{"id":6222,"date":"2019-12-03T14:22:11","date_gmt":"2019-12-03T13:22:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.askonline.ch\/?p=6222"},"modified":"2019-12-03T14:23:27","modified_gmt":"2019-12-03T13:23:27","slug":"zwiespaeltige-bilanz-nach-18-monaten-implementierung-des-friedensabkommens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/frieden\/zwiespaeltige-bilanz-nach-18-monaten-implementierung-des-friedensabkommens","title":{"rendered":"Zwiesp\u00e4ltige Bilanz nach 18 Monaten Implementierung des Friedensabkommens"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anfang Juni 2018 hat die kolumbianische Stiftung f\u00fcr Frieden und Vers\u00f6hnung PARES einen weiteren Zwischenbericht zum Stand der Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der ehemaligen FARC \u2013 Guerilla herausgegeben[1]. Nach 18 Monaten ist es m\u00f6glich, differenzierte Schl\u00fcsse \u00fcber den Stand der Umsetzung und die anstehenden Herausforderungen zu ziehen. Obwohl der Friedensschluss mit den FARC ein Ereignis von historischer Tragweite ist, fehlt der Implementierung des Abkommens immer noch ein tragf\u00e4higes Fundament und sind viele Hindernisse immer noch nicht aus dem Weg ger\u00e4umt worden. Die Probleme bestehen haupts\u00e4chlich in vier Bereichen: 1) Verschiedene Gebiete, aus denen sich die FARC zur\u00fcckgezogen haben, erleben heute schwerwiegende Sicherheitsprobleme, mit einer Zunahme der Morde und der Besetzung des Territoriums durch neue illegale und kriminelle Organisationen sowie mit erneuten Kriegszust\u00e4nden. 2) Die Politik der Wiedereingliederung weist weiterhin Probleme auf: bis heute ist erst ein landwirtschaftliches Projekt f\u00fcr ehemalige K\u00e4mpfer angelaufen, viele haben noch kein Bankkonto f\u00fcr die Eingliederungsrente und es gibt kein Land, um die Projekte umzusetzen. 3) Der Staat war bisher ineffizient bei der Verwendung der vorhandenen finanziellen Mittel. 4) Das Problem der gewaltsamen \u00dcbergriffe auf sozialen F\u00fchrungspersonen konnte bisher nicht gel\u00f6st werden und die Entwicklungspl\u00e4ne mit territorialem Fokus PDET und das Nationale Programm zur freiwilligen Substitution illegaler Pflanzungen PNIS geben bis jetzt keine Antworten auf die unmittelbaren Probleme der Gemeinschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Postkonflikt ist ein komplexer Prozess und l\u00e4sst sich in zwei Phasen aufteilen: in den ersten 24 Monaten nach der Unterzeichnung des Abkommens und der Waffenniederlegung kommt es zur kritischen Phase des Postkonfliktes, der Stabilisierung, wo sich zeigt, ob der Postkonflikt gewonnen oder verloren wird. Kritisch sind in dieser Phase drei Punkte: 1) Die territoriale Sicherheit; 2) Die Frage, ob es gelingt, die Bev\u00f6lkerung der Gebiete die vorher von illegalen Gruppen regiert wurden, zu gewinnen; 3) Das Terrain vorbereiten f\u00fcr die territorialen Ver\u00e4nderungen, die die vom Konflikt am meisten betroffenen Zonen aus der Illegalit\u00e4t holen. Nach diesen zwei Jahren kommt die als Normalisierung bekannt gewordene Phase, die 10 bis 15 Jahre dauern kann. Dabei geht es um strukturelle Reformen und die Auswirkungen auf die strukturellen Gr\u00fcnde f\u00fcr den Konflikt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Bericht von PARES gliedert sich in 5 Kapitel: 1) Sicherheitsdynamik im Postkonflikt; 2) Prozess der Wiedereingliederung; 3) Opfer; 4) Infrastruktur f\u00fcr den Frieden: PDET und PNIS, 5) Postkonflikt in priorit\u00e4ren Gebieten. Die Analyse \u00fcber die Umsetzung des Abkommens schaut nicht nur auf