehen von den Corona-bedingten Einschr\u00e4nkungen. Die Nationale Bergbaubeh\u00f6rde ANM habe grunds\u00e4tzlich sechs Monate Zeit, um \u00fcber das Suspensionsgesuch zu entscheiden. Aufgrund der Dringlichkeit werde die ANM aber wohl rascher entscheiden. Prodeco geht davon aus, dass die ANM die Suspendierung wohl gestatten werde, denn es mache wenig Sinn, Prodeco zu zwingen mit Verlust zu operieren. Das Problem sei, dass der Staat in \u00fcber einem Jahr seit Ergehen des Urteils noch nichts gemacht habe. Prodeco k\u00f6nne momentan die Suspendierung finanziell aufrechterhalten, aber nicht ewig. Auch wenn der Staat mit den Yukpas Verhandlungen aufnehme, werde es ein langer Prozess, und auch die Bewilligungen, die Prodeco f\u00fcr die Mine La Jagua brauche, w\u00fcrden eine gewisse Zeit ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Prodeco betont, sie h\u00e4tten ein gutes Verh\u00e4ltnis zu den Yukpas, diese h\u00e4tten nie Klagen gegen die Minen Prodecos erhoben. Prodeco wolle mit der Suspension auch keinen Druck aus\u00fcben, sondern die Kohlereserven sch\u00fctzen, die sie aktuell nur mit Verlust abbauen k\u00f6nnte. Prodeco wolle die Mine nicht unter Verletzung der Indigenen Rechte betreiben und respektiere das Urteil zugunsten der Yukpas und auch die zu erfolgende Abgrenzung. Je nachdem, wie gross das traditionelle Territorium sei und wie es zu liegen k\u00e4me, h\u00e4tte es aber bedeutende Konsequenzen f\u00fcr die Minen, bis zu einer Schliessung von La Jagua.<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss verschiedener Zeitungsartikel ist die Sache deutlich komplizierter als von Prodeco gegen\u00fcber der <em>ask!<\/em> dargestellt. Tats\u00e4chlich haben die Yukpas das Land, das sie bewohnen, nie offiziell \u00fcbertragen bekommen und wurden nie konsultiert, aber trotzdem hat die Regierung den Bergbau in diesem Gebiet bewilligt. Als die Regierung nach dem Friedensabkommen mit den FARC Grundst\u00fccke in der Gegend verwendete um ehemalige FARC-K\u00e4mpfer in einem Wiedereingliederungsterritorium ETCR anzusiedeln, reichten die Yukpas eine Grundrechtsklage ein, in der sie die Verletzung ihres angestammten Territoriums ohne Konsultation beklagten. Das Verfassungsgericht urteilte darauf im Jahr 2017, dass die Nationale Landbeh\u00f6rde ANT innerhalb eines Jahres das traditionelle Territorium der Yukpas abgrenzen m\u00fcsse. Mit grosser Verz\u00f6gerung wurde im April 2018 eine Arbeitsgruppe zwischen den Yukpas, der ANT und den Unternehmen er\u00f6ffnet, in der man sich einigte, die Antr\u00e4ge f\u00fcr Bergbauprojekte zu suspendieren, da es eine \u00dcberschneidung zwischen den wirtschaftlichen Projekten und dem Gebiet, das den Yukpas \u00fcbertragen werden sollte, gebe. Im April 2019 erliess die Abteilung f\u00fcr W\u00e4lder des Umweltministeriums eine neue Verf\u00fcgung, die die Wiederaufnahme der Bergbauaktivit\u00e4ten erlaubte, trotz der m\u00f6glichen \u00dcberschneidung. Dies veranlasste die Yukpas, eine zweite <em>Tutela<\/em> einzureichen, da sie der Meinung sind, dass die Regierung und die Unternehmen damit ihre Grundrechte verletzt haben. Die Unternehmen antworteten vor Gericht auf die <em>Tutela<\/em>, dass das Innenministerium in einer Verf\u00fcgung vom Juni 2017 best\u00e4tigt habe, dass es am Ort wo das Bergbauprojekt durchgef\u00fchrt werde keine Indigenen gebe. Das Verwaltungsgericht des Cesar hielt gest\u00fctzt auf das Verfassungsgericht aber fest, dass das Innenministerium in mehreren F\u00e4llen, die das Verfassungsgericht \u00fcberpr\u00fcfte, f\u00e4lschlicherweise best\u00e4tigt habe, das es keine Indigenen im Territorium gebe, obwohl es offensichtlich indigene Pr\u00e4senz gab. Zweitens hange die Existenz einer indigenen Gemeinschaft nicht davon ab, ob sie in einer staatlichen Datenbank erscheine oder nicht. Das Gericht kam auch zum Schluss, dass es sehr wohl eine \u00dcberschneidung zwischen dem Gebiet der Bergbauprojektes und dem Gebiet, das die Yukpas f\u00fcr sich reklamierten gebe, und hielt fest, dass es Aufgabe des Staates sei, den Schutz der Rechte der indigenen Gemeinschaften sicherzustellen. Das Gericht hielt fest, dass die Rechte der Gemeinschaft der Yukpas verletzt wurden und ordnete an, dass das Bergbauprojekt suspendiert werden soll, bis die Titulierung des Landes an die Yukpas abgeschlossen sei. Weiter ordnete es an, dass das Innenministerium nach der Titulierung des Landes an die Yukpas einen Prozess der vorg\u00e4ngigen Anh\u00f6rung machen m\u00fcsse, und dass die ANLA, das Umweltministerium und die ANM keinerlei weitere Bewilligungen ausstellen d\u00fcrfen um Bergbauaktivit\u00e4ten zu t\u00e4tigen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span>[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Bei der Tutela geht es unter anderem darum, dass die Mine la Jagua eine neue Abraumhalde einrichten muss, da sie keinen Platz mehr hat, um das Gestein zu entsorgen, und diese Abraumhalde k\u00e4me auf Gebiet der Yukpas zu liegen. Ebenso wollte Prodeco Entw\u00e4sserungskan\u00e4le und Sedimentierungsbecken bauen. Diese Ausbauarbeiten werden momentan nicht bewilligt, weshalb Prodeco die Mine La Jagua nur mehr beschr\u00e4nkt betreiben kann. Die Nationale Landbeh\u00f6rde veranschlagte f\u00fcr die Abgrenzung des Yukpa-Territoriums etwa 4 Jahre.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span>[6]<\/span><\/a> Die Nationale Bergbaubeh\u00f6rde veranschlagte f\u00fcr das Studium der Unterlagen und den Entscheid \u00fcber die beantragte Suspension 15 bis 20 Tage. Ein erstes Treffen dar\u00fcber fand mit der Beteiligung von Kongressabgeordneten des Cesar, lokalen Beh\u00f6rden und Ministeriumsvertretern statt, aber ohne Prodeco. An diesem Treffen \u00e4usserten die Parlamentarier und lokalen Beh\u00f6rdenvertreter ihr Missfallen \u00fcber das Gesuch von Prodeco, v.a. wegen den wirtschaftlichen Konsequenzen. Ein zweites Treffen soll mit Beteiligung von Prodeco stattfinden, ebenso soll das Arbeitsministerium wegen der Situation der Arbeiter beigezogen werden, und das Innenministerium soll Arbeitstische einrichten um die rechtlichen Folgen der verschiedenen Gerichtsurteile zu studieren. Das Minenministerium wird eine Roadmap f\u00fcr Bergbau und Energie im Cesar erarbeiten.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span>[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Urteile zu Gunsten der Yukpas haben aber auch Einfluss auf die Umwelt, namentlich auf das Waldreservat Los Motilones (zona de reserva forestal). Dieses Reservat hat schon 300\u2018000 Ha Fl\u00e4che verloren, insbesondere wegen der Erteilung von Bergbau- und Erd\u00f6lkonzessionen. Der Umweltanwalt Edwin Alvarez, der die Yukpas ber\u00e4t, beklagt dass z.B. die P\u00e1ramos sehr viel Aufmerksamkeit erhalten, mit den W\u00e4ldern aber gedankenlos umgesprungen werde, obwohl diese \u00d6kosystem auch dringend mehr Schutz ben\u00f6tigen. Das Verfassungsgericht hat eine weitere Untersuchung er\u00f6ffnet weil in diesem Gebiet auch 4 Fl\u00fcsse umgeleitet worden sind, weshalb