{"id":5467,"date":"2019-08-27T15:49:15","date_gmt":"2019-08-27T13:49:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=5467"},"modified":"2019-11-20T16:09:18","modified_gmt":"2019-11-20T15:09:18","slug":"die-umstrittene-umleitung-des-arroyo-bruno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/wirtschaft-menschenrechte\/schweizer-unternehmen\/die-umstrittene-umleitung-des-arroyo-bruno","title":{"rendered":"Die umstrittene Umleitung des Arroyo Bruno"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<\/em><\/p>\n<p>Cerrej\u00f3n missachtet ein Urteil des Verfassungsgerichtes und richtet nicht wieder gut zu machenden Schaden an<\/p>\n<p>Einer der vielen Konflikte zwischen den Gemeinschaften im Einflussbereich der Kohlenmine El Cerrej\u00f3n und dem Minenunternehmen ist die Umleitung des Flusses Arroyo Bruno und die Erweiterung des Minenabschnittes La Puente. Auf meiner Dienstreise im Juli 2019 hatte ich zusammen mit weiteren internationalen BeobachterInnen aus den USA, Italien und Grossbritannien Gelegenheit, die Flussumleitung zu besichtigen und einer \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung zur Umleitung und zur Umsetzung des Urteils des Verfassungsgerichtes vom 24. Januar 2919 beizuwohnen. Der Arroyo Bruno wird seit mehreren Monaten umgeleitet, der Hauptstreitpunkt ist, ob die hydraulische Sperre aufgehoben und der Fluss in den urspr\u00fcnglichen Lauf zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen soll oder nicht. Zudem verlangt das Urteil des Verfassungsgerichtes, dass die betroffenen Gemeinschaften an einem interinstitutionellen Verhandlungstisch gleichberechtigt teilnehmen k\u00f6nnen, was bis heute nicht der Fall ist.<\/p>\n<p><strong>Ein kurzer R\u00fcckblick auf die Umleitung<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeiten f\u00fcr die Umleitung des Arroyo Bruno begannen 2016, im Rahmen des Projektes P40, mit dem Cerrej\u00f3n die Produktion von 32 auf 40 Millionen Tonnen pro Jahr ausdehnen will. 2016 haben drei Wayuugemeinschaften eine Klage beim Verfassungsgericht gegen die Umleitung eingereicht. Das Verfassungsgericht f\u00e4llte sein Urteil am 28. November 2017, ver\u00f6ffentlichte an jenem Tag aber nur ein Communiqu\u00e9, in dem es zehn Fragen zur Biodiversit\u00e4t und zur Verf\u00fcgbarkeit von Wasser formulierte[1]. Diese Fragen sollten an einem interinstitutionellen Verhandlungstisch unter Beteiligung der betroffenen Gemeinschaften und unabh\u00e4ngiger Experten er\u00f6rtert werden, und die Beantwortung dieser Fragen soll zum Entscheid f\u00fchren, ob der Arroyo Bruno umgeleitet werden kann oder nicht. In der Zwischenzeit m\u00fcssen die Arbeiten ruhen. Bis zur \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung vom 9. Juli 2019 wurde den Gemeinschaften und den Experten jedoch nie wirklich Mitsprache am Verhandlungstisch einger\u00e4umt. Der interinstitutionelle Verhandlungstisch wurde im Mai 2016 vom Gericht in Riohacha angeordnet und vom Staatsrat best\u00e4tigt, um die Rechte der Gemeinschaften entlang des Arroyo Bruno zu sch\u00fctzen. Der Tisch arbeitete lange Zeit ohne die Beteiligung der Gemeinschaften. F\u00fcr eine weitere Runde des Verhandlungstisches am 5. und 6. Juni 2019 wurden die Gemeinschaftsvertreter per Mail und ohne vorg\u00e4ngige Terminabsprache nur zehn Tage vorher eingeladen. Sie nahmen trotzdem teil und protestierten gegen die bisherige fehlende Beteiligung und gegen all die (Vor-)Entscheidungen, die schon getroffen worden waren. Insbesondere forderten die