{"id":5837,"date":"2017-09-21T17:18:00","date_gmt":"2017-09-21T15:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=5837"},"modified":"2019-11-27T17:24:21","modified_gmt":"2019-11-27T16:24:21","slug":"bodenverteilung-steigende-ungleichheit-in-kolumbien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/wirtschaft-menschenrechte\/laendliche-entwicklung-und-agrarreform\/bodenverteilung-steigende-ungleichheit-in-kolumbien","title":{"rendered":"Bodenverteilung: steigende Ungleichheit in Kolumbien"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Fabian Dreher<br \/> <\/em><\/p>\n<p>Die hohe Ungleichheit der Landverteilung ist eine der wichtigsten Ursachen der bewaffneten Konflikte in Kolumbien. OXFAM analysiert in einem Bericht die Zunahme der Landkonzentration zwischen 1960 und 2014 und zeigt auf, dass sich die Situation zunehmend versch\u00e4rft. Eine L\u00f6sung der Landfrage r\u00fcckt damit in immer weitere Ferne.<\/p>\n<p>In ihrem Bericht \u201eRadiograf\u00eda de la desigualdad\u201c[1] zeigt die britische Entwicklungshilfeorganisation OXFAM anhand der Zahlen der Landwirtschaftsz\u00e4hlung (censo agropecuario) 2014 in Kolumbien auf, dass die Ungleichheit der Bodenverteilung in Kolumbien weiter steigt. Ungleiche Bodenverteilung sowie Vertreibungen sind Ursachen aller bewaffneten Konflikte in Kolumbien, entsprechend wichtig ist dieses Thema f\u00fcr den aktuellen Friedensprozess. Die Bedeutung der Landfrage l\u00e4sst sich auch daran erkennen, dass eine Landreform an erster Stelle des Friedensabkommens mit den FARC steht.<\/p>\n<p>In einem ersten Abschnitt stellt der Bericht fest, dass die Ungleichheit der Bodenverteilung in Kolumbien zugenommen hat. Der Gini-Koeffizient[2] der Bodenverteilung hat dabei von 1984 bis 2014 vom 0,84 auf 0,9 zugenommen (wobei 1 f\u00fcr absolute Ungleichheit steht und 0 f\u00fcr absolute Gleichheit). Ein statistischer Vergleich zeigt dabei, welche Ausmasse die Landkonzentration in Kolumbien erreicht hat: w\u00e4hrend die kleinsten 70,5% der Betriebe (UPAs=unidades de producci\u00f3n agropecuaria) \u00fcber gerade mal 2,7% der landwirtschaftlichen Fl\u00e4che Kolumbiens verf\u00fcgen, besitzen die gr\u00f6ssten 0,5% der Betriebe \u00fcber 68% der Landwirtschaftsfl\u00e4che. Die Kategorie der kleinsten Betriebe besitzt dabei weniger als 5 Hektaren Land pro Betrieb, die gr\u00f6ssten jedoch mindestens 500 Hektaren, wobei der Durchschnitt in dieser Kategorie von 1000 Hektaren (1960) auf \u00fcber 5000 Hektaren (2014) gestiegen ist.<\/p>\n<p>Der Gini-Koeffizient ist weltweit als Massstab der Ungleichheit anerkannt, entsprechend l\u00e4sst sich die ungleiche Landverteilung in Kolumbien damit auch sehr gut international vergleichen. Kolumbien weist dabei die ungleichste Landverteilung von Lateinamerika auf: das Prozent der gr\u00f6ssten Betriebe besitzt 81% des Landwirtschaftslandes, den \u00fcbrigen 99% bleiben gerade mal 19 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Landes.<\/p>\n<p>Wenn wir nun die gr\u00f6ssten und kleinsten Betriebe anschauen, so zeichnet sich ein noch extremeres Bild. Auf der einen Seite stehen die 81% der Betriebe mit weniger als 10 Hektaren: im Durchschnitt besitzen sie gerade mal 2 Hektaren. Gemeinsam bewirtschaften diese Betriebe nicht einmal 5 Prozent der Landwirtschaftsfl\u00e4che Kolumbiens. Auf der anderen Seite besitzen die gr\u00f6ssten 0,1% der Betriebe (alle \u00fcber 2000 Hektaren) im Durchschnitt 17\u2018000 Hektaren Land und bewirtschaften beinahe 60% des landwirtschaftlichen Landes von Kolumbien. Die 704 gr\u00f6ssten Betriebe mit durchschnittlich 50\u2018000 Hektaren bewirtschaften beinahe die H\u00e4lfte des nutzbaren Landes. Insbesondere bei den gr\u00f6ssten Betrieben (\u00fcber 2000 Hektaren) sind die Besitzverh\u00e4ltnisse des