{"id":5117,"date":"2018-09-30T12:48:00","date_gmt":"2018-09-30T10:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=5117"},"modified":"2019-11-16T13:31:59","modified_gmt":"2019-11-16T12:31:59","slug":"der-kampf-der-kleinbauern-fuer-die-anerkennung-ihrer-rechte-als-politische-subjekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/der-kampf-der-kleinbauern-fuer-die-anerkennung-ihrer-rechte-als-politische-subjekte","title":{"rendered":"Der Kampf der Kleinbauern f\u00fcr die Anerkennung ihrer Rechte als politische Subjekte"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>Von\u00a0Stephan Suhner<\/em><\/p>\n<p><b>Interview mit Eli\u00e9cer Morales von der Kleinbauernvereinigung von Inz\u00e1 und Tierradentro ACIT<\/b><\/p>\n<p><b>Ask:<\/b><span>\u00a0<\/span>Eli\u00e9cer, herzlichen Dank f\u00fcr die Gelegenheit, mit Dir \u00fcber eure Arbeit sprechen zu k\u00f6nnen. Kannst Du Dich und Deine Organisation zu Beginn kurz vorstellen?<\/p>\n<p><b>Eli\u00e9cer:<span>\u00a0<\/span><\/b>Ich bin Eli\u00e9cer Morales aus dem Weiler Guanacas, Gemeinde Inz\u00e1, im Departement Cauca. Ich bin auf Einladung der Familie Cramer von der Association Protierradentro Gen\u00e8ve[1] hier, um \u00fcber verschiedene Initiativen und auch Sorgen der Kleinbauernvereinigung von Inz\u00e1-Tierradentro ACIT zu berichten. Als ACIT sind wir Teil der Mesa Campesina del Cauca, einer Plattform verschiedener Bauernorganisationen, und sind Teil der Cumbre Agraria. Die ACIT ist Teil des Prozesses f\u00fcr die Volkseinheit des S\u00fcdwestens Kolumbiens PUPSOC, in dem Indigene, Campesinos, Lehrer und Studenten, Arbeiter und Quartierkomitees vertreten sind, sowie von ANZORC, dem Nationalen Verband der Kleinbauernreserven (Zonas de Reserva Campesina).<\/p>\n<p>Die Gemeinde Inz\u00e1 ist im n\u00f6rdlichen Teil eher indigen gepr\u00e4gt, mit grossen<i><span>\u00a0<\/span>Resguardos<\/i>, im S\u00fcden eher kleinb\u00e4uerlich, aber beide Gebiete sind nicht ethnisch homogen. Je etwa die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung bezeichnet sich als indigen respektive als kleinb\u00e4uerlich. Wir sind in Inz\u00e1 etwa 15\u2018000 Kleinbauern, wobei nat\u00fcrlich nicht alle gleich involviert sind.<\/p>\n<p><b>Ask:<\/b><span>\u00a0<\/span>Wie ist die ACIT entstanden und was verfolgt sie f\u00fcr Ziele?<\/p>\n<p><b>Eli\u00e9cer:<\/b><span>\u00a0<\/span>Die Kleinbauernbewegung entstand aus den<span>\u00a0<\/span><i>Juntas de Acci\u00f3n Comunal<\/i><span>\u00a0<\/span>heraus, Gr\u00fcndungsjahr ist 1997. Ab den 1990er Jahren setzten wir, eine Gruppe Jugendlicher, auf h\u00f6here Bildung und bewarben uns an \u00f6ffentlichen und privaten Universit\u00e4ten. So kam es, dass wir ca. 40 Junge waren, die in Bogot\u00e1 studierten und \u00a0in einer grossen WG lebten. Bedingung f\u00fcr das Studium war es, nachher in die Region zur\u00fcck zu kehren. Als wir ausgebildet zur\u00fcckkehrten, gelang es uns, die Kleinbauernorganisation zu konsolidieren, so entstand die ACIT. Die ACIT verf\u00fcgt \u00fcber ein zentrales Steuergremium und thematische Komitees. Ein Hauptproblem von Inz\u00e1 ist der Zugang zu Land: 94% der Campesinos verf\u00fcgen \u00fcber weniger als drei Hektaren Land, 63% verf\u00fcgen sogar \u00fcber weniger als eine Hektare. Die Gemeinde umfasst eine Fl\u00e4che von 801 km<sup>2<\/sup>, ein grosser Teil besteht aus Forstreserve, die Gemeinde ist reich an