Gemeinschaften Mitsprache bei der Entscheidung, den nat\u00fcrlichen Flusslauf wieder herzustellen, das ist der achte Punkt des Urteils SU-689\/17[2]. Die Experten konnten wegen der kurzfristigen Einladung an diesem Verhandlungstisch nicht teilnehmen. Das Umweltministerium und Cerrej\u00f3n missachten dadurch die Anweisungen des Verfassungsgerichtes, wonach die Gemeinschaften und Experten, die an der Klage beteiligt waren, Teil des Verhandlungstisches sein m\u00fcssen. Am 5. Juni wurden die Vorschl\u00e4ge und Forderungen der Gemeinschaften zwar angenommen, aber mit der Einschr\u00e4nkung, dass die Entscheidung \u00fcber die \u00d6ffnung der Sperre bei den Umweltbeh\u00f6rden liege, d.h. die Meinung der Gemeinschaften und der unabh\u00e4ngigen Experten z\u00e4hlen weniger. Zudem hatten die Gemeinschaftsvertreter zu ihrer grossen \u00dcberraschung erfahren, dass der Verhandlungstisch schon fr\u00fcher eine Entscheidung bez\u00fcglich des achten Punktes getroffen hatte, n\u00e4mlich die hydraulische Barriere aufgrund technischer und wirtschaftlicher \u00dcberlegungen nicht zu beseitigen. Dieser Entscheid wurde ohne Konsultation der klagenden Gemeinschaften getroffen. Noch zu Beginn des Treffens vom 5. Juni sagte der Jurist des Umweltministeriums, dass der Tisch bisher keine weitreichenden Entscheidungen getroffen habe. Am 6. Juni fand eine Begehung des umgeleiteten Teilst\u00fcckes statt, es zeigte sich dabei, dass der neue Lauf praktisch trocken war und eine Begehung mit mehr Beh\u00f6rden und Experten n\u00f6tig ist.[3]<\/p>\n<p>Das Verfassungsgericht hat im Rahmen der Revision der Grundrechtsklage (tutela) mit dem Beschluss 419 vom 9. August 2017 schon provisorische Schutzmassnahmen erlassen, da die Arbeiten an der Umleitung des Arroyo Bruno fortschritten und verhindert werden sollte, dass ein allf\u00e4lliges Urteil gegen die Umleitung gar keinen Effekt mehr haben k\u00f6nnte. Die provisorische Massnahme besteht darin, alle materiellen Handlungen im Zusammenhang mit der Ausf\u00fchrung der Umleitung des Arroyo Bruno zu suspendieren, was spezifisch bedeutet, das Fortschreiten des Pits La Puente Richtung des Gebiets des nat\u00fcrlichen Verlaufs des Arroyo Bruno sowie Aktivit\u00e4ten wie die Beseitigung der Vegetation des nat\u00fcrlichen Laufs sowie des benachbarten Grundwasservorkommens zu unterbrechen. Diese Suspension betreffe aber nicht Arbeiten zum Unterhalt, Stabilisierung und Schutz des neuen, k\u00fcnstlichen Verlaufes, f\u00fcr dessen gutes Funktionieren Carbones del Cerrej\u00f3n zust\u00e4ndig ist.[4]<\/p>\n<p>Das Urteil SU698\/17 wurde am 28. November 2017 gef\u00e4llt, aber erst am 24. Januar 2019 ver\u00f6ffentlicht. Das Verfassungsgericht verf\u00fcgte unter anderem: 4. Der interinstitutionelle Verhandlungstisch soll den Vertretern der klagenden Gemeinschaften und den Institutionen und technischen Beratern die im Prozess intervenierten, eine gen\u00fcgende Teilnahme erm\u00f6glichen. 5. Der Tisch soll eine umfassende technische Studie erarbeiten bez\u00fcglich der aufgeworfenen Fragen und Ungewissheiten, um \u00fcber die Umweltvertr\u00e4glichkeit der Umleitung abschliessend entscheiden zu k\u00f6nnen. 6. Die Resultate dieser Studie m\u00fcssen in den g\u00fcltigen Umweltmanagementplan aufgenommen werden. 7. Sobald der Umweltmanagementplan angepasst worden ist, soll Cerrej\u00f3n umgehend Massnahmen zur Pr\u00e4vention, Milderung, Beseitigung und Kompensation der sozialen und Umweltfolgen der Umleitung ergreifen und den Tisch \u00fcber die Umsetzung informieren. 