{"id":6902,"date":"2020-04-28T09:26:00","date_gmt":"2020-04-28T07:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=6902"},"modified":"2020-04-28T09:38:16","modified_gmt":"2020-04-28T07:38:16","slug":"das-multitrack-friedensfoerderungsprogramm-der-schweizer-regierung-und-zehn-schweizer-ngo-erfolge-und-zukunftsaussichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/frieden\/das-multitrack-friedensfoerderungsprogramm-der-schweizer-regierung-und-zehn-schweizer-ngo-erfolge-und-zukunftsaussichten","title":{"rendered":"Das Multitrack-Friedensf\u00f6rderungsprogramm der Schweizer Regierung und zehn Schweizer NGO: Erfolge und Zukunftsaussichten"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Lisa Alvarado<\/em><\/p>\n<p><span>Seit 1998 unterst\u00fctzt die Schweiz die kolumbianische Zivilgesellschaft in der Friedensf\u00f6rderung. Dazu wurden immer wieder neue Programme und Programmphasen ausgearbeitet und dem jeweiligen Kontext angepasst. Auch die ask! ist im Konsortium der zehn Schweizer NGO, die zusammen mit der Abteilung menschliche Sicherheit des EDA, der Schweizer Botschaft in Kolumbien und momentan zwei Partnerorganisationen in Kolumbien auf den Frieden setzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><span>Im September 2020 l\u00e4uft die jetzige Programmphase aus. In einem Interview erz\u00e4hlt Marta Londo\u00f1o, Koordinatorin des Programms in Kolumbien, von ihren Erfahrungen und Eindr\u00fccken.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Worin besteht das Programm genau?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>M.L.: Das Programm besteht aus drei Achsen, wobei je eine Achse die Arbeit der beiden lokalen Partnerorganisationen (copartes) reflektiert, sowie eine gemeinsame Achse aller Akteure. Das ganze Programm findet an der Karibikk\u00fcste statt.<\/span><\/p>\n<p><span>Sembrandopaz, die eine Partnerorganisation, f\u00fchrt einige sehr interessante Prozesse lokaler Friedensf\u00f6rderung in f\u00fcnf Gemeinden (municipios) durch, wo sie die lokalen Friedenskomitees (consejos territoriales de paz) begleiten. Sie arbeiten in der Region Montes de Mar\u00eda, wo unter anderem viele Massaker ver\u00fcbt worden waren, und die Vers\u00f6hnungsarbeit nicht einfach ist. Gerade dort zeigt sich, dass es f\u00fcr den Frieden nicht reicht, einfach einen Vertrag zu unterschreiben. Es m\u00fcssen die richtigen Bedingungen geschaffen werden, damit Vergebung, Wahrheit und Vers\u00f6hnung m\u00f6glich werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Aus diesem Grund hat Sembrandopaz die sogenannten Gespr\u00e4che zwischen Unwahrscheinlichen (di\u00e1logos entre improbables) geschaffen. Dies sind eine Art Rundtische, wo diverse Akteure zusammenkommen, die sich normalerweise nicht unterhalten w\u00fcrden. Da sind Regierungsorganisationen, Unternehmer, ehemalige Mitglieder von Guerilla oder Paramilit\u00e4r, sowie die lokalen Gemeinschaften, die Opfer von Verbrechen geworden waren. Das Wichtigste an diesen Gespr\u00e4chen ist, dass es darum geht, Wahrheit, Vergebung und Vers\u00f6hnung zu suchen. Es ist eine M\u00f6glichkeit, alle an einen Tisch zu setzen und dar\u00fcber zu sprechen, was ein Vers\u00f6hnungsprozess in der Region genau bedeutet, und was es heisst, zu vergeben und die Wahrheit zuzugeben und um Vergebung zu bitten, wenn so grosse Sch\u00e4den angerichtet worden sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>F\u00fcr mich sind diese Gespr\u00e4che ein Zeichen, dass lokaler Frieden und Vers\u00f6hnung Schritt f\u00fcr Schritt m\u00f6glich wird. Denn es ist ein