Wasser, es gibt grosse P\u00e1ramos. Die Landfrage ist also sehr komplex. Von der ACIT fordern wie die Schaffung eines Kleinbauernreservates (ZRC). Wir haben uns im Jahr 2000 daf\u00fcr mobilisiert, die Regierung hat zugestimmt und ein Dokument unterzeichnet. Heute, 18 Jahre sp\u00e4ter, haben wir immer noch kein Kleinbauernreservat. Mit der neuen Regierung von Pr\u00e4sident Duque d\u00fcrfte die Einrichtung einer ZRC noch unwahrscheinlicher werden. Geplant w\u00e4re die ZRC auf 70\u2018000 Hektaren, und zwar sowohl Gebiete als Forstreserve wie auch f\u00fcr die landwirtschaftliche Produktion.<\/p>\n<p>Die ACIT beruht auf 4 Prinzipien, die sie bearbeitet und weiterentwickelt.<\/p>\n<p>1)\u00a0\u00a0\u00a0 Identit\u00e4t: dieses Konzept ist f\u00fcr uns sehr wichtig, wir arbeiten kontinuierlich daran. Es geht um die Unsichtbarkeit der Kleinbauern. Die neue Verfassung von 1991 anerkannte die ethnische und kulturelle Vielfalt. Bez\u00fcglich ethnischer Minderheiten und den Indigenen gab es gest\u00fctzt auf die neuen Verfassungsartikel eine positive Entwicklung, mit Autonomie etc. F\u00fcr die Kleinbauern gab es nichts Vergleichbares. Dass die Kleinbauern eher leer ausgingen, hat mit dem damaligen politischen Moment zu tun. Die indigene Guerilla des Quintin Lame und auch das M-19 demobilisierten sich und brachten sich in der Verfassungsgebenden Versammlung ein. Die kleinb\u00e4uerlich dominierte FARC demobilisierte sich nicht, so war das Thema Campesinos auch nicht auf der politischen Agenda. Die Campesinos selbst exponierten sich politisch auch nicht, da sie mit der Patriotischen Union UP soeben einen politischen Genozid erlebt hatten. Gewalt verhindert politische Partizipation. Die ACIT arbeitet also intensiv an der Identit\u00e4t als Campesinos, schon mit den Kindern. Denn die Campesinos drohen auszusterben, u.a. wegen der Freihandelspolitik. Fr\u00fcher wurden Mais, Bohnen, Panela aus Zuckerrohr etc. produziert. Heute wird subventionierter Zucker importiert, der billiger als die heimische Panela ist, und da es Armut gibt, kaufen die Leute den billigeren Importzucker. Panela ist f\u00fcr die Kleinbauern nach Kaffee das zweitwichtigste Produkt.<\/p>\n<p>2)\u00a0\u00a0\u00a0 St\u00e4rkung der Organisation: Dazu arbeiten wir an der Bildung und verfolgen das Projekt der kleinb\u00e4uerlichen Bildung (proyecto de educacci\u00f3n campesina). Es geht darum, eine an die Realit\u00e4t der Campesinos angepasste Bildung zu erarbeiten, nicht nur in Belangen der Produktion, sondern auch bez\u00fcglich Identit\u00e4t, Kultur und Partizipation. Weiter k\u00e4mpfen wir f\u00fcr erleichterten Zugang zu h\u00f6herer Bildung. Ein grosses Anliegen ist uns der Austausch unter Jugendlichen, auch aus anderen L\u00e4ndern, f\u00fcr die Bildung und f\u00fcr den Erfahrungsaustausch. Viele junge Erwachsene machen Freiwilligeneins\u00e4tze bei der ACIT, wir machen gute Erfahrungen damit, denn es hilft, neue Kulturen und Sprachen kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Auch die Kunst ist wichtig, wir haben Schulen f\u00fcr Musik, Tanz und Theater. Ein herausragendes Beispiel f\u00fcr Kultur und Bildung und f\u00fcr die Nutzung der Freiwilligenarbeit ist, dass Inz\u00e1 die beste \u00f6ffentliche Bibliothek des Landes hat. Als wir in Bogot\u00e1 studierten, sammelten wir B\u00fccher f\u00fcr Inz\u00e1, aber wussten am Schluss nicht, wohin damit, es fehlte ein