8. Der Tisch soll als provisorische Massnahme dar\u00fcber entscheiden, ob das Wasser wieder dem nat\u00fcrlichen Lauf folgen soll, w\u00e4hrend die technische Studie des Punkts 5 gemacht wird; dieser Entscheid soll 30 Tage nach Er\u00f6ffnung dieses Urteils gef\u00e4llt werden. 9. W\u00e4hrend die vorg\u00e4ngigen Punkte erf\u00fcllt werden, soll die Suspension der Arbeiten am Projekt bestehen bleiben, wie es der Beschluss 419 vom 9. August 2017 ausf\u00fchrte.[5]<\/p>\n<p>Aus dem Urteil leitete Cerrej\u00f3n das Recht ab, die Umleitung zu beenden, solange sie den Pit La Puente nicht weiterbetreibt. F\u00fcr die klagenden Gemeinschaften und ihre Berater und Experten war hingegen klar, dass die Umleitung nicht vollzogen werden soll, bis zu einem endg\u00fcltigen Entscheid dar\u00fcber durch den interinstitutionellen Verhandlungstisch. Das Problem ist, dass durch die erfolgte Umleitung vermutlich schon nicht wieder gutzumachende Sch\u00e4den entstanden sind, und weiterhin nicht entschieden wurde, die hydraulische Barriere zu beseitigen und das Wasser wieder in den urspr\u00fcnglichen Lauf fliessen zu lassen, respektive dass Cerrej\u00f3n und die Beh\u00f6rden hinter verschlossenen T\u00fcren beschlossen haben, die Sperre nicht wieder zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><strong>Die Begehung des Arroyo Bruno<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den 8. Juli 2019 konnte vorg\u00e4ngig zur \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung eine Begehung des Arroyo Bruno vereinbart werden. Es nahmen verschiedene Institutionen wie Aufsichtsbeh\u00f6rden, die Beh\u00f6rde f\u00fcr Umweltlizenzen ANLA sowie weitere Umweltbeh\u00f6rden, unabh\u00e4ngige ExpertInnen und ProfessorInnen, Gemeinschaftsvertreter und NGO, sowie Ingenieure des Cerrej\u00f3n teil. Zu Beginn gab es eine lange Instruktion, dass wir m\u00f6glichst wenig Pflanzen niedertreten sollen sowie auf Tiere wie Schlangen achten sollen. Cerrej\u00f3n entwaldet zehntausende Hektaren, wir sollen aber nicht auf die Pfl\u00e4nzchen treten. Was f\u00fcr ein Zynismus! Dann begaben wir uns zuerst zur Barriere, die konstruiert wurde, um zu verhindern, dass das Grundwasser weiter in die Minengrube eindringen kann. Dort sah man auch den Rest des urspr\u00fcnglichen Flusslaufes, der noch stark bewaldet ist. Dann begaben wir uns zum Ort, wo der alte Lauf in den neuen m\u00fcndet. Im Restst\u00fcck des urspr\u00fcnglichen Laufes hatte es nur noch wenig fauliges Wasser. Es gab eine grosse Diskussion zwischen den unabh\u00e4ngigen ExpertInnen und den Gemeinschaftsvertretern einerseits und Cerrej\u00f3n andererseits dar\u00fcber, ob der Arroyo Bruno permanent oder saisonal war. Gem\u00e4ss Zahlen des IDEAM, die Julio Fierro studiert hat, war der Bruno bis 2007 permanent, dann kam der Pit n\u00e4her und er ist seither nicht mehr ganzj\u00e4hrig. Im aktuellen Moment fliesst anscheinend auch der Rancheria nicht mehr bis ganz ans Meer, und das obwohl es noch geregnet hatte. Interessant zu beobachten waren die Meinungsverschiedenheiten zwischen den lokalen BewohnerInnen und ihren Erinnerungen einerseits und dem auf Dokumenten und Karten beruhendem Wissen der \u201eExperten\u201c des Cerrej\u00f3n. So wurde heftig diskutiert, wo welche Finca war, was welche Auswirkung hatte und wie viel Wasser der Arroyo f\u00fchrte. Beispielsweise sagte Cerrej\u00f3n, die K\u00fche h\u00e4tten die Ufer des Arroyo Bruno fr\u00fcher besch\u00e4digt. Nun sind also K\u00fche verantwortlich f\u00fcr Sch\u00e4den, nicht Cerrej\u00f3n!