langj\u00e4hriger Prozess, und keine schnelle Aktion, die richtigen Bedingungen zwischen den verschiedenen Akteuren zu schaffen, um zum Ziel zu gelangen. Deshalb ist es auch wichtig, diesen Prozess weiter zu unterst\u00fctzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Weiter finde ich auch, dass die B\u00fcrgerversammlungen (\u00e1goras ciudadanas), mit denen Sembrandopaz arbeitet, ein sehr starkes Element der Vers\u00f6hnung gerade in dieser Region darstellen. Dieser Prozess wird bis zum Ende des Programms abgeschlossen sein und die Methodologie soweit aufbereitet, dass sie als Instrument in anderen Regionen angewandt werden k\u00f6nnte. Das ist sicher auch ein Erfolg, dass die Erfahrungen soweit systematisiert sind, dass sie mit anderen Regionen ausgetauscht werden k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Colemad ihrerseits, die zweite Partnerorganisation, tr\u00e4gt mit einem Geschlechter- und Landfokus zur Friedensf\u00f6rderung bei, indem sie bei Landr\u00fcckgabeprozessen Frauen begleitet, die historisch gesehen nicht die Eigent\u00fcmerinnen des Landes waren, aber sehr wohl Opfer des Konflikts sind und auf das von ihnen bearbeitete Land angewiesen sind. Dann arbeiten sie auch an einer Erhebung (Censo), der wahrheitsgetreue und konkrete Daten \u00fcber die Konditionen der l\u00e4ndlichen Frau (campesina) generieren soll. Die Campesinos wurden bisher in nationalen Statistiken ausgeschlossen und erst vor Kurzem das erste Mal erfasst. Mit diesen Daten k\u00f6nnten dann effektive, geschlechterangepasste politische Massnahmen vom Staat gefordert werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Die gemeinsame Komponente besteht darin, dass sowohl wir von der Koordination von Caritas, sowie die Konsortiumsmitglieder, Colemad und Sembrandopaz gemeinsam voneinander lernen, uns austauschen und somit die einzelnen Prozesse st\u00e4rken. Ein Produkt der gemeinsamen Achse sind die Friedensdialoge (dialogando la paz), wo an verschiedenen Workshops jeweils ein spezifisches Thema (z.B. Jugendliche, Sicherheit, politische Teilnahme) diskutiert wird. Dabei haben nicht nur die lokalen Partnerorganisationen, sondern auch Mitglieder des Konsortiums teilgenommen. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass die Gespr\u00e4che viel st\u00e4rker waren, weil verschiedene Erfahrungen zusammenkamen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Wo steht das Programm im Moment, auch vor dem momentanen politischen Hintergrund betrachtet?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>M.L.: Betrachtet man die aktuellen politischen Umst\u00e4nde in Kolumbien zeigt das Programm eine grosse St\u00e4rke. Wir m\u00fcssen bedenken, dass dieses Programm w\u00e4hrend den Friedensverhandlungen mit der FARC ausgearbeitet wurde. Somit ging man von einer dem Frieden wohlgesinnten Situation aus, die sich mit dem jetzigen politischen Kontext verkompliziert hat. Seit Duque an der Macht ist, hat sich die Umsetzung des Programms erschwert. Die Regierung Duque f\u00fchlt sich dem Friedensprozess sehr wenig verpflichtet. Das betrifft nicht nur Duque selbst, denn er versucht zumindest als politische Person zu zeigen, dass er den Friedensprozess unterst\u00fctze. Aber seine Partei Centro Democratico f\u00e4hrt alle Gesch\u00fctze auf, um den Prozess zu stigmatisieren und zu schw\u00e4chen. Es sind also momentan schwierige Umst\u00e4nde f\u00fcr den Friedensprozess und somit auch f\u00fcr unser Programm.<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Welches waren die gr\u00f6ssten Erfolge und Herausforderungen des Programms?