Raum. Schliesslich war die Botschaft Japans bereit, ein Projekt f\u00fcr eine Bibliothek zu finanzieren, zwei Architekturstudenten entwarfen das Geb\u00e4ude. Diese Bibliothek hat mehrere Preise gewonnen, auch Architekturpreise. Die Bibliothek ist aber nicht nur wegen der B\u00fccher wichtig, sondern auch als Ort f\u00fcr kulturelle Veranstaltungen und Versammlungen. Wichtig ist auch die Arbeit im Frauenkomitee zur Pr\u00e4vention famili\u00e4rer Gewalt und zu Genderthemen. Die Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Organisation, \u00fcbernehmen F\u00fchrungsrollen und st\u00e4rken die Identit\u00e4t und die Produktionsprozesse.<\/p>\n<p>3)\u00a0\u00a0\u00a0 Territorialit\u00e4t f\u00fcr die Regierbarkeit ist ebenfalls wichtig, das haben die Kleinbauern schon immer verfolgt. Die landwirtschaftliche Produktion als einer der Kernaufgaben der Kleinbauern soll uns helfen, Ressourcen zu generieren, die Organisation selbsttragend zu machen. Dabei wollen wir auch auf dem Markt bestehen k\u00f6nnen, m\u00f6chten exportieren. So ist Kaffee ein gutes Produkt der Region, aber wir verkaufen an Zwischenh\u00e4ndler oder an Nestl\u00e9. Nestl\u00e9 bezahlt zwar etwas besser, aber wir m\u00f6chten Direktvermarktung, uns schwebt Fairtrade vor. \u00c4hnliches passiert mit verschiedenen Fr\u00fcchten oder der Panela. Wir brauchen Beratung daf\u00fcr, f\u00fcr die Preisgestaltung und um all die Hygienevorschriften einhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Grossen Erfolg haben wir mit Spargruppen. Die Banken n\u00fctzen den Kleinbauern nichts, wenn sie keinen formellen Besitz haben, den sie als Garantie f\u00fcr den Kredit hinterlegen k\u00f6nnen, keine Bank leiht einem so etwas aus. Die Agrarbank ist nur f\u00fcr Grossgrundbesitzer und die Agroindustrie da. So haben wir begonnen, Geld zusammenzutragen und uns gegenseitig kleine Betr\u00e4ge auszuleihen, so bleiben auch die Zinsen in der Gegend und k\u00f6nnen reinvestiert werden. Da man sich kennt und es Vertrauen gibt, ist auch die R\u00fcckzahlungsmoral gut.<\/p>\n<p>4)\u00a0\u00a0\u00a0 Interkulturalit\u00e4t: Dies zu bearbeiten ist wichtig, da es im Cauca verschiedene Konflikte zwischen Afros, Indigenen und Campesinos gibt, v.a. um den Zugang zu Land. Das kann nicht geleugnet werden und muss von uns selbst angegangen werden. So gibt es F\u00e4lle, wo die fr\u00fchere Landreformbeh\u00f6rde INCORA den Kleinbauern Landtitel vergab, und das selbe Land sp\u00e4ter den Indigenen als<i><span>\u00a0<\/span>Resguardo<\/i><span>\u00a0<\/span>zuteilte, und nach 1991 den Afros als kollektiven Landbesitz. Es gibt verschiedene Beispiele solcher Dreifachtitulierungen.<\/p>\n<p><b>Ask:<\/b><span>\u00a0<\/span>Du hast von der St\u00e4rkung der Identit\u00e4t der Campesinos gesprochen, und dass ihre Rechte 1991 zu wenig ber\u00fccksichtigt wurden. Kannst Du das noch etwas ausf\u00fchren?<\/p>\n<p><b>Eli\u00e9cer:<\/b><span>\u00a0<\/span>Eine der wichtigsten Arbeiten ist die Anerkennung der Campesinos als politische Subjekte. Die ACIT hat es geschafft, dass dies heute ein Thema sowohl auf Departements- wie auch nationaler Ebene ist, und Fensuagro und CNA das Anliegen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ausgehend von der Mobilisierung 2013 hat die Mesa Campesina der Regierung vorgeschlagen, sie soll die Campesinos z\u00e4hlen, und wir fragten die Regierung ob sie wisse, wie viele Campesinos