{"id":5260,"date":"2009-12-20T09:10:00","date_gmt":"2009-12-20T08:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=5260"},"modified":"2019-11-20T09:22:02","modified_gmt":"2019-11-20T08:22:02","slug":"holcim-vom-geschaeft-mit-kiesgruben-mitten-in-bogota","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/wirtschaft-menschenrechte\/schweizer-unternehmen\/rohstoffe-und-infrastruktur\/holcim-vom-geschaeft-mit-kiesgruben-mitten-in-bogota","title":{"rendered":"Holcim \u2013 Vom Gesch\u00e4ft mit Kiesgruben mitten in Bogot\u00e1"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von Stephan Suhner<br \/> <\/em><\/p>\n<p>Im S\u00fcden von Bogot\u00e1, in Ciudad Bol\u00edvar, betreibt Holcim eine Kiesgrube. Dieser Materialabbau f\u00fchrt in diesem dicht besiedelten Gebiet zu massiven Umwelt- und Gesundheitsproblemen f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung. Verschlimmert hat sich die Situation, als der Fluss Tunjuelo 2002 \u00fcber die Ufer trat und die Kiesgruben \u00fcberflutete (die ask! berichtete). Zur\u00fcck blieben \u00fcbel riechende \u201eBaggerseen\u201c, und bis heute streiten sich Stadt und Bergbaukonzerne \u00fcber die Folgekosten. Cemex und Holcim haben Anfang 2009 eine Ausdehnung der Abbauaktivit\u00e4ten beantragt. In Ciudad Bol\u00edvar w\u00e4chst jedoch der Widerstand gegen diese Bergbauaktivit\u00e4ten mitten in der Stadt.<\/p>\n<p>In den 50er Jahren wurde in der N\u00e4he des Flusses Tunjuelo das erste Mal Material abgebaut, in kleinem Stil f\u00fcr umliegende Bauprojekte. Damals war der Tunjuelo noch ein frei fliessender Fluss mit vielen M\u00e4andern, und nicht der eingekesselte Kanal von heute, der gerade durch die Stadt fliesst. Ende der 60er Jahre war der Abbau schon deutlich fortgeschritten, mit tiefen Gruben, und sp\u00e4ter kamen sogar Internationale Zementkonzerne wie Holcim und Cemex dazu. Der Fluss begann bald das Gesch\u00e4ft zu st\u00f6ren und wurde kanalisiert. Nach un\u00fcblichen starken Regenf\u00e4llen im P\u00e1ramo Sumapaz trat der Tunjuelo im Jahr 2002 \u00fcber die Ufer und flutete &#8211; welche Ironie &#8211; die Kiesgruben der Zementwerke, die seinen Lauf so stark beeinflusst hatten. Die Firmen haben den Distrikt Bogot\u00e1 auf Schadenersatz von 400 Milliarden Pesos verklagt. Die Direktion f\u00fcr die Pr\u00e4vention von Katastrophen von Bogot\u00e1 hatte zwischen 1998 und 2007 alleine in Ciudad Bol\u00edvar 11 Milliarden Pesos zur Stabilisierung von Kies- und Lehmgruben ausgegeben, w\u00e4hrend die Einnahmen des Distrikts aus den Bergbautantiemen lediglich 1,3 Mia. betrugen.<\/p>\n<p>Eine Stadtrat von Bogot\u00e1 verlangt nun, Bergbauaktivit\u00e4ten in urbanen Zonen zu verbieten. In keiner anderen Hauptstadt Lateinamerikas gebe es derart grosse Bergbauaktivit\u00e4ten wie in Bogot\u00e1. Experten des Distrikts und auch unabh\u00e4ngige Gutachten kamen zum Schluss, dass die W\u00e4nde (taludes) der Minen und Kiesgruben extrem instabil seien und bei starken Regenf\u00e4llen zu einer Gefahr w\u00fcrden. Spezielle Sorge bereitet den Verantwortlichen die Situation bei einem grossen Erdbeben, wo grosse Erdrutsche zu erwarten w\u00e4ren, m\u00f6glicherweise mit Tausenden von betroffenen H\u00e4usern. In Villa Jaqui gab es im Mai 2009 einen Erdrutsch, in unmittelbarer Umgebung der Kiesgruben von Holcim und Cemex. Zwei Hauptverkehrsachsen die Bogot\u00e1 mit dem S\u00fcden und S\u00fcdosten des Landes verbinden, liegen nur ca. 50 Meter von den einsturzgef\u00e4hrdeten Grubenw\u00e4nden entfernt. Der besagte Stadtrat sagt, dass ein Verbot der Kiesgewinnung in Ciudad Bolivar kein Problem w\u00e4re und sich die Kosten f\u00fcr die Bauwirtschaft nicht erh\u00f6hen w\u00fcrden, da genug Material in den Llanos orientales gewonnen werden k\u00f6nne und der Transport nach Bogot\u00e1 nicht ins Gewicht falle.