{"id":4844,"date":"2019-10-02T21:51:44","date_gmt":"2019-10-02T19:51:44","guid":{"rendered":"http:\/\/ask.almargen.de\/?p=4844"},"modified":"2019-10-21T21:55:20","modified_gmt":"2019-10-21T19:55:20","slug":"mut-und-hoffnung-im-kampf-um-den-frieden-ein-interview-mit-abel-coicue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kolko.net\/askonline\/themen\/mut-und-hoffnung-im-kampf-um-den-frieden-ein-interview-mit-abel-coicue","title":{"rendered":"Mut und Hoffnung im Kampf um den Frieden \u2013 Ein Interview mit Abel Coicu\u00e9"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_row column_structure=&#8220;3_5,2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; custom_margin=&#8220;-22px|auto||auto||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;3_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_post_title author=&#8220;off&#8220; categories=&#8220;off&#8220; comments=&#8220;off&#8220; featured_image=&#8220;off&#8220; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; title_font=&#8220;|800|||||||&#8220; title_text_color=&#8220;#f39900&#8243; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220; border_width_bottom=&#8220;2px&#8220; border_color_bottom=&#8220;#f39900&#8243;][\/et_pb_post_title][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.2&#8243; text_font=&#8220;Noto Serif||||||||&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><em>Von Lisa Alvarado<\/em><\/p>\n<p>Am Montag, 23.9.19 fand in Bern eine Veranstaltung zum Thema Menschenrechte in Kolumbien w\u00e4hrend des ersten Jahres der neuen Regierung statt. Im Vorfeld konnte die ask! ein Interview mit Abel Coicu\u00e9 durchf\u00fchren, der im Rahmen einer Reise durch verschiedene europ\u00e4ische L\u00e4nder auch in der Schweiz \u00fcber die aktuelle Situation auf dem Land in Kolumbien berichtet. Abel Coicu\u00e9 ist indigene F\u00fchrungsperson und Vertreter der ACIN (Asociaci\u00f3n de Cabildos Ind\u00edgenas del Norte de Cauca) und befindet sich momentan noch in einem sechsmonatigen Schutzprogramm in Spanien, wird aber im Oktober 2019 zur\u00fcck nach Kolumbien reisen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Hintergr\u00fcnde f\u00fcr seinen Aufenthalt in Spanien sind seine Aktivit\u00e4ten als indigene F\u00fchrungsperson, welche dazu gef\u00fchrt hatten, dass seine elfj\u00e4hrige Tochter vor 8 Jahren umgebracht wurde. Zuerst habe der Schmerz ihn heruntergezogen, ihn demotiviert. Aber er habe sich wieder aufgerafft und f\u00fcr die Rechte seines Volkes weitergek\u00e4mpft, bis die Drohungen zu viel wurden und er nach Europa kam. Die ACIN ist ein Verband von Indigenenr\u00e4ten im Norden des Departements Cauca, welche 19 Gemeinden mit rund 94\u2018000 indigenen Nasa umfasst. Abel ist stolz auf ihre autonome Regierungsform, erz\u00e4hlt aber auch, dass der Weg dahin nicht einfach war. \u201eUnsere Regierungsform erlaubt es uns, unseren Lebensplan so zu konstruieren, wie wir als indigenes Volk es uns w\u00fcnschen. Aber alle Rechte, die wir heute haben, haben wir dank unseren Eltern und Vorfahren, die daf\u00fcr gelitten haben. Wir haben mit Opfern und Blut f\u00fcr unsere Rechte bezahlt.\u201c<\/p>\n<p>Die kolumbianische Verfassung habe sehr gute Gesetze, f\u00fcr alle, f\u00fcr soziale Organisationen, Indigene, Bauern, usw. Aber diese Gesetze erreichen laut Abel leider nicht die Realit\u00e4t. Sie w\u00fcrden nicht angewendet, nicht umgesetzt. Trotzdem gibt es ihm den Mut und die Kraft, weiterzuk\u00e4mpfen f\u00fcr das, was seine Vorfahren bereits alles erreicht haben. Die Rechte, die die ACIN geniesst, sind nicht selbstverst\u00e4ndlich, und nicht viele andere Gruppen haben so viel erreicht wie die Nasa. Dies gibt Abel die Motivation, auch in solch schwierigen Zeiten wie den jetzigen weiterzumachen.<\/p>\n<p>Gerade in den letzten Monaten hat sich die Situation stark versch\u00e4rft. Teil der autonomen Organisation der Nasa ist die Guardia Ind\u00edgena (indigene Wache), welche landesweit bekannt und respektiert ist f\u00fcr ihren jahrzehntelangen friedlichen Widerstand. Ausger\u00fcstet mit nur einem Stock und einem rot-gr\u00fcnen Halstuch patrouilliert die Guardia Ind\u00edgena durch ihr Territorium und stellt so eine Schutzfunktion f\u00fcr die indigene Bev\u00f6lkerung dar. Die Tatsache, dass in den letzten Monaten mehrere Mitglieder der Guardia ermordet wurden, setzt ein sehr beunruhigendes Zeichen, so Abel. \u201eWir sind eine friedliche Widerstandsbewegung, Verteidiger des Lebens und des Territoriums. Dass Leute der Guardia Ind\u00edgena umgebracht werden, ist h\u00f6chst beunruhigend und bereitet uns grosse Sorgen.