{"id":5509,"date":"2018-09-29T10:45:00","date_gmt":"2018-09-29T08:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=5509"},"modified":"2019-11-21T10:53:41","modified_gmt":"2019-11-21T09:53:41","slug":"wenn-nur-noch-die-flucht-bleibt-kolumbianerinnen-im-exil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/menschenrechte\/wenn-nur-noch-die-flucht-bleibt-kolumbianerinnen-im-exil","title":{"rendered":"Wenn nur noch die Flucht bleibt: KolumbianerInnen im Exil"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Fabian Dreher<\/em><\/p>\n<p>Wer im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt in Kolumbien von gewaltsam Vertriebenen spricht, meint oft nur die \u00fcber 7,5 Millionen Binnenfl\u00fcchtlinge. Nur selten werden die zeitweise \u00fcber 500\u2018000 Personen erw\u00e4hnt, die auf Grund der Gewalt das Staatsgebiet Kolumbiens verlassen haben. Ein Bericht des nationalen Zentrums f\u00fcr die historische Erinnerung (CNMH) arbeitet deren Geschichte nun auf.<\/p>\n<p>Mit \u00fcber 7,5 Millionen Binnenvertriebenen steht Kolumbien international an zweiter Stelle der L\u00e4nder mit den meisten Binnenfl\u00fcchtlingen. Alleine zwischen Januar und August 2018 wurden \u00fcber 38\u2018000 Menschen durch die Gewalt zur Flucht gezwungen[1]. Die meisten gewaltsam Vertriebenen des bewaffneten Konflikts bleiben in Kolumbien und suchen oft bei Familienangeh\u00f6rigen in anderen Departementen und Grossst\u00e4dten Zuflucht. Mit einem ausf\u00fchrlichen Bericht richtet das kolumbianische Zentrum f\u00fcr die historische Erinnerung (Centro Nachional de Memoria Hist\u00f3rica, CNMH) f\u00fcr einmal den Blick auf die Schicksale der Kolumbianerinnen und Kolumbianer, die vor Krieg und Gewalt ins Ausland ins Exil fliehen. Ziel ist es, die spezifischen Probleme und Auswirkungen des Exils auf die Opfer sichtbar zu machen. Es ist bezeichnend, dass das Nationale Opferregister (Registro \u00danico de Victimas, RUV) 16 verschiedene Tatbest\u00e4nde kennt, das Exil, also die Flucht in ein Gebiet ausserhalb der Landesgrenzen jedoch nicht als Tatbestand anerkannt wird[2].<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss der Studie \u201cExilio colombiano \u2013 Huellas del conflicto armado m\u00e1s all\u00e1 de las fronteras\u201d[3] sind alleine im letzten Jahrzehnt \u00fcber eine halbe Million Menschen aus Kolumbien \u00fcber die Grenze ins Exil geflohen. Manche nur f\u00fcr eine kurze Zeit um einer akuten Bedrohung zu entgehen, viele jedoch f\u00fcr mehrere Jahre, Jahrzehnte oder gar ohne Hoffnung auf R\u00fcckkehr. Auf Grund der langen Dauer des bewaffneten Konflikts w\u00e4chst ausserhalb Kolumbiens inzwischen bereits eine zweite Generation und dritte Generation im Exil heran. Menschen, die ihr Heimatland nur aus Erz\u00e4hlungen oder von Besuchen bei Verwandten kennen.<\/p>\n<p>Ein grosser Teil der Gewaltvertriebenen aus Kolumbien ist in die Nachbarl\u00e4nder Venezuela, Panama und Ecuador geflohen. In Panama und Ecuador haben sich viele Exilierte niedergelassen und politisch f\u00fcr ihre gesellschaftliche Integration eingesetzt. In Venezuela waren die ExilkolumbianerInnen lange Zeit willkommen und erhielten rasch einen legalen Aufenthaltsstatus, seit Ausbruch der politischen und \u00f6konomischen Krise im Nachbarland wurden jedoch viele KolumbianerInnen aus Venezuela ausgewiesen und deportiert. Auch andere L\u00e4nder S\u00fcdamerikas boten in der j\u00fcngeren Vergangenheit zwangsvertriebenen KolumbianerInnen Zuflucht vor Drohungen, Gewalt und Verfolgung. Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien ist auch heute noch die bedeutendste Fluchtursache in Lateinamerika, dies f\u00fchrte zum Wachstum insbesondere auch der kolumbianischen Diaspora in Nordamerika und Europa. Auch L\u00e4nder wie Frankreich, Deutschland, Schweden oder die Schweiz weisen heute aktive Gemeinschaften von ExilkolumbianerInnen auf.