<\/p>\n<p>Die Fundaci\u00f3n San Antonio, Cemex und Holcim wollen demgegen\u00fcber den Abbau von Sand und Kies ausdehnen und verlangen eine Ausdehnung des &#8222;parque minero&#8220; um 98 Hektaren (von 319 auf 417 Ha), um weitere 350 Mio. Kubikmeter Material abzubauen. Obwohl die Bev\u00f6lkerung dagegen opponiert, hat das Projekt fast alle notwendigen Zustimmungen erhalten. Das Umweltministerium hat seinen Zustimmung gegeben, ebenso erteilte die Bergbaubeh\u00f6rde Ingeominas den notwendigen Bergbautitel. Das Verteidigungsministerium war sogar bereit, die Artillerieschule zu verlegen, da sich unter diesem Grundst\u00fcck des Verteidigungsministeriums der Hauptteil des begehrten Materials befindet. Einzig ein Memorandum of Understanding zwischen dem B\u00fcrgermeisteramt und den drei Firmen fehlt noch: die Stadt verlangt, dass die Firmen zuerst die Schadenersatzklagen wegen der \u00dcberschwemmung 2002 zur\u00fcckziehen sollen, bevor sie die Einwilligung geben werde. Die Firmen beharren darauf, dass sie zuerst die Bewilligung wollen, und erst dann die Klagen fallen lassen w\u00fcrden. Die Firmen lehnen auch die Bedingung der Stadt ab, dass 5% des abgebauten Materials gespendet werden soll, um die Strassen dieses Stadtteils zu unterhalten. Sie seien lediglich bereit, es der Stadt billig zu verkaufen. Die Firmen sind ebenfalls nicht bereit, den Distrikt f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Folgen der \u00dcberschwemmung (Insektenplage, \u00fcble Ger\u00fcche, Krankheiten) zu entsch\u00e4digen, das sei Aufgabe des Staates. Tatsache ist, dass der Staat seine Aufsichtspflicht verletzt hat und deshalb der Tunjuelo Fluss zu stark gesch\u00e4digt wurde, so dass es zur Katastrophe kommen konnte. Andererseits haben die Firmen diese Arbeiten am Fluss aus Profitgier durchgef\u00fchrt und habe so die Sch\u00e4den direkt verursacht. Der Distrikt verlangt auch, dass gewisse Umweltauflagen erf\u00fcllt w\u00fcrden, die ein umfassendes Umweltmanagement des Tunjuelo Fluss erm\u00f6glichen w\u00fcrden. Die Firmen m\u00fcssen einen Umweltmanagementplan vorlegen. Kritiker des Ausbaus der Kiesgruben bem\u00e4ngeln, dass der Distrikt lediglich von den Unternehmen verlange, was diese gem\u00e4ss Gesetz sowieso tun m\u00fcssten. Der weitere Materialabbau h\u00e4tte auch eine erneute Verschiebung des Flusslaufes zur Folge.<\/p>\n<p>Stadtr\u00e4te vom Polo Democr\u00e1tico und der Gr\u00fcnen Partei wehren sich zusammen mit der organisierten Bev\u00f6lkerung gegen den weiteren Abbau, bisher mit m\u00e4ssigem Erfolg. Die Regierung setzt voll auf den Bergbau f\u00fcr die Entwicklung und hat mit \u00c4nderungen am Bergbaugesetz die Bergbauaktivit\u00e4t in st\u00e4dtischem Gebiet erm\u00f6glicht und viele bisherige Aktivit\u00e4ten legalisiert. Viele Leute fragen sich, wie eine linke Stadtregierung diesen Abbau von Materialien weiter toleriert, wenn man die bescheidenen Einnahmen und die hohen Risiken und Folgekosten bedenkt. Die Distrikt- oder Stadtregierung sei auch nicht gezwungen, die Forderungen des Konzerne einfach so zu schlucken: unabh\u00e4ngige Experten sind der Meinung, dass die Stadt die gegen sie gerichteten Schadenersatzklagen gewinnen k\u00f6nne. Zudem wird aktuell der Zonenplan \u00fcberarbeitet, und das Verfassungsgericht hat in einem Urteil klar festgehalten, dass St\u00e4dte Bergbau im urbanen Gebiet verbieten d\u00fcrfen. Die \u00dcberarbeitung