{"id":5847,"date":"2018-08-07T17:26:00","date_gmt":"2018-08-07T15:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=5847"},"modified":"2019-11-27T17:33:03","modified_gmt":"2019-11-27T16:33:03","slug":"viele-offene-fragen-um-das-wasserkraftprojekt-hidroituango","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/wirtschaft-menschenrechte\/natuerliche-ressourcen-energie-und-infrastruktur\/viele-offene-fragen-um-das-wasserkraftprojekt-hidroituango","title":{"rendered":"Viele offene Fragen um das Wasserkraftprojekt Hidroituango"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<br \/> <\/em><\/p>\n<p>Rund drei Monaten sind seit der Katastrophe beim Staudammprojekt Hidroituango vergangen. Dank der trockenen Jahreszeit konnte die akute Gefahrensituation \u00fcberwunden werden, viele Probleme bestehen aber weiter. So gibt es weiterhin Erdrutsche und Instabilit\u00e4t im Fels und es besteht die Gefahr, dass die Verstopfung in einem der beiden Umleitungstunnel sich spontan l\u00f6st und zu neuen \u00dcberschwemmungen f\u00fchrt. Auch ist noch nicht klar, wie schwer die Sch\u00e4den im \u00fcberfluteten Maschinenhaus sind. Trotzdem geben sich die Stadtwerke Medell\u00edn EPM optimistisch, dass das Stauwerk fertig gestellt und Anfang 2019 den Betrieb aufnehmen kann. R\u00edos Vivos k\u00e4mpft dagegen und die Gewalt in der Region hat weiterhin ein erschreckendes Ausmass.<\/p>\n<p>Der beste Alliierte des havarierten Stauwerks Hidroituango war die Trockenzeit mit geringen Niederschl\u00e4gen, die das Niveau des Caucaflusses sinken liess und vorerst die Gefahr weiterer \u00dcberschwemmung bannte. Die Stadtwerke Medell\u00edn EPM und die mit dem Bau beauftragen Unternehmen behaupten weiterhin, alles richtig gemacht zu haben und dass an der Katastrophe nur Mutter Natur Schuld sei. EPM pr\u00e4sentierte Ende Juli 2018 Pl\u00e4ne, wie Hidroituango gerettet und die Probleme \u00fcberwunden werden sollen. Dabei weiss man bis heute noch nicht genau, was die Ursache der Katstrophe war und was im Detail passierte respektive was f\u00fcr Sch\u00e4den dabei entstanden sind. EPM liess verlauten, dass die Arbeiten f\u00fcr die Sicherheit des Staudammes und der Umleitungstunnels gut vorankommen. So wird mit Spezialbeton die Staumauer abgedichtet und nach L\u00f6sung gesucht, um die Tunnels definitiv zu schliessen. Das gr\u00f6sste Risiko ist momentan, dass der verstopfte Tunnel aufbricht und es zu einer erneuten \u00dcberschwemmung flussabw\u00e4rts kommt. Die Arbeiten zur Abdichtung der Staumauer finden zwischen August und Oktober statt, danach soll die Staumauer bis auf eine H\u00f6he von 435 Meter fertig gebaut werden.[1] Auf einer H\u00f6he von 290 bis 330 m.\u00fc.M. soll ein neuer Entlastungstunnel gebaut werden, um in Zukunft bei Bedarf den Wasserstand des Stausees senken zu k\u00f6nnen. Das Maschinenhaus steht nach wie vor unter Wasser und die Sch\u00e4den sind noch nicht absch\u00e4tzbar. EPM gibt sich optimistisch, dass das meiste gerettet werden kann und bald die Turbinen installiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Meinung und lokale Politiker sind unzufrieden damit, dass an der Katastrophe niemand schuld sein soll, weder EPM noch die Baufirmen noch die Ingenieure die Studien und Berechnungen machten. So weiss man z.B. schon lange um die schlechte Qualit\u00e4t der Felsen. Fragen werden auch bez\u00fcglich des Baukonsortiums CCC gestellt, das am g\u00fcnstigsten offerierte, nun aber schon 50% Mehrkosten verursachte.