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>M.L.: Die zentrale Herausforderung war genau das vorhin Erw\u00e4hnte. Wie man weiterhin auf den Frieden setzt, wie man ihn weiterhin positioniert und wie man zeigt, dass der lokale Frieden auch eine Realit\u00e4t sein kann, insbesondere in einer so komplexen Region wie der Karibikk\u00fcste. Denn irgendwie hat sich fast die ganze internationale Zusammenarbeit im S\u00fcden des Landes konzentriert, aber hier an der Karibikk\u00fcste gibt es genauso eine Vielzahl an Komplexit\u00e4ten, Problematiken und Schwierigkeiten. Bewaffnete Akteure im Kampf um die verschiedenen Territorien machen das Leben f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung sehr schwierig. Genau das war die gr\u00f6sste Herausforderung und gleichzeitig der Grund, warum dieses Programm weiterhin existieren sollte. Es hat sich gezeigt, dass mit unterschiedlichen Bildungs-, Systematisierungs-, und Lobbyprozessen, die in der Region durchgef\u00fchrt werden, der lokale Frieden (paz territorial) m\u00f6glich ist. Es hat dazu gef\u00fchrt, dass die lokale Bev\u00f6lkerung den Frieden zu ihrem eigenen macht und das Gef\u00fchl hat, dass es f\u00fcr sie m\u00f6glich ist, ihn nicht nur als ein fernes Thema zu betrachten, sondern dass sie sich am Prozess der Schaffung von lokalem Frieden in diesem komplexen Gebiet beteiligen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><em>\u201eEso ha hecho que justamente los habitantes de esa zona se puedan apropiar de la paz, y sentir que es posible, que no lo vean como un asunto solo lejano, sino que es posible que ellos pueden ser part\u00edcipe de esos procesos de construcci\u00f3n de paz territorial en ese territorio tan complejo.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>Ein spannendes Beispiel daf\u00fcr ist der Prozess, der in der Region Montes de Mar\u00eda entstanden ist. Dort koordiniert Sembrandopaz mittlerweile eine F\u00fclle von 30-35 Organisationen, die zur lokalen Friedensf\u00f6rderung beitragen. Dies sind Organisationen des SIVJRNR wie die Wahrheitskommission (CEV), aber auch NGO und lokale Gemeinschaftsorganisationen. All diese Organisationen setzen zusammen auf den lokalen Frieden und die Vers\u00f6hnung in der Region und haben mit ihrer Zusammenarbeit schon viel erreicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Wie hat die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schweizer NGO und dem Programm funktioniert?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>Es hat sich gezeigt, dass diejenigen Organisationen des Konsortiums, die selber auch in der Karibikregion arbeiten, sich viel st\u00e4rker in das Programm eingebunden haben. F\u00fcr sie war es viel einfacher, sich mit dem Programm und dessen Arbeit in der Region zu verbinden. Sie haben sich engagiert, weil sie sich mehr verpflichtet f\u00fchlten. Diese Organisationen haben sogar Ressourcen der eigenen Programme investiert. Und das war genau etwas, das eben nicht so gut funktioniert hat in diesem Programm. Wir wollten gerne mit dem Konsortium in Kolumbien und in der Schweiz zusammenarbeiten, aber bei der Ausarbeitung des Programms wurden keine konkreten Aktivit\u00e4ten und Ressourcen daf\u00fcr definiert. Ich denke deshalb, dass in einer neuen Phase unbedingt die einzelnen Rollen jeden Akteurs klar definiert werden m\u00fcssen, damit die einzelnen Organisationen des Konsortiums eine aktivere Rolle einnehmen k\u00f6nnen. Das darf nicht offengelassen werden, weil es sonst sehr schwierig wird, aus den eigenen Programmen und Projekten noch Ressourcen f\u00fcr ein Programm wie dieses abzusch\u00f6pfen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Wie k\u00f6nnte es weitergehen?