\u201c Die momentane Situation in Kolumbien und speziell in der Region Cauca verleihen Abels Reise durch Europa umso mehr Wichtigkeit, als dass sein Ziel ist, den Menschen hier in der Schweiz und in Europa zu erz\u00e4hlen, was in Kolumbien passiert; die Geschehnisse sichtbar zu machen. Denn eine wichtige Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist laut Abel Druck auszu\u00fcben auf die kolumbianische Regierung, dass Menschenrechte eingehalten werden und das Friedensabkommen umgesetzt wird. Zus\u00e4tzlich, so Abel, gibt es ihm und seinem Volk Hoffnung und Kraft, zu sehen, dass es Menschen in der Schweiz interessiert, was in ihrem Territorium passiert.<\/p>\n<p>Zum Friedensabkommen und dessen Umsetzung hat Abel auch eine klare Meinung. \u201eKolumbien pr\u00e4sentiert ein Bild st\u00e4ndigen Krieges. Wir Indigene haben es an Leib und Seele erlebt. Deshalb haben wir voll auf den Frieden gesetzt, als der Vorschlag f\u00fcr ein Friedensabkommen aufkam.\u201c W\u00e4hrend den Verhandlungen in Havanna gab es eine Zeit des Friedens, so Abel, es gab weniger K\u00e4mpfe und Morde, es war eine ruhige Zeit, so wie sie sich den Frieden vorgestellt hatten. \u201eDoch dann kam die Regierung Duque und die Gewalt nahm wieder zu. Die Mordrate an sozialen F\u00fchrungspersonen steigt und steigt. Die Situation verschlechtert sich sowohl auf nationalem Niveau wie auch bei uns im Cauca.\u201c Sie seien sehr dar\u00fcber besorgt, dass grundlegende Rechte nicht respektiert werden. Abel sieht dahinter ganz spezifische Interessen. \u201eKolumbien ist ein sehr diverses Land mit vielen nat\u00fcrlichen Rohstoffen. Die Augen aller multinationalen Firmen sind auf unsere Bodensch\u00e4tze gerichtet. Um diese ausbeuten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie uns aber zuerst von unserem Land weghaben. Dazu generieren sie den Krieg, damit wir unser Land verlassen. Einerseits, indem sie alle Gesetze, die uns sch\u00fctzen, abschaffen, andererseits mit Ermordungen durch Paramilit\u00e4rs, das Milit\u00e4r (aussergerichtliche Hinrichtungen) und durch illegale bewaffnete Gruppen.\u201c<\/p>\n<p>Zur Frage, was er f\u00fcr eine L\u00f6sung zur aktuellen Situation und f\u00fcr eine friedliche Zukunft sehe, meint Abel, dass eine fundamentale Rolle der internationalen Gemeinschaft zufalle. Er sagt, dass wenn einerseits ausl\u00e4ndische Regierungen und internationale Organisationen Druck auf die kolumbianische Regierung aus\u00fcben, man eine Wirkung im Land f\u00fchlen k\u00f6nne. \u201eWenn dieser Druck vorhanden ist, k\u00f6nnen wir eine friedliche Zukunft f\u00fcr Kolumbien sehen.\u201c Andererseits sei es auch sehr wichtig, dass internationale Organisationen als Beobachter vor Ort die Menschen begleiten. Ein weiteres Problem sind n\u00e4mlich nationale Medien, welche laut Abel nur sehr einseitig informieren, weshalb es umso wichtiger ist, dass es andere Informationsquellen gibt.<\/p>\n<p>Der letzte Punkt, den Abel anspricht, betrifft die \u00f6konomische Hilfe, die aus westlichen L\u00e4ndern nach Kolumbien gelangt. Es sei \u00e4usserst wichtig, dass das Geld direkt den Organisationen zugutekomme, die vor Ort im Feld arbeiten. Wenn der Weg zuerst \u00fcber die Regierung f\u00fchre, sei die Gefahr leider gross, dass die Ressourcen schlussendlich nicht dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_5&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][et_pb_button url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Download als PDF&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.2&#8243; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_size=&#8220;16px&#8220; button_bg_color=&#8220;#55677f&#8220; button_border_width=&#8220;2px&#8220; button_border_color=&#8220;rgba(0,0,0,0)&#8220; button_border_radius=&#8220;0px&#8220; button_letter_spacing=&#8220;4px&#8220; button_font=&#8220;Source Sans Pro|700||on|||||&#8220; button_icon=&#8220;%%266%%&#8220; button_icon_color=&#8220;#ffffff&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_margin=&#8220;||&#8220; custom_padding=&#8220;12px|87px|12px|87px|true|true&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; locked=&#8220;off&#8220; button_url=&#8220;\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Artikel_Interview_mit_Abel_Coicue1.pdf&#8220;]<br \/>\n[\/et_pb_button][et_pb_sidebar area=&#8220;et_pb_widget_area_1&#8243; _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243;][\/et_pb_sidebar][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, 23.9.19 fand in Bern eine Veranstaltung zum Thema Menschenrechte in Kolumbien w\u00e4hrend des ersten Jahres der neuen Regierung statt. 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