{"id":6231,"date":"2018-04-29T14:25:00","date_gmt":"2018-04-29T12:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=6231"},"modified":"2019-12-03T14:37:56","modified_gmt":"2019-12-03T13:37:56","slug":"die-sonderjustiz-fuer-den-frieden-nimmt-fahrt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/frieden\/die-sonderjustiz-fuer-den-frieden-nimmt-fahrt-auf","title":{"rendered":"Die Sonderjustiz f\u00fcr den Frieden nimmt Fahrt auf"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Fabian Dreher<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Rahmen des Friedensabkommens zwischen der Regierung und den FARC wurde vereinbart, dass eine Sonderjustiz, die Jurisdicci\u00f3n Especial para la Paz (JEP), die im bewaffneten Konflikt begangenen Verbrechen beurteilen soll. Im Gegenzug f\u00fcr ein vollst\u00e4ndiges Gest\u00e4ndnis sollen T\u00e4terInnen erleichterte Strafen erhalten. Damit besteht f\u00fcr die T\u00e4terInnen ein Anreiz, vor der JEP die volle Wahrheit auszusagen. F\u00fcr die Opfer er\u00f6ffnet dies die M\u00f6glichkeit, die Wahrheit \u00fcber die an ihnen oder ihren Angeh\u00f6rigen begangenen Verbrechen zu erfahren und eine Wiedergutmachung zu erwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der von Pr\u00e4sident Santos vorgelegte Gesetzesentwurf wurde von Kongress und Verfassungsgericht noch etwas zurechtgestutzt, so ist die Teilnahme nur noch f\u00fcr Angeh\u00f6rige der ehemaligen Guerilla sowie der staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte Pflicht. An den bewaffneten Auseinandersetzungen beteiligte Dritte (Zivilpersonen, UnternehmerInnen, Paramilit\u00e4rs, etc.) k\u00f6nnen freiwillig vor der JEP aussagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die JEP befindet sich momentan im Aufbau und viele ihrer Funktionen und Abl\u00e4ufe sind noch unklar. Bereits gew\u00e4hlt wurden jedoch die Richterinnen und Richter sowie eine Gruppe von internationalen Experten, die die JEP beraten soll. Der Schweizer Jurist Michael Duttwiler ist einer der 14 internationalen Experten der JEP. Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) konnte sich Anfang April 2018 mit ihm zu einem Gedankenaustausch treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Michael Duttwiler, wir wird man zum Experten f\u00fcr die Sonderjustiz f\u00fcr den Frieden in Kolumbien gew\u00e4hlt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Ich habe mich in meinen Studien auf das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht und das V\u00f6lkerstrafrecht spezialisiert. Unter anderem habe ich dann einige Jahre bei der NGO TRIAL International[1] gearbeitet, die die Straflosigkeit von Verst\u00f6ssen gegen das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht und die Menschenrechte bek\u00e4mpft. Danach war ich drei Jahre bei der Anklagebeh\u00f6rde des Internationalen Strafgerichtshofs f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien t\u00e4tig. Sp\u00e4ter wurde ich \u00fcber den Expertenpool des EDA an die Organisation Amerikanischer Staaten (Organizaci\u00f3n de los Estados Americanos, OEA) in Kolumbien entsandt, wo ich im Rahmen der OEA-Sondermission f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Friedensprozesses u.a. die Umsetzung des Strafprozesses f\u00fcr die demobilisierten Paramilit\u00e4rs nach dem Gesetz \u00fcber Justicia y Paz[2] begleitete. F\u00fcr die Mitarbeit bei der Sonderjustiz f\u00fcr den Frieden gab es ein regul\u00e4res Bewerbungsverfahren. Von den mehr als 60 KandidatInnen wurden schliesslich 14 ExpertInnen ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Was f\u00fcr Aufgaben hat das Mandat der OEA bei der Sonderjustiz Justicia y Paz beinhaltet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler:<\/strong> Wir waren dazu eingeladen, Justicia y Paz beobachtend zu begleiten und Verbesserungsvorschl\u00e4ge zu formulieren. Es ging um sog. Monitoring, d.h. es