des Zonenplanes w\u00e4re also eine gute Gelegenheit. Zudem handelt es sich bei der Fl\u00e4che, die nun f\u00fcr die Ausdehnung der Kiesgruben verwendet wird, um eine wertvolle Reservefl\u00e4che f\u00fcr sozialen Wohnungsbau. Schlimmer noch: die Artillerieschule muss umziehen und wird an einen Ort gehen, wo eigentlich genau Sozialwohnungen geplant w\u00e4ren, die der S\u00fcden von Bogot\u00e1 so dringend ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die Bewohner in Ciudad Bol\u00edvar bef\u00fcrchten aber nicht nur Erdrutsche, sondern leiden auch unter der Umweltverschmutzung, v.a. unter Staubbelastung. Es sei aber ausserordentlich schwierig, die Krankheitsgeschichten der lokalen Bev\u00f6lkerung zu erhalten, um R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Ursachen diverser Krankheiten ziehen zu k\u00f6nnen. Ein Teil der Kiesgruben ist immer noch \u00fcberflutet, die Insektenplage und damit die Krankheiten in der Bev\u00f6lkerung bleiben bestehen. Zudem leiden die H\u00e4user unter der Absenkung des Bodens, viele sind einsturzgef\u00e4hrdet, und auch die Strassen sind in einem schlechten Zustand. Diese Sedimentschichten des Tunjuelo Flusses sind f\u00fcr die Grundwasserversorgung wichtig, habe durch die tiefen Gruben diese Funktion aber schon zu einem grossen Teil eingeb\u00fcsst. Zudem w\u00fcrden 90% der Bauaktivit\u00e4ten mit Materialien aus Ciudad Bolivar get\u00e4tigt, aber die lokalen Anwohner h\u00e4tten keinerlei Nutzen daraus, klagen die Quartierverb\u00e4nde. Ihre Grundbed\u00fcrfnisse seien mehrheitlich ungedeckt, es gebe keine Spielpl\u00e4tze, kaum Freizeiteinrichtungen und ungen\u00fcgende soziale Einrichtungen. Die Bewohner sprechen gegen\u00fcber Reportern nur anonym, aus Angst vor Repressalien. Die Paramilit\u00e4rs scheinen diese Quartiere zu kontrollieren und insbesondere die Arbeiter der Kiesgruben unterstehen einem Pakt des Schweigens. Die Arbeitsbedingungen werden als sehr schlecht beschrieben, mit tiefen L\u00f6hnen, z.T. gibt es Akkordarbeit. Die wenigsten Arbeiter sind durch die Zementkonzerne direkt angestellt, sondern \u00fcber Leih- und Vertragsfirmen, mit dementsprechend schlechten L\u00f6hnen und Sozialleistungen.<\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Holcim_Ciudad_Bolivar_Ausbau1.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/7ec660f6741.jpg&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im S\u00fcden von Bogot\u00e1, in Ciudad Bol\u00edvar, betreibt Holcim eine Kiesgrube. Dieser Materialabbau f\u00fchrt in diesem dicht besiedelten Gebiet zu massiven Umwelt- und Gesundheitsproblemen f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung. Verschlimmert hat sich die Situation, als der Fluss Tunjuelo 2002 \u00fcber die Ufer trat und die Kiesgruben \u00fcberflutete (die ask! berichtete). Zur\u00fcck blieben \u00fcbel riechende \u201eBaggerseen\u201c, und bis heute streiten sich Stadt und Bergbaukonzerne \u00fcber die Folgekosten. Cemex und Holcim haben Anfang 2009 eine Ausdehnung der Abbauaktivit\u00e4ten beantragt. In Ciudad Bol\u00edvar w\u00e4chst jedoch der Widerstand gegen diese Bergbauaktivit\u00e4ten mitten in der Stadt.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":5266,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"class_list":["post-5260","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rohstoffe-und-infrastruktur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5260"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5270,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5260\/revisions\/5270"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}