es gebe. Die Regierung kannte diese Zahl nicht, wollte die Campesinos aber auch nicht z\u00e4hlen, das sei nicht n\u00f6tig. Unter dem Slogan \u201ePara que el campesino cuente, hay que contarlo\u201c, starteten wir eine Kampagne und reichten eine Grundrechtsklage (Tutela) ein, damit die Frage nach den Campesinos in der Agrarerhebung von 2014 aufgenommen werde. Die Kleinbauernbewegungen wollten eine Frage nach der Selbstdefinition (autoreconocimiento) in der Erhebung haben, aber die Regierung und auch der zust\u00e4ndige Richter f\u00fcr die Tutela sagten alle nein. Ein Argument ist, dass die Campesinos keine Ethnie sind. Klar, wir sind nicht vergleichbar mit Indigenen oder Afros, wir sind keine eigenst\u00e4ndige Ethnie. Artikel 7 der Verfassung sagt aber, dass der Staat die ethnische und kulturelle Vielfalt anerkennen soll, und wir Campesinos sind eine eigene Kultur. Wir von der ACIT haben die Lage analysiert und gemerkt, dass sie in der Erhebung von 2014 keine Frage zu den Campesinos aufnehmen werden. Also f\u00fchrte die ACIT die Kampagne weiter, damit in der n\u00e4chsten Ergebung von 2017 diese Frage aufgenommen wird.<\/p>\n<p>Die Regierung brachte weiter Ausreden, dass es schwierig sei, man solle besser warten bis die UNO-Erkl\u00e4rung f\u00fcr Kleinbauern verabschiedet sei. Die ACIT wollte aber nicht auf diesen externen Druck warten, und schlug vor, selber ein Konzept machen zu lassen, gelangte an das Kolumbianische Institut f\u00fcr Anthropologie und Geschichte ICANH und diese machten eine Studie dar\u00fcber, wie der Campesino definiert werden kann[2]. Diese Definition entstand im Dialog mit den Kleinbauern und wurde an einem Forum verabschiedet. Daraus ergaben sich sieben Fragen, die wichtigste davon: Sie sind Campesino, ja oder nein. Wieder wollte die Regierung von dieser Frage zur Selbstdefinition (autoreconocimiento) nichts wissen, wollte nur Fragen zulassen, welcher Organisation man angeh\u00f6rt und was man produziert. Angesichts dieses fortdauernden Widerstandes der Regierung machte die ACIT erneut eine<span>\u00a0<\/span><i>Tutela<\/i><span>\u00a0<\/span>und sammelte 1770 Unterschriften. Die Tutela wurde im August 2017 eingereicht, der Oberste Gerichtshof urteilte im Februar 2018. Der Oberste Gerichtshof wies die Regierung an, zu pr\u00e4zisieren, was ein Campesino ausmache, und diese Frage m\u00fcsse mit Beteiligung von Campesinos und Akademikern erarbeitet werden. Danach sollten die Campesinos gez\u00e4hlt und ihre sozio\u00f6konomische Situation erfasst werden. Es brauche dann Aktionspl\u00e4ne und ein Follow-up. Es wurde dann unter der Regierung Santos noch ein Konzept erarbeitet, aber es reichte nicht mehr, es umzusetzen. Jetzt mit Duque wird es sicher schwieriger, aber da es ein Urteil des Obersten Gerichtes ist, m\u00fcsste er es umsetzen.<\/p>\n<p>Wir haben auch erreicht, dass die Campesinos endlich eine Vertretung im Innenministerium haben, um ihre Anliegen einzubringen, es gibt dort nun eine Begleitgruppe f\u00fcr die Belange der Campesinos. Santos hat zumindest geholfen, dass diese Begleitgruppe funktionierte und es gab einige Abkommen, nur wenig wurde aber umgesetzt. Mit Duque scheint es, dass es weniger Dialog und Unterst\u00fctzung gibt. Wahrscheinlich m\u00fcssen wir bald wieder einen Agrarstreik machen, um uns Geh\u00f6r zu verschaffen.<\/p>\n<p><b>Ask:<\/b><span>\u00a0<\/span>Was siehst Du sonst f\u00fcr Herausforderungen, z.B. mit der neuen Regierung?