<\/p>\n<p>Dann liefen wir dem neuen Flusslauf entlang, dieser hat erst wenig Vegetation, hat weite Kurven und ist recht breit, in grossen Teilen ist er quasi in den Fels gehauen. Cerrej\u00f3n zeigte Aufforstungen, jedes B\u00e4umchen hat einen Zettel mit Nummer, die computer- und satelliten\u00fcberwacht sind. Wiederum gibt es Diskussionen ob die B\u00e4ume nat\u00fcrlich wuchsen oder von Cerrej\u00f3n gepflanzt wurden. Nur an wenigen Stellen gibt es etwas Wasser, das vom Grundwasser stammt, aber kein wirklich fliessendes Wasser. \u00dcber weite Strecken ist der Fluss v\u00f6llig ausgetrocknet. Julio Fierro ist der Meinung, dass der neue Verlauf mit dem urspr\u00fcnglichen absolut nichts gemeinsam hat, und dass viele entstandene Sch\u00e4den schon unwiderruflich sind. Auch der urspr\u00fcngliche, nat\u00fcrliche Lauf ist trocken, verf\u00fcgt aber noch \u00fcber \u00fcppige Vegetation, wobei erste B\u00e4ume absterben. Die unabh\u00e4ngigen Experten vertreten die Ansicht, dass der Arroyo Bruno Gefahr laufe, ganz zu verschwinden. Nach der Begehung gingen wir nach El Rocio, an den Oberlauf, wo der Fluss Wasser f\u00fchrt, und wo man herrlich baden kann. Dort fand eine Besprechung des Erlebten statt.<\/p>\n<p><strong>Die \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung vom 9. Juli 2019[6]<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung \u201ePor la desviaci\u00f3n del arroyo Bruno y la crisis humanitaria en La Guajira\u201d in Riohacha vom Dienstag 9. Juli 2019 wurde von den drei NGO CINEP, CENSAT und CAJAR organisiert und von den ParlamentarierInnen Aida Avella, Jorge Robledo, Feliciano Valencia, Iv\u00e1n Cepeda, Alberto Castilla und Alexander L\u00f3pez unterst\u00fctzt. Es ging um die Umleitung des Arroyo Bruno und die Umsetzung des Urteils des Verfassungsgerichts vom 28. November 2017. Physisch anwesend waren die Senatoren Jorge Enrique Robledo und Feliciano Valencia, sowie verschiedenste staatliche Stellen, vom Vizeinnenminister bis zu Corpoguajira, unabh\u00e4ngige ExpertInnen und Anw\u00e4ltInnen sowie viele Gemeinschaftsvertreter aus La Gran Parada, Paradero, El Rocio, Charito, Tabaco, Caracoli etc. Robledo[7] begann seine Intervention mit dem Schlagwort Miner\u00eda si, pero no as\u00ed. Bergbau sei notwendig f\u00fcr das moderne Leben, aber es brauche eine harmonische Entwicklung, mit Campesinos, Indigenen und auch unternehmerischer Entwicklung. Es soll investiert werden, aber gut. Er sei kein Feind von Unternehmen und Ausl\u00e4ndern, betont Robledo. In Bezug auf Wasser m\u00fcsse am dringlichsten der menschliche Konsum sichergestellt werden. Die Guajira sei eine Halbw\u00fcste und die Probleme w\u00fcrden sich mit dem Klimawandel weiter versch\u00e4rfen. Der Arroyo Bruno ist ein wichtiger Fluss, einer der wichtigsten Zubringer f\u00fcr den Rio Rancher\u00eda. Der Rancher\u00eda erreiche im Moment das Meer nicht, sondern versiege vorher.<\/p>\n<p>Der interinstitutionelle Tisch brauche eine breite Teilnahme der betroffenen Gemeinschaften, die geklagt hatten. Der Tisch solle auf der Grundlage technischer Studien das letzte Wort \u00fcber die Umleitung haben. Der Bruno liege heute im Sterben, so Robledo. Das Urteil besage, dass der Wasserfluss im urspr\u00fcnglichen Bett wieder hergestellt werden m\u00fcsse, w\u00e4hrend die Studien gemacht w\u00fcrden, und auch die Arbeiten am Pit La Puente m\u00fcssten suspendiert werden. Cerrej\u00f3n habe dieses Urteil missachtet. Robledo