die Indigenen nicht mehr Jagen, Fischen und Sammeln k\u00f6nnen. Edwin Alvarez ist sich sicher, dass die Firmen gegen das Urteil Einspruch erheben werden. Er und die Yukpas begr\u00fcssen, wenn das Verfassungsgericht als zweite Instanz dar\u00fcber urteilt, da es sich um Fragen von grundlegender Bedeutung handelt. Alvarez hofft, dass dadurch die Waldreservate einen \u00e4hnlich starken Schutz wie die hochandinen Feuchtgebiete der P\u00e1ramos erhalten k\u00f6nnten. Die ganze Problematik hat ihren Ursprung darin, dass der Staat keine klaren Regeln aufgestellt hat, weder f\u00fcr die Bergbaufirmen noch f\u00fcr die indigenen Yukpas.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span>[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Anfang M\u00e4rz 2020 haben die Yukpas erneut vor Gericht Recht bekommen, als der Staatsrat (C<strong>onsejo de Estado) das Urteil des<\/strong> Verwaltungsgericht<strong>s<\/strong> des Cesar vom September 2019 best\u00e4tigte und dessen Argumente sowie auch die Argumente des Verfassungsgerichtes st\u00fctzte. Die Unternehmen waren mit dem Urteil des Verwaltungsgerichtes des Cesar unzufrieden und appellierten, u.a. auch mit wirtschaftlichen Argumenten, dass die Gegend weniger Royalties bekommen w\u00fcrde und wirtschaftlichen Schaden erleiden w\u00fcrde. Der Staatsrat lehnte diese Argumente ab: auch wenn die wirtschaftlichen \u00dcberlegungen wichtig seien, entbinde es den Staat und die Unternehmen nicht, die Rechte der Indigenen zu sch\u00fctzen. Der Staatsrat entschied sich also gegen die <strong>w<\/strong>irtschaftlichen Interessen und f\u00fcr die Interessen und Rechte der Indigenen, zumal deren Grundrechte auf Anh\u00f6rung und Titulierung des Territoriums verletzt wurden und die Folgen der Minenerweiterung um eine Abraumhalde und Entw\u00e4sserungskan\u00e4le unbestimmte Konsequenzen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung haben k\u00f6nnte. Edwin Alvarez ist auf jeden Fall bereit, weiter zu k\u00e4mpfen. Er betont aber auch, dass dieser Kampf mit Risiken verbunden sei und sie Repressalien der Minenunternehmen und rechter politischer Sektoren des Cesar bef\u00fcrchten. Nebst den grossen Bergbauunternehmen gebe es viele kleine und mittlere Unternehmen, die ebenfalls in diesem Bereich aktiv sind und die, wenn ihr Gesch\u00e4ft negativ beeinflusst wird, Repressalien ergreifen k\u00f6nnten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span>[9]<\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/elpilon.com.co\/prodeco-suspenderia-actividades-en-calenturitas-y-la-jagua\/\">https:\/\/elpilon.com.co\/prodeco-suspenderia-actividades-en-calenturitas-y-la-jagua\/<\/a><\/span>, 7. Juli 2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> Schreiben von Sintramienergetica vom 25. Juni 2020 an den Arbeitsminister Angel Custodio Cabrera: Solicitud de Reiniciaci\u00f3n de Operaciones Mineras del Grupo Prodeco<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><span>[3]<\/span><\/a> Gemeinsames Communiqu\u00e9 von Sintramienergetica und Sintracarb\u00f3n vom 10. Juli 2020: No permitiremos que Prodeco genere una tragedia social, economia y ambiental en el Cesar.