{"id":6267,"date":"2018-11-30T11:43:55","date_gmt":"2018-11-30T10:43:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=6267"},"modified":"2019-12-04T11:58:27","modified_gmt":"2019-12-04T10:58:27","slug":"territoriale-dynamik-des-bewaffneten-konflikts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/frieden\/territoriale-dynamik-des-bewaffneten-konflikts","title":{"rendered":"Territoriale Dynamik des bewaffneten Konflikts"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Fabian Dreher<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ[1], eine Kooperation von f\u00fcnf deutschen und f\u00fcnf kolumbianischen Universit\u00e4ten, begleitet den Friedensprozess in Kolumbien aus akademischer Sicht. Im Oktober 2018 publizierte das Institut ein Arbeitspapier \u00fcber die territoriale Dynamik des bewaffneten Konflikts[2] vor und nach dem Friedensabkommen von 2016 in der s\u00fcdlichen Pazifikregion, insbesondere in der Gemeinde Tumaco, die wir hier nachzeichnen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Gemeinde Tumaco liegt im \u00e4ussersten S\u00fcdosten Kolumbiens, an der Grenze zu Ecuador und an der Pazifikk\u00fcste. Auf dem Gebiet von Tumaco leben ca. 210\u2018000 Menschen, davon \u00fcber 80 Prozent AfrokolumbianerInnen und etwa 4,6 Prozent Indigene, haupts\u00e4chlich Aw\u00e1. Indigenenreservate und Gemeinschaftsterritorien der AfrokolumbianerInnen machen einen grossen Teil des Gemeindegebiets aus. Bis auf die Strassenverbindung des Hafens von Tumaco mit dem Landesinnern wird Tumaco bis heute vom kolumbianischen Staat vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch f\u00fcr bewaffnete Organisationen war die peripher gelegene Gemeinde lange nicht sonderlich interessant. FARC und ELN kamen erst in den 1980er Jahren in die Region und breiteten sich in den 1990er Jahren zunehmend aus. Erst ab 1999 bauten auch die Paramilit\u00e4rs mit dem Bloque Libertadores Sur eine Pr\u00e4senz in der Region auf. Parallel dazu kam es vermehrt zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit der Guerilla der FARC. Die Guerilla konnte sich im Kampf zuerst gegen die Paramilit\u00e4rs, ab 2006 dann gegen paramilit\u00e4rische Folgeorganisationen durchsetzen und die territoriale Kontrolle erlangen. Die Gewalt nahm in der Folge ab. Insbesondere auch dank der Friedensverhandlungen zwischen den FARC und der kolumbianischen Regierung. Seit der Demobilisierung der FARC Anfang 2017 nimmt die Gewalt wieder stark zu. FARC-Einheiten, die sich dem Friedensprozess nicht anschlossen, ELN, paramilit\u00e4rische Organisationen und Drogenkartelle liefern sich einen von Gewalt gezeichneten Streit um die Kontrolle von Territorium und Drogenhandel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Generell ist die regionale Konfliktdynamik in Kolumbien oft eng mit illegalen Wirtschaftst\u00e4tigkeiten verbunden: illegaler Bergbau, Kokaanbau und Drogenhandel sowie generell der Schmuggel von legalen und illegalen Waren. So auch an der s\u00fcdlichen Pazifikk\u00fcste in Tumaco. Bis in die 1990er Jahre ging die Gewalt in Kolumbien vor allem von den Drogenkartellen aus Medell\u00edn und Cali aus. Kokaanbau und Drogenhandel konzentrierten sich in anderen Landesgegenden, entsprechend blieben Nari\u00f1o und Tumaco bis weit in die 1990er Jahre hinein von der Gewalt verschont. Die Mordrate lag deutlich unter dem nationalen Durchschnitt. Die FARC verst\u00e4rkte schrittweise ihre Pr\u00e4senz in der Gegend, dies f\u00fchrte jedoch mangels anderer bewaffneter Organisationen kaum zu einer Zunahme von bewaffneten Auseinandersetzungen. Unter Duldung durch die FARC nutzte teils das Calikartell die Region als Schmuggelroute f\u00fcr in Putumayo produzierte Kokainbase. Die staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte zeigten nur sporadisch ihre Pr\u00e4senz in der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem die Guerilla der FARC-EP Mitte der 1990er Jahre die Region um Tumaco effektiv kontrollierte, breitete sich ab 1999 der Bloque Libertadores Sur der Paramilit\u00e4rs in der Region aus. Gleichzeitig verschob sich ein Teil des Kokaanbaus durch die staatliche Bek\u00e4mpfung aus Caquet\u00e1 und Putumayo nach Nari\u00f1o, darunter in die Region Alto Mira y Frontera der Gemeinde Tumaco. 1999 \u00fcberstieg die Mordrate in Tumaco erstmals den nationalen Durchschnitt, auch kam es zwischen 1999 und 2003 erstmals zu Zwangsvertreibungen der Zivilbev\u00f6lkerung. Die Zunahme des Kokaanbaus f\u00fchrte zu einem verst\u00e4rkten Interesse der bewaffneten Organisationen an den Einnahmen aus Drogenproduktion und \u2013handel. W\u00e4hrend die FARC eher Geb\u00fchren f\u00fcr den Anbau in den von ihnen kontrollierten Gebieten im Hinterland bezogen, kontrollierten die Paramilit\u00e4rs zunehmend die Schmuggelrouten und den Export und sch\u00f6pften so grosse Gewinne ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dank der Ley de Justicia y Paz demobilisierten die Paramilit\u00e4rs zwischen 2003 und 2006. Sie wurden jedoch direkt abgel\u00f6st durch Folgeorganisationen wie Los Rastrojos, Los Pelusos und den heute noch aktiven Clan del Golfo. Durch die Vermehrung