spricht sich f\u00fcr eine massive und friedliche Mobilisierung aus, jeder Guajiro solle sich als Teil des Arroyo Bruno f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Der Geologe Julio Fierro zeigte sich in seinen Ausf\u00fchrungen entt\u00e4uscht \u00fcber die schwachen Argumente der Beh\u00f6rden. Er habe von den Umwelt- und Kontrollbeh\u00f6rden wesentlich konkretere Ausf\u00fchrungen und technische Argumente erwartet. Er pr\u00e4sentierte verschiedene Grafiken und \u00dcberlegungen, die darauf hinweisen, dass die technischen Studien des Cerrej\u00f3n f\u00fcr die Umleitung v\u00f6llig ungen\u00fcgend waren und die Umweltbeh\u00f6rden leichtfertig die Bewilligung erteilten. Beispielsweise sei die geologische Verwerfung \u201eCerrej\u00f3n\u201c zu wenig genau studiert worden und wie diese sich zusammen mit der Umleitung auf den Wasserhaushalt auswirkt. Ebenso sei keine umfassende hydrogeologische Studie des ganzen Einzugsgebietes der Arroyo Bruno gemacht worden. F\u00fcr ein detailliertes Monitoring des Wasserabflusses des Arroyo im unteren Teil fehlen Messstationen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum. Die offiziellen Messdaten der Umweltbeh\u00f6rden belegen aber, dass der Arroyo bis 2007 nie ganz austrocknete. Fierro f\u00fchrte dann weitere Sch\u00e4den, die der Pit La Puente schon verursacht hat auf: knapp 20 Kilometer Fluss- und Bachl\u00e4ufe und gegen 1000 Hektaren saisonal \u00fcberschwemmtes Land wurden zerst\u00f6rt, ebenso wie gut 40 Kilometer Strassen und Wege.<\/p>\n<p>Rosa Maria vom CAJAR betonte, dass dieses Urteil nicht blosses Papier bleiben d\u00fcrfe, wie so viele andere Urteile. Die Grenze der Kohleausbeutung sei erreicht, angesichts all der kranken Personen und der negativen Auswirkungen. Die zehn Ungewissheiten die das Verfassungsgericht anf\u00fchrt seien eigentlich der Beweis f\u00fcr den Schaden, den Cerrej\u00f3n anrichtet hat. Cerrej\u00f3n mache eine missbr\u00e4uchliche, falsche Auslegung des Urteils. Die Gemeinschaften wollen einen fairen Dialog. Sie schliesst mit der Frage, wovor Cerrej\u00f3n denn Angst habe?<\/p>\n<p>Die Staatsvertreter, vor allem der Vizeinnenminister, betonen dass das Urteil buchstabengetreu umgesetzt werde. Robledo kritisiert, dass der Staat die Teilnahme der Gemeinschaften aus welchem Grund auch immer nicht erweitert habe. Es entbrannte ein Streit dar\u00fcber, ob die Stimme der betroffenen Gemeinschaften zwingend Eingang in den Entscheid \u00fcber die Umleitung finden m\u00fcsse oder nicht. Letzteres ist die Haltung der Beh\u00f6rden, was zu w\u00fctenden Reaktionen der Gemeinschaften f\u00fchrte. Der Vizeinnenminister betont, dass die Teilnahme der Regierungsvertreter an der \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung nicht gesetzlich zwingend sei, dass sie aber auf Anordnung des Pr\u00e4sidenten hier seien, abgesandt vom obersten Regierungsniveau, und dass sie sich genau an die Auslegung des Verfassungsgerichts halten w\u00fcrden. In diesem Moment wird der Vizeinnenminister ausgepfiffen, niedergeschrien. Der Vizeinnenminister wird immer energischer, dass diese Regierung Ank\u00fcndigungen einhalten w\u00fcrde, dass die Royalties die Cerrej\u00f3n bezahle die Gesundheit etc. bezahlen w\u00fcrde, da wird er wieder niedergeschrien, Raus Dieb! Fuera Ladr\u00f3n! Schreit das Publikum. Er schreit, er werde die Zeit bleiben, die notwendig sei um zuzuh\u00f6ren, und wenn es unerf\u00fcllte Versprechen gebe, sollen sie sagen wo, dann werde man damit beginnen. Diese sei