ging stets darum, den Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand zu vergleichen, und bei Problemen Alarm zu schlagen. Dazu geh\u00f6rten einerseits die Gerichtsverfahren, aber auch Gef\u00e4ngnisbesuche und die Begleitung der Entlassung der ex-Paramilit\u00e4rs aus dem Gef\u00e4ngnis. Da haben wir verschiedentlich darauf hingewiesen, wie wichtig der Schutz nach der Entlassung ist, insbesondere wenn die Betroffenen mit ihren Aussagen andere Akteure belastet haben. Einige wurden nach der Freilassung tats\u00e4chlich ermordet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Und was ist euer Mandat als Experten bei der aktuellen Sonderjustiz, der JEP?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Das Rahmengesetz f\u00fcr die JEP wurde nach intensiven Debatten im Kongress angenommen; es ist aber noch nicht in Kraft, da es noch vom Verfassungsgericht abgesegnet werden muss. Das Plenum der RichterInnen der JEP hat mittlerweile eine Verfahrensordnung entworfen, die aber noch vom Kongress angenommen werden muss. Die JEP, die Ihre T\u00e4tigkeit offiziell Mitte M\u00e4rz aufgenommen hat, operiert also mit einem unvollst\u00e4ndigen rechtlichen Rahmen, und auch sonst ist vieles noch unklar. Dazu geh\u00f6ren auch die genaue Funktion und die Eins\u00e4tze der internationalen Experten. Im Prinzip sollen wir zur Beantwortung bestimmter Rechtsfragen beigezogen werden. Die Grundidee hinter dem Beizug der ausl\u00e4ndischen Experten ist ja gerade, ihre jeweilige spezifische Erfahrung f\u00fcr die JEP fruchtbar zu machen. Implizit ist dabei auch eine gewisse Beobachtungsfunktion, da ausl\u00e4ndische, unabh\u00e4ngige Personen einen intimen Einblick in die Mechanismen der JEP gewinnen. Ob und inwiefern wir auch vor Ort an den Verfahren teilnehmen werden, ist noch offen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Wie wird denn die JEP funktionieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Viele Einzelheiten sind noch unklar. Zum Gl\u00fcck wurden hervorragende KandidatInnen auf die Richterposten gew\u00e4hlt, sodass man bez\u00fcglich der Bew\u00e4ltigung der anstehenden Rechtsfragen zuversichtlich sein kann. Eine gr\u00f6ssere Herausforderung ist die Menge der F\u00e4lle. Bis Anfang M\u00e4rz waren \u00fcber 6&#8217;000 demobilisierte FARC-Mitglieder, bzw. Milit\u00e4rs gemeldet. Dazu kommen nach Sch\u00e4tzung der Generalstaatsanwaltschaft \u00fcber 225&#8217;000 noch laufende oder bereits abgeschlossene Straff\u00e4lle, die irgendwie mit dem Konflikt zu tun haben und von der JEP verarbeitet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei der grossen Menge an F\u00e4llen muss eine Priorisierung vorgenommen werden. K\u00fcmmert man sich dabei zuerst um die grossen F\u00e4lle mit den meisten Opfern, jene mit den h\u00f6chsten Verantwortlichen, oder um die F\u00e4lle mit dem besten Beweismaterial? Damit zusammen h\u00e4ngt eine Reihe von finanziellen und logistischen Fragen: wie werden die Opfer zu den Anh\u00f6rungen der JEP transportiert, wie verk\u00f6stigt und untergebracht? Dabei darf nicht vergessen werden, dass die JEP weiterhin politisch unter Druck steht und sehr transparent und sparsam mit ihren Ressourcen umgehen muss. Eine gute und nicht angreifbare Arbeit der JEP ist wichtig, um ihre Akzeptanz in der Gesellschaft zu verbessern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Welchen zeitlichen Horizont hat die JEP? Wie bald ist mit den ersten Urteilen zu rechnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Die Arbeit der JEP hat offiziell im M\u00e4rz 2018 begonnen und ist auf 10 Jahre ausgelegt, wobei eine Verl\u00e4ngerung m\u00f6glich ist. Ein Entwurf der Prozessordnung wurde wie bereits erw\u00e4hnt ausgearbeitet und mittlerweile dem Kongress vorgelegt. Bei der Annahme des Gesetzes kann es zu empfindlichen Verz\u00f6gerungen kommen, denn einige politische Parteien sind der JEP gegen\u00fcber