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>M.L.: Um an eine neue Phase zu denken ist es sicher wichtig zu schauen, was bisher gut funktioniert hat. Dazu z\u00e4hlt, wie schon erw\u00e4hnt, dass das Programm wirklich zu einer lokalen Friedensf\u00f6rderung beigetragen hat. Dies war das Ziel seit Beginn; lokale Friedensf\u00f6rderung unter schwierigen Umst\u00e4nden. Wir wussten, dass es in der Region Ungleichheiten gibt, Armut und Pr\u00e4senz von bewaffneten Gruppen. Aber das Programm hat es geschafft, wirklich verschiedene Bev\u00f6lkerungsgruppen in verschiedenen Gemeinden zusammenzubringen und den lokalen Friedensprozess zu erm\u00f6glichen. Trotz aller Widrigkeiten, trotz aller Hindernisse gibt es konkrete Beispiele, die eine soziale Dynamik und ein soziales Gef\u00fcge geschaffen haben, die darauf setzen, diese langsamen Friedensprozesse zu konstruieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Daher ist es in einem Kontext, in dem es so schwierig ist, auf Frieden zu setzen, in einem Kontext, in dem Friedensprozesse geschw\u00e4cht werden, in einem Kontext, in dem der Frieden manchmal in Frage gestellt wird bereits eine gro\u00dfe Errungenschaft zu sehen, dass lokaler Frieden m\u00f6glich ist. Weiterhin darauf zu setzen, ist im gegenw\u00e4rtigen Kontext in Kolumbien von entscheidender strategischer Bedeutung.<\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><em>\u201eEntonces en un contexto que es tan dif\u00edcil apostarle a la paz, en un contexto donde se quiere debilitar los procesos de paz, en un contexto donde a veces se cuestiona la paz, evidenciar que esa Paz territorial si es posible, es ya un gran logro, y seguirle apostando a eso es clave y es estrat\u00e9gico dentro del contexto actual en Colombia.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>In einer neuen Phase sollten diese klaren Resultate verbreitet und vermehrt werden. Zum Beispiel sind die B\u00fcrgerversammlungen (agoras) eine klare Methode zur Friedensf\u00f6rderung auf lokaler Ebene, und k\u00f6nnten, so denke ich, in anderen Gegenden Kolumbiens angewendet werden. Eben diese Piloterfahrung von lokaler Friedenskonstruktion k\u00f6nnte in andere Gegenden \u00fcbertragen werden, mit anderen l\u00e4ndlichen Gemeinden geteilt werden. Mehrere Konsortiumsmitglieder in Kolumbien haben auch bereits Interesse gezeigt, diese Methodologien besser kennenzulernen um sie allenfalls weiter zu verbreiten. So k\u00f6nnten die Partnerorganisationen der Konsortiumsmitglieder, die in anderen Regionen arbeiten, beispielsweise mittels Praktikas oder Workshops die Arbeit von Colemad und Sembrandopaz kennenlernen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Dabei sollte aber nicht vergessen gehen, dass der Prozess in Montes de Mar\u00eda noch ein junger ist und weiterhin die Unterst\u00fctzung und Leitung von Sembrandopaz braucht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Ich denke auch, dass der gemeinsamen Achse mehr Gewicht gegeben werden sollte. Damit meine ich, klar definierte Aktivit\u00e4ten und Ressourcen zuteilen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Weiter sind sicher der Censo, die dialogos entre improbables und wie schon erw\u00e4hnt, die B\u00fcrgerversammlungen (agoras) Elemente, die an anderen Orten repliziert werden k\u00f6nnten. All diese tragen dazu bei, dass die lokale Bev\u00f6lkerung sich den Friedensprozess aneignen kann, ihn verstehen