eine Regierung die Zugesagtes erf\u00fclle. Er wolle Einigungen, gegenseitiges Verst\u00e4ndnis, keine Mobilisierungen. Vertreter der Umweltbeh\u00f6rden und von Cerrej\u00f3n erkl\u00e4rten dann, dass eine R\u00fcckg\u00e4ngigmachung der Umleitung fast nicht mehr m\u00f6glich sei, da nicht nur der Flusslauf umgeleitet worden sei, sondern auch die grundwasserf\u00fchrenden Schichten beim alten Flusslauf undurchl\u00e4ssig gemacht worden seien. Das sei nur schwer und mit neuen Risiken f\u00fcr die Umwelt wieder aufzuheben. Sowohl Senator Robledo wie auch Gemeinschaftsvertreter zeigten sich ungl\u00e4ubig und emp\u00f6rt \u00fcber diese Aussagen.<\/p>\n<p>Die Gemeinschaftsvertreter beklagen bitter die Sch\u00e4den, die von gut 30 Jahren Bergbau verursacht wurden, wie sie von Cerrej\u00f3n nicht respektiert werden, wie das Projekt ihnen aufgezw\u00e4ngt wurde. Verschiedene Gemeinschaftsvertreter betonten, dass der Arroyo Bruno fr\u00fcher immer das ganze Jahr Wasser gehabt habe und dass er wegen den Mine nun austrockne. Ebenso wurden die vielen (Todes-)Drohungen denunziert. Insgesamt waren die Vertreter von Cerrej\u00f3n und vom Staat in der Defensive. Die organisierenden NGO erreichten eine erfreulich breite Medienberichterstattung[8] und viel Echo in sozialen Medien. Was diese Anh\u00f6rung l\u00e4ngerfristig f\u00fcr Auswirkungen zeitigt, muss sich noch zeigen. Im Umfeld der Anh\u00f6rung gab es neue schwere Drohungen gegen F\u00fchrungspersonen die an der Anh\u00f6rung auftraten und am 19. Juli 2019 f\u00fchrten Cerrej\u00f3n und Beh\u00f6rden einen weiteren interinstitutionellen Verhandlungstisch durch, ohne dass die Gemeinschaften und unabh\u00e4ngigen Experten eingeladen worden w\u00e4ren. Dabei wurde \u00fcber die Methodologie des Tisches beschlossen. Es scheint also als seien Cerrej\u00f3n wie die kolumbianische Regierung nicht lernf\u00e4hig und willens, das Urteil des Verfassungsgerichts zu respektieren.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn1\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/comunicados\/No.%2058%20comunicado%2028%20y%2029%20de%20noviembre%20de%202017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/comunicados\/No.%2058%20comunicado%2028%20y%2029%20de%20noviembre%20de%202017.pdf<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_ftn2\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/relatoria\/2017\/SU698-17.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/relatoria\/2017\/SU698-17.htm<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_ftn3\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref3\">[3]<\/a><b> Guajira: Mantienen desv\u00edo del Arroyo Bruno a pesar de orden de Corte Constitucional de consultar a comunidades afectadas, 8. <\/b><b>Juli 2019, in:<\/b> <a href=\"https:\/\/londonminingnetwork.org\/2019\/07\/british-multinational-disobeys-colombian-court-order-to-exploit-water-source\/\">https:\/\/londonminingnetwork.org\/2019\/07\/british-multinational-disobeys-colombian-court-order-to-exploit-water-source\/<\/a><b>; <\/b>\u00a0<a href=\"http:\/\/londonminingnetwork.org\/2019\/07\/mining-company-disregards-colombias-constitutional-court-to-exploit-bruno-river\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/londonminingnetwork.org\/2019\/07\/mining-company-disregards-colombias-constitutional-court-to-exploit-bruno-river\/<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_ftn4\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref4\">[4]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/relatoria\/autos\/2017\/a419-17.