Kohle aus Kolumbien – Ausgabe Oktober 2015 der ila

zahlreiche Artikel rund um das Thema Kohleimporte aus Kolumbien, aber auch zu Goldbergbau sowie zu anderen Ländern bietet diese Ausgabe der informationszeitschrift Lateinamerika.

Aus dem Editorial

In den letzten Jahren wird in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch über verschiedene Rohstoffe diskutiert, weil sie mit blutigen Konflikten, Vertreibungen und schwerwiegenden Umweltzerstörungen assoziiert werden. Dazu gehören die „Blutdiamanten“, die den Bürgerkrieg in Liberia immer wieder anheizten und beförderten, die „seltenen Erden“, um deren Lagerstätten Warlords im Kongo kämpfen, oder das Gold, dessen Abbau Wasser und Ackerflächen in Peru, Kolumbien oder Guatemala kontaminiert. Hierzulande ist jedoch wenig bekannt, dass auch die Steinkohle zu den Rohstoffen gehört, wegen deren Abbau Menschen vertrieben oder ihnen die Lebensgrundlagen entzogen werden.In Europa wird die Kohle vor allem als Klimakiller wahrgenommen. (…) Schon seit geraumer Zeit führt Deutschland im großen Umfang Kohle aus Russland, den USA, Südafrika und Kolumbien ein.

Menschenrechtsgruppen haben bereits vor mehr als zehn Jahren darauf hingewiesen, dass durch die Kohleimporte nicht nur an einem überkommenen Modell der Stromerzeugung festgehalten wird, sondern dass der Kohlebergbau in einigen der Erzeugerländer, konkret in Kolumbien, zu schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden führt (vgl. ila 329). Bald haben auch Umwelt- und Klimaaktionsgruppen diese Kritik in ihre Argumentation aufgenommen und den Blick auf die Zustände in Kolumbien gelenkt. Dort wird in großem Umfang im Tagebau Steinkohle für den Export abgebaut. Menschen, die den gigantischen Baggern im Weg sind, werden von ihrem Land vertrieben. Wenn sie die geringen Abfindungen nicht akzeptieren und nicht gehen wollen, werden sie im Auftrag der Bergbauunternehmen von paramilitärischen Gruppen terrorisiert. Diese Gruppen bedrohen auch Gewerkschafter, die für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne der Beschäftigten im Kohlebergbau kämpfen.

Auch in Deutschland und Europa müssen Menschen wegen der (Braun-)Kohleförderung ihre Dörfer verlassen und werden umgesiedelt. Doch die Frage der Umsiedlungen und der Entschädigungen ist einer der Punkte, an denen sich Bergbau- und Infrastrukturprojekte in den Ländern des Nordens und des Südens unterscheiden. Auch hierzulande fällt es Menschen nicht leicht, ihre Dörfer und ihren angestammten Wohnraum zu verlassen. Aber die Umsiedlungen werden in der Regel sorgfältig geplant – oft werden Dörfer komplett, inklusive ihrer sozialen Einrichtungen (Kitas, Schulen, Sportstätten, Gemeindehäuser, Kirchen), umquartiert und die Menschen erhalten Wohnungen, die mindestens den bisherigen entsprechen, oft „verbessern“ sie sich sogar. In der Regel können sie auch Einfluss auf Bau und Gestaltung ihrer neuen Häuser nehmen.

In den Ländern des Südens, konkret Lateinamerikas, wird dagegen zur Erwirtschaftung größerer Gewinne bei den Umsiedlungen immer wieder „gespart“. (…)
So geht es in diesem Schwerpunkt der ila um Kohle, aber auch – einmal mehr – um Vertreibungen, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen und darum, wie sich Menschen in Lateinamerika und Europa dagegen wehren.

Zum Heft auf der Seite der ila, wo das Heft bestellt und einige Artikel eingesehen werden können:

https://www.ila-web.de/ausgaben/389

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