und schlussendlich auch umsetzen kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Wird sich mit der jetzigen Situation (COVID-19) etwas f\u00fcr das Programm ver\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>M.L.: Wir hatten diverse Sitzungen zu diesem Thema und haben uns entschieden, vorl\u00e4ufig dort weiter zu arbeiten, wo es m\u00f6glich ist. Wir haben verschiedene Pendenzen im Programm, die mit Konzeptualisierung und Systematisierung zu tun haben, und somit von zuhause aus erledigt werden k\u00f6nnen. Das sind beispielsweise die Informationsbrosch\u00fcren (boletines) \u00fcber die Umsetzung des Friedensprozesses. Da entsteht eine Brosch\u00fcre dar\u00fcber, was die Partizipationsprozesse bedeutet haben und wieweit die Bev\u00f6lkerung auf dem Land \u00fcber den Friedensprozess Bescheid weiss. Daf\u00fcr wurden Umfragen gemacht, die jetzt ausgewertet werden. Eine zweite Brosch\u00fcre entsteht zum Thema Land und wie der Landr\u00fcckgabeprozess vorangeht. Eine dritte Brosch\u00fcre schliesslich behandelt das Thema Schutz und Sicherheit. Wir finden, das sind im Moment h\u00e4ngige Themen, die aber manchmal liegenbleiben bei der ganzen praktischen Arbeit in den Gemeinschaften.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Einschr\u00e4nken tut uns die COVID-19 Situation in der gemeinsamen Achse, wo wir zwei Friedensdialoge (dialogando la paz) geplant hatten, die nun bis auf Weiteres nicht stattfinden k\u00f6nnen. Auch die zwei geplanten Lobby Rundreisen m\u00fcssen verschoben werden. F\u00fcr Sembrandopaz und Colemad beziehen sich die Einschr\u00e4nkungen auf die ganze Arbeit vor Ort in den Gemeinden. Dies ist besonders f\u00fcr Colemad schwierig, weil der Censo noch darauf wartet, in seiner Pilotphase umgesetzt zu werden. Dies ist momentan so nicht m\u00f6glich. Wir versuchen aber m\u00f6glichst, die verschiedenen Prozesse weiterzuverfolgen und sie nicht fallen zu lassen. Gerade die Begleitung von lokalen F\u00fchrungspersonen findet jetzt halt viel mehr \u00fcber das Telefon statt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>In den l\u00e4ndlichen Regionen gibt es bisher gl\u00fccklicherweise noch nicht viele F\u00e4lle von COVID-19. Die grosse Sorge ist aber, dass wenn das Virus dann mal in den abgelegenen Regionen angelangt ist, es ein grosses Problem der \u00f6ffentlichen Gesundheit geben wird, denn gebietsweise ist die Versorgung sehr schlecht und es gibt nicht einmal Zugang zu Wasser. Das heisst, es fehlen grundlegende hygienische Voraussetzungen, was zu einer verst\u00e4rkten Ausbreitung des Virus und zum Kollaps des Gesundheitssystems f\u00fchren k\u00f6nnte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Ask!: Was ist dein Fazit?<\/strong><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>M.L.: Nun gut, ich bin sehr neu in diesem Programm, aber ich empfinde es als etwas sehr Wichtiges. Ich sehe, dass Vieles erreicht worden ist trotz der Schwierigkeiten und Spannungen, die es definitiv auch gegeben hat, gerade in Bezug auf den Multitrack-Ansatz, wo nicht wirklich klar war, wer welche Rolle spielt. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass einige sich mehr angesprochen f\u00fchlten, andere vielleicht etwas ausgeschlossen oder vom Programm entfernt. Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, den es in einer neuen Phase zu bedenken gibt: Wie schaffen wir es, jeden Akteur klar mit dem Programm zu verbinden. Diese Verbindung muss von klaren Aktivit\u00e4ten definiert werden. Dazu m\u00fcssen unbedingt auch finanzielle Ressourcen bestimmt werden.