<\/p>\n<p><b>Eli\u00e9cer:<\/b><span>\u00a0<\/span>Eine weitere grosse Sorge ist die Implementierung des Abkommens mit den FARC. F\u00fcr einen dauerhaften und stabilen Frieden braucht es die Implementierung des Abkommens mit den FARC und die Fortsetzung der Verhandlungen mit dem ELN, und beides geschieht heute nicht. Wir sind besorgt, dass verschiedene R\u00e4ume, wo wir als Campesinos teilnehmen k\u00f6nnten, nicht mehr einberufen werden. Viele Punkte des Abkommens setzt die Regierung alleine um, macht ein Gesetzesdekret oder einen Plan ohne die Betroffenen zu konsultieren, und dank ihrer Mehrheit im Parlament wird es dann auch verabschiedet. So geschah es z.B. mit dem Spezialplan f\u00fcr die Bildung oder mit der Agrargerichtsbarkeit. F\u00fcr die Umsetzung des ersten Agendapunktes will die ACIT aber k\u00e4mpfen. Das Abkommen sieht vor, dass drei Millionen Hektaren Land an die Kleinbauern, Indigenen und Afros zugeteilt und sieben Millionen Hektaren formalisiert werden. Die ACIT will da vorw\u00e4rts machen mit der Umsetzung, nicht auf die Regierung warten. Z.B. muss man sich in jedem Weiler einschreiben, wenn man beg\u00fcnstigt werden will. Wir werden uns also massiv einschreiben, die Regierung und die Verwaltungsstellen mit Antr\u00e4gen \u00fcberfluten, und wenn sie die Abkommen nicht einhalten, werden wir den Rechtsweg beschreiten.<\/p>\n<p>Im Cauca bereitet uns auch die Umsetzung der Abkommen zur Substitution illegaler Pflanzungen grosse Sorgen. Es wurden schon verschiedene soziale F\u00fchrungsleute in Kokaanbaugebieten ermordet. Der Grund daf\u00fcr ist, dass sie die Probleme mit der Koka sehen und dank dem Abkommen von Havanna aussteigen wollen. Die verschiedenen kriminellen und bewaffneten Gruppen, auch die Kartelle aus Mexiko und sogar die Armee, sie alle verdienen am Drogenhandel und wollen, dass mehr Koka angebaut wird. F\u00fcr h\u00f6here Offiziere ist es eine Belohnung, regionaler Kommandant eines Kokagebietes zu werden, da er sich bereichern kann. Das andere Problem, das Gewalt verursacht, ist der Bergbau, in legaler und illegaler Form. Fr\u00fcher gab es mit den FARC eine Ordnungsmacht, diese fiel weg, und die Mafias sind nur am schnellen Gewinn interessiert, sie wollen keine Ordnung aufrechterhalten. Gegen den legalen Bergbau verteidigen wir die<span>\u00a0<\/span><i>consultas populares<\/i>, die Volksbefragungen, z.B. in La Vega, wo der Entscheid des Gerichts ausstehend ist, um die Frage, ob Bergbau in La Vega verboten werden soll, zu bewilligen. Ein Multi hatte dort Konzessionen, wurde durch den Widerstand der Bev\u00f6lkerung vertrieben, wartet aber auf eine neue Gelegenheit. Im ganzen<span>\u00a0<\/span><i>Macizo<\/i><span>\u00a0<\/span>gibt es sehr viele Bergbaukonzessionen.<\/p>\n<p><span>Erkl\u00e4rung \u00fcber die Rechte der Kleinbauern im UNO Menschenrechtsrat angenommen<\/span><\/p>\n<p>Nach 17 langen und harten Verhandlungsjahren hat der UNO-Menschenrechtsrat am 28. September 2018 die Erkl\u00e4rung \u00fcber die Rechte der Kleinbauern angenommen. 33 L\u00e4nder stimmten f\u00fcr die Resolution, elf enthielten sich und drei L\u00e4nder stimmten dagegen. Im Oktober kommt die Erkl\u00e4rung in der UNO-Generalversammlung zur Abstimmung und ab November 2018 steht sie allen Mitgliedl\u00e4ndern zur Ratifizierung offen. Wenn sie dann in Kraft tritt, wird die Erkl\u00e4rung ein wichtiges Instrument f\u00fcr Kleinbauern und andere Landbewohner sein, um Gerechtigkeit und g\u00fcnstige nationale Politiken f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft, Saatgut und Zugang zu Land zu erreichen. 