feindlich eingestellt. Es ist also noch nicht m\u00f6glich zu sagen, wann die ersten Urteile gef\u00e4llt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aktuell ist die JEP vor allem auch damit besch\u00e4ftigt, eingehende Berichte \u00fcber im Konflikt begangene Verbrechen zu analysieren. Beh\u00f6rden wie auch die Zivilgesellschaft k\u00f6nnen der JEP Berichte \u00fcber Verbrechen vorlegen, die dann die Grundlage f\u00fcr eine Verfahrensaufnahme darstellen k\u00f6nnen. Die JEP wartet insbesondere auf eine Reihe umfangreicher Berichte der Generalstaatsanwaltschaft, mittels der der JEP quasi jene Strafverfahren \u00fcbergeben werden, die von der regul\u00e4ren Strafjustiz auf die Zust\u00e4ndigkeit der JEP \u00fcbergegangen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Wie steht die JEP im Vergleich mit der Justicia y Paz da? Wurde aus den Problemen und Fehlern der Justicia y Paz Lehren gezogen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Das Grundprinzip bleibt dasselbe wie bei Justicia y Paz, es ist quasi eine verbesserte Version davon. Insbesondere soll der Fokus diesmal st\u00e4rker auf den Opferrechten auf Wahrheit und Entsch\u00e4digung liegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Je nachdem, ob der oder die T\u00e4terIn ein rechtzeitiges und volles Gest\u00e4ndnis ablegt oder nicht, kommt es zu einem unterschiedlichen Verfahren. Wird von Anfang an ein volles Gest\u00e4ndnis abgelegt, kommt ein Verfahren der restaurativen Gerechtigkeit zum Zug. Einzelheiten sind noch nicht klar, aber im Grunde geht es um einen Dialog zwischen T\u00e4tern und Opfern, in dem die Wahrheit \u00fcber das Geschehene festgestellt werden soll. Die T\u00e4ter haben neben der Pflicht zur Offenlegung Ihrer Taten auch die Pflicht, zur Entsch\u00e4digung der Opfer beizutragen. Wenn sie ihren Mitwirkungspflichten gen\u00fcgen, wird eine Strafe in der Form gemeinn\u00fctziger Arbeit ausgesprochen. Die sog. politischen Delikte wie Rebellion, und zusammenh\u00e4ngende Taten (wozu auch der Drogenhandel geh\u00f6ren kann), werden amnestiert. Legt der oder die T\u00e4terIn jedoch kein volles Gest\u00e4ndnis ab, oder nicht von Anfang an, so kommt ein normales Strafverfahren zur Anwendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!:<\/strong> Wie steht die JEP im internationalen Vergleich, z.B. mit dem Tribunal f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien da?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Die JEP hat im internationalen Vergleich sicherlich einen Sonderstatus, ist es doch das erste Mal, dass ein Strafmechanismus auf einem Friedensvertrag basiert. Im internationalen Vergleich sticht sicher die Wichtigkeit des Grundprinzips \u00abStrafminderung gegen volle Wahrheit\u00bb hervor. Auch die Opferrolle ist viel st\u00e4rker, als sie z.B. noch am Jugoslawientribunal war, wo die Opfer lediglich die Funktion als Zeugen hatten. Viele Elemente sind jedoch international erprobt und kommen auch bei der JEP zur Anwendung. Es gibt aber kein Patentrezept, denn jede Konfliktsituation ist unterschiedlich. Und das internationale Strafrecht entwickelt sich ja immer weiter, wie insbesondere in den letzten 20 Jahren zu beobachten war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kolumbien achtet genau darauf, wie die internationale Gemeinschaft die JEP beurteilt und ist sehr empf\u00e4nglich f\u00fcr Kritik. Man versucht nat\u00fcrlich zu vermeiden, dass der Internationale Strafgerichtshof (IStgGH auch als ICC (International Criminal Court) bekannt) die JEP als ungen\u00fcgend beurteilt und F\u00e4lle selbst aufgreift. Der Druck der internationalen Beobachtung funktioniert hier sehr gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!<\/strong>: Du hast gesagt, dass der Fokus diesmal mehr auf den Opferrechten liegen soll. Wie geht die JEP da vor?