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/relatoria\/autos\/2017\/a419-17.htm<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_ftn5\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref5\">[5]<\/a> Urteil des Verfassungsgerichts SU-698\/17 vom 28. November 2017, S. 163\/164, <a href=\"http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/relatoria\/2017\/SU698-17.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.corteconstitucional.gov.co\/relatoria\/2017\/SU698-17.htm<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_ftn6\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref6\">[6]<\/a> Diese Ausf\u00fchrungen beruhen auf Notizen der Teilnahme an der Anh\u00f6rung sowie von einigen Pr\u00e4sentationen die gezeigt wurden.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn7\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref7\">[7]<\/a> <a href=\"https:\/\/jorgerobledo.com\/gobierno-de-duque-debe-proteger-al-arroyo-bruno-y-todos-los-recursos-hidricos-de-la-guajira-senador-robledo\/\">https:\/\/jorgerobledo.com\/gobierno-de-duque-debe-proteger-al-arroyo-bruno-y-todos-los-recursos-hidricos-de-la-guajira-senador-robledo\/<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_ftn8\" href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/reisebericht-arroyo-bruno\/#_ftnref8\">[8]<\/a> Als Beispiel: <a href=\"https:\/\/www.elheraldo.co\/la-guajira\/que-se-frene-el-desvio-de-arroyo-bruno-el-clamor-wayuu-648320\">https:\/\/www.elheraldo.co\/la-guajira\/que-se-frene-el-desvio-de-arroyo-bruno-el-clamor-wayuu-648320<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/MB-7-2019-Umleitung-Arroyo-Bruno-Anh\u00f6rung-web.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/a5ddb56dac1.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/6c3e3fec751.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/6a20abb7571.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/2a8825b6381.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/0455ce91431.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/0c50929da11.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cerrej\u00f3n missachtet ein Urteil des Verfassungsgerichtes und richtet nicht wieder gut zu machenden Schaden an. Einer der vielen Konflikte zwischen den Gemeinschaften im Einflussbereich der Kohlenmine El Cerrej\u00f3n und dem Minenunternehmen ist die Umleitung des Flusses Arroyo Bruno und die Erweiterung des Minenabschnittes La Puente. Auf meiner Dienstreise im Juli 2019 hatte ich zusammen mit weiteren internationalen BeobachterInnen aus den USA, Italien und Grossbritannien Gelegenheit, die Flussumleitung zu besichtigen und einer \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung zur Umleitung und zur Umsetzung des Urteils des Verfassungsgerichtes vom 24. Januar 2919 beizuwohnen. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":5478,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[27,28,25],"tags":[],"class_list":["post-5467","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-natuerliche-ressourcen-energie-und-infrastruktur","category-rohstoffe-und-infrastruktur","category-schweizer-unternehmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5467"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5467\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5483,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5467\/revisions\/5483"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}