{"id":7079,"date":"2020-06-17T10:43:19","date_gmt":"2020-06-17T08:43:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=7079"},"modified":"2020-06-17T10:44:13","modified_gmt":"2020-06-17T08:44:13","slug":"glencores-nachhaltigkeitsbericht-nach-wie-vor-ungenuegend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/allgemein\/glencores-nachhaltigkeitsbericht-nach-wie-vor-ungenuegend","title":{"rendered":"Glencores Nachhaltigkeitsbericht nach wie vor ungen\u00fcgend"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<br \/> <\/em><\/p>\n<p>Wenige Tage vor der Aktion\u00e4rsversammlung vom 2. Juni 2020 ver\u00f6ffentlichte Glencore den 97-seitigen Nachhaltigkeitsbericht f\u00fcr das Jahr 2019<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a>. Zusammen mit zw\u00f6lf weiteren Menschenrechts- und Umweltorganisationen hat die <em>ask!<\/em> in einem Communiqu\u00e9 ernsthafte Bedenken \u00fcber die Glaubw\u00fcrdigkeit dieses Berichts ge\u00e4ussert<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a>. So hat Glencore verschiedene wichtige menschenrechtliche oder Umweltzwischenf\u00e4lle nicht erw\u00e4hnt oder herunter gespielt. Kritisiert haben wir insbesondere \u2013 wie schon letztes Jahr \u2013 die Definition der \u201eernsthaften menschenrechtlichen Vorf\u00e4llen\u201c. 2019 verzeichnete Glencore nach ihrer eigenen Einsch\u00e4tzung keinen einzigen ernsthaften Vorfall. Glencore definiert als ernsthafter menschenrechtlicher Vorfall ein \u201eTodesfall der geschieht als Resultat von irgendeiner Interaktion mit der Gemeinschaft\u201c. Internationale Menschenrechtsstandards definieren ernsthafte Vorf\u00e4lle viel breiter. Darunter fallen unter anderem auch Verletzungen durch Gewalt, willk\u00fcrliche Verhaftung, sexuelle Gewalt oder gewaltsames Verschwindenlassen. Die Verantwortliche f\u00fcr Nachhaltigkeit bei Glencore, Anna Krutikov anerkannte 2019 die Notwendigkeit, die Definition zu \u00fcberarbeiten und andere Menschenrechtsaspekte aufzunehmen. Viel scheint sich seither nicht getan zu haben. Wenn Unternehmen selber definieren, was erw\u00e4hnenswerte Menschenrechte sind, ist das gravierend.<\/p>\n<p>Glencore verschweigt im Nachhaltigkeitsbericht verschiedene Vorf\u00e4lle oder erw\u00e4hnt sie nicht als Menschenrechtsverletzungen oder losgel\u00f6st von den Operationen des Unternehmens, so t\u00f6dliche Unf\u00e4lle mit handwerklichen Bergleuten auf Konzessionen von Glencore, toxische Abw\u00e4sser die in benachbarte Felder flossen oder Lastwagenunf\u00e4lle mit Gefahrenguttransporten. Wenige Informationen enth\u00e4lt der Report auch \u00fcber Korruption und Good Governance, z.B. bez\u00fcglich der Untersuchungen der englischen, brasilianischen und US Beh\u00f6rden. Glencore kann nicht einfach nur behaupten, dass sie in \u00dcbereinstimmung mit Menschenrechts- und Umweltstandards arbeiten, die Beweislast, dies zu belegen, liegt beim Unternehmen, und der Nachhaltigkeitsbericht 2019 erf\u00fcllt dies nicht.<\/p>\n<p>Zu Fragen Anlass geben insbesondere die Ausf\u00fchrungen zu Wassermanagement, Landverbrauch und Menschenrechten. So ist in Kolumbien die Umleitung von Fl\u00fcssen und B\u00e4chen ein \u00e4usserst kontroverses Thema, ebenso wie die Wasserknappheit und die Verschmutzung von Wasserquellen allgemein. In der Guajira noch st\u00e4rker als in Cesar ist die mangelnde Verf\u00fcgbarkeit von sauberem Wasser eines der Hauptanliegen der Bev\u00f6lkerung. Ein vor kurzem ver\u00f6ffentlichter Bericht von NGOs verweist auch auf schwere Probleme mit Wassermangel und \u2013Verschmutzung in Argentinien und Peru<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span>[3]<\/span><\/a>. Im Kapitel \u00fcber Wasser ist dazu nichts zu finden und die mehrheitlich positiven Ausf\u00fchrungen im Nachhaltigkeitsbericht kontrastieren mit dem Wassermangel und den seit Jahren fehlenden Antworten und L\u00f6sungen in der Guajira. Umstritten ist ebenso der Landbedarf der Kohleminen in Kolumbien und dessen Einfluss auf Landwirtschaft und Viehzucht, sowie die negativen Auswirkungen der Kohleminen auf tropische Trockenw\u00e4lder die Fauna und Flora und die Qualit\u00e4t der Wiederbegr\u00fcnung. Gegen den Mangel an nutzbarem Land und der Einengung des Lebensraums der Indigenen und AfrokolumbianerInnen wurden noch keine L\u00f6sungen gefunden. Auch in diesem Punkt zeichnet Glencore ein zu optimistisches Bild.