<\/span><\/p>\n<p><span>Und dann, wie gesagt, es k\u00f6nnten eine Art Praktika oder Workshops durchgef\u00fchrt werden, welche die \u00dcbertragung in andere Regionen erm\u00f6glichen. Denn die Konsortiumsmitglieder und ihre Partnerorganisationen setzen schlussendlich alle auch auf die lokale Friedenskonstruktion, egal ob ihr Fokus auf Jugendlichen, Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t, oder Frauen liegt. Wir m\u00f6gen alle unterschiedliche Themenfoci haben, aber wir haben etwas, das uns verbindet, und das ist diese lokale Friedensf\u00f6rderung. Ich sehe das in diesem Kontext als grosse Chance.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><em>\u201eSobre todo porque esas otras organizaciones tambi\u00e9n desde sus \u00e9nfasis asi sean j\u00f3venes, asi sea soberan\u00eda alimentaria, sea mujeres, est\u00e1n apostando tambi\u00e9n a la construcci\u00f3n de PT. Entonces podemos tener \u00e9nfasis tem\u00e1ticos distintos, pero tenemos algo que nos junta y es esa PT. En este contexto creo que puede ser una gran oportunidad.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>Ich finde, das Programm zeigt sehr interessante Resultate. Es hat eine F\u00fchrungsrolle in der Region \u00fcbernommen und viele Themen, Dialoge und Partizipation angestossen. Deshalb lohnt es sich meiner Meinung nach, das Ganze weiterzuf\u00fchren. Gerade in dieser Phase sind wir so viel weiter gekommen was Kommunikation, Sichtbarkeit und Lobbying betrifft. Mit diesen klaren Resultaten jetzt zu sagen, dass wir aufh\u00f6ren, w\u00e4re eine schlechte Entscheidung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><\/span><\/p>\n<p><span>Die Lage ist ernst, denn wir f\u00fchlen, dass sich die internationale Zusammenarbeit zur\u00fcckzieht. Angeblich, weil ja der Friedensvertrag unterschrieben wurde, Kolumbien ein Schwellenland ist, und somit die Konflikte gel\u00f6st seien. Dabei geht vergessen, dass es eigentlich eine Vielzahl an bewaffneten Akteuren gibt und diese weiterhin l\u00e4ndliche Gebiete f\u00fcr sich einnehmen und dabei die lokale Bev\u00f6lkerung bedrohen und umbringen. Sogar der Friedensprozess mit der FARC steht unter Spannung. Die staatliche Unterst\u00fctzung fehlt, und auch unter der Bev\u00f6lkerung generell br\u00f6ckelt die Unterst\u00fctzung, es gibt keine klaren Bildungsmassnahmen, was lokaler Frieden bedeutet. So f\u00fchlt die Bev\u00f6lkerung, dass der Friedensprozess sie gar nicht betreffe, sondern nur diese Guerilleros, wie man so sagt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>Deshalb ist jetzt ein zentraler Moment, wo ein R\u00fcckzug die falsche Message w\u00e4re. Es ist ein strategischer Moment, wo die weitere Unterst\u00fctzung fundamental ist. Es ist wichtig, jetzt nicht all den anderen zu folgen, die bereits gegangen oder am gehen sind. Die internationale Zusammenarbeit zieht sich zur\u00fcck, aber die Konflikte und Probleme bleiben. F\u00fcr mich ist es ein Schl\u00fcsselmoment, um dieses Friedensprogramm weiter zu unterst\u00fctzen. Und ich f\u00fchle auch, dass die Organisationen des Konsortiums, auch wenn sie andere Themen im Fokus haben, eigentlich im Feld auch Friedensf\u00f6rderung betreiben. So wird dies zu einem Thema, wo man sich von verschiedenen Perspektiven her treffen kann.<\/span><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Newsletter602_Interview-Marta.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1998 unterst\u00fctzt die Schweiz die kolumbianische Zivilgesellschaft in der Friedensf\u00f6rderung. 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