<\/p>\n<p>Ein Grossteil der aus Kolumbien gefl\u00fcchteten Personen hat ihr Heimatland auf Grund des bewaffneten Konflikts verlassen. Ein Teil in direkter Folge von Kampfhandlungen zwischen bewaffneten Gruppierungen oder der Pr\u00e4senz bewaffneter Gruppierungen in ihren Gebieten, ein anderer Teil wegen Drohungen, Gewalt gegen sie selbst oder ihre Angeh\u00f6rigen und politischer Verfolgung. Sie alle mussten Kolumbien verlassen, da es dem kolumbianischen Staat bis heute nicht gelingt, seine BewohnerInnen vor Gewalt und Verfolgung zu sch\u00fctzen. Auch heute noch anerkennt der kolumbianische Staat die Flucht ins Ausland nicht als Gewalt und Verletzung der Menschenrechte, sondern nur als verst\u00e4rkender Faktor bei anderen Tatbest\u00e4nden wie Drohung, gewaltsame Vertreibung, etc. Der Staat macht die Betroffenen durch diese mangelnde Anerkennung erneut zu Opfern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Nachbarl\u00e4nder Kolumbiens stellte die grenz\u00fcberschreitende Flucht oft eine humanit\u00e4re Notlage dar, insbesondere Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Zivilbev\u00f6lkerung in den von bewaffneten Gruppierungen umk\u00e4mpften Gebieten wurde immer st\u00e4rker in die Kampfhandlungen hineingezogen und musste entsprechend oft vor der Gewalt fliehen. Insbesondere in abgelegenen und grenznahen Gebieten blieb dabei nur die Flucht in ein Nachbarland. So lebten 2007 \u00fcber 250\u2018000 kolumbianische Fl\u00fcchtlinge in Ecuador, weitere 200&#8217;000 befanden sich im Exil in Venezuela. Die Zahl der kolumbianischen Fl\u00fcchtlinge in Panama blieb auf Grund der schwer \u00fcberwindbaren Landgrenze zwischen den beiden L\u00e4ndern im Dari\u00e9n eher gering (weniger als 20\u2018000 Personen).<\/p>\n<p>Die Fluchtgr\u00fcnde sind ebenso vielf\u00e4ltig wie die soziale, politische und \u00f6konomische Herkunft der Fl\u00fcchtlinge. Allen gemein ist jedoch ihre Verletzlichkeit im Rahmen der Flucht. Die meisten stammen aus eher armen Verh\u00e4ltnissen und aus sozial und \u00f6konomisch benachteiligten Gegenden Kolumbiens. Auf Grund ihrer Flucht verf\u00fcgen sie oft am Aufnahmeort nicht \u00fcber Ressourcen, sich gegen Diskriminierung und Ausbeutung zu wehren oder erfolgreich zu integrieren. In direkter Folge der fehlenden Anerkennung durch Kolumbien setzt der Staat sich gegen\u00fcber den Aufnahmel\u00e4ndern auch nicht f\u00fcr die Rechte seiner B\u00fcrgerInnen ein. Nicht \u00fcberall waren und sind die Fl\u00fcchtlinge willkommen. Ein grosser Teil der Exilierten wurden von den Aufnahmestaaten nie anerkannt, obwohl sie vor Gewalt und Verfolgung flohen. Anl\u00e4sslich der Schliessung der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien kam es zudem zu einer Massenausweisung von mehreren tausend kolumbianischen Fl\u00fcchtlingen durch die Regierung Venezuelas. Dabei wurden auch Bestimmungen des internationalen V\u00f6lkerrechts wie die f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge vorgeschriebene Einzelfallpr\u00fcfung der Fluchtgr\u00fcnde sowie das Non-Refoulement Prinzip verletzt.<\/p>\n<p>Seit langem setzen sich die ExilkolumbianerInnen aus ihren Aufnahmel\u00e4ndern und nach der R\u00fcckkehr nach Kolumbien gemeinsam f\u00fcr ihre Anerkennung ein. Zusammen mit anderen Opfern des bewaffneten Konflikts engagieren sie und ihre Organisationen sich zudem in Kolumbien f\u00fcr den Frieden. Es w\u00e4re an der Zeit, dass der kolumbianische Staat die ins Exil geflohenen KolumbianerInnen als Opfer des bewaffneten Konflikts anerkennt und ihr Potenzial bei der Auss\u00f6hnung im Rahmen des Friedensprozesses nutzt. Auf Grund ihrer internationalen Erfahrung haben sie eine einzigartige Perspektive auf den bewaffneten Konflikt, der die Gesellschaft Kolumbiens seit \u00fcber 50 Jahren zerreisst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"ftn1\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.codhes.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span>[1]<\/span><span>\u00a0http:\/\/www.codhes.org\/<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\">\n<p><a href=\"\/04%20Kommunikation\/Newsletter\/2018_Newsletter\/2018.09%20Newsletter%20584\/Newsletter584_Artikel%20Exilkolumbianer.doc#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span>[2]<\/span><span>\u00a0https:\/\/www.unidadvictimas.gov.co\/es\/registro-unico-de-victimas-ruv\/37394<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\">\n<p><a href=\"\/04%20Kommunikation\/Newsletter\/2018_Newsletter\/2018.09%20Newsletter%20584\/Newsletter584_Artikel%20Exilkolumbianer.doc#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span>[3]<\/span><span>\u00a0http:\/\/www.centrodememoriahistorica.gov.co\/informes\/informes-2018\/exilio-colombiano<\/span><\/a><\/p>\n<\/div>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Newsletter584_Artikel_Exilkolumbianer1.pdf&#8220; url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; locked=&#8220;off&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/95f366fe9d1.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt in Kolumbien von gewaltsam Vertriebenen spricht, meint oft nur die \u00fcber 7,5 Millionen Binnenfl\u00fcchtlinge. 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