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Herk\u00f6mmlich werden Strafprozesse um die T\u00e4ter herum aufgebaut. Dies liegt daran, dass der Freiheitsentzug, der als Strafe droht, ein drastischer Einschnitt in die Freiheit einer Person ist, und man daher besonders genau schauen muss, dass diese Aus\u00fcbung des staatlichen Gewaltmonopols gerechtfertigt ist. Das Opfer ist dabei nicht direkt am Verfahren beteiligt, nur als Zeuge. In vielen Staaten gibt es aber die M\u00f6glichkeit, dass sich das Opfer als Partei am Strafverfahren beteiligt, wenn es eine zivilrechtliche Forderung auf Schadenersatz gegen den T\u00e4ter geltend macht. Diese Stellung bringt f\u00fcr das Opfer viele Verbesserungen, da es Verfahrensantr\u00e4ge stellen kann. In j\u00fcngeren Strafmechanismen, die Verbrechen nach V\u00f6lkerrecht beurteilen, so auch in der JEP, haben die Opfer solche Rechte: Sie k\u00f6nnen an der JEP insbesondere zum Gest\u00e4ndnis der T\u00e4ter Stellung nehmen und zus\u00e4tzliche Beweise vorschlagen. Es ist zu erwarten, dass sie im dialogischen Teil des Verfahrens eine aktive Rolle einnehmen k\u00f6nnen, sofern sie das w\u00fcnschen. Ausserdem k\u00f6nnen sie an wichtigen Punkten des Verfahrens Rechtsmittel einlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!:<\/strong> Wie geht die JEP mit der Kritik aus der Gesellschaft um? Viele KolumbianerInnen finden es ja unverst\u00e4ndlich, dass Kriegsverbrecher jetzt mit Samthandschuhen angefasst werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Eine solche Sonderjustiz ist immer eine Gratwanderung zwischen den Opferrechten und den Sachzw\u00e4ngen, die sich aus dem \u00dcbergang zu einer friedlicheren Zukunft ergeben. In diesem Fall ist sie Teil des ausgehandelten Friedensvertrags. Was die Lage kompliziert ist, dass der Friedensvertrag ja vom Volk eigentlich verworfen wurde. Auch wenn er nach dem Referendum leicht modifiziert und zwischen FARC und Regierung angenommen wurde, herrscht in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung Unmut gegen\u00fcber der JEP. Eine politische Partei sammelt Unterschriften f\u00fcr ein weiteres Referendum, um alles wieder zu Fall zu bringen. Die JEP versucht in diesem Umfeld, m\u00f6glichst offen mit der Gesellschaft zu kommunizieren. Sie wird regionale B\u00fcros haben, und die Richter reisen derzeit im ganzen Land herum, um ihre Mission zu erkl\u00e4ren. Die JEP ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4ssig informative Videos auf ihrer Webseite und auf Youtube. Die Vorsitzende der JEP hat in letzter Zeit einen Interviewmarathon absolviert und informiert so transparent wie m\u00f6glich. Trotzdem sind noch viele Anstrengungen notwendig, damit gr\u00f6ssere Teile der Bev\u00f6lkerung die JEP kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Damit die JEP ihre Kritiker zum Schweigen bringen kann, muss sie m\u00f6glichst rasch Resultate zeigen. Es w\u00e4re aus meiner Sicht gut, wenn die JEP einen Pilotfall durchf\u00fchren w\u00fcrde, um zu zeigen, dass sie funktioniert und Resultate bringen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!:<\/strong> Ein Problem der JEP ist ja, dass die Teilnahme von Dritten, die am bewaffneten Konflikt beteiligt waren, freiwillig ist. F\u00fcr Unternehmen, die z.B. die Paramilit\u00e4rs unterst\u00fctzt haben, besteht so doch kein Interesse, vor der JEP auszusagen. Bleiben diese Verbrechen einfach straffrei?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Man muss bedenken, dass es in Kolumbien keine Unternehmenshaftung im strafrechtlichen Sinne gibt. Hingegen k\u00f6nnten Organe oder Angestellte von Unternehmen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Diese Personen unterstehen jetzt wie bisher der regul\u00e4ren Strafjustiz, w\u00e4hrend die JEP f\u00fcr sie nur eine freiwillige Gerichtsbarkeit vorsieht. Es ist jedoch denkbar, dass dereinst die regul\u00e4re Strafjustiz, vielleicht zusammen mit dem ICC, dem internationalen Strafgerichtshof, eine hinreichende Drohkulisse aufbaut, sodass sich Dritte freiwillig der JEP unterwerfen, um in den Genuss der milderen Strafe zu kommen.