der bewaffneten Akteure nahm auch die Gewalt gegen die Zivilbev\u00f6lkerung zu. Zwischen 2007 und 2013 stabilisierte sich der Kokaanbau in der Gemeinde Tumaco auf hohem Niveau. Die Zivilbev\u00f6lkerung war vor allem im Umfeld von Kokaanbau und Drogenschmuggel von der Gewalt der bewaffneten Gruppierungen betroffen. Los Rastrojos, die 2006 noch grosse Teile der Schmuggelrouten auf den Fl\u00fcssen kontrollierten, verloren zunehmend an Terrain. So kontrollierten die FARC ab 2013 effektiv nicht nur den Anbau, sondern auch den Handel, Schmuggel und Export von Kokain in Tumaco. In dieser Zeit vervierfachte sich die Kokaproduktion. Durch die faktische Hegemonie der FARC sowie die laufenden Friedensverhandlungen mit der kolumbianischen Regierung kam es zu einer Abnahme der Gewalt in der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ende 2016 unterzeichneten die FARC gemeinsam mit der Regierung den Friedensvertrag von Havanna. Ab Februar 2017 demobilisierten die FARC-K\u00e4mpferInnen und zogen sich in den \u00dcbergangs- und Normalisierungszonen (heute ECTR) zusammen. Bereits vor 2017 zeigte sich jedoch, dass nicht alle FARC-Einheiten bereit waren zu demobilisieren. In Tumaco bildeten sich zwei dissidente Gruppierungen die auch heute noch aktiv sind. Die sogenannte Frente Oliver Sinisterra befehligt von alias El Guacho und die Guerillas Unidas del Pacifico unter alias David. W\u00e4hrend auf nationaler Ebene die Gewalt mit dem Friedensschluss stark abnahm, bleibt sie in Gegenden wie Tumaco, Catatumbo oder Urab\u00e1 hoch. Dies h\u00e4ngt eng mit der fortgesetzten Pr\u00e4senz bewaffneter Organisationen zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In vielen Gegenden, die fr\u00fcher von den FARC kontrolliert wurden, haben andere bewaffnete Organisationen diese abgel\u00f6st: ELN und EPL in Catatumbo, der Clan del Golfo in Antioquia und C\u00f3rdoba, etc. In anderen Gegenden wie z.B. Guaviare und Putumayo kontrolliert eine einzelne dissidente FARC-Einheit das Gebiet weiter. In Tumaco jedoch machen sich zwei dissidente Einheiten Gesch\u00e4ft und Territorium streitig. Auch sind in der Region mehrere paramilit\u00e4rische Folgeorganisationen wie auch mexikanische Kartelle direkt in den Drogenhandel involviert, was zus\u00e4tzlich zur Konfliktdynamik beitr\u00e4gt. In der Summe mischen viele bewaffnete Organisationen auf allen Stufen der Kokaproduktion und des Drogenhandels mit, daraus resultiert die vergleichbar hohe Gewalt. Die enge Verbindung der dissidenten FARC-Einheiten ergibt sich aus dem historischen Kontext: im Gegensatz zu anderen Fronten wurde die sogenannte Columna M\u00f3vil Daniel Aldana von den FARC erst 2002 geschaffen mit dem klaren Ziel, mehr Geld aus dem Drogenhandel zu gewinnen. W\u00e4hrend andere Fronten den Drogenhandel nebenbei betrieben oder nur \u201eGeb\u00fchren\u201c absch\u00f6pften, war die Front in Tumaco von Beginn weg eng in den Drogenhandel involviert. Die dissidenten Gruppierungen f\u00fchren entsprechend einfach das fr\u00fchere Gesch\u00e4ft weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was bedeutet dies f\u00fcr die Zukunft von Tumaco? Leider im Moment nichts Gutes. Solange die Anbaufl\u00e4chen von Koka weiterhin zunehmen und sich auch weiterhin verschiedene bewaffnete Akteure um die Kontrolle von Territorium und Drogenhandel bek\u00e4mpfen wird die Zivilbev\u00f6lkerung weiterhin ins Kreuzfeuer geraten. In den l\u00e4ndlichen Gegenden von Tumaco, wo die Koka angebaut wird aber auch in den urbanen Quartieren von Tumaco, wo teils die Schmuggelrouten Richtung Pazifik durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"ftn1\">\n<p><a name=\"_ftn1\" href=\"\/04%20Kommunikation\/Newsletter\/2018_Newsletter\/2018.11%20Newsletter%20586\/Newsletter586_Artikel%20CAPAZ%20Tumaco.doc#_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a><span>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.page.instituto-capaz.org\/?lang=es\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.page.instituto-capaz.org\/?lang=es<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\">\n<p><a name=\"_ftn2\" href=\"\/04%20Kommunikation\/Newsletter\/2018_Newsletter\/2018.11%20Newsletter%20586\/Newsletter586_Artikel%20CAPAZ%20Tumaco.doc#_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a><span>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.page.instituto-capaz.org\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Capaz-7-baja.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.page.instituto-capaz.org\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Capaz-7-baja.pdf<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Newsletter586_Artikel_CAPAZ_Tumaco.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/036d751ccd.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/4baab3bb21.png&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/ec0536719e.png&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ, eine Kooperation von f\u00fcnf deutschen und f\u00fcnf kolumbianischen Universit\u00e4ten, begleitet den Friedensprozess in Kolumbien aus akademischer Sicht. 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