2008 hat Via Campesina eine Erkl\u00e4rung \u00fcber die Rechte f\u00fcr Kleinbauern und \u2013b\u00e4uerinnen verabschiedet und mit Unterst\u00fctzung von NGOs wie CETIM und FIAN dem Menschenrechtsrat unterbreitet. Nach langwierigen Verhandlungen hat die Erkl\u00e4rung nun eine erste wichtige H\u00fcrde genommen.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Rechte der Kleinbauern bietet einen globalen Rahmen f\u00fcr Gesetze und Politiken in folgenden Bereichen: besserer Schutz f\u00fcr die Rechte von Kleinbauern\/-b\u00e4uerinnen und Verbesserungen in der Lebensgrundlage in l\u00e4ndlichen Gebieten; St\u00e4rkung der Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t, Kampf gegen den Klimawandel und zum Schutz der Biodiversit\u00e4t, Umsetzung integraler Agrarreformen und Schutz vor Landgrabbing, Schutz des kleinb\u00e4uerlichen Saatguts und dessen Austausch unter Bauern, faire Preise f\u00fcr die Produkte und faire L\u00f6hne f\u00fcr Landarbeiter, Verbesserung der Rechtstellung und des Schutzes der Frauen in l\u00e4ndlichen Gebieten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/jahrgang-2018\/politische-rechte-fuer-kolumbiens-campesinos\/#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a><span>\u00a0<\/span>Matteo Cramer hat als Freiwilliger von E-Changer lange Jahre in Inz\u00e1 und Tierradentro gearbeitet. Aus seiner Arbeit entstand in Genf dieser Verein, der die ACIT mit verschiedenen Projekten unterst\u00fctzt.<span>\u00a0<\/span><a href=\"http:\/\/www.protierradentro.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.protierradentro.net<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kolko.net\/askonline\/publikationen\/monatsberichte\/jahrgang-2018\/politische-rechte-fuer-kolumbiens-campesinos\/#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a><span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/www.dejusticia.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Concepto-t%C3%A9cnico-del-Instituto-Colombiano-de-Antropolog%C3%ADa-e-Historia-ICANH.pdf\">https:\/\/www.dejusticia.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Concepto-t%C3%A9cnico-del-Instituto-Colombiano-de-Antropolog%C3%ADa-e-Historia-ICANH.pdf<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/MB-08-2018_September_Kleinbauernrechte_Interview_ACIT1.pdf&#8220;]\r[\/et_pb_button][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/23762d91c81.jpg&#8220; align=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/c7c3585f141.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Eli\u00e9cer Morales von der Kleinbauernvereinigung von Inz\u00e1 und Tierradentro ACIT<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5128,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[26,10,12],"tags":[],"class_list":["post-5117","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-laendliche-entwicklung-und-agrarreform","category-themen","category-wirtschaft-menschenrechte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5117"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5133,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5117\/revisions\/5133"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}