<\/p>\n<p>Im Kapitel zu Menschenrechte und auch unter dem Kapitel \u201eKohle\u201c verweist der Bericht auf die Partnerschaften, die Prodeco eingegangen ist, um Frieden und soziale Entwicklung in der Region zu f\u00f6rdern. Obwohl diese Programme durchaus positive Effekte haben k\u00f6nnen, spricht der Bericht jedoch nicht von den Herausforderungen und kaum vom Impact den die Kohleminen haben k\u00f6nnen. So wird weder auf die Drohungen gegen soziale F\u00fchrungspersonen eingegangen, noch auf den Verlust von Einkommensquellen wie Verlust von Ackerland oder Fischen nach Flussumleitungen. Noch warten viele Opfer zudem auf wirkliche Vers\u00f6hnung, Wahrheit und Wiedergutmachung. Die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht und menschenrechtliche Risikoanalysen respektive Folgeabsch\u00e4tzungen von Prodeco sind kontrovers diskutierte Themen seitens der ask!, macht doch Glencore Prodeco immer noch viel zu wenige Informationen \u00fcber diese Arbeit publik, z.B. \u00fcber die entdeckten Risiken und die dagegen getroffenen Massnahmen und Aktionspl\u00e4ne. Im Kapitel \u00fcber Kohle wird eine menschenrechtliche Risikoanalyse in S\u00fcdafrika erw\u00e4hnt, diejenige in Kolumbien aber nicht.<\/p>\n<p>Der Nachhaltigkeitsbericht behandelt auch die Umsiedlungen in Kolumbien und erw\u00e4hnt, dass 2018 der Umsiedlungsaktionsplan f\u00fcr El Hatillo verabschiedet und 305 von 366 Familien individuelle Umsiedlungsvereinbarungen unterzeichnet haben. Seit 2011 engagiere sich Prodeco auch in der Umsiedlung von Boquer\u00f3n. Nichts steht jedoch dar\u00fcber, dass gem\u00e4ss der Anordnung der kolumbianischen Regierung diese Gemeinschaften seit 2012 h\u00e4tten umgesiedelt sein sollen, dass El Hatillo weiterhin Umwelt- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt ist und die Bergbaukonzerne Boquer\u00f3n \u00fcberhaupt nicht mehr umsiedeln wollen. Die wirklichen Probleme und Herausforderungen werden also auch hier nicht erw\u00e4hnt. Zudem f\u00e4llt auf, dass weder unter Menschenrechten noch unter dem Kapitel Kohle das Joint Venture Carbones del Cerrej\u00f3n erw\u00e4hnt ist, wo es 2019 scharfe Konflikte mit Gemeinschaften und eine beispiellose Serie von Todesdrohungen gegen Bergbaugegner und ethnische Gemeinschaftsf\u00fchrerInnen gab.<\/p>\n<p>Im Kapitel \u00fcber Kohle werden auch sehr positive Aussagen \u00fcber Sicherheit am Arbeitsplatz und \u00fcber ein neues Programm \u201eVida Segura\u201c gemacht, sowie \u00fcber ein System zum Monitoring von M\u00fcdigkeit in den Lastwagen. Generell wird auch betont, wie Glencore die Gewerkschaftsfreiheit und die Verhandlung von Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen weltweit hochhalte. Diese Ausf\u00fchrungen stehen in starken Kontrast zu den Klagen der beiden Gewerkschaften Sintracarb\u00f3n und Sintramienergetica \u00fcber mangelnde Sicherheit am Arbeitsplatz, \u00fcber als diskriminierend empfundene Sicherheitsmassnahmen und \u00fcber gewerkschaftsfeindliche Praktiken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span>[1]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/www.glencore.com\/sustainability\/reports-and-presentations\">https:\/\/www.glencore.com\/sustainability\/reports-and-presentations<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><span>[2]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/www.raid-uk.org\/blog\/rights-groups-say-glencore-sustainability-report-lacks-credibility\">https:\/\/www.raid-uk.org\/blog\/rights-groups-say-glencore-sustainability-report-lacks-credibility<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><span>[3]<\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/aguaparalospueblos.org\/\">https:\/\/aguaparalospueblos.org\/<\/a> Auf die Probleme mit Wasserknappheit und Wasserverschmutzung verweis auch der Schattenbericht zu Glencore von 2017: <a href=\"https:\/\/www.pas.org.co\/publicaciones\">https:\/\/www.pas.org.co\/publicaciones<\/a><\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Glencores-Nachhaltigkeitsbericht-nach-wie-vor-ungen\u00fcgend-JUni-2020.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Glencore-Nachhaltigkeit-2019.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Glencore-Nachhaltigkeitsbericht-2019.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenige Tage vor der Aktion\u00e4rsversammlung vom 2. 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