<\/p>\n<p>Lange nicht \u00f6ffentlich bekannt wurde, dass die Beh\u00f6rde f\u00fcr Umweltlizenzen ANLA Anfang Juni EPM befahl, s\u00e4mtliche Bauarbeiten, die nicht unmittelbar der Bew\u00e4ltigung der Notlage dienen, zu stoppen, bis durch unabh\u00e4ngige Experten eine Machbarkeitsstudie \u00fcber die Fertigstellung des Stauwerks erstellt wurde. Diese Studie muss wissenschaftlich fundiert die sicherheitsm\u00e4ssige Zukunft der Anlage darlegen und auch Auskunft \u00fcber allf\u00e4llige Umweltfolgen des Stauwerks geben. Die Studien werden von internationalen Consultingfirmen aus Chile und Spanien durchgef\u00fchrt[2]. Die ANLA wurde kritisiert, weil sie dem Treiben viel zu lange zuschaute, und auch jetzt gibt es Kritik, dass die Bauarbeiten nur unterbrochen, nicht aber die Umweltlizenz endg\u00fcltig widerrufen wurde. Viele der Bauarbeiten, die EPM weiterf\u00fchren kann, dienen gleichzeitig der Bew\u00e4ltigung der Katastrophe wie auch der Fertigstellung des Stauwerkes. EPM hat denn auch w\u00e4hrend der ganzen Notstandssituation nie in Zweifel gezogen, dass sie das Werk retten, fertig stellen und in Betrieb nehmen wollen. Dabei hatten sie die volle Unterst\u00fctzung des Gouverneurs von Antioquia, des B\u00fcrgermeisters von Medell\u00edn und des neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Iv\u00e1n Duque, der bei einem Besuch vor Ort die Wichtigkeit des Projekts betone, dass bei einer aktuell installierten Leistung von 16\u2018600 Megawatt 2300 Megawatt zus\u00e4tzliche Energie liefere. F\u00fcr die Stadt Medell\u00edn ist der Betrieb von Hidroituango auch finanziell wichtig, da die Katastrophe bei Hidroituango ein enormes Loch von 1,2 Milliarden Pesos in die Stadtfinanzen f\u00fcr 2019 reisst. EPM wird angehalten, Beteiligungen insbesondere im Ausland abzustossen, um das Budgetloch zu stopfen.[3]<\/p>\n<p>R\u00edos Vivos hat das Vorgehen der ANLA und die Verf\u00fcgung zwar als notwendig betitelt, gleichzeitig aber den Inhalt und das Vorgehen massiv kritisiert. Die Verf\u00fcgung 820 der ANLA datiert vom 1. Juni 2018, wurde aber erst am 28. Juni im Staatsanzeiger ver\u00f6ffentlicht, kurz vor dem Wochenende, ein Tag nachdem die kolumbianische Nationalmannschaft eine Fussballspiel an der WM gewonnen hatte und nach der zweiten Runde der Pr\u00e4sidentschaftswahl, wo der Gewinner Iv\u00e1n Duque schon klar gemacht hatte, dass Hidroituango machbar sei. Dadurch gewann EPM wertvolle Zeit um die Krise nach eigenem Gutd\u00fcnken zu meistern und Bauarbeiten weiter zu f\u00fchren. Zudem kl\u00e4rt ANLA nicht eindeutig, was f\u00fcr den Unterhalt und zur Verhinderung neuer Unf\u00e4lle notwendige Arbeiten sind. Fragw\u00fcrdig sei auch, dass EPM mit einer unfertigen Staumauer die Umleitungstunnels schliessen und den Stausee damit fluten d\u00fcrfe. Zudem zweifelt R\u00edos Vivos, dass EPM wirklich eine unabh\u00e4ngige Studie in Auftrag geben k\u00f6nne und wolle. R\u00edos Vivos fordert deshalb den sofortigen Stopp jeglicher weiterer Bauarbeiten zur Fertigstellung des Stauwerkes und die Suspension der Umweltlizenz, bis die Gangbarkeit von Hidroituango nicht nur technisch, sondern auch in Bezug auf die Umwelt und die Sozialvertr\u00e4glichkeit erwiesen ist.