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><span>[4]<\/span><\/a> <span><a href=\"https:\/\/elpilon.com.co\/nos-hemos-visto-obligados-a-reevaluar-la-operacion-de-nuestro-negocio-grupo-prodeco\/\">https:\/\/elpilon.com.co\/nos-hemos-visto-obligados-a-reevaluar-la-operacion-de-nuestro-negocio-grupo-prodeco\/<\/a><\/span><span>, 8. Juli 2020<\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><span>[5]<\/span><\/a> <span>El Espectador, Ordenan suspender proyecto minero en Serran\u00eda del Perij\u00e1 por tutela de comunidad ind\u00edgena, 13. September 2019, in: <a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/noticias\/judicial\/ordenan-suspender-proyecto-minero-en-serrania-del-perija-por-tutela-de-comunidad-indigena\/\">https:\/\/www.elespectador.com\/noticias\/judicial\/ordenan-suspender-proyecto-minero-en-serrania-del-perija-por-tutela-de-comunidad-indigena\/<\/a>\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><span>[6]<\/span><\/a> Portafolio, Prodeco suspende toda su tarea carbon\u00edfera en Cesar, 14. Juli 2020, in: <span><a href=\"https:\/\/www.portafolio.co\/economia\/prodeco-suspende-toda-su-tarea-carbonifera-en-cesar-542719\">https:\/\/www.portafolio.co\/economia\/prodeco-suspende-toda-su-tarea-carbonifera-en-cesar-542719<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><span>[7]<\/span><\/a> En dos semanas dar\u00edan respuesta a la solicitud de Prodeco para suspender actividades mineras, 10. Juli 2020, in: <span><a href=\"https:\/\/prensaminera.org\/dos-semanas-darian-respuesta-la-solicitud-prodeco-suspender-actividades-mineras\/\">https:\/\/prensaminera.org\/dos-semanas-darian-respuesta-la-solicitud-prodeco-suspender-actividades-mineras\/<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><span>[8]<\/span><\/a> Semana, Pueblo Yukpa evita construcci\u00f3n de proyecto minero en la Serran\u00eda de Perj\u00e1, 14. September 2019, in: <span><a href=\"https:\/\/sostenibilidad.semana.com\/medio-ambiente\/articulo\/pueblo-yukpa-y-su-pelea-con-las-mineras-que-operan-en-la-serrania-del-perija\/46730\">https:\/\/sostenibilidad.semana.com\/medio-ambiente\/articulo\/pueblo-yukpa-y-su-pelea-con-las-mineras-que-operan-en-la-serrania-del-perija\/46730<\/a><\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><span>[9]<\/span><\/a> El Espectador, Pueblo Yukpa de la Serran\u00eda del Perij\u00e1 vuelve a vencer en el pulso con mineras , 11. M\u00e4rz 2020, in: <span><a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/noticias\/judicial\/pueblo-yukpa-de-la-serrania-del-perija-vuelve-vencer-en-el-pulso-con-mineras-articulo-908768\/\">https:\/\/www.elespectador.com\/noticias\/judicial\/pueblo-yukpa-de-la-serrania-del-perija-vuelve-vencer-en-el-pulso-con-mineras-articulo-908768\/<\/a><\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Prodeco-suspendiert-Kohleabbau-Juli2020.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Yukpa.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; title_text=&#8220;Yukpa&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Yukpa2.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.4.8&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; title_text=&#8220;Yukpa2&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prodeco hat Anfang Juli 2020 der Nationalen Bergbaubeh\u00f6rde (Agencia Nacional Minera ANM) ein Gesuch unterbreitet, um die Aktivit\u00e4ten in den Minen Calenturitas und La Jagua f\u00fcr unbestimmte Zeit suspendieren zu k\u00f6nnen. Das Gesuch st\u00fctzt sich auf Artikel 54 des Bergbaugesetzes. Die Bergbaubeh\u00f6rde ANM analysiert dieses Gesuch aktuell und liess verlauten, dass die kolumbianische Regierung die strategischen Bergbauprojekte weiterhin darin begleiten wolle, damit sie Motor f\u00fcr regionale Chancen und f\u00fcr die Reaktivierung seien. 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