\u00a0<span style=\"font-size: 14px\">Unternehmen, bzw. deren Vertreter, k\u00f6nnen theoretisch auch vor der Wahrheitskommission aussagen, wobei aber noch abzuwarten bleibt, ob eine solche Erwartung realistisch ist. Grunds\u00e4tzlich kann nichts von dem, was vor der Wahrheitskommission ausgesagt wird, sp\u00e4ter in den Verfahren der JEP verwendet werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!:<\/strong> Wie kann sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien einbringen? Kann sie etwas zum Gelingen der JEP beitragen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Michael Duttwiler<\/strong>: Ich denke die ask! und andere zivilgesellschaftliche Organisationen haben eine gewisse W\u00e4chterfunktion. Sie sollen genau hinschauen und Alarm schlagen, wenn aus ihrer Sicht bei der JEP etwas schief l\u00e4uft. Dazu geh\u00f6rt auch die Informationsarbeit. Was tut die JEP? Wie k\u00f6nnen Opfer vor der JEP ihre Rechte geltend machen? Welche Verantwortung hat die Gesellschaft den Opfern gegen\u00fcber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann ist aus meiner Sicht auch die Teilnahme von zivilgesellschaftlichen Organisationen als Beobachter an den Verfahren erw\u00fcnscht. Und schliesslich nehme ich gerne Hinweise und Warnungen, die an die ask! herangetragen werden, entgegen und gebe diese weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ask!:<\/strong> Michael Duttwiler, wir danken Dir f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und w\u00fcnschen Dir alles Gute bei dieser herausfordernden Arbeit.<\/p>\n<div id=\"ftn1\">\n<p><a name=\"_ftn1\" href=\"\/04%20Kommunikation\/Newsletter\/2018_Newsletter\/2018.04%20Newsletter%20580\/Newsletter580_Artikel%20JEP%20(Interview%20Duttwiler)_DEF.doc#_ftnref1\"><span>[1]<\/span><\/a><span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/trialinternational.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/trialinternational.org\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\">\n<p><a name=\"_ftn2\" href=\"\/04%20Kommunikation\/Newsletter\/2018_Newsletter\/2018.04%20Newsletter%20580\/Newsletter580_Artikel%20JEP%20(Interview%20Duttwiler)_DEF.doc#_ftnref2\"><span>[2]<\/span><\/a><span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Ley_de_Justicia_y_Paz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Ley_de_Justicia_y_Paz<\/a><\/p>\n<\/div>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Newsletter580_Artikel_JEP__Interview_Duttwiler__DEF.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/a49dd6bf09.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Friedensabkommens zwischen der Regierung und den FARC wurde vereinbart, dass eine Sonderjustiz, die Jurisdicci\u00f3n Especial para la Paz (JEP), die im bewaffneten Konflikt begangenen Verbrechen beurteilen soll. Im Gegenzug f\u00fcr ein vollst\u00e4ndiges Gest\u00e4ndnis sollen T\u00e4terInnen erleichterte Strafen erhalten. Damit besteht f\u00fcr die T\u00e4terInnen ein Anreiz, vor der JEP die volle Wahrheit auszusagen. F\u00fcr die Opfer er\u00f6ffnet dies die M\u00f6glichkeit, die Wahrheit \u00fcber die an ihnen oder ihren Angeh\u00f6rigen begangenen Verbrechen zu erfahren und eine Wiedergutmachung zu erwirken.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":6237,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[13,22],"tags":[100,65,101],"class_list":["post-6231","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden","category-wahrheit-und-gerechtigkeit","tag-interview","tag-jep","tag-michael-duttweiler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6231"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6241,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6231\/revisions\/6241"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}