[4]<\/p>\n<p>Viele der obdachlos gewordenen und gefl\u00fcchteten Personen sind noch in provisorischen Unterk\u00fcnften und niemand kann sagen, wann die Betroffenen in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Insbesondere die Zukunft der 7\u2018477 Einwohner von Puerto Valdivia, die (noch) nicht in ihre H\u00e4user zur\u00fcckk\u00f6nnen und in Notunterk\u00fcnften leben, ist unsicher. Flussaufw\u00e4rts vom Stauwerk gibt es viele Anwohner, die noch nie Hilfe erhalten haben, und viele befinden sich im Dorfkern von Ituango. Zudem denunzieren die Anwohner das Auftreten von neuen Rissen in den Bergflanken, ohne dass dies ernst genommen w\u00fcrde. Die ganze Situation wird verschlimmert durch eine Verschlechterung der \u00f6ffentlichen Ordnung. So wurde Mitte Juli der Polizeikommandant von Puerto Valdivia und sein Stellvertreter ermordet, und R\u00edos Vivos denunziert, das der Clan del Golfo eine unsichtbare Grenze zog und zu verhindern sucht, dass sich Betroffene der Notsituation in Taraz\u00e1 in Sicherheit bringen k\u00f6nnen. Eine Dissidenz der Front 36 der FARC hat zudem EPM bedroht und einen Bus mit Arbeitern von Hidroituango beschossen. Die Morde an F\u00fchrungsleuten von R\u00edos Vivos sind auch noch nicht aufgekl\u00e4rt und die Drohungen gegen diese soziale Bewegung halten an.[5]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] El Colombiano, Los riesgos que siguen latentes en el proyecto Hidroituango, 19. Juli 2018, in: http:\/\/www.elcolombiano.com\/antioquia\/los-riesgos-que-siguen-latentes-en-el-proyecto-hidroituango-CX9022884<\/p>\n<p>[2] El Colombiano, Firma chilena y perito espa\u00f1ol investigar\u00e1n que causo crisis en Hidroituango, 2. August 2018, in: http:\/\/www.elcolombiano.com\/antioquia\/firma-chilena-y-un-espanol-diran-que-causo-crisis-en-hidroituango-XG9091660<\/p>\n<p>[3] Semana, Que pasar\u00e1 con Hidroituango tras la suspensi\u00f3n ordenada por la ANLA?, 1. Juli 2018, in: https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/suspension-de-obras-en-hidroituango-una-decision-ambigua\/573774<\/p>\n<p>[4] R\u00edos Vivos Antioquia, Comunicado: Dos meses despu\u00e9s de la tragedia ordenen un peritaje sobre la contingencia provocada por EPM y lo contratar\u00edan ellos mismos?, 3. Juli 2018, in: https:\/\/defensaterritorios.wordpress.com\/2018\/07\/03\/dos-meses-despues-de-la-tragedia-ordenan-un-peritaje-sobre-la-contingencia-provocada-por-empresas-publicas-de-medellin-epm-y-lo-contratarian-ellos-mismos\/<\/p>\n<p>[5] Semana, Hidroituango: las preguntas que a\u00fan siguen en el aire. 23. Juli 2018, in: https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/hidroituango-sigue-la-espera\/576362<\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Viele_offene_Fragen_um_das_Wasserkraftprojekt_Hidroituango_Update_Aug181.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/48168b269c1.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/c295144f9f1.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund drei Monaten sind seit der Katastrophe beim Staudammprojekt Hidroituango vergangen. 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