Bodens oft unklar: \u00fcber 40 Prozent davon geben an, dass sie nicht wissen, inwiefern ihnen das genutzte Land geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Von den in der Landwirtschaftsz\u00e4hlung erfassten 111,5 Millionen Hektaren werden 43 Millionen landwirtschaftlich genutzt, die \u00fcbrigen Fl\u00e4chen bestehen zum gr\u00f6ssten Teil aus W\u00e4ldern. Von diesen 43 Millionen Hektaren werden 34,4 Millionen Hektaren (also ca. 80 Prozent) f\u00fcr die Viehwirtschaft verwendet und nur gerade 8,5 Millionen Hektaren f\u00fcr Ackerbau. Dabei werden grosse Fl\u00e4chen, die sich eigentlich f\u00fcr Ackerbau eignen mit einigen wenigen K\u00fchen unternutzt. Von den 8,5 Millionen Hektaren Ackerbaufl\u00e4che werden beinahe 35% f\u00fcr die Agroindustrie genutzt (haupts\u00e4chlich Kaffee, afrikanische \u00d6lpalme, Zuckerrohr). Dabei zeigt sich eine klassische Verteilung nach Betriebsgr\u00f6ssen. Die kleinen Betriebe (unter 10 Hektaren) nutzen mindestens 60% ihres Landes f\u00fcr die Produktion von Nahrungsmitteln, die grossen Betriebe produzieren entweder agroindustrielle Produkte oder betreiben Viehwirtschaft, meistens f\u00fcr den Export.<\/p>\n<p>Wie die Untersuchung von OXFAM zeigt, ist die Ungleichheit bei der Verteilung des landwirtschaftlichen Bodens heute massiv h\u00f6her als in den 1960er Jahren. Alle Versuche, die zunehmende Landkonzentration zu bek\u00e4mpfen oder zumindest abzumildern, m\u00fcssen als gescheitert angesehen werden. Dabei ist eine gerechtere Landverteilung nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern, wie OXFAM sehr sch\u00f6n zeigt, auch eine Frage der Produktionseffizienz. Kolumbien k\u00f6nnte seine Bev\u00f6lkerung viel besser ern\u00e4hren, wenn mehr Kleinbauern Land f\u00fcr Ackerbau zur Verf\u00fcgung h\u00e4tten anstelle von Grossbetrieben, die extensive Viehwirtschaft betreiben. Grosse Probleme bleiben dabei die ungenaue und ungen\u00fcgende Datenbasis sowie der mangelnde politische Wille, die Ursachen der ungerechten Landverteilung anzugehen. Grossgrundbesitzer haben politisch viel mehr Einfluss als Kleinb\u00e4uerInnen.<\/p>\n<p>Dabei untersch\u00e4tzt die Landwirtschaftsz\u00e4hlung das Ausmass der Landkonzentration noch. Denn einerseits wird die Anzahl der b\u00e4uerlichen Betriebe (unidad de producci\u00f3n agropecuaria) gez\u00e4hlt, und nicht die Anzahl Haushalte oder Personen. Es muss vermutet werden, dass einzelne reiche Familien direkt oder via Firmenkonstrukte mehrere Grossbetriebe halten. Zudem wurden die landlosen Kleinb\u00e4uerInnen nicht erfasst. Auch wurde nicht zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Land unterschieden, sondern nur, durch wen das Land genutzt wird. Dadurch wird leider auch nicht klar, wieviel Land im Rahmen einer Landreform gegebenenfalls an Kleinb\u00e4uerInnen verteilt werden k\u00f6nnte. Tatsache bleibt, dass ein dauerhafter Frieden in Kolumbien bedingt, dass der landwirtschaftlich nutzbare Boden gerechter verteilt wird. Wie dies realisiert werden kann, wird die kolumbianische Politik auch in den kommenden Jahren weiter besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>[1] https:\/\/www.oxfam.org\/sites\/www.oxfam.org\/files\/file_attachments\/radiografia_de_la_desigualdad.pdf<\/p>\n<p>[2] https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gini-Koeffizie<\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Newsletter572_Artikel_Bodenverteilung1.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/281a0e97bc1.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/a3369b6ad91.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die hohe Ungleichheit der Landverteilung ist eine der wichtigsten Ursachen der bewaffneten Konflikte in Kolumbien. 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