die Aktionen, Pl\u00e4ne und Programme die im Schlussabkommen vereinbart wurden, sondern auch auf die territorialen Transformationen und die Ver\u00e4nderungen der Realit\u00e4t der Gemeinschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Etappe des bewaffneten Konfliktes ist \u00fcberwunden, und der gr\u00f6sste Erfolg ist die nachhaltige Reduktion der Gewaltindikatoren, abgesehen von der Zunahme an Morden in einigen Gemeinden. Die gewaltsamen Vertreibungen haben deutlich abgenommen, vom 120\u2018000 im Jahr 2016 auf 75\u2018000 in 2017; 2012 als die Friedensverhandlungen begannen, waren es noch 272\u2018000 Vertreibungen. Minenopfer gab es im schlimmsten Jahr 2006 etwas mehr als 1200, 2017 waren es noch 56 Minenopfer. Die Entf\u00fchrungen sind auf dem tiefsten Niveau der letzten drei Jahrzehnte, 2017 kam es noch zu 180 Entf\u00fchrungen, Ende der 1990er Jahre waren es \u00fcber 3\u2018000 pro Jahr. Die Morde gingen ab 2012 deutlich zur\u00fcck, aber von 2016 auf 2017 blieb die Mordrate praktisch gleich, mit leichten Zunahmen in einigen Gemeinden. In den gr\u00f6ssten St\u00e4dten und im Rest des Landes gingen die Morde von 2016 auf 2017 leicht zur\u00fcck, aber in Postkonfliktzonen nahmen sie zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bez\u00fcglich der \u00dcbergangsphase ergibt sich folgendes Bild: von den 242 Gemeinden, in den die FARC operierten, weisen 78 Gemeinden ein grosses Sicherheitsproblem auf. In jenen Gemeinden kam es zu einer kriminellen Besetzung des Raumes durch Dissidenzen der FARC, durch die Ausbreitung des ELN oder durch Bewaffnete Organisierte Gruppen GAO. Einige Gemeinden hatten schon vor der Waffenniederlegung der FARC die Pr\u00e4senz verschiedener Akteure gehabt. In den Pazifikregionen von Cauca und Nari\u00f1o, im Bajo Cauca antioque\u00f1o sowie im Nordosten Antioquias, im S\u00fcden des Meta und im Guaviare sowie im Catatumbo ist die Gewaltproblematik besonders ausgepr\u00e4gt. Die Transition ist die heikelste Phase, und die institutionelle Architektur f\u00fcr die Implementierung des Abkommens hat bis jetzt nicht erfolgreich auf die Herausforderungen in den Territorien reagiert. Die Verschiedenen Beh\u00f6rden und Stellen haben keine einheitlichen Kriterien und agieren unkoordiniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Ende des Krieges mit dem FARC f\u00fchrte zu einem R\u00fcckgang bewaffneter Auseinandersetzungen und die Zahl der Morde sank, von 15\u2018957 im Jahr 2012 auf 12\u2018211 in 2017. Die Mordrate pro Hunderttausend Einwohner sank von 34 auf 24. Gleichzeitig stieg aber die selektive Gewalt gegen soziale F\u00fchrungspersonen und MenschenrechtsverteidigerInnen. 2012 wurden 69 ermordete soziale F\u00fchrungspersonen verzeichnet, 2017 gem\u00e4ss PARES 102. Zudem gibt es 78 Gemeinden die von kriminellen Organisationen besetzt sind, sei es ELN, organisierte bewaffnete Gruppen GAO oder Dissidenzen der FARC. In 55 dieser 78 Gemeinden haben die Morde zugenommen. Es handelt sich v.a. um Gebiete rund um Zonen mit illegaler Wirtschaft In 71 weiteren Gemeinden nahmen die Morde ebenfalls zu, aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden. U.a. kam es zu krimineller Anarchie nachdem die FARC als Ordnungsh\u00fcter wegfielen und Streitereien unter Nachbarn, Diebst\u00e4hle etc., zunahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei der \u00dcbergangsphase gibt es drei Problemfelder: a) Der Prozess der Wiedereingliederung mit den 4 Bereichen (juristische Aspekte, sozio\u00f6konomische Aspekte, Sicherheit und politische Aspekte) weist grosse Probleme auf. Am besten l\u00e4uft der politische Aspekt (Teilhabe der FARC-Partei), der Rest ist eine Katastrophe. So gibt es keine einkommensgenerierenden Projekte und kaum Titelvergabe auf Land. Die Institutionen hatten nur geringe F\u00e4higkeiten und Kapazit\u00e4ten, zu planen und auf die Herausforderungen der Umsetzung zu reagieren. Zudem wurden 43 ehemalige K\u00e4mpfer und 12 Familienmitglieder ermordet. Auch nach 18 Monaten sind die Wiedereingliederungslager noch nicht wirklich fertig eingerichtet. B) Die gewaltsamen \u00dcbergriffe auf die sozialen F\u00fchrungspersonen gehen weiter, vor den Wahlen im Fr\u00fchjahr 2018 kam es zu dramatischen H\u00f6chstzahlen an Morden. C) Auf territorialer Ebene hat die Umsetzung noch nicht wirklich begonnen. Der PNIS weisst Probleme mit der Abdeckung und der Wirkung auf, Pl\u00e4ne wie Erschliessungsstrassen und Gemeinschaftsinfrastruktur haben nicht die gew\u00fcnschte Wirkung gezeigt; die Gemeinschaften f\u00fchlen sich im Stich gelassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Postkonflikt ist noch diffus und seine Reichweite limitiert. Das Ende des Krieges und die Aufl\u00f6sung der FARC als bewaffnete Organisation und ihr Eintritt in die Politik sind unumkehrbare Tatsachen. Das meiste was im Abkommen von Havanna vereinbart wurde, richtet sich aber an die ganze Gesellschaft und nicht nur an ehemalige K\u00e4mpfer beider Seiten. Beispiele f\u00fcr Vereinbarung die der Gesellschaft als Ganzes zu Gute kommen sollten sind Pl\u00e4ne f\u00fcr Trinkwasserversorgung und Elektrifizierung auf dem Land, Landreform, politische Reformen und weitere Projekte zur Vertiefung der Demokratie, und hier ist die Implementierung weit im R\u00fcckstand. Bez\u00fcglich der Beh\u00f6rde f\u00fcr die territoriale Erneuerung (Agencia de Renovaci\u00f3n Territorial) herrscht Ungewissheit \u00fcber das Budget und die ausreichende Finanzierung f\u00fcr die Umsetzung der territorialen Entwicklungspl\u00e4ne PDET. Bei der Drogenbek\u00e4mpfung ist es wichtig, klar zwischen Zonen der freiwilligen Substitution und der Gebiete mit zwangsweiser Ausrottung zu unterscheiden, damit das Vertrauen der Gemeinschaften, die Freiwillig in die Substitution einwilligten, nicht zerst\u00f6rt wird. Zudem ist es vordringlich, zwischen all den Beh\u00f6rden und Programmen wie PNIS, PDET, der Beh\u00f6rde f\u00fcr l\u00e4ndliche Entwicklung, der nationalen Landinstituts, der Beh\u00f6rde zur Erneuerung des Territoriums und dem Energieministerium (f\u00fcr l\u00e4ndliche Elektrifizierung) Synergien und Koordination zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><a href=\"index.html#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a><span>\u00a0<\/span><a href=\"http:\/\/pares.com.co\/2018\/06\/06\/18-meses-despues-como-va-la-paz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/pares.com.co\/2018\/06\/06\/18-meses-despues-como-va-la-paz\/<\/a><\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/4_Bericht_von_PARES_Implementierung_Friedensabkommen.pdf&#8220; url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; locked=&#8220;off&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/be7b9c8011.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.7&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Juni 2018 hat die kolumbianische Stiftung f\u00fcr Frieden und Vers\u00f6hnung PARES einen weiteren Zwischenbericht zum Stand